{"id":1985,"date":"2018-09-29T11:56:32","date_gmt":"2018-09-29T09:56:32","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1985"},"modified":"2018-10-01T09:46:58","modified_gmt":"2018-10-01T07:46:58","slug":"eine-kurze-geschichte-der-menschheit-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/29\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-9\/","title":{"rendered":"Eine kurze Geschichte der Menschheit"},"content":{"rendered":"<h5>Kapitel 9: Machtspiele<\/h5>\n<p>Betrafen die bisherigen Kapitel eher die Vorgeschichte, so treten wir nun mehr oder weniger in den historischen Rahmen ein, in dem einzelne Vorkommnisse und Pers\u00f6nlichkeiten dokumentiert sind. <!--more-->Diese Phase setzt regional allerdings zu deutlich verschiedenen Zeiten ein. W\u00e4hrend im Europa nordwestlich des Alpenraums eine reiche, anscheinend recht einheitliche Kultur mit einem weitreichenden Handelsnetz bestand, \u00fcber die mangels schriftlicher Hinterlassenschaften nur wenig mehr bekannt ist, schlugen sich namentlich bekannte K\u00f6nige in \u00c4gypten und im vorderasiatischen Raum mit gr\u00f6\u00dferen Heeren bereits gut dokumentiert gegenseitig die Sch\u00e4del ein.<\/p>\n<p>Betrachtet man das, was sich seither entwickelt hat, gewisserma\u00dfen als neutraler Beobachter, erstaunt, dass die Menschheit \u00fcberhaupt so weit gekommen ist und sich nicht schon viel fr\u00fcher so weit ausgerottet hat, dass B\u00e4ren, W\u00f6lfe und Gro\u00dfkatzen mit dem Rest leichtes Spiel gehabt h\u00e4tten. Viele Exzesse bis in die heutigen Tage hinein lassen das Gef\u00fchl aufkommen, dass diese L\u00f6sung vielleicht sogar die bessere gewesen sei. Anscheinend ist die \u00fcberbordende Aggressivit\u00e4t eine erst sp\u00e4t zum Vorschein gekommene Eigenschaft des Menschen.<\/p>\n<h6>Sprachen und Ethnien<\/h6>\n<p>Zeichensprache und Mimik sind eine recht universelle Kommunikationsm\u00f6glichkeit, und selbst \u00c4u\u00dferungen in v\u00f6llig fremden Sprachen k\u00f6nnen in der Regel zuverl\u00e4ssig dahin interpretiert werden, ob der Sprecher freundlich oder feindlich gesinnt ist. Trennen sich Gruppen so auf, dass \u00fcber mehrere Generationen kaum Kontakt besteht, trennen sich allerdings auch die Sprachen auf. Umgebungsbezogen m\u00fcssen neue Erscheinungen benannt und Beziehungen beschrieben werden, Teile der Gruppen erfinden ihren besonderen Slang &#8211; und schlie\u00dflich haben die Gruppen ein Verst\u00e4ndigungsproblem, wenn sie wieder einmal aufeinander treffen. Je l\u00e4nger die Trennung dauert, desto gr\u00f6\u00dfer die Differenz, und schlie\u00dflich kann es auch zu deutlich unterschiedlichen Ethnien oder Rassen kommen. Der Begriff Rasse wird zwar heute verteufelt, aber vermutlich kann sich fast jeder unter &#8222;S\u00fcdl\u00e4nder&#8220; eine ganze Menge Menschen aus unterschiedlichen Gegenden vorstellen, die er nach gewissen Merkmalen halbwegs sicher zuordnen kann.<\/p>\n<p>Unterschiedliche Sprachen sind ein Aggressionsverst\u00e4rker. Der Mensch m\u00f6chte qua Kommunikation sein Umfeld kontrollieren, und wenn man auf der Stra\u00dfe einer Gruppe mit einer anderen Ethnie begegnet, f\u00fchlt man sich in der Regel besser, wenn die Gruppe Deutsch spricht (man muss gar nicht verstehen, \u00fcber was geredet wird), als wenn sie arabisch schnatternd daher kommt. Gemeinsame Sprache verbindet, unterschiedliche Sprache trennt (die Vernachl\u00e4ssigung dieser simplen Weisheit ist heute einer der gr\u00f6\u00dften Fehler in Sachen Integration).<\/p>\n<p>Mit einer Sesshaftwerdung werden diese Differenzen gef\u00f6rdert. Die Sesshaftwerdung vollzieht sich Anfangs an besonders g\u00fcnstigen Standorten und weitet sich mit gr\u00f6\u00dfer werdender Bev\u00f6lkerung aus, weniger durch Wanderungen. Dort, wo solche Gebiete mit unterschiedlicher Entwicklung zusammen sto\u00dfen, identifizieren sich erfahrungsgem\u00e4\u00df die Leute mit einer der Ethnien. Man versteht sich zwar, aber flie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge sind auch heute eher selten. \u00dcbergreifend sind im Prinzip nur H\u00e4ndler unterwegs.<\/p>\n<p>Damit sind Probleme vorprogrammiert. W\u00e4chst die Bev\u00f6lkerung weiter, kommt es zu Verteilungskonflikten, kommen noch widrige Umst\u00e4nde wie Klima\u00e4nderungen hinzu, kann das Wanderungen ganzer Gruppen ausl\u00f6sen, was sich als Dominoeffekt sehr weit fortsetzen kann.<\/p>\n<h6>H\u00e4uptlinge und K\u00f6nige<\/h6>\n<p>Clanchefs treffen zwar eine Reihe von f\u00fcr alle verbindlichen Entscheidungen, sind aber urspr\u00fcnglich kaum mehr als Primus inter Pares. In lockeren Siedlungsverb\u00e4nden mit Wehrbauernstrukturen, wie man sie im nordwestlichen Europa vermuten darf, d\u00fcrfte sich daran zun\u00e4chst relativ wenig ge\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p>Mit zunehmender Arbeitsaufteilung \u00e4ndert sich das. J\u00e4ger halten den Bauern und Hirten die gef\u00e4hrlicheren R\u00e4uber vom Leib, und daraus d\u00fcrfte sich die Milit\u00e4r- und Adelskaste entwickelt haben. In gr\u00f6\u00dferen Gemeinschaften mit Eigentum ergeben sich Streitigkeiten, die entweder durch eine Versammlung (Ting) erledigt wurden oder die man zur Beilegung dem Clanchef \u00fcbertrug. Probleme mit anderen Gruppen, die Anspr\u00fcche auf eigenes Siedlungsgebiet erhoben, lie\u00dfen sich nur durch zentrale Organisation erledigen. Der H\u00e4uptling musste im Konfliktfall f\u00fchren und mit Waffen umgehen k\u00f6nnen, was auch dazu f\u00fchrte, dass seine Sippe die Kandidaten f\u00fcr den n\u00e4chsten H\u00e4uptling stellten, zun\u00e4chst wohl durch Best\u00e4tigung durch ein Ting, sp\u00e4ter aber auch durch Erbfolge. In diese Phase fallen auch erste Gemeinschaftsaufgaben wie die Anlage von Fluchtburgen, in die sich die Bev\u00f6lkerung im Konfliktfall mit Nachbarn zur\u00fcckziehen konnte.<\/p>\n<p>Fluchtzentren sind einerseits ein guter Startpunkt f\u00fcr die Entwicklung von Siedlungen mit st\u00e4dtischen Charakter, zur Anlage und Verwaltung von Vorr\u00e4ten f\u00fcr schlechte Zeiten und als Handelszentrum. Ein starker H\u00e4uptling kann diese Konzentration zum Anlass nehmen, seine Macht zu vergr\u00f6\u00dfern, statt weiter gewisserma\u00dfen als B\u00fcrgermeister haupts\u00e4chlich Verwalter mit begrenzter Macht zu sein. Milit\u00e4r wird angesiedelt und auf den H\u00e4uptling oder besser Herzog und seinen Clan eingeschworen, der Unterhalt f\u00fcr diesen und den zunehmenden pers\u00f6nlichen Luxus von den umliegenden Bauern eingezogen.<\/p>\n<p>Das geht in den seltensten F\u00e4llen reibungsfrei, da man ungern etwas abgibt, wenn man die Begr\u00fcndung daf\u00fcr nicht einsieht, andererseits die Herrschenden sich erfahrungsgem\u00e4\u00df nie eine Grenze f\u00fcr ihr Mehrwollen auferlegt haben. Die Milit\u00e4rmacht wird dazu benutzt, die Anspr\u00fcche des Herzogs durchzusetzen, was aber auch dazu f\u00fchrt, dass Soldaten und Volk voneinander getrennt werden: schl\u00e4gt der Soldat einen zahlungsunwilligen Bauer tot, haben seine Kollegen wenig Hemmungen, dass mit dem n\u00e4chsten Soldaten ebenfalls zu machen, sollten sie einem habhaft werden. Um seine Macht zu festigen, wurde die Bev\u00f6lkerung daher entwaffnet: bis in die heutige Zeit hinein geben Jagdberichte und Jagdgesetze zu erkennen, dass ein Landbewohner kein Recht auf einen Spie\u00df, ein Schwert, eine Armbrust, ein Gewehr oder sonst was hatte, und mit Dreschflegel und Sense kann man sich gegen speziell ausgebildete Soldaten nicht zur Wehr setzen.