{"id":1795,"date":"2018-07-27T08:59:27","date_gmt":"2018-07-27T06:59:27","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1795"},"modified":"2018-07-27T08:59:27","modified_gmt":"2018-07-27T06:59:27","slug":"illusion-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/07\/27\/illusion-eu\/","title":{"rendered":"Illusion EU"},"content":{"rendered":"<p>Der Mensch ist ein soziales Wesen, will hei\u00dfen: man trifft in meist in Gruppen an, und wenn jemand in sichtbarer Not ist, wird in der Regel geholfen. Warum das nicht ausnutzen und <!--more-->sich \u00fcbernational zusammentun? So die Grundidee der EU, und eine Menge Leute bem\u00fchen sich, so etwas wie die Vereinigten Staaten von Europa (USE) zu formen.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es im Kleinen bereits solche Probleme, dass man das Funktionieren einer USE mit Fug und Recht bezweifeln darf. Da ist nicht nur das allgegenw\u00e4rtige Fl\u00fcchtlingsproblem erst k\u00fcrzlich Zugewanderter, da ist auch das hartn\u00e4ckig verschwiegene Problem der schon l\u00e4nger hier Zugewanderter, die seit eh und je Parallelgesellschaften bilden, ohne dass sich \u00fcber Jahre und Jahrzehnte etwas daran ge\u00e4ndert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Nun kann man auch argumentieren, &#8222;das sind die Primitiven, die Probleme machen&#8220;, und sucht flugs Beispiele gelungener Integration. Und in der Tat gibt es ja auch viele &#8222;S\u00fcdl\u00e4nder&#8220;, die mit den Wei\u00dfbroten der Urbev\u00f6lkerung abh\u00e4ngen, ohne dass man irgendeine Form der Ausgrenzung beobachten kann. Wird ein S\u00fcdl\u00e4nder vielleicht beim ersten Kontakt noch argw\u00f6nisch begutachtet, \u00e4ndert sich das meist, wenn ein regul\u00e4res Gruppenmitglied &#8222;das ist mein Kumpel Mahmut&#8220; verk\u00fcndet und der neue Kumpel sich mit &#8222;Yep, wir kennen uns vom Sportverein und haben schon so manche Nacht zusammen durchgemacht&#8220; zulegt. Also doch eine Chance?<\/p>\n<p>Nicht wirklich. Der Mensch ist n\u00e4mlich noch st\u00e4rker als ein soziales ein kommunikatives Wesen, und da liegt das Problem. Im Urlaub mit Leuten anderer Nationen klarzukommen ist kein Problem, denn ein Brot kann man auch durch draufzeigen kaufen (obwohl die Probleme bereits da beginnen, wenn der deutsche Rentner ein Zigeunerschnitzel und kein NoComprendo essen will und das Verst\u00e4ndigungsproblem offenbar nur an der Lautst\u00e4rke liegt, mit der der Wunsch ge\u00e4u\u00dfert wird). Der Urlaub ist aber eine Sondersituation, das t\u00e4gliche Leben etwas anderes. Eine Kommunikation kann nur funktionieren, wenn alle die gleiche Sprache sprechen. Und das tun sie eben nicht.<\/p>\n<p>Im Kleinen f\u00e4ngt das dort an, wo eine Gruppe T\u00fcrkisch, Arabisch oder sonst was schnackt und dabei auch noch aufgeheitert wirkt. Alle anderen, in diesem Fall die Biodeutschen, werden von der Kommunikation ausgeschlossen, und wenn man nicht wei\u00df, um was es geht, bauen sich automatisch innere Widerst\u00e4nde auf. Machen die sich \u00fcber mich lustig? Wollen sie mich gar anmachen? Diese Reaktion ist mehr oder weniger Basispsychologie und hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Man kann sich in der Beziehung auch mal einer Selbstbeobachtung unterziehen. St\u00f6\u00dft man in der \u00d6ffentlichkeit auf eine Gruppe, deren Mitglieder aussehen wie man selbst, die aber Russisch quatscht, ist die Distanz sofort gr\u00f6\u00dfer als zu einer Gruppe S\u00fcdl\u00e4nder, die fr\u00f6hlich Deutsch sprechend