{"id":1700,"date":"2018-05-30T09:20:27","date_gmt":"2018-05-30T07:20:27","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1700"},"modified":"2018-05-30T09:20:27","modified_gmt":"2018-05-30T07:20:27","slug":"datenschutz-was-wird-eigentlich-geschuetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/05\/30\/datenschutz-was-wird-eigentlich-geschuetzt\/","title":{"rendered":"Datenschutz: was wird eigentlich gesch\u00fctzt?"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man sich das uns\u00e4gliche Gefasel zum Datenschutz anh\u00f6rt, stellt sich irgendwann die Frage, was da eigentlich vor wem gesch\u00fctzt werden soll. <!--more-->Aufh\u00e4nger f\u00fcr die Datensch\u00fctzer sind meist zwei B\u00f6sewichte:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Internetkonzerne oder allgemeiner alle Handel treibende im Internet, die Daten \u00fcber ihre Kunden sammeln und datenbezogene Dienste anbieten.<\/li>\n<li>Hacker, die Server geknackt haben und dadurch an Nutzerdaten gekommen sind, die sie nun f\u00fcr irgendetwas ausnutzen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>So nebenbei ins Schussfeld sind mit den Verordnungen und Gesetzen auch die kleinsten Lichter am Internethimmel &#8211; private Seitenbetreiber und Vereine &#8211; geraten, die vermutlich am Meisten von der Abmahnabzocke betroffen sein werden. Dabei kann man die von vornherein als B\u00f6sewichte ausschlie\u00dfen, denn was will ein Blogbetreiber wie ich mit der Handvoll Emailadressen seiner Abonnenten oder die Fu\u00dfballfanseite mit ihren paar hundert absolut gleich Gesinnten schon f\u00fcr Unfug anstellen?<\/p>\n<p>Kaum etwas zeigt die Verbl\u00f6dung der Datensch\u00fctzer auch, wenn Hacker als Grund f\u00fcr Datenschutzgesetze angef\u00fchrt werden. Hacker verschaffen sich eben nicht mit legalen Mitteln Zutritt zu den Daten, sondern aufgrund von Fehlern, die sich die Programmierer geleistet haben, und zwar oft nicht die Programmierer der Webseiten, sondern sehr viel weiter in den Kernen drin. Ein ganzer Zweig der IT-Sicherheitsbranche betreibt die Absicherung von Webseiten, d.h. die Pr\u00fcfung der Anwendungen auf L\u00fccken, und jede gr\u00f6\u00dfere Firma mit einem Webseitenauftritt hat Audits in der Beziehung hinter sich gebracht. Ein andere Einbruchsweg f\u00fcr Hacker sind Insider, die Informationen rausr\u00fccken, also die negative Version von Whistle Blowern, und gegen die gibt es keine gesetzlichen Mittel.<\/p>\n<p>In einer Beziehung stehen Hacker allerdings doch zu Recht im Visier, wenn man sich den Angriff auf das Bundestagsnetz anschaut. 500 Abgeordnete, alle nat\u00fcrlich hervorragend ausgebildete Experten in Sachen IT-Sicherheit, haben sich einen Schei\u00dfdreck um die Vorgaben der BSI-Experten gek\u00fcmmert und willk\u00fcrlich ihren eigenen Schei\u00df auf den Rechnern installiert oder Sicherheitssoftware nicht genutzt, weil das zwei Mausklicks mehr erfordert (zwei Mausklicks sind angesichts nur zweier Gehirnzellen\/ Abgeordnetem allerdings auch eine \u00dcberforderung). Um das abzustellen braucht man allerdings keine Datenschutzverordnung, sondern lediglich ein B\u00fcndel Weidenzweige und ein paar kr\u00e4ftige Mitarbeiter, um jedem dieser Experten kr\u00e4ftig den Arsch zu versohlen.