{"id":1911,"date":"2018-09-20T09:10:40","date_gmt":"2018-09-20T07:10:40","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1911"},"modified":"2018-09-20T17:28:34","modified_gmt":"2018-09-20T15:28:34","slug":"eine-kurze-geschichte-der-menschheit-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/20\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-3\/","title":{"rendered":"Eine kurze Geschichte der Menschheit"},"content":{"rendered":"<h4>Kapitel 3: Ein bisschen Genetik<\/h4>\n<p>Das Rennen, wie Entwicklungsvorg\u00e4nge ablaufen, d\u00fcrfte au\u00dfer in den Augen der in Kapitel 1 erw\u00e4hnten Hardliner Darwin gewonnen haben. Zumindest lag er im Wesentlichen richtig, wenn heute auch das Eine oder Andere korrigiert werden musste. Trotzdem scheint es auch heute noch Lamarckianer zu geben, <!--more-->die wir wohl teilweise ausblenden m\u00fcssen: Veganer glauben allen Ernstes, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/ernaehrung\/veganes-futter-hunde-und-katzen-fleischlos-ernaehren-a-966839.html\">Hunde und Katzen<\/a> durch entsprechende Kost zu reinen Pflanzenfressern umwandeln zu k\u00f6nnen, und nach der feministischen Theorie ist selbst das Geschlecht eine reine Erziehungssache, wobei sie allerdings bislang die Methode, mir der man einem Embryo im Embryo nach Belieben einen Schniedel anerziehen kann oder eben nicht, noch nicht \u00f6ffentlich gemacht haben. Gehen wir trotzdem einmal politisch v\u00f6llig unkorrekt davon aus, dass Darwin mit seiner Vorstellung, dass bei gegebener Grunddisposition jedes Individuums sich der bestangepasste Typ durchsetzt, in die richtige Richtung gedacht hat, und betrachten diese Vorg\u00e4nge einmal auf molekularer Ebene.<\/p>\n<h6>Betrachtung der Grundlagen<\/h6>\n<p class=\"western\">Menschen und Menschenaffen haben aus Sicht der Genetik die gleichen Vorfahren. Genauer gesagt: Mensch und Schimpanse liegen 1,2% auseinander, Mensch und Gorilla 1,6%, Schimpanse und Gorilla 1,8%, Mensch\/Schimpanse\/Gorilla und Orang Utan je ca. 3,1%. Der Schimpanse scheint somit unser n\u00e4chster biologischer Verwandter zu sein. Die biochemische Uhr, mit der sich Unterschiede im Erbgut ansammeln, tickt nach allen bisherigen Kenntnissen zeitlich ziemlich konstant, auch wenn au\u00dfer der Zeit nat\u00fcrlich auch noch andere Einfl\u00fcsse zu ber\u00fccksichtigen sind, wie man an den Paarungen Mensch\/Schimpanse\/Gorilla ablesen kann.<\/p>\n<p class=\"western\">Bei den sichtbaren Unterschieden zwischen den Arten muten solche kleinen Unterschied vermutlich f\u00fcr einen Au\u00dfenstehenden recht eigent\u00fcmlich an. Die Verwirrung d\u00fcrfte noch weiter steigen, wenn man den genetischen Fingerabdruck hinzu nimmt: der ist so individuell, dass er theoretisch bei jedem der 7 Mrd. Menschen anders ist. Au\u00dferdem ist das Erbgut ist beim Menschen auf 46 Chromosomen verteilt, beim Schimpansen auf 48. Das Erbgut besteht aus ca. 3 Mrd. Genomen (das sind die Buchstaben des genetischen Alphabets) und kodiert je nach Lesart 23.000 bis 40.000 Gene, das sind die Bauanweisungen f\u00fcr Proteine. Das klingt nun auch wieder nicht nach besonders viel, kommt wikipedia doch auf ca. 5,7 Mio. Artikel auf 45 Mio. Seiten. Passt das alles irgendwie noch zueinander?<\/p>\n<p class=\"western\">Bringen wir ein wenig Ordnung hinein. Beginnen wir mit dem DNA-Fingerabdruck. Der wird aus relativ kurzen, aber daf\u00fcr hochvariablen Abschnitten an den Enden der Chromosomen gewonnen. Verschiedene Mechanismen, die mit Mutation im herk\u00f6mmlichen Sinn nichts zu tun haben, sorgen daf\u00fcr, dass bestimmte Sequenzen bei der Fortpflanzung immer wieder neu gemischt werden. Anscheinend haben diese Sequenzen etwas mit dem Altern zu tun, k\u00f6nnten aber auch bei immunologischen Vorg\u00e4ngen eine Rolle spielen. Jedenfalls kodieren sie nicht f\u00fcr irgendwelche Proteine und werden daher beim Abgleich der \u00c4hnlichkeiten nicht mitgez\u00e4hlt. Wenn man sich vergegenw\u00e4rtigt, dass es beim Zahlenlotto bereits 13.983.816 verschiedene Kombinationen gibt, wenn man 6 Zahlen aus 49 zieht, wird deutlich, dass wirklich nicht viel DNA-Material ben\u00f6tigt wird, um einen eindeutigen Fingerabdruck zu erzeugen. Das Problem w\u00e4re damit bereits beseitigt.<\/p>\n<p class=\"western\">\u00c4hnlich einfach lassen sich die 99% \u00dcbereinstimmung verstehen. Die DNA ist nichts anderes als ein riesiges Computerprogramm, das den Bau und die Funktion eines Organismus beschreibt, dazu noch eines, an dem die Natur seit Milliarden von Jahren bastelt. Die \u00dcbereinstimmung betrifft gewisserma\u00dfen die Funktionen des Programms, d.h. die Bauanweisungen f\u00fcr die Proteine. Einige dieser Funktionen werden nicht mehr ben\u00f6tigt, wenn eine neue Art entsteht, aber wie jeder gute Programmierer wird die nicht mehr ben\u00f6tigte Software nicht einfach entfernt, sondern in den Hintergrund geschoben und nicht mehr ausgef\u00fchrt. Vielleicht bracht man sie ja sp\u00e4ter doch noch einmal. Erst wenn man nach Jahren feststellt, dass der M\u00fcll \u00fcberhand nimmt, wird nie wieder Ben\u00f6tigtes entsorgt. Entsprechend geht die Natur mit ihrem Programm um. Es ist also nicht weiter ungew\u00f6hnlich, dass eine so hohe \u00dcbereinstimmung existiert, und die Differenzen resultieren daraus, dass fallweise einige Zeilen im Programm, d.h. einige Aminos\u00e4uren im Protein, durch andere ersetzt werden. Die H\u00e4ufigkeit solcher \u00c4nderungen hat selbst beim technischen Programmieren oft statistischen Charakter, weshalb eben der Schluss, wann sich die Programme getrennt haben, m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p class=\"western\">Was nun genau an Proteinen in welcher Menge ben\u00f6tigt wird, wird durch eine Vielzahl an Schaltern in der Software festgelegt, auf die wiederum eine Vielzahl von Parametern, die von au\u00dfen kommen, bedient werden. Im Zellbetrieb k\u00f6nnen Parameter Proteine oder Ribonucleotide sein, die sich an die DNA anlagern und Funktionsaufrufe erm\u00f6glichen oder blockieren, oder die Ergebnisse eines Funktionslaufs = ein gebildetes Protein nachtr\u00e4glich noch einmal ver\u00e4ndern. Tats\u00e4chlich nehmen diese Schalter mehr Raum ein als die Funktionen selbst, werden aber beim Vergleich gar nicht ber\u00fccksichtigt. Und wenn man das doch macht und auch diese DNA-Sequenzen untersucht, erh\u00e4lt man immer noch kein vollst\u00e4ndiges Bild, da angelagerten Stoffe auch dabei nicht mitgemessen werden.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Biologen haben diese nicht(Protein)kodierenden Bereiche lange Zeit ignoriert und sich dar\u00fcber gewundert, dass die DNA anscheinend so viel M\u00fcll enth\u00e4lt, der nicht ben\u00f6tigt wird. Sie haben erst sehr sp\u00e4t begriffen, dass dieser M\u00fcll gar kein M\u00fcll ist, sondern \u00fcber verschiedene ineinander greifende Mechanismen (z.B. RNA-Sequenzen, die von der DNA abgelesen werden), Regelmechanismen realisiert. Der Irrtum ist eigentlich verwunderlich, war doch aus allem, was man sonst in der Natur beobachtet, bereits bekannt, dass nichts so effektiv arbeitet wie die Natur. Der Aufwand, unn\u00fctze Sachen zu produzieren, f\u00fchrt unweigerlich dazu, dass die Spezies eliminiert wird, wenn sie das nicht schleunigst abstellt, und dann soll ausgerechnet im absoluten Basisbereich, der Steuerung durch Gene, ein Schlendrian sonder gleichen herrschen? Trotzdem hatte die Theorie der sinnlosen DNA ein langes Beharrungsverm\u00f6gen, deren Ursache wir im Kapitel 2 beleuchtet haben.<\/p>\n<p>Vererbung auf die DNA-Sequenz zu beschr\u00e4nken geht also grunds\u00e4tzlich schief. Es ist schon eine bzw. zwei komplette Zellen notwendig, damit ein neuer Organismus bei der Begattung besteht. Verpflanzt man einen Zellkern einer menschlichen Eizelle in die eines Schimpansen oder umgekehrt, geht das schief, weil die Regelzust\u00e4nde der Zellen (= Botenstoffe des Zellkerns und des Zellk\u00f6rpers) nicht zueinander passen. Die Mechanismen sind so komplex, dass selbst der Austausch von Zellkernen bei der gleichen Art Probleme verursachen und Clonen, d.h. adulte Zellen oder Zellkerne zu verwenden, ebenfalls in den meisten F\u00e4llen nicht das gew\u00fcnschte Ergebnis hat.<\/p>\n<p class=\"western\">Zusammengefasst: entsprechende individuelle Regelmechanismen der Genexpression unterstellt sind 99% \u00dcbereinstimmung mit dem Schimpansen nun auch kein Grund zum wundern, zumal einige Zeitgenossen dem Durchschnittsschimpansen mental noch deutlich n\u00e4her stehen.<\/p>\n<p class=\"western\">Passt das aber dann mit den vermeintlich wenigen Genen? Nun, zum einen spielen die \u201enichtkodierenden\u201c Sequenzen eine Rolle, zum anderen ein weiterer Trick der Natur. Wird ein Gen in ein Protein umgesetzt, h\u00e4ngt das Endprodukt auch davon ab, was sonst noch in der Zelle unterwegs ist. Die meisten Proteine werden nachtr\u00e4glich noch mehrfach umgebaut, bis sie ihre endg\u00fcltige Form haben, und was im Stoffwechsel produziert wird, h\u00e4ngt eben auch davon ab, was sonst noch in der Zelle vorliegt. Unterschiedliche Werkzeuge in verschiedener Reihenfolge und Art eingesetzt k\u00f6nnen zu verschiedenen Produkten f\u00fchren, und \u00e4hnlich wie beim Lottospiel entstehen hier aus einer vermeintlich kleinen Anzahl von Arbeitsanweisungen so viele M\u00f6glichkeiten, dass man sich keine Gedanken machen muss, mit 40.000 Genen etwas bescheiden ausgestattet zu sein.<\/p>\n<p class=\"western\">Lediglich passen muss man bei der Frage, wie aus diesem Mikrokosmos ein Mensch, eine Schnecke oder eine Eiche entsteht. Einfache Stoffwechselzyklen, beispielsweise wie Zucker abgebaut und daraus Energie zur Muskelbewegung gewonnen wird, sind schon lange im Detail analysiert, aber im Detail herauszubekommen, welche Proteine oder sonstige Stoffe produziert werden m\u00fcssen, damit aus einer Zelle eine Muskelzelle wird, und zwar genau da, wo ein Muskel hingeh\u00f6rt, d\u00fcrfte auch auf lange Sicht ein kaum l\u00f6sbares Problem sein. Im Grunde ist das ein Schmetterlingseffekt: der Schmetterling schl\u00e4gt in New York mit den Fl\u00fcgeln, und in London regnet es. Wir k\u00f6nnen den Effekt des Schlagens wohl eine Weile verfolgen, aber eben nicht bis London, weil wir beispielsweise \u00fcbersehen haben, dass dazu auch eine K\u00fcchenschabe in Peking im richtigen Moment schaben musste. Das nennt man auch Komplexit\u00e4t, und die Unvorhersehbarkeit mancher Ereignisse aus ihren ber\u00fccksichtigten Details Chaostheorie. Gehen wir einfach davon aus, dass die Natur eben nicht nur den Schmetterling und die K\u00fcchenschabe im Griff hat, sondern auch das wiehernde Pferd in Lissabon in im richtigen Moment wiehern l\u00e4sst, wenn es mal nicht in London sondern in Paris regnen soll.