{"id":1894,"date":"2018-09-17T12:47:36","date_gmt":"2018-09-17T10:47:36","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1894"},"modified":"2018-09-20T09:11:24","modified_gmt":"2018-09-20T07:11:24","slug":"eine-kurze-geschichte-der-menschheit-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/17\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-2\/","title":{"rendered":"Eine kurze Geschichte der Menschheit"},"content":{"rendered":"<h4>Kapitel 2: Das Problem (mit) der Wissenschaft<\/h4>\n<p>Solche \u00dcberlegungen, wie wir sie in Kapitel 1 angestellt haben, findet man selten bis gar nicht. Warum eigentlich nicht? Das Problem liegt in der (vermeintlichen) Seriosit\u00e4t, die sich die Wissenschaft gibt. Sie m\u00f6chte n\u00e4mlich <!--more-->ihre Thesen anhand von Belegen nachweisen k\u00f6nnen, und das kann sie leider definitiv nicht. Wild spekulieren ohne gro\u00dfen Faktenhintergrund darf man nur, wenn es um das Klima, die Gesundheit oder den Umweltschutz geht, vorausgesetzt, es kommt dabei heraus, dass Klima\u00e4nderungen nicht nur ausschlie\u00dflich vom Menschen verursacht sind, sondern sogar gesteuert werden k\u00f6nnen, fr\u00fchzeitiger Tod die Folge ist (Diesel, Veganer) oder gar kein Problem besteht, sondern alles nur aus Nickeligkeit einiger weniger erfolgt (Energieversorgung).<\/p>\n<p>Pal\u00e4ontologen sind auf Fossilfunde angewiesen, Arch\u00e4ologen auf nicht zerst\u00f6rte Wohnst\u00e4tten oder sonstige Spuren. Auch wenn viel gefunden wurde &#8211; das Standardwerk \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Lehrbuch-Pal\u00e4ozoologie-Allgemeine-Grundlagen-M\u00fcller\/dp\/3899370155\">Pal\u00e4ozoologie von Arno M\u00fcller<\/a> besteht aus 7 B\u00e4nden und ben\u00f6tigt alleine f\u00fcr die Dinogruppe 645 Seiten (Band III, Teil 2) f\u00fcr die Auflistung der Arten &#8211; es bleiben doch nur Knochenfunde aus vielen Millionen Jahren. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_homininer_Fossilien\">\u00c4hnliches gilt f\u00fcr Hominidenfunde<\/a>, die den Weg zum heutigen Menschen dokumentieren sollen. Oberfl\u00e4chlich besehen ist die Liste eindrucksvoll lang &#8211; 31 Funde f\u00fcr die Zeit vor 1-2 Millionen Jahren &#8211; aber wenn man nachrechnet, liegen zwischen den Funden nicht nur durchschnittlich 35.000 Jahre, sondern auch 10.000 km oder mehr. Verglichen mit der dokumentierten Geschichte entspricht der zeitliche Abstand der Funde etwa dem 7-8-fachen, und die Entfernung \u00fcberschreitet nicht selten die Ausbreitungsareale heute lebender Arten. Das gleiche Problem haben Arch\u00e4ologen, wenn sie fr\u00fche Wohnpl\u00e4tze untersuchen. Die waren zwar oft vielfach bewohnt, wie gerne betont wird, aber man muss schon selbst nachrechnen, dass zwischen den einzelnen Wohnphasen von 1-3 Jahren im Durchschnitt 500-1.000 Jahre lagen, in denen der Platz nicht bewohnt wurde.<\/p>\n<p>Der Grund hierf\u00fcr ist ganz einfach, dass nicht viele Orte \u00fcberhaupt f\u00fcr Fossilbildung geeignet sind. In W\u00e4ldern hat man allenfalls eine Fundchance, wenn ein Tier in ein Moor f\u00e4llt und unter Luftabschluss konserviert wird, ansonsten bleibt im Laufe der Zeit nichts \u00fcbrig. In der Savanne bleibt ebenfalls kein Rest \u00fcbrig, wenn eine Hy\u00e4ne sich der Sache annimmt. Chancen gibt es sonst noch in Gew\u00e4ssern, wenn ein Tier ertrinkt und vom Wasser an eine gesch\u00fctzte Stelle transportiert wird. Allerdings ist dann der Fundort nicht mehr der Todesort und m\u00f6glicherweise noch nicht mal das eigentliche Lebensareal. Als Ausgleich hat man allerdings die Chance, mehrere Individuen und nicht nur eines zu finden.<\/p>\n<p>Ist schon ein Einzelfund mehr als problematisch, um auf eine Gesamtheit zu schlie\u00dfen &#8211; man stelle sich vor, man finde ein menschliches Skelett, aus dem eine K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe von 195 cm abzuleiten ist, und leite daraus die Gr\u00f6\u00dfenverteilung der Bewohner von K\u00f6ln ab &#8211; sind die Funde \u00fcberdies selten vollst\u00e4ndig. Oft beschr\u00e4nken sich die Funde auf wenige Knochen (bei Flussfunden u.U. sogar von unterschiedlichen Individuen). Durch akribische Vergleiche leiten die Wissenschaftler daraus einigerma\u00dfen plausibel das Gesamtaussehen und biologische Verwandschaften ab &#8211; aber eben nur &#8222;einigerma\u00dfen plausibel&#8220;. Auch wenn es ungerne zugegeben wird, die Unsicherheitsrate d\u00fcrfte hoch sein, wenn aus einzelnen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mensch_von_Tautavel\">Sch\u00e4delknochen und Z\u00e4hnen sowie einigen Nebenfunden<\/a> Alter, Geschlecht und einiges andere &#8222;rekonstruiert&#8220; wird. Gar nicht zug\u00e4nglich sind k\u00f6rperliche Merkmale wie Behaarung oder gesellschaftliche Merkmale wie Lebensweise, Kommunikation, Werkzeuge usw.<\/p>\n<p>Abgesehen von Grabenk\u00e4mpfen untereinander wie die Zuordnung einzelner Z\u00e4hne zu Arten und Gattungen ist die Wissenschaft daher nach Au\u00dfen recht vorsichtig mit ihren \u00c4u\u00dferungen. Solche Modelle, wie wir in Kapitel 1 diskutiert haben, lassen sich zwar anhand gewisser Annahmen durchrechnen, aber die Annahmen lassen sich eben aufgrund von Funden nicht nachweisen. Gewisserma\u00dfen \u00e4hnelt das den Klimarechnungen, ist aber insofern wesentlich seri\u00f6ser als die Ergebnisse vorliegen und die Rechnung daher auf Plausibilit\u00e4t gepr\u00fcft werden k\u00f6nnen, w\u00e4hrend beim Klima allenfalls in einigen Jahrzehnten nachpr\u00fcfbar ist, ob die Annahmen \u00fcberhaupt stimmen (das Nachrechnen der vergangenen Eiszeiten verkneifen sich die Klimaleute aus gutem Grund in der Regel).<\/p>\n<p>Trotzdem tritt die Wissenschaft nach Au\u00dfen recht bestimmt auf, allerdings mit langen Laufzeiten, was Korrekturen aufgrund neuer Erkenntnisse angeht. Modellvorstellungen werden anhand von Kenntnissen entwickelt, und wenn die Kenntnisse nicht ausreichen, werden\/wurden gerne Anleihen aus der heutigen Zeit entlehnt. So spielt nach den Vorstellungen vieler Arch\u00e4ologen die Religion bereits sehr fr\u00fch in der Menschheit eine \u00fcbergro\u00dfe Rolle, weil das eben heute der Fall ist, aber darf man das wirklich ohne Belege in die Vergangenheit exportieren (wir kommen noch auf das Thema zu sprechen)? Von Zeit zu Zeit treffen sich die Koryph\u00e4en auf irgendwelchen Tagungen und diskutieren aus, was als \u00f6ffentliches Bild zu pr\u00e4sentieren ist. Und hier ist es wie anderswo, wo keine eindeutigen Fakten vorliegen: der anerkannteste Wissenschaftler pr\u00e4gt mit seiner Meinung zumindest sehr stark das Ergebnis, und m\u00f6glicherweise plausiblere Modelle werden in diesem Konkurrenzkampf untergeb\u00fcgelt. Man sagt tunlichst nichts anderes oder wenn, dann nur extrem vorsichtig, denn sonst droht Image- und Forschungsgeldverlust, und da jeder dieser Leute \u00fcber eine Entourage von Studenten in Kompaniest\u00e4rke verf\u00fcgt, die tunlichst auch nur das sagen, was der Chef h\u00f6ren will, landen wir bei einem relativ einheitlichen Bild, und das f\u00fcr lange Zeit. Denn erst wenn der Chef nach 20-30 Jahren abtritt und seinen Lehrstuhl einem Sch\u00fcler \u00fcberl\u00e4sst, hat der \u00fcberhaupt eine realistische Chance, seine Ideen, die er vielleicht schon seit Beginn seines Studiums gehabt hat, etwas bekannter zu machen.<\/p>\n<p>Zusammengefasst: Bei allem internen Gehacke tritt die wissenschaftliche Gemeinde nach Au\u00dfen relativ geschlossen, jedoch mit einem eingeschr\u00e4nkten und manchmal auch antiquiertem Weldbild auf, das obendrein eine lange Standzeit hat. Wenn man den Zeitraum, in dem freie Wissenschaft bislang \u00fcberhaupt erst existiert (Ende des 19. Jahrhunderts, wenn man so will), in Relation zur Einflu\u00dfzeit einer ma\u00dfgeblichen Koryph\u00e4e (bis zu 40-50 Jahren) setzt und ber\u00fccksichtigt, dass Wissenschaftsjournalisten wie alle Journalisten eher nicht nachdenken, sondern nur das zur Kenntnis nehmen, was sie gerade zur Kenntnis nehmen wollen, kann man sich schon ganz gut einen Eindruck vom Tr\u00e4gheitsmoment verschaffen.<\/p>\n<p>Man kann nun das Thema dieser Artikelserie auch ganz einfach im Internet oder in B\u00fcchern nachlesen, was sie einfach \u00fcberfl\u00fcssig machen w\u00fcrde. Wenn ich sie trotzdem schreibe, dann um auf einige Modellalternativen hinzuweisen, die von der Standardwissenschaft nicht (offen) diskutiert wird. Man kann diese Alternativen durchrechnen, was hier nat\u00fcrlich nicht explizit vorexerziert wird. Da wir immer in die Vergangenheit schauen, l\u00e4sst sich aber jeweils pr\u00fcfen, ob die \u00fcberpr\u00fcfbare Realtit\u00e4t herauskommt. Bevor wir auf Details der Menschheitsentwicklung kommen, werfen wir aber noch einen Blick auf die genetische Evolution.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/17\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit\/\">zu Kapitel 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/20\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-3\/\">zu Kapitel 3<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 2: Das Problem (mit) der Wissenschaft Solche \u00dcberlegungen, wie wir sie in Kapitel 1 angestellt haben, findet man selten bis gar nicht. Warum eigentlich nicht? Das Problem liegt in der (vermeintlichen) Seriosit\u00e4t, die sich die Wissenschaft gibt. Sie m\u00f6chte n\u00e4mlich Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-1894","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1894","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1894"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1894\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1917,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1894\/revisions\/1917"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1894"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1894"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1894"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}