{"id":1923,"date":"2018-09-20T17:27:37","date_gmt":"2018-09-20T15:27:37","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1923"},"modified":"2018-09-21T11:37:27","modified_gmt":"2018-09-21T09:37:27","slug":"eine-kurze-geschichte-der-menschheit-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/20\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-4\/","title":{"rendered":"Eine kurze Geschichte der Menschheit"},"content":{"rendered":"<h5>Kapitel 4: der aufrechte Gang<\/h5>\n<p class=\"western\">Mensch und Schimpanse haben die gleichen Vorfahren. Das bedeutet aber auch, dass weder der Schimpanse noch der Mensch viel mit dem gemeinsamen Vorfahren zu tun haben muss. Aller Wahrscheinlichkeit <!--more-->nach ist der Schimpanse am Modellvorfahren n\u00e4her dran, weil der vermutlich wie der Schimpanse ein Waldbewohner war. Das muss aber nicht so sein. Alternativ k\u00f6nnte ein Steppenbewohner wieder in den Wald eingewandert sein, auch wenn das wenig wahrscheinlich ist. Das Problem ist, dass von den Vorfahren des Menschen als Steppenbewohner Fossilien vorliegen, w\u00e4hrend man bei Waldbewohnern meist vergebens danach sucht, weil dort die Bedingungen f\u00fcr Fossilbildung ungleich schlechter sind sind.<\/p>\n<p class=\"western\">Trotz solcher Detailfragen entstammt der Mensch unbestreitbar einer Gruppe von Baumbewohnern, ebenso unbestreitbar hat er irgendwann dieses Habitat verlassen und ist in die Steppe gezogen, von wo er schlie\u00dflich die gesamte auch nur irgendwie bewohnbare Erdoberfl\u00e4che besiedelt hat \u2013 im Gegensatz zu seinen Gruppengenossen, die zwar auch weit herum gekommen sind, aber nicht ganz so weit und nicht ohne jeweils f\u00fcr einen Lebensraum spezialisierte Arten auszubilden.<\/p>\n<p class=\"western\">In einem gewissen Rahmen k\u00f6nnen wir die damaligen Zust\u00e4nde sogar heute studieren: Vergleichbare Lebensr\u00e4ume wie die mutma\u00dflichen Vorfahren des Menschen besiedeln die Paviane. Auch sie haben eine gr\u00f6\u00dfere Verbreitung als andere Affenarten und k\u00f6nnen als Indiz daf\u00fcr herangezogen werden, dass Steppenbewohner sich besser in der Fl\u00e4che verbreiten k\u00f6nnen als Waldbewohner. Paviane sind wie Menschen Allesfresser mit einer deutlichen Tendenz zur pflanzlichen Nahrung. Sie leben in gr\u00f6\u00dferen sozialen Gruppen. Ein einzelner Pavian ist relativ chancenlos gegen\u00fcber einer Raubkatze wie einem Leoparden, allerdings wei\u00df der Leopard, dass er 20 oder mehr der Gesellen am Hals hat, wenn er sich mit einem anlegt, was selbst f\u00fcr den Leoparden relativ ungesund ist. Paviane bewegen sich auf allen Vieren, verf\u00fcgen aber \u00fcber ein beeindruckendes Raubtiergebiss mit m\u00e4chtigen Eckz\u00e4hnen, die geeignet sind, selbst st\u00e4rkeren Gegner lebensgef\u00e4hrliche Wunden beizubringen. Die m\u00e4chtigen Wehrgebisse sind beim Menschen nicht mehr vorhanden, ebenso die K\u00f6rperbehaarung fehlt weitgehend. Gemeinsam ist beiden aber das Aufsetzen der Handfl\u00e4chen bei der Fortbewegung auf allen Vieren (Menschenaffen setzen gew\u00f6hnlich die Fingerkn\u00f6chel und nicht die Handfl\u00e4chen auf). Der Pavian eignet sich daher ganz gut als rezentes Modell f\u00fcr die ersten Schritte auf dem Weg zum Menschen, und etwas \u00fcberspitzt formuliert, ist er m\u00f6glicherweise der Versuch der Meerkatzengruppe unter den Affen, das Erfolgsmodell der Menschenaffengruppe zu wiederholen.<\/p>\n<p class=\"western\">Betrachten wir den Schimpansen: Er ist im Wald geblieben, auch anatomisch. Die Beine sind zu relativ kurz, die Arme lang und kr\u00e4ftig, die Wirbels\u00e4ule einseitig nach vorne gekr\u00fcmmt, was ein aufrechtes Laufen behindert. Alles in allem ein hervorragender Kletterer, der auf allen Vieren auch auf dem Boden recht flink unterwegs sein kann (allerdings setzt er dabei die Fingerkn\u00f6chel und nicht die Handfl\u00e4chen auf, s.o.). Auch bei ihm ist ein Wehrgebiss mit m\u00e4chtigen Eckz\u00e4hnen noch gut ausgebildet.