<\/p>\n<h5 class=\"western\">Entwicklung von Arten<\/h5>\n<p class=\"western\">Wie entstehen nun neue Arten? Dazu muss man erst einmal den Begriff \u201eArt\u201c definieren. Eine Art besteht aus einer Gruppe von Individuen, die sich untereinander unbegrenzt fruchtbar fortpflanzen k\u00f6nnen. Wichtig ist die Fortpflanzungsf\u00e4higkeit. Pferde und Esel k\u00f6nnen auch zusammen Nachkommen haben (Maulesel bzw. Maultiere), die sich aber nicht fortpflanzen k\u00f6nnen. Gleichwohl ist das Beispiel nicht ganz unwichtig: ein Esel hat 31 Chromosomenpaare, ein Pferd 32. Obwohl das nicht zusammen passt, kommt zumindest im 1. Schritt etwas Funktionierendes heraus. Die Natur ist anscheinend variabler als man das gemeinhin glaubt.<\/p>\n<p class=\"western\">Damit sich aus einer Art zwei Arten bilden, m\u00fcssen sich zwei Gruppen bilden, die voneinander getrennt in unterschiedlichen Umgebungen leben. So lange es immer wieder zu einem Austausch zwischen den Gruppen kommt, werden sich lediglich verschiedene Rassen herausbilden, die an ihre jeweilige Umgebung angepasst sind, sich aber untereinander immer noch erfolgreich fortpflanzen k\u00f6nnen. Der Mensch ist eine Art mit vielen Rassen, auch wenn man das aus politischen Gr\u00fcnden nicht wahr haben will. Denn obwohl es vielleicht dem jeweiligen Sch\u00f6nheitsideal widerspricht, kann sich jeder Mann mit jeder Frau paaren und Kinder bekommen, die ein Gemisch aus beiden Ph\u00e4notypen darstellen. Die Biologen sch\u00e4tzen, dass f\u00fcr die Bildung zweier Arten eine strikte Trennung von mindestens 1,4 Mio Jahren notwendig ist, d.h. eine Isolation einer Menschengruppe f\u00fcr 30-40.000 Jahre, wie man sie mit etwas Optimismus f\u00fcr die Aborigines unterstellen kann, ist bei weitem nicht ausreichend, um fruchtbare Fortpflanzung zu unterbinden.<\/p>\n<p class=\"western\">Wie kommt es nun zu einer Differenzierung der verschiedenen Gruppen. Wenn wir die obigen Ausf\u00fchrungen Revue passieren lassen, kann eine Option darin bestehen, dass sich die Regelmechamismen ver\u00e4ndern, ohne dass gleich wesentliche Teile des genetischen Plan ge\u00e4ndert werden. Bestimmte Gene der DNA werden wieder ausgelesen, andere nicht mehr, und wenn sich Vertreter verschiedener Gruppen paaren, werden nicht nur die Genpools miteinander vermischt, sondern auch die Botenstoffe der Regelmechanismen, die mit den Geschlechtszellen nat\u00fcrlich ebenfalls weiter gegeben werden.<\/p>\n<p>Diese Reaktionsm\u00f6glichkeit der Natur auf ge\u00e4nderte Bedingungen kann im ersten Schritt &#8211; Umgruppierung der Botenstoffe &#8211; nat\u00fcrlich nur begrenzt sein. Die Biologen sprechen von Umwelteinfl\u00fcssen auf die Entwicklung, ohne allerdings viele der \u00e4u\u00dferen Symptome auf Mikromechanismen zur\u00fcckf\u00fchren zu k\u00f6nnen (vermutlich geh\u00f6rt der Problembereich &#8222;krebserregender Stoff&#8220; hier hin). Hier steht wieder die Komplexit\u00e4t im Weg. Im zweiten Schritt kann man \u00fcber mehrere Generationen von \u00c4nderungen in den DNA-Steuerabschnitten ausgehen, denn immerhin stellen diese den gr\u00f6\u00dferen Anteil an der Gesamt-DNA und sind ebenfalls von Mutationen betroffen. Aber auch das entzieht sich bislang aufgrund der Komplexit\u00e4t weitgehend einer systematischen Untersuchung.<\/p>\n<p class=\"western\">Traditionell folgen die Biologen eher dem klassischen Modell, dass es zu \u00c4nderungen im genetischen Plan kommt, d.h. die proteinkodierenden Abschnitte ver\u00e4ndert werden. Man kann solche \u00c4nderungen immerhin gut messen, und f\u00fcr verschiedene Merkmal wie beispielsweise die Augenfarbe oder verschiedene Krankheiten hat man auch genetische Unterschiede identifiziert.Ein Ansatz, mit dem man dokumentieren kann, dass man alles andere als doof ist, aber trotzdem stecken bleibt, wenn man die sichtbaren Unterschiede zwischen Mensch und Schimpanse herausarbeiten will.