<\/p>\n<p>Wird das Gemeinwesen noch gr\u00f6\u00dfer, sind auch Mittel f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Projekte vorhanden. Neben den Prachtbauten der Herrscher findet man auch &#8222;gemeinn\u00fctzige&#8220; Projekte wie Bew\u00e4sserungsanlagen, mit denen wenig geeignete Gebiete zu &#8222;bl\u00fchenden&#8220; Landschaften umgestaltet wurden.<\/p>\n<p>Eine andere Gefahr ist das Milit\u00e4r, dass mit zunehmender Bev\u00f6lkerungsanzahl auch gr\u00f6\u00dfer wurde, zum einen, um die eigenen Leute unter Kontrolle zu halten, zum anderen, um mit gr\u00f6\u00dferen angreifenden Verb\u00e4nden fertig zu werden. Im mesopotamischen Raum nahm das ein fatales Eigenleben an: die Soldaten m\u00fcssen irgendwie besch\u00e4ftigt und bezahlt werden, und die Offizieren neigen bei Unterbesch\u00e4ftigung leicht zur Palastrevolte und wollen Kalif anstelle des Kalifen werden. Die lokalen Herrscher bl\u00e4hten ihren Milit\u00e4rapparat immer weiter auf, waren aber aus eigenen Mitteln immer weniger in der Lage, in auch zu bezahlen und zu kontrollieren. Die Folge: man \u00fcberfiel den Nachbarstaat, um Beute zu machen.<\/p>\n<p>Diese Kriege ziehen sich, wenn man die heutige Zeit hinzurechnet, mit einigen Unterbrechungen seit 5.000 Jahren hin. In der Regel ziemlich brutal; die heutige Fassbombenperiode ist eher human gegen\u00fcber dem, was sich fr\u00fcher abgespielt haben muss. Man verw\u00fcstete nicht nur, sondern ver\u00fcbte einen Genozid nach dem anderen, falls man die Leute nicht als Arbeitssklaven wegschleppte. Das Ausd\u00fcnnen der feindlichen Bev\u00f6lkerung betrachtete man wohl als probates Mittel, den n\u00e4chsten Rachefeldzug hinauszuz\u00f6gern.<\/p>\n<p>Glaubt man den Berichten, konnten bereits die fr\u00fchen K\u00f6nige erstaunliche Mengen an Soldaten ins Feld f\u00fchren. Mehrere 10.000 Mann scheinen keine Seltenheit gewesen zu sein, was aus heutiger Sicht schon eine beachtliche logistische Leistung darstellte. Wie \u00fcberhaupt der Erfindungsgeist des Menschen wohl durch den Krieg ungemein befl\u00fcgelt wird: Kampfwagen, die Reiterei als Waffe, Kompositb\u00f6gen mit gro\u00dfer Reichweite, Belagerungsmaschinen, neue strategische und taktische Konzepte &#8211; nicht selten setzte sich eine Armee aufgrund einer besseren Bewaffnung und Aufstellung durch.<\/p>\n<p>Trotz allem gen\u00fcgte das (und gen\u00fcgt das bis heute) nicht, die ethnischen Unterschiede einzuebnen. Manches Mal lie\u00dfen die K\u00f6nige Statthalter zur\u00fcck, mit der Gefahr, dass die sich auf Dauer mit der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung zusammentun und sich selbst\u00e4ndig machen, oder man lie\u00df die alte Oberschicht als tributpflichtige Vasallen fortbestehen. Wer Babylonier war, blieb Babylonier und wurde nicht Assyrer, weil die gerade ein paar Schlachten gewonnen hatten, und umgekehrt. Irgendwann flog alles wieder auseinander, weil sich die Leute auf ihre Sprache und ihre Gebr\u00e4uche besannen. Bezogen auf die heutige Zeit: wieso erwartet man nach 5.000 Jahren konstantem Verhalten eigentlich, dass das Gebilde EU funktionieren soll, wenn weder Sprache noch Sitten irgendwie zusammen passen?