<\/p>\n<p>Nehmen wir den Schimpansen einmal als Blaupause (Gorilla und Orang-Utan sind ihm ja nicht un\u00e4hnlich gebaut), dann sind beim Menschen die Beine kr\u00e4ftiger und l\u00e4nger geworden, ihre Normalhaltung ist gestreckt, die Arme sind verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig k\u00fcrzer mit r\u00fcckentwickelter Muskulatur, die Wirbels\u00e4ule ist S-f\u00f6rmig gebogen, um aufrechtes Gehen und Stehen zu erm\u00f6glichen und das Wehrgebiss ist verschwunden. Babys vor und in der Lauflernphase erinnern aber noch stark an die K\u00f6rperhaltung des Schimpansen, d.h. die eigentliche Streckung erfolgt erst in der Jugend (was aber nicht weiter verwundern sollte, denn irgendwie muss das Baby vor der Geburt ja auch in die Mutter hineinpassen).<\/p>\n<p class=\"western\">Wie der Mensch ist der Schimpanse ein Allesfresser, der tierische Nahrung nicht verschm\u00e4ht, sondern sogar regelm\u00e4\u00dfig Treibjagden auf andere Affenarten veranstaltet, um an Fleisch zu gelangen, wie neuere Forschungen ergeben haben. Damit stehen die beiden Arten isoliert zwischen den anderen (z.B. Gorilla), die strenge Pflanzenfresser sind. Auch anatomisch sind beide als Allesfresser ausgewiesen, da die Darml\u00e4nge gegen\u00fcber reinen Pflanzenfressern verk\u00fcrzt und das Magenvolumen kleiner ist, jedoch bei weitem nicht die Verh\u00e4ltnisse reiner Fleischfresser erreicht. Die Entwicklung von Pflanzenfresser zum Gemischtkostverwerter hat wohl bereits sehr fr\u00fch in der Evolution angesetzt, wenn Mensch und Schimpanse betroffen sind.<\/p>\n<p class=\"western\">An der Stelle ist es notwendig, den Veganern einmal etwas entgegen zu setzen: das menschliche Verdauungssystem hat sich n\u00e4mlich noch weiter von der vegetarischen Ern\u00e4hrung entfernt als das der Schimpansen. Problemlos verdaut werden Fr\u00fcchte, deren biologischer Sinn eben darin besteht, gefressen zu werden und damit nebenbei f\u00fcr die Verbreitung der Samen zu sorgen. Kleiner wird das direkt verdaubare Spektrum schon bei den Samen. Genauso \u00fcbel sieht es bei Wurzeln aus, und gr\u00fcne Bl\u00e4tter sind in den meisten F\u00e4llen f\u00fcr den Menschen als Rohkost unverdaulich. Mit der Rohkost zu \u00fcberleben, die in ein Schimpansengehege gesch\u00fcttet wird, h\u00e4tte der Mensch bereits ein Problem. Verdaubar wird das Meiste erst durch Kochen, was die Zellstrukturen aufbricht und die sonst nicht zug\u00e4nglichen N\u00e4hrstoffe freilegt. Und selbst dann k\u00f6nnte der Mensch nur in wenigen Gebieten der Erde ohne schwere Mangelerkrankungen \u00fcber die Runden kommen, w\u00fcrde er nur das Essen, was vor Ort verf\u00fcgbar ist. Das heute gepriesene Vegetarier- oder Veganersystem funktioniert nur, weil die Nahrung gekocht und die einzelnen Bestandteil weltweit zusammen geflogen werden.<\/p>\n<p class=\"western\">Anders sieht es mit tierischer Kost aus. Die ist voll umf\u00e4nglich auch ungekocht verwertbar, und zwar st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt als beim Schimpansen. Nun l\u00e4sst sich an den Fossilien nicht ablesen, wann diese Entwicklung eingesetzt hat; zu Denken geben sollte sie einem trotzdem. Beim \u00dcbergang vom sicher fruchtreichen Wald in die arten\u00e4rmere Steppe h\u00e4tte man eigentlich erwarten sollen, dass die Verwertbarkeit von pflanzlicher Nahrung zunimmt. Jedoch ist das Gegenteil zu beobachten. Wieso dieser Zug zum Fleisch?