<\/p>\n<p class=\"western\">Wie kommt es zu \u00c4nderungen in der DNA-Sequenz? Die erste Strategie der Natur: die DNA ist Mutationen unterworfen, d.h. einzelne Stellen der DNA-Sequenz werden durch unterschiedliche Ursachen zuf\u00e4llig ver\u00e4ndert. Die weitere Auswahl \u00fcbernimmt das Darwinsche Prinzip, d.h. positive Mutation, die Vorteile mit sich bringen, setzen sich im Laufe der Zeit durch, negative Mutationen werden ausgemerzt. So weit, so gut \u2013 oder besser so schlecht! Denn ganz so einfach ist die Sache nicht, wenn man etwas genauer dar\u00fcber nachdenkt. Druseln wir das etwas auf.<\/p>\n<p class=\"western\">In den meisten Arten sind die Individuen mit zwei S\u00e4tzen von Chromosomenpaaren ausgestattet. Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung wird von jedem Elternpaar jeweils ein Chromosom eines Paares weitergegeben. Kinder besitzen also gemischt die Merkmale beider Eltern, und deren Kinder wiederum zur H\u00e4lfte ebenfalls die beider Eltern und zu je einem Viertel wieder die eines Eltern. Das hat Gregor Mendel bei seinen Versuchen mit Erbsenpflanzen herausgefunden. So ganz stimmt die Statistik allerdings nicht, wenn mehr als ein Merkmal, das auf einem Chromosom angesiedelt ist, betrachtet wird, weil zwischen den Chromosomen auch St\u00fccke ausgetauscht werden k\u00f6nnen: w\u00e4hrend der Aufteilung des gesamten Chromosomensatzes brechen die Chromosomen durch und \u00fcbernehmen jeweils den Teil des entsprechenden anderen Chromosoms. Mit einigem Gl\u00fcck kann man das im Mikroskop sogar beobachten (hier bei Lilium candidum, Pollenmutterzellen):<\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Bildschirmfoto-vom-2018-09-20-08-33-05.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1915\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Bildschirmfoto-vom-2018-09-20-08-33-05.png\" alt=\"\" width=\"972\" height=\"609\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Bildschirmfoto-vom-2018-09-20-08-33-05.png 972w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Bildschirmfoto-vom-2018-09-20-08-33-05-300x188.png 300w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Bildschirmfoto-vom-2018-09-20-08-33-05-768x481.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 972px) 100vw, 972px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"western\">Au\u00dfer der einfachen Vater-Mutter-Mischungsregel hat die Natur also weitere Mischmechanismen erfunden, die die DNA-Programmierung noch variabler machen. Treffen hier verschiedene Baupl\u00e4ne in einem Teilaustausch aufeinander, kommen neue Programme heraus, ohne dass eine Mutation stattgefunden h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"western\">Eine weitere M\u00f6glichkeit, mit der die Natur fallweise arbeitet, ist die Zusammenlegung oder Aufspaltung von Chromosomen oder deren Multiplizierung. Gegen\u00fcber dem Schimpansen sind beim Menschen zwei Chromosomen zu einem versplei\u00dft. Allerdings ist das eine Baustelle zu sein, bei der auch viel schief gehen kann: die Unfruchtbarkeit von Nachkommen mit Eltern, die verschiedene Anzahlen von Chromosomen beisteuern, oder Behinderungen wie etwa bei der bekannten Trisomie 21 sind Beispiele. Man muss allerdings dazu sagen, dass Fehlschl\u00e4ge recht gut zu beobachten sind, weil sie halt auffallen, positive Ergebnisse aber in der Regel untergehen, da man gar nicht nach ihnen sucht und eher durch Zufall auf etwas st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p class=\"western\">Eine ebenfalls verbreitete, von den Biologen aber auch lange \u00fcbersehene (oder ignorierte) Variante ist der Gentransfer, der zwischen verschiedenen Spezies ablaufen kann, ohne dass diese direkt miteinander interagieren. Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel, sondern pflegen ihre Programme in andere Zellen einzuschleusen. Damit das wie vorgesehen funktioniert, wird der Virencode fallweise in die Wirts-DNA integriert. Bei Befall verschiedener Spezies kann es dabei vorkommen, dass DNA-Teile von einer Spezies mitgenommen und auf den n\u00e4chsten Wirt \u00fcbertragen und somit Bestandteil des Programms werden. Die sich h\u00e4ufenden Probleme in der Landwirtschaft, dass Gene von glyphosatresistenten Getreidesorten auf Gr\u00e4ser \u00fcbertragen wurden, was nun die Ernten mindert und nur unzureichend bek\u00e4mpft werden kann, haben offenbart, dass die Natur diesen Weg sogar in relativ gro\u00dfem Umfang nutzt.<\/p>\n<p class=\"western\">Jetzt haben wir zwar die wesentlichen Mechanismen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen aufgez\u00e4hlt, aber ein weiteres Problem ist, wie sich diese manifestieren. Spielt sich eine Mutation \u2013 fassen wir einfachheitshalber mal alles unter diesem Begriff zusammen \u2013 in einer normalen K\u00f6rperzelle ab, ist das ziemlich uninteressant: ist die Mutation sch\u00e4dlich, stirbt die Zelle ab (oder entwickelt sich als anderes Extrem zu einer Krebszelle), ist sie positiv, spielt das auch keine Rolle, denn rundherum befinden sich meist noch einige Millionen andere Zellen, die in der alten Form ihre Arbeit weiter erledigen. Eine Mutation kann nur dann wirksam werden, wenn sie so fr\u00fchzeitig geschieht, dass viele andere Zellen ebenfalls betroffen sind, insbesondere die Geschlechtszellen, die das Ergebnis an die n\u00e4chste Generation weitergeben. Als Mutationszeitpunkt kommt daher nur der Zeitraum von der Bildung der Geschlechtszellen (Samen- und Eizellen) bis zum wenige Zellen umfassenden Embryonalstadium in Frage. Ein recht kurzer Zeitraum, und damit noch alles weitgehend geordnet funktioniert, d\u00fcrfte die Natur es so eingerichtet haben, dass solche Ver\u00e4nderungen w\u00e4hrend der Reduktionsteilung der Geschlechtszellen, der Meiose, besonders wahrscheinlich sind, w\u00e4hrend der normalen Teilung, der Mitose, aber nicht.<\/p>\n<p class=\"western\">Sind nun \u00c4nderungen eingebaut, ist die ge\u00e4nderte Zelle ist aber nur eine unter vielen und muss sich im Wettlauf zur Befruchtung durchsetzen. Die Eizelle kann das, f\u00fcr Spermien wird das schon schwieriger. Und die \u00c4nderung muss auch zu einem lebensf\u00e4higen Embryo f\u00fchren, sonst war das wieder nichts. Aber irgendwie geschieht das im hinreichenden Ma\u00dfstab, um die Evolution in Gang zu halten, und mit einer relativ geringen Verlustrate (an der Stelle muss man allerdings auch einmal konzedieren, dass die nat\u00fcrliche Verlustrate h\u00f6her ist als das, was wir heute gesellschaftlich\/medizinisch akzeptieren. Wenn eines von 50 Kindern in der Natur nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig w\u00e4re, die Familien sich aber auf 1-2 Kinder beschr\u00e4nken statt 10-18 wie fr\u00fcher, bekommt der Verlust emotionell eine ganz andere Qualit\u00e4t, und man erm\u00f6glicht auch diesem Fehlexperiment aus Sicht der Natur medizinisch ein langes Leben. Wohin das f\u00fchrt, wird man wohl erst nach vielen Generationen feststellen k\u00f6nnen).