<\/p>\n<p>Allerdings h\u00e4tten die Konzepte von Herrschen und Krieg nicht ohne die Religion funktioniert. Diese hatte und hat einen entscheidenden Einfluss auf die Aggression.<\/p>\n<h6>Die Rolle der Religion<\/h6>\n<p>kann in der Entwicklung kaum \u00fcberbewertet werden. Einen anderen Menschen, also einen Angeh\u00f6rigen der eigenen Art zu t\u00f6ten ist n\u00e4mlich gar nicht so einfach. Im Kampf oder Krieg mag das noch angehen, aber das gewerbsm\u00e4\u00dfige T\u00f6ten, dass die Herrscher nach dem Kampf betrieben (und bis heute betreiben), ist eine ganz andere Hausnummer. Verwalter des Todes wie die NS-B\u00fcrokratie mag sich noch damit herausreden, dass sie ja selbst die Waffen nicht bedient h\u00e4tten, aber auch anscheinend anst\u00e4ndige Leute hatten mit dem richtigen Ansporn nur noch bedingte Skrupel, Wehrlose umzubringen. Die Religion hat entscheidende Weichen hierzu gestellt.<\/p>\n<p>Wir haben schon von der Konkurrenz von Stammeschefs und Priestern gesprochen. Mit Gr\u00f6\u00dferwerden der Gemeinschaften gingen sie nach au\u00dfen ein Zweckb\u00fcndnis ein, innen tobte der Machtkampf. Sp\u00e4testens mit der Personifizierung von G\u00f6ttern und gr\u00f6\u00dferen Gemeinschaften wird ein Opferkult notwendig (wie weit er schon zuvor bestand, lassen wir offen). Priester nehmen die Opfergaben entgegen (und leben davon), und zumindest ein Teil der Opfergaben wird \u00f6ffentlich durch Verbrennen, Vergraben oder sonstwie direkt dem Gott zugeteilt, um nicht den (berechtigten) Verdacht der reinen Bereicherung aufkommen zu lassen. Man zwang der Bev\u00f6lkerung ausgedehnte Rituale auf, die die Herrscher als gott\u00e4hnlich einschlossen, im Gegenzug erhielten die Priester ausgedehnten Besitz und Privilegien.<\/p>\n<p>Nun hat man gar nicht so viele M\u00f6glichkeiten, einen G\u00f6tterkult aufzubauen. Es gibt bestimmte Hauptgottheiten, die f\u00fcr bestimmte Sachen zust\u00e4ndig sind, und beim einen Volk hei\u00dft der Gott eben Zeus, beim n\u00e4chsten in nahezu identischer Funktion Jupiter. Die Priester verstanden es sehr fr\u00fch, die G\u00f6tter zu privatisieren. Die G\u00f6tter, zumindest die wichtigen, waren f\u00fcr den eigenen Staat zust\u00e4ndig, und der n\u00e4chste Staat hatte seinen eigenen (nat\u00fcrlich minderwertigen) G\u00f6tterkanon.<\/p>\n<p>Die G\u00f6tter waren oft recht unsympathische Zeitgenossen. Streit, Betrug, K\u00e4mpfe untereinander oder auch heimt\u00fcckischer Mord scheinen an der Tagesordnung gewesen zu sein. Und das wollten sie auch von ihren Untertanen sehen.<\/p>\n<p>Das alte Testament, das sich ja einiger Bekanntheit r\u00fchmen kann und sich daher als nachpr\u00fcfbares Beispiel anbietet, spricht in beiden Beziehungen (Staatsgott, unethisches Verhalten) eine sehr deutliche Sprache, angefangen bei Kain, der nach dem Brudermord &#8222;in ein fremdes Land ging und sich dort eine Frau nahm&#8220; (die kann nur von einem anderen Gott geschaffen worden sein, denn Jahwe war es wohl nicht), bis zu Moses, der seine Leute in das von Gott versprochene gelobte Land f\u00fchrte, in dem aber erst einmal alle alten Bewohner umgebracht werden mussten, vorzugsweise die m\u00e4nnlichen Einwohner, w\u00e4hrend man Frauen, Vieh und Land zur eigenen Benutzung \u00fcbernahm. Ging es also darum, dass der K\u00f6nig sein Nachbarland \u00fcberfallen wollte, tat er es im Grund nur den eigenen G\u00f6ttern nach oder folgte deren Befehl, was das Totschlagen zumindest rechtlich legitimisierte. Gott strafte sogar: der Vorg\u00e4nger des israelitischen K\u00f6nigs David, Saul, weigerte