<\/p>\n<p class=\"western\">Verantwortlich f\u00fcr diese wenig veganerfreundliche Entwicklung ist das Gehirn. Es verbraucht bei vielen Tieren nur 3-5% der Gesamtenergie, die der K\u00f6rper verbrennt, bei den im Vergleich zu anderen Tieren schon recht intelligenten Menschenaffen erreicht der Anteil bereits 8-10% und beim Menschen liegt der Bedarf alleine dieses K\u00f6rperteils bei 20-25%, obwohl die Masse nur ca. 2% ausmacht. Mit rein pflanzlicher Nahrung l\u00e4sst sich der Bedarf nur mit Hilfe zuckerreicher Fr\u00fcchte retten, nicht aber mit sonstiger pflanzlicher Kost, die nur mit Hilfe von Mikroorganismen oder durch Kochen zug\u00e4nglich werden. Unsere Intelligenz hat eben ihren Preis, und wer jetzt den Schluss zieht, dass Veganer den Pegel herunter fahren und daher weniger intelligent sind, muss das selbst verantworten. Die Evolution hat die Verbrauchsdaten des Gehirns im Laufe der Zeit auf diese Werte hochgefahren, und da wohl kaum davon auszugehen ist, dass Kochen zu einer der sehr fr\u00fchen Techniken der menschlichen Vorg\u00e4nger geh\u00f6rt hat, ist anzunehmen, dass tierische Kost, die problemlos die Energie liefern kann, w\u00e4hrend der ganzen Entwicklungsgeschichte in zunehmendem Ma\u00dfe verwertet wurde.<\/p>\n<p class=\"western\">Stellen wir uns nun dem Bild der ersten Hominiden. Laut g\u00e4ngiger Theorie, die im Grunde das Bild, das der Zivilisationsmensch heute abgibt, in die Vergangenheit portiert, ein recht schw\u00e4chliches Wesen, ein langsamer L\u00e4ufer, ein schlechter Kletterer, ein m\u00e4\u00dfiger Weitspringer und Schwimmer usw, das von st\u00e4rkeren Arten von den B\u00e4umen in die Savanne gedr\u00e4ngt wurde, immer auf der Hut vor J\u00e4gern, denen er nur durch schnelle Flucht entkommen konnte. Nach dieser Theorie ist es vorteilhaft, eine gr\u00f6\u00dfere \u00dcbersicht zu erhalten, um Gefahren schneller zu erkennen, weshalb die Vorfahren sich langsam auf die Hinterbeine stellten, um ihre Umgebung besser beobachten zu k\u00f6nnen, und gleichzeitig Beinmuskeln entwickelten, die zumindest eine schnelle Flucht zum n\u00e4chsten Baum erm\u00f6glichten. Die Ern\u00e4hrung war weitgehend vegetarisch; tierische Kost kam erst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt hinzu. So weit das, was oft zu lesen ist. Ist das schl\u00fcssig? Eigentlich nicht, denn wenn der fr\u00fche Vorfahre wirklich so ein Schlappschwanz gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte er es vermutlich vorgezogen, auszusterben anstatt sich zur heutigen Plage weiter zu entwickeln.<\/p>\n<p class=\"western\">R\u00e4umen wir ein wenig auf. Der menschliche K\u00f6rper ist eine ziemlich universelle Konstruktion und alles andere als schlecht. Die Fehleinsch\u00e4tzung beruht eher darauf, dass jeweils mit Spezialisten verglichen wird. Die Sprintqualit\u00e4ten von ca. 36 km\/h sind in der Tat wenig beeindruckend; die meisten Vierf\u00fc\u00dfer bringen es auf deutlich mehr. Beeindruckend ist der Mensch dagegen auf der Langstrecke: er ist durchaus in der Lage, schnelle Gazellen zu verfolgen, bis diese vor Ersch\u00f6pfung zusammenbrechen, und konkurriert hier mit den Hundeartigen. Die Kletterleistungen von Affen werden zwar nicht erreicht, sind aber (beispielsweise bei Parkourl\u00e4ufern, Turnern oder Kletterspezialisten) auch eindrucksvoll genug, um nahezu alle Nichtaffen hinter sich zu lassen. Schwimmen und tauchen kann auch l\u00e4ngst nicht jeder im Tierreich. Die Sprungf\u00e4higkeiten sind in Relation zu anderen auch gar nicht so schlecht, und bez\u00fcglich der K\u00f6rperkraft der ersten Menschen und ihrer Vorfahren darf man nicht unbedingt den heutigen B\u00fcrohengst als Ma\u00dfstab verwenden. Physisch so schwach, wie es gerne dargestellt wird, ist der Mensch keineswegs, und auf seine Vorfahren darf man wohl einiges davon \u00fcbertragen.