<\/p>\n<p class=\"western\">Mit einem ver\u00e4nderten Individuum ist es aber noch nicht getan, denn die Ver\u00e4nderung muss sich auch ausbreiten. Nach den Mendelschen Gesetzen tr\u00e4gt nur die H\u00e4lfte der Nachkommen die Ver\u00e4nderung weiter, und erst in der zweiten Generation kann es zu \u201eReinbl\u00fctern\u201c kommen, wenn Geschwister sich paaren. In der Regeln wird einer der wenigen Tr\u00e4ger aber vermutlich auf einen der vielen Nichttr\u00e4ger treffen, und die Zahl der Tr\u00e4ger bleibt gering. Durchsetzen kann sich eine \u00c4nderung nur, wenn der Fortpflanzungserfolg eines Tr\u00e4gers besser ist als der eines Nichttr\u00e4gers. Anders als in Form dieser banalen Schlussfolgerung kann man das kaum formulieren, aber wohl kaum messen. Klar ist, dass ein Mensch mit langen Beinen besser vor einem Raubtier davon laufen kann als einer mit kurzen, aber die Unterschiede d\u00fcrften zu Beginn der Entwicklung wohl ziemlich marginal ausfallen, und vielleicht \u00fcberlebt der Lange ja auch nur deshalb h\u00e4ufiger, weil er au\u00dferdem schlau genug ist, den Kurzen vorgehen zu lassen und sich selbst im Hintergrund zu halten.<\/p>\n<p class=\"western\">Was ich damit eigentlich sagen will: Wissenschaftler betrachten die Evolution gerne vom Ergebnis her, und dann scheint es klar, dass unter gewissen Voraussetzungen der aufrechte Gang g\u00fcnstiger ist als eine Fortbewegung auf vier Beinen und die Entwicklung zwangsweise in diese Richtung laufen musste. Nun, sie ist in diese Richtung verlaufen, so viel steht fest, aber zwangsweise? Die Einzelschritte sind unvorhersehbar und in der Regel so marginal, dass ein echter Fortschritt gar nicht zu konstatieren ist. Die Durchsetzung eines bestimmten Merkmals kann dar\u00fcber hinaus auch im Gefolge anderer \u00c4nderungen verlaufen, die gar nicht im Blick der Interpretation sind. Man kann zwar versuchen, Modelle durchzurechnen, landet dann aber bei einem Dilemma, das heute sogar zu <a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/18\/statistischer-unfug-und-anderer-schwachsinn\/\">wirtschaftlichen Verwerfungen f\u00fchrt<\/a>:\u00a0 solche Rechnungen werden kaum verstanden und erzeugen bereits dadurch den Anschein einer wissenschaftlichen Seriosit\u00e4t, den sie genau betrachtet gar nicht haben. Wenn man die Blickrichtung einmal umkehrt, wird schnell deutlich, worauf ich anspiele: vom Augenblick her wird man f\u00fcr viele Spezies Vermutungen anstellen k\u00f6nnen, wie sie sich weiter entwickeln, aber abgesehen davon, dass niemand zeitlich in der Lage ist, die Entwicklung tats\u00e4chlich zu beobachten, d\u00fcrfte jeder ernsthafte Seher in die Zukunft zugeben, dass er nur seiner Fantasie freien Raum l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/17\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit\/\">zu Kapitel 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/20\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-4\/\">zu Kapitel 4<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 3: Ein bisschen Genetik Das Rennen, wie Entwicklungsvorg\u00e4nge ablaufen, d\u00fcrfte au\u00dfer in den Augen der in Kapitel 1 erw\u00e4hnten Hardliner Darwin gewonnen haben. Zumindest lag er im Wesentlichen richtig, wenn heute auch das Eine oder Andere korrigiert werden musste. Trotzdem scheint es auch heute noch Lamarckianer zu geben, Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-1911","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1911"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1911\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1934,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1911\/revisions\/1934"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}