sich, ein Massaker an einem anderen Volk durchzuf\u00fchren, worauf ihn Jahwe kurzerhand mit Wahnsinn schlug und die Priester David auf den Thron brachten, der keine Hemmungen hatte. David vergn\u00fcgte sich sp\u00e4ter mit der Gattin eines seiner Gener\u00e4le und schw\u00e4ngerte diese, was selbst f\u00fcr einen K\u00f6nig nicht anging. Folglich wurde der General auf ein Himmelfahrtskommando geschickt, das erwartungsgem\u00e4\u00df in den Himmel f\u00fchrte und David sich weiter um sein Flittchen k\u00fcmmern konnte. Sonst hat da niemanden gek\u00fcmmert, Jahwe eingeschlossen.<\/p>\n<p>Der inzwischen allgemein praktizierte Opferkult wurde nicht selten auf Menschenopfer ausgedehnt, was die Hemmungen weiter abbaut. Zu diesem Zweck wurden die Opfer entmenschlicht. In der NS-Ideologie gab es beispielsweise den wertvollen arischen Menschen sowie die Untermenschen, der ausgerottet werden musste. Der war kein Mensch, sondern rangierte irgendwo darunter, und wenn man Ungeziefer umbringt, fallen die Hemmungen. Diese Tricks lassen sich \u00fcber Christentum, Islam, Judentum und alle anderen Religionen bis in die Fr\u00fchzeit zur\u00fcck verfolgen. Stets gibt es Gruppen, die nicht Kinder Gottes sind (aus dem Zionismus: &#8222;Die Menschen sind Kinder Gottes&#8220; und die &#8222;Juden sind Jinder Gottes&#8220;, woraus mit mit einiger verdrehter Logik auch lesen kann, dass Nichtjuden auch keine Menschen sind) und folglich umgebracht werden m\u00fcssen. Ohne diese ideologische Entmenschlichung aller Gegner\/Feinde w\u00e4ren die T\u00f6tungsexzesse, die man noch heute bei islamistischen Terroristen beobachten kann, nicht so einfach umzusetzen.<\/p>\n<p>Zumindest in einem Fall ist die Sache mit den Menschenopfern allerdings wohl aus dem Ruder gelaufen. Wenn man sich einmal daran gew\u00f6hnt hat, fallen auch noch andere H\u00fcrden, und um einen Kampf gegen einen Gegner zu gewinnen, muss man eben besonders wertvolle Opfer vollbringen. Was wiegt mehr als ein Menschenopfer aus der eigenen Familie? Bei den fr\u00fchen j\u00fcdischen St\u00e4mmen verselbst\u00e4ndigte sich dieser Opferkult anscheinend so sehr, dass die Familien der Oberh\u00e4upter durch Opferung eigener Kinder ausd\u00fcnnten und die Priester die Notbremse zu zogen und per Abraham\/Isaak und einigen anderen Botschaften verk\u00fcndeten, dass Gott diese Art von Opfern nicht (mehr) wollte.<\/p>\n<p>Damit die Leute auch machen, was im Interesse der Herrscher und der Priester ist, muss die Botschaft in einer Art Gehirnw\u00e4sche verbreitet werden. Zun\u00e4chst kann man bescheidene Gem\u00fcter auf verschiedene Arten erschrecken, und sei es durch ein paar pyrotechnische und Taschenspielertricks. H\u00e4ufig wiederkehrende Rituale, in denen vorgebetet wird, was &#8222;Gott&#8220; will, und die peinlichst korrekt m\u00f6glichst oft nachgebetet werden m\u00fcssen, f\u00fchren dazu, dass irgendwann selbst der gr\u00f6\u00dfte Unfug geglaubt wird, weil das Hirn endlich in Ruhe gelassen werden will (<em>\u00e4hnlich wie entsprechende Schauerm\u00e4rchen \u00fcber Deutschland aus dem 1. und 2. WK d\u00fcrfte es durch entsprechende Wiederholung durchaus m\u00f6glich sein, einen gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung glauben zu lassen, die AfD wolle tats\u00e4chlich Seife aus Asylbewerbern kochen<\/em>). Wenn man h\u00e4ufig genug<\/p>\n<blockquote><p><span class=\"content\"><span style=\"font-family: arial;\">Im Namen Allahs, des Allerbarmers. des Barmherzigen, Alle Lobpreisung geb\u00fchrt Allah, dem Herrn der