<\/p>\n<p class=\"western\">Immer auf der Hut vor J\u00e4gern, denen er nur durch schnelle Flucht entkommen kann? Als Einzelwesen sicherlich, und in den Anf\u00e4ngen, als Nahrung zwischen locker stehenden B\u00e4umen gesucht, deren N\u00e4he aber noch nicht verlassen wurde, war Flucht wohl das angesagte Modell. Bei den ersten Vorfahren, die von den B\u00e4umen weiter auf die Ebene wechselten, darf man mit gutem Grund allerdings das Pavian-Modell unterstellen: eine Raubkatze hatte bei einem Angriff gleich die ganze Horde am Hals, urspr\u00fcnglich vermutlich noch mit einem Wehrgebiss ausgestattet und in Anlehnung an die Verhaltensweisen der heutigen Schimpansen m\u00f6glicherweise in der Lage, einen herumliegenden Stock gegen die Feind zu schwingen. Reine Flucht h\u00e4tte eine solche Population schnell dezimiert. Da sich die Entwicklungslinie bislang erfolgreich dem Aussterben verweigert hat &#8230;<\/p>\n<p class=\"western\">Wieso jedoch der Wechsel vom Baum auf die Ebene? Das Modell eines st\u00e4rkeren Wettbewerbers im Ge\u00e4st ist wenig plausibel, wenn bereits die ersten Typen ziemlich tough waren. Ein plausiblerer Grund w\u00e4re ein Klimawandel. Wird es trockener, wird es f\u00fcr B\u00e4ume schwieriger, der Wald schrumpft und die Savanne breitet sich aus. Lebewesen in einem r\u00e4umlich isolierten Wald haben dann ebenfalls ein Problem. Wenn die B\u00e4ume lichter werden und damit auch weniger Fr\u00fcchte zur Verf\u00fcgung stehen, m\u00fcssen sie zwangsweise auf den Boden wechseln. Entweder sie passen sich dann an oder gehen mit dem schwindenden Wald zu Grunde. Also runter von den B\u00e4umen!<\/p>\n<p class=\"western\">Eine Problem dabei ist der Nahrungsbedarf. Nach den Fossilfunden hatten bereits die ersten Typen Gehirne mit erh\u00f6htem Bedarf. Ein hoher Energiebedarf des Gehirns bedingt einen Bedarf an energiereicher Nahrung, und die war in Form tierischer Nahrung in den wildreichen Randgebieten eher zu finden. Es ist nun m\u00fc\u00dfig, sich die Frage zu stellen, ob ein aktiveres Gehirn zum Fleischkonsum oder der Fleischkonsum zu einem aktiveren Gehirn gef\u00fchrt hat. Die eigentliche Frage ist: sind unsere Vorfahren bereits als J\u00e4ger (oder Aasfresser) von den B\u00e4umen gestiegen oder gleichzeitig mit dem Waldr\u00fcckgang dazu mutiert?<\/p>\n<p class=\"western\">Nun ist also unser Vorfahre aus irgendeinem Grund in der Savanne gelandet und richtet sich nun auf die Hinterbeine auf. Au\u00dfer der Theorie, dass jemand mit gr\u00f6\u00dferem \u00dcberblick schneller weglaufen kann, muss es auch andere Modelle geben, zumal das Weglaufen, wie wir schon begr\u00fcndet haben, nur in einer bestimmten Phase der Entwicklung wirklich Sinn macht (wenn n\u00e4mlich die Gruppe als Ganzes auf B\u00e4ume fl\u00fcchten kann) und aufrechter Gang gar nicht n\u00f6tig ist, wenn man einen Wachposten auf dem n\u00e4chsten Baum postiert, der vor dort noch bessere \u00dcbersicht hat.<\/p>\n<p class=\"western\">Gehen wir einmal davon aus, dass wir mit der Vermutung, unserer Vorfahren h\u00e4tten sich relativ schnell auch tierischen Nahrungsquellen zu Nutze gemacht. Im Vergleich zu Raubkatzen ist ein Affe als Ausgangsmodell schlechter als J\u00e4ger geeignet, da ihm die Sprungmuskulatur der Hinterbeine, Krallen und \u00fcbergro\u00dfe Gebisse fehlen. Schon bei der Verteidigung nutzen Schimpansen heute St\u00f6cke als primitive Waffen, die allerdings zuf\u00e4llig in der N\u00e4he herumliegen m\u00fcssen. Das Gleiche gilt f\u00fcr Werkzeuge, wenn es etwa gilt, ein Ameisennest zu \u00f6ffnen. Unterstellen wir einmal, dass auch die fr\u00fchen Arten \u00fcber diese Techniken verf\u00fcgten