{"id":1947,"date":"2018-09-22T17:02:50","date_gmt":"2018-09-22T15:02:50","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1947"},"modified":"2018-09-24T09:25:17","modified_gmt":"2018-09-24T07:25:17","slug":"eine-kurze-geschichte-der-menschheit-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/22\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-6\/","title":{"rendered":"Eine kurze Geschichte der Menschheit"},"content":{"rendered":"<h5>Kapitel 6: Erfindungen<\/h5>\n<p class=\"western\">Gem\u00e4\u00df den Ausf\u00fchrungen des letzten Kapitels werden wir in den folgenden in allgemeiner Form vom Menschen sprechen und nicht zwischen Typen differenzieren. Im Laufe der Entwicklung nahm die Hirnkapazit\u00e4t und damit die Intelligenz, was immer man damit auch bezeichnen will, zu, und neuere Forschungsergebnisse <!--more-->weisen darauf hin, dass der fr\u00fcher oft als etwas d\u00fcmmlich hingestellte Neandertaler dem nachfolgenden Ph\u00e4notyp in nahezu nichts nachgestanden hat. Das immer gr\u00f6\u00dfer werdende Gehirn hat sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit den immer ausgefeilter werdenden Kommunikationsm\u00f6glichkeiten \u00fcber die Sprache entwickelt. Eine bessere Kommunikation erlaubt eine effektivere Aufteilung und Bearbeitung von Aufgaben, die Sprache f\u00fchrt schlie\u00dflich auch zu Abstraktionsm\u00f6glichkeiten bei der Mitteilung an andere (Zukunft, Vergangenheit, abstrakter Informationsaustausch ohne direkte Erfahrung usw.), und deren Verarbeitung und Speicherung erfordert schlie\u00dflich eine h\u00f6here Verarbeitungskapazit\u00e4t. In welchen Schritten diese Entwicklung verlaufen ist, l\u00e4sst sich wieder einmal nicht feststellen, da man fossilen Sch\u00e4delresten eben nicht ansehen kann, zu welchen Laut- und Gedanken\u00e4u\u00dferungen die ehemaligen Inhaber f\u00e4hig waren, den Neandertaler, dessen Hirnkapazit\u00e4t im Schnitt gr\u00f6\u00dfer war als die seines Nachfolgers, aber nur mit primitiven Grunzlauten und Gesten auszustatten, wie es in Filmen und B\u00fcchern immer noch verbreitet wird, d\u00fcrfte wohl um Einiges neben der Realit\u00e4t liegen.<\/p>\n<p class=\"western\">Die erste Erfindung des menschlichen Vorl\u00e4ufers d\u00fcrfte die tragbare Waffe gewesen sein (siehe Zusammenhang mit dem aufrechten Gang), wobei es sich vermutlich anfangs nur um zuf\u00e4llig passende geformte St\u00f6cke gehandelt haben d\u00fcrfte. Den Begriff Erfindung darf man wohl generell nicht \u00fcberstrapazieren. Auch der heutige Mensch ist in der Regel kein Erfinder, sondern nur ein gelehriger Nachahmer. Wird ihm ein Ger\u00e4t zusammen mit einer bestimmten T\u00e4tigkeit vorgestellt und l\u00e4sst sich die Arbeit damit effektiv bew\u00e4ltigen, wird alles bereitwillig \u00fcbernommen und die einzelnen Arbeitsschritte nach Notwendigkeit auch trainiert, bis sie sitzen. Einige offensichtliche Werkzeuge kann nahezu jeder problemlos in Betrieb nehmen, aber systematisch Zusammenh\u00e4nge zu entwickeln scheint auch heute nur wenigen gegeben zu sein. Grob formuliert, greift jeder, der ein Loch graben soll, zum schaufel\u00e4hnlichen Gebilde statt zum Stock, ist aber nur der Stock vorhanden, wird es die Ausnahme sein, wenn sich jemand zun\u00e4chst \u00fcberlegt, ob er eine Schaufel daraus formen kann; die meisten werden mit den Stock den Boden lockern und die Erde mit den H\u00e4nden fortschaffen. Je abstrakter die Denkprozesse sein m\u00fcssen, um zu einer besseren Probleml\u00f6sung zu gelangen, desto seltener wird man jemanden finden, der sich an ihnen versucht.<\/p>\n<p class=\"western\">Bezogen auf die gesamte Menschheitsgeschichte, worunter wir die Zeit der Vorl\u00e4ufer des Menschen und die Zeit des eigentlichen Menschen zusammenfassen, vergingen immer wieder riesige Zeitintervalle, bis wirklich einmal etwas v\u00f6llig Neues erfunden wurde, wobei das Meiste im Dunkeln liegt und dort wohl auch bleibt. Werfen wir einige Blicke darauf:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Kn\u00fcppel zum Zuschlagen wurde ja schon erw\u00e4hnt, spitz abgebrochene gerade St\u00e4mmchen eignen sich aber auch aus Speer zum Zustechen. Auf den Gedanken, die Spitze durch Anschleifen auf einer Steinfl\u00e4che systematisch zu erzeugen, setzt aber schon \u00dcberlegen und eine geeignete Steinfl\u00e4che voraus.