Welten, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen, dem Herrscher am Tage des Gerichts. Dir allein dienen wir und Dich allein flehen wir um Hilfe an. Leite uns den rechten Pfad, den Pfad derer, denen Du gn\u00e4dig bist, nicht derer, denen Du z\u00fcrnst und nicht derer, die in die Irre gehen. Amen<\/span><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>betet (es geht je nach Lage auch deutlich heftiger) und mit ein wenig verdrehter Logik nachhilft, braucht es nur wenig Ansto\u00df, diejenigen, denen Allah z\u00fcrnt, eine Abreibung zu verpassen (die anderen Religionen sind i.d.R. auch nicht besser).<\/p>\n<p>Belohnungen f\u00fcr besonders erfolgreichen Einsatz f\u00fcr die G\u00f6tter d\u00fcrfen nat\u00fcrlich nicht fehlen (und tun es selten). So wird zum Fest in Odins Halle eingeladen, wo aus den Sch\u00e4deln der Besiegten Met in gro\u00dfen Mengen getrunken wird, oder man kann sich wahlweise ungehemmt am Eigentum und den Frauen der Besiegten ergehen, wenn man gewonnen hat, bzw. bekommt dauerhafte Gesellschaft von 72 Jungfrauen, wenn man das Pech hatte, zu verlieren.<\/p>\n<p>Wenn man als Priester noch ein \u00dcbriges tun will, gibt es noch etwas religi\u00f6se Verz\u00fcckung. Drogen, Fasten oder auch Schmerzen l\u00f6sen halluzinogene Zust\u00e4nde aus, die &#8211; sorgf\u00e4ltig gesteuert &#8211; mit Gott in Verbindung gebracht werden und den Gl\u00e4ubigen noch nachhaltiger an den Unfug binden. Nach dieser Gehirnw\u00e4sche ist es kaum noch verwunderlich, dass Selbstmordattent\u00e4ter freiwillig oder mit sanftem Druck eine Sprengstoffg\u00fcrtel in einem Kindergarten z\u00fcnden.<\/p>\n<p>Die Religion hat mithin einen grausigen Anteil daran, dass es bis heute derart grausam in der Welt zugehen konnte und kann. Dabei geht es den Gl\u00e4ubigen noch nicht einmal auf, dass Vieles den (angeblichen) Grundprinzipien der eigenen Religion widerspricht, Juden, Christen und Moslems formal an den gleichen Hansel glauben und dieser noch nicht mal besonders helle sein kann, wenn er es nicht fertig bekommt, den Leutchen mal zu sagen, was den Sache ist (<em>Moses und die Gesetzestafeln: der allwissende, allm\u00e4chtige und allg\u00fctige Gott bekommt nicht mir, dass 20 km weiter das Volk einen goldenen Konkurrenzpopanz anbetet, kann das auch nicht unterbinden und hat keinen Einwand, wenn Moses die meisten Abtr\u00fcnnigen \u00fcber die Klinge springen l\u00e4sst. Besser als diese Kombination von angeblichen Eigenschaften und Handlungen kann man die L\u00e4cherlichkeit des Ganzen wohl kaum dokumentieren<\/em>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/17\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit\/\">zu Kapitel 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/10\/01\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-10\/\">zu Kapitel 10<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 9: Machtspiele Betrafen die bisherigen Kapitel eher die Vorgeschichte, so treten wir nun mehr oder weniger in den historischen Rahmen ein, in dem einzelne Vorkommnisse und Pers\u00f6nlichkeiten dokumentiert sind. Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-1985","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1985"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1985\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2006,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1985\/revisions\/2006"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1985"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1985"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}