und sie auch bei der Jagd benutzten. Der Savannenbewohner steht dann allerdings vor einem Problem, denn St\u00f6cke liegen in der N\u00e4he von B\u00e4umen herum, aber nicht unbedingt in der flachen Grasebene. K\u00f6nnte der Urhominide irgendwann auf die Idee gekommen sein, einen Stock als Werkzeug oder Waffe mit sich herum zu schleppen, statt darauf zu bauen, dass im passenden Moment irgendwo etwas herumliegt? Trifft diese Vermutung zu, w\u00e4re ein aufrechter Gang vorteilhaft, weil es dann einfacher ist, das Werkzeug mit sich zu f\u00fchren, und auch die Gegenstellung des Daumens bei der menschlichen Hand w\u00e4re von Vorteil, weil sich das Werkzeug damit besser handhaben l\u00e4sst. Aufrechtere Haltung &#8211; besserer Waffen\/Werkzeugeinsatz &#8211; mehr Beute und bessere Ern\u00e4hrung &#8211; gr\u00f6\u00dfere Population &#8212; wir kommen mehr oder weniger automatisch bei uns an, wenn wir dieses Modell unterstellen. Nachweisen l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich nichts, denn an den Fossilien ist nichts abzulesen und ein Stock d\u00fcrfte inzwischen vermodert sein.<\/p>\n<p class=\"western\">Der Vollst\u00e4ndigkeit halber erw\u00e4hnen wir noch ein weiteres Modell, das zeitweise in der Wissenschaft diskutiert wird: der semi-aquatisch lebende Vorfahre. Danach suchten unsere Vorfahren in seichten Gew\u00e4ssern nach Nahrung. Auch dies w\u00fcrde ein aufrechtes Gehen f\u00f6rdern, da damit tiefere Gew\u00e4sser begehbar sind, H\u00e4nde m\u00fcssen zum Greifen geeignet sein, was mit der Daumenstellung realisiert ist. F\u00fcr das Modell sprechen weiterhin die geringe Behaarung, die schnelles Trocknen erm\u00f6glicht, Atemreflexe, die das Eindringen von Wasser in die Atemwege beim pl\u00f6tzlichen Abtauchen verhindern, die im Vergleich zu den Menschenaffen wesentlich dickere Fettpolsterung der Unterhaut gegen Ausk\u00fchlung sowie einige andere physiologische Eigenschaften des menschlichen K\u00f6rpers. Eine innere Logik ist zwar nicht zu verkennen, aber der Haken liegt zum Einen darin, dass irgendwann das aquatische Habitat vollst\u00e4ndig verlassen wurde, denn es gibt nirgendwo Hinweise auf Wassermenschen, zum Anderen die Verbreitung der Fossilien und die sonstigen Spuren der Menschen eher mit einem Savannentyp, der sich gro\u00dfr\u00e4umig mit den Savannen verteilen kann, vereinbar ist als mit einem Wassertyp, der dem Wasser zum n\u00e4chsten geeigneten Habitat folgen muss.<\/p>\n<p>Wie ist die Entwicklung nun wirklich verlaufen? Zwar hat sich die Wissenschaft inzwischen auch ein wenig von dem entfernt, was oben als &#8222;g\u00e4ngiges Modell&#8220; bezeichnet wurde (auf die Tr\u00e4gheitsmomente haben wir ja bereits hingewiesen), aber das hier pr\u00e4sentierte J\u00e4ger-Modell ist immer noch deutlich aggressiver als das, was in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stammesgeschichte_des_Menschen\">allgemeinen Diskussion<\/a> zu finden ist. Da allerdings kaum etwas bewiesen werden kann &#8211; aus den Z\u00e4hnen kann man daraus schlie\u00dfen, wie etwas zermahlen wurde, aber nicht, wie es zwischen die Z\u00e4hne kam &#8211; sind solche Freiheiten erlaubt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/17\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit\/\">zu Kapitel 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/21\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-5\/\">zu Kapitel 5<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 4: der aufrechte Gang Mensch und Schimpanse haben die gleichen Vorfahren. Das bedeutet aber auch, dass weder der Schimpanse noch der Mensch viel mit dem gemeinsamen Vorfahren zu tun haben muss. 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