durch die Gegend zieht. Dabei geht es gar nicht darum, die Leute zu belauschen, sondern nur darum, rechtzeitig verstehen zu k\u00f6nnen, wenn sich etwas aufbaut. Das Fremde wird oft weniger am Aussehen als an der Sprache identifiziert, und Leute, die in Rostock \u00fcber einen Markt marschieren und sich misstrauisch beobachtet f\u00fchlen, sollten sich einmal fragen, ob das tats\u00e4chlich an ihrem s\u00fcdl\u00e4ndischen Aussehen liegt oder eher daran, dass sie lautstark Georgisch lamentierend \u00fcber den Platz marschieren.<\/p>\n<p>So weit zum Kleinen. Bez\u00fcgliche der USE kommen noch viele unterschiedliche Nationalit\u00e4ten und Mentalit\u00e4ten dazu. Kernst\u00fcck ist aber auch hier erst einmal die Sprache. F\u00fcr die USE-Verfechter ist kein Problem in Sicht, wobei sie \u00fcbersehen, dass sie permanent mit einem Knopf im Ohr durch die Gegend pilgern und ihnen ein Dolmetscher vorfl\u00fcstert, was der Kollege aus Slowenien gerade gesagt hat. Mit so einem Babelfisch l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich leicht leben. Anders sieht das f\u00fcr den Normalb\u00fcrger aus. Schlie\u00dflich ist das Leben in der USE kein Urlaub, und man muss deutlich komplexere Sachverhalte ausdr\u00fccken als in der Boulangerie oder Charcuterie. Und da passiert es dann, dass man sich als Deutscher an die Zentralverwaltung in Br\u00fcssel mit einem Anliegen wendet und von dort die Antwort bekommt<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;We are not able to process your request. Please send us your request in English or French&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>bekommt. Was schon in zweierlei Hinsicht bemerkenswert ist: Deutsch wird, wenn man \u00d6sterreich, die Schweiz und einige Minderheitsgebiete dazu rechnet, von ann\u00e4hernd 100 Mio. Menschen in der 500 Mio Einwohner z\u00e4hlenden EU gesprochen, und die Zentralverwaltung versteht das nicht? Und dann soll ausgerechnet Englisch geschrieben werden, wo doch die Briten gar nicht mehr in der EU sind (nun, ja, die Iren schon, aber sind die der Ma\u00dfstab?).<\/p>\n<p>Illusion EU, bzw. USE! Wie soll etwas funktionieren, wenn man als B\u00fcrger nicht in der Lage ist, seiner Zentralregierung klar zu machen, was man von ihr will? Selbst wenn es f\u00fcr Deutsche ginge, bliebe immer noch der Slowene und viele andere kleinere Nationen. Sollen die alle ausgegrenzt werden? Regiert von einer USE-Dikatatur, die sich Demokratie schimpft? Sorry, das kann und wird nicht funktionieren! Eine Gruppe Berufsbunter mag vielleicht in der Lage sein, so ein Gebilde zusammen zu zwingen, aber die Widerst\u00e4nde werden wachsen, und zwar aus ganz primitiven psychologischen Gr\u00fcnden: dieses Gebilde ber\u00fccksichtigt nicht, dass der Mensch vorzugsweise eine kommunikative Spezies ist. Keine Kommunikation &#8211; aus die Maus. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, wenn die &#8222;Macher&#8220; der EU sich nicht nur an ihren politischen Illusionen orientieren w\u00fcrden, sondern auch die Grundprinzipien menschlichen Zusammenlebens, und die EU auf das zur\u00fcckfahren w\u00fcrden, was das \u00fcbernationale Zusammenleben erleichtert. Aber so lange man nicht einsieht, dass Naturgesetze absolut undemokratisch und humorlos sind &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mensch ist ein soziales Wesen, will hei\u00dfen: man trifft in meist in Gruppen an, und wenn jemand in sichtbarer Not ist, wird in der Regel geholfen. 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