{"id":1704,"date":"2018-05-31T08:35:07","date_gmt":"2018-05-31T06:35:07","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1704"},"modified":"2018-05-31T08:35:07","modified_gmt":"2018-05-31T06:35:07","slug":"geht-so-tourismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/05\/31\/geht-so-tourismus\/","title":{"rendered":"Geht so Tourismus?"},"content":{"rendered":"<p>Die ostfriesische K\u00fcste zwischen Emden und Wilhelmshaven gilt ja als Tourismusgebiet. Weite Landschaft, wohin man schaut &#8230; oder zumindest fast, denn <!--more-->w\u00fcrde man die Windkraftwerke braun-gr\u00fcn anstreichen, k\u00f6nnte man auch fallweise meinen, man befinde sich im bayerischen Wald, so dicht stehen sie inzwischen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Meeresurlauber stellt die K\u00fcste schon einen Unterschied zu dem dar, was \u00fcblicherweise in Hochglanzprospekten abgebildet wird. Das Meer ist meistens einige Kilometer weit entfernt und \u00fcberschwemmt ohne die bekannten Wellen eine weite Schlickebene, in der man kn\u00f6cheltief versinkt. Wattenmeer nennt man das, und wer Meer im klassischen Sinn sehen will, muss schon auf die Inseln \u00fcbersetzen. Auch Sand sucht man vergeblich: der K\u00fcstenschutz operiert vorzugsweise mit Beton und vorgelagerten Salzwiesen, die zwar auch recht h\u00fcbsch aussehen k\u00f6nnen, aber meist nicht betreten werden d\u00fcrfen, weil sich allerlei Getier gest\u00f6rt f\u00fchlen k\u00f6nnte (was es allerdings meist nicht macht). \u00dcber gro\u00dfe Strecken sieht man aber selbst das nicht. Die Wege, auf denen man sich Fahrrad fahrend bewegt (Wandern ist bei Strecken ab 10 km nicht angesagt), liegen oft auf der Innenseite des Deiches, was nur den halben Fahrspa\u00df gegen\u00fcber dem Wendland ergibt, denn da hat man zumindest auf beiden Seiten Felder.<\/p>\n<p>An einigen Stellen, an denen ins Meer entw\u00e4ssert wird und Fischerh\u00e4fen liegen, hat man ein wenig Sand angeh\u00e4uft, auf dem ein paar Strandk\u00f6rbe stehen. So als Touristenattraktion, meist neben einem schlichten und wenig ansehnlichen F\u00e4hrhafen, in dem auch ein paar Fischerboote und ein paar Yachten liegen k\u00f6nnen. Von dort aus kann man die m\u00e4\u00dfig pittoresken D\u00f6rfer besuchen, wandert aber schnell durch gr\u00f6\u00dfere Ferienwohnungsgebiete, die sich nicht von jedem Wohndorf im M\u00fcnsterland unterscheiden, wenn man vom Weg abkommt.<\/p>\n<p>Trotzdem k\u00f6nnte man ja auf die Idee kommen, w\u00e4hrend eines Urlaubs (oder auch als Einheimischer) die diversen Siele mal abzuklappern und Eindr\u00fccke zu sammeln. Das Problem: mit dem Fahrrad schafft man kaum mehr als 2 aufgrund der Strecken, \u00f6ffentliche Verkehrsmittel sind etwa so h\u00e4ufig wie der Dodo (wer in die Kreisstadt muss, bucht am Besten gleich eine \u00dcbernachtung mit, denn zur\u00fcck kommt er in der Regel am gleichen Tag nicht mehr), also bleibt nur das Auto. Gute Idee &#8211; wenn man denn einen Sack mit M\u00fcnzen dabei hat. Mit ganz wenigen Ausnahmen im Westen ist n\u00e4mlich jeder Quadratzentimeter (wirklich jeder!) mit Parkautomaten zugepflastert. 50 ct\/halbe Stunde, Tagessatz 5 \u20ac (der Automat wechselt nicht!). Logisch, dass das Betreten des Sandstreifens (abgez\u00e4unt) meist ebenfalls mit einer finanziellen Auflage verbunden ist.<\/p>\n<p>Gut besucht sind i.d.R. die Womostellpl\u00e4tze. Ich bin ebenfalls Womo-Fahrer und trotzdem immer hin und hergerissen, wenn ich mir die Leutechen anschaue, zwischen zwei wei\u00dfen W\u00e4nden auf Betonboden ihr St\u00fchlchen aufbauend und dann auf der einen Seite die Betonmohle, auf der anderen den Rest des Parkplatzes bewundernd. Die Luft mag besser sein, der Ger\u00e4uschpegel geringer, aber die Optik \u00e4hnelt einer Autobahnrastst\u00e4tte zwischen LKWs. Nun ja, jedem das Seine.<\/p>\n<p>Man kann sich nat\u00fcrlich fragen, ob das sein muss: Urlauber bezahlen Mieter (Steuereinnahmen), Kurtaxe, gehen Essen (weitere Steuereinnahmen) oder Einkaufen (wieder Steuereinnahmen). Muss diese zus\u00e4tzlich Abzocke auf Parkpl\u00e4tzen oder am Strand auch noch sein? Einheimische verirren sich allenfalls noch mit dem Fahrrad in die Orte, was die Kundschaft auf die n\u00e4here Umgebung begrenzt. Und auch manche Touristen scheint das abzuschrecken: die Betr\u00e4ge machen zwar nicht arm, aber Kleinigkeiten st\u00f6ren oft st\u00e4rker als wirkliche Hindernisse, und ich habe den Eindruck als w\u00fcrden die Kurzbesucher, die nur eben mit dem Auto vorbeischauen, aber nicht \u00fcber Nacht bleiben, weniger. Kneipen und Restaurants sind au\u00dfer in den Sielorten mit ausgedehnten Ferienwohnungssiedlungen inzwischen Mangelware, wie allerdings fast \u00fcberall in Norddeutschland. Wenn ein 0,3 l Bier deutlich mehr kostet als in Bayern ein halbes Mass, geht der Umsatz zur\u00fcck, was wieder den Druck auf die Preise erh\u00f6ht usw. Bleibt nur das Touristengesch\u00e4ft, und das ist saisonal und kann nur wenige Wirtschaften am Leben erhalten.<\/p>\n<p>Ich frage mich bei solchen Sachen immer, ob weniger (Abzocke) nicht mehr ist. Ob Leute, die mit einem Grummeln im Bauch ob der 1,50 \u20ac am Parkautomaten wegfahren, wirklich wiederkommen oder das erst machen, wenn sie den \u00c4rger vergessen haben. Ob man nicht verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig mehr Geld in Restaurants und Gesch\u00e4ften l\u00e4sst, wenn man nicht schon beim Parken und Sonnebaden \u00fcbers Ohr gehauen wird. Zumindest w\u00e4re es bei mir so. Zu Leuten, die mich \u00e4rgern, gehe ich kein zweites Mal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ostfriesische K\u00fcste zwischen Emden und Wilhelmshaven gilt ja als Tourismusgebiet. 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