<\/li>\n<li>Feuer d\u00fcrfte in der Umwelt keine Seltenheit gewesen sein, und die Erfahrung, dass Speerspitzen durch das Feuer noch h\u00e4rter werden und Nahrung besser schmeckt oder \u00fcberhaupt erst verwertbar wird, wird schnell gemacht worden sein. Das Feuer systematisch zu nutzen wird aber erst m\u00f6glich, wenn der Mensch zum Beh\u00fcter des Feuers wird, d.h. Glut unabh\u00e4ngig von einem Brand aufbewahren und erhalten kann, und von dort aus ist es noch ein weiter Weg, Feuer nach Bedarf auch ohne Glut aus geeigneten Materialien mit Hilfe von Werkzeugen entz\u00fcnden zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Schon Menschenaffen sind in der Lage, sich primitive Unterst\u00e4nde aus Zweigen und Bl\u00e4ttern zu bauen. Noch besser geeignet sind H\u00e4ute erlegter Tiere, aber die muss man auch erst einmal systematisch bearbeiten und zusammenf\u00fcgen lernen, bevor man sie \u00fcber ein Stangenger\u00fcst legt. Wann sind die ersten Zelte entstanden?<\/li>\n<li>Durch Hebel Kr\u00e4fte zu vergr\u00f6\u00dfern oder durch Rotation gr\u00f6\u00dfere Wurfweiten zu erreichen ist etwas, was durch Spiel oder Zufall erkannt werden kann. Daraus nun treffsichere Speer- und Steinschleudern zu entwickeln ist aber ebenfalls wieder eine andere Hausnummer.<\/li>\n<li>Knochen und Horn lassen sich alternativ zu Holz als Werkzeuge oder Waffen einsetzen, daraus aber Compound-Ger\u00e4te zu entwickeln, die noch bessere Eigenschaften besitzen, verlangt viele \u00dcberlegungen und spezielle Techniken. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr Steine, die zur Bearbeitung aller m\u00f6glicher Werkstoffe geeignet sind, wenn sie nur scharfkantig genug sind. Anstatt Steine zu zerschlagen, um zuf\u00e4llig geeignete St\u00fccke zu erhalten, zun\u00e4chst die geeignete Steinsorte zu finden und dann scharfe Kanten systematisch herzustellen d\u00fcrfte aber ebenfalls ein l\u00e4ngerer Lernprozess gewesen sein.<\/li>\n<li>Sp\u00e4testens mit Steinwerkzeugen k\u00f6nnten alternativ zu Zelten aus Fellen auch H\u00fctten aus Holzst\u00e4mmen, abgedichtet mit Moos oder Schlamm, zum Repertoire der neuen Erfindungen geh\u00f6rt haben.<\/li>\n<li>&#8230;<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"western\">Manches in der Liste erscheint uns vielleicht trivial, aber man darf dabei nicht \u00fcbersehen, dass sich die notwendige Intelligenz nur langsam entwickelte und wir das, was erzeugt werden soll, bereits kennen, also nichts neu erfinden. Eine Vorlage auf einem anderen Weg zu reproduzieren ist aber deutlich einfacher als etwas zu erfinden. Abgesehen von den Steinwerkzeugen haben die meisten dieser Erfindungen den Nachteil, das sie nicht als Funde nachweisbar sind. Auch H\u00fctten aus Holzst\u00e4mmen werden erst arch\u00e4ologisch nachweisbar, wenn die Erbauer Gruben anlegen oder Pfosten als Fundamente im Boden versenken, was aber sicher erst in sp\u00e4teren Phasen, in denen die Siedlungen dauerhafter wurden, erfolgte. Steinwerkezeuge &#8211; Stichwort Faustkeile &#8211; sind schon aus recht fr\u00fchen Zeiten bekannt und haben sp\u00e4ter einen nahezu unglaublichen Spezialisierungsgrad erreicht, aber auch hier muss man relativierend wieder anmerken, dass sich \u00fcber riesige Zeitr\u00e4ume nichts tat (<em>zumindest soweit sich das aus Funden schlie\u00dfen l\u00e4sst, die wiederum die bereits angesprochenen zeitlichen L\u00fccken aufweisen<\/em>). So lange es f\u00fcr das \u00dcberleben nicht notwendig war, war der fr\u00fche Mensch anscheinend ausgesprochen erfindungsfaul. Ein weiteres Beispiel, wie schwer man sich mit systematischen Erfindungen tat: schwere Lasten wurden Jahrtausende mittels Rutschen oder untergelegter runder Baumst\u00e4mme bewegt, die man immer wieder ans andere Ende tragen musste, bevor erst fast schon in der historisch dokumentierten Zeit jemand auf die Idee kann, aus den Baumstammrollen Scheiben zu R\u00e4dern zu schneiden, durch eine Achse verbinden und einen Wagen zu bauen.<\/p>\n<p>Etwas bewegter ist der Erfindungsgeist erst mit der teilweisen oder vollst\u00e4ndigen Sesshaftigkeit geworden. Dem widmen wir uns aber in einem anderen Kapitel<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/17\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit\/\">zu Kapitel 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/24\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-7\/\">zu Kapitel 7<\/a><\/p>\n<p>Hinweis: Kapitel 5 wurde am 22.9.18 in wesentlichen Teilen erg\u00e4nzt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 6: Erfindungen Gem\u00e4\u00df den Ausf\u00fchrungen des letzten Kapitels werden wir in den folgenden in allgemeiner Form vom Menschen sprechen und nicht zwischen Typen differenzieren. 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