<\/p>\n<p>Bleiben noch die gr\u00f6\u00dferen Internetunternehmen. Die verdunkeln nun ihre Seite erst einmal, bevor sie etwas darstellen, und man darf zustimmen, dass sie alles so weiter machen d\u00fcrfen wie bisher, bevor sich irgendetwas regt. Oder sie m\u00fcllen ihre Kunden mit Emails zu, in denen sie beteuern, wie wichtig ihnen der Schutz der Daten ist, und man kommt mit dem L\u00f6schen nicht mehr nach (am Besten auf Spam dr\u00fccken, dann werden irgendwann diese Meldungen automatisch unterdr\u00fcckt. Datenschutz? Wovor denn? Werbung? Mal ehrlich, die meisten d\u00fcrften froh sein, wenn sie dringend ein bestimmtes Produkt ben\u00f6tigen und es prompt angeboten bekommen, ohne lange zu suchen.<\/p>\n<p>Es gibt aber eine Reihe von Daten, die hervorragend gesch\u00fctzt sind, und das schon seit langem. N\u00e4mlich die von allerlei B\u00f6sewichten. Ein paar Beispiele gef\u00e4llig?<\/p>\n<ul>\n<li>In einigen St\u00e4dten hatte die Polizei Kameras in \u00f6ffentlichen Parks installiert, um das Drogenproblem in den Griff zu bekommen. Wenn Neger in der Nacht ihren dunklen Gesch\u00e4ften nachgehen, ist das f\u00fcr den B\u00fcrger bedrohlich, und fallweise wurde berichtet, dass man Parks in Berlin nicht mehr durchqueren konnte, ohne 5-6 Mal Drogen angeboten zu bekommen. Die Kameras waren ein Erfolg, bis sich ein paar Hundebesitzer \u00fcber die Verletzung ihres Datenschutzes beklagten, vorzugsweise weil sie ihre verzogenen Flohkisten die Gegend vollschei\u00dfen lie\u00dfen, ohne das Zeug zu beseitigen (Nein! Wie eklig! Das fasse ich nicht an!). Also: Kameras wieder weg, damit Drogen und illegale Hundeschei\u00dfe datenm\u00e4\u00dfig gesch\u00fctzt sind.<\/li>\n<li>Jemand randaliert in der Nachbarschaft und besch\u00e4digt beispielsweise Autos? Da hilft doch eine Kamera! Nicht nach deutschen Datenschutzrecht! Selbst eine Kameraatrappe muss entfernt werden, weil sich eine Nachbarin trotz Kenntnis des Attrappendaseins in ihrer Datenhoheit bedroht f\u00fchlt. Ich wei\u00df nicht, was die Nachbarin so treibt, aber gesch\u00fctzt werden nur die Daten des Verbrechers. Das geht sogar noch weiter: wenn man den Hauseingang \u00fcberwachen will, weil schon des \u00d6fteren ungebetene G\u00e4ste kommen, darf eine Kamera ausschlie\u00dflich den eigenen Klingelknopf zeigen; man darf nicht sehen, bei wem jemand u.U. klingelt, denn das f\u00e4llt unter Datenschutz.<\/li>\n<li>Dashcam in Autos helfen \u00fcberall auf der Welt, Unf\u00e4lle aufzukl\u00e4ren und Betr\u00fcgereien schwierig zu machen. Gegebenenfalls werden sie folgerichtig auch gegen die Dashcambesitzer eingesetzt, wenn die Aufnahmen das so hergeben. In Deutschland nicht. Zwar lassen Gerichte zunehmend auch Dashcamaufnahmen zu, allerdings nicht ohne die Besitzer gleichzeitig mit einer Ordnungsstrafe zu belegen, weil sie gegen den Datenschutz versto\u00dfen haben. Das gilt selbst dann, wenn man nur die Gegend f\u00fcr den Urlaubsfilm aufnimmt und dabei erwischt wird. Ob es sich um Urlaubsaufnahmen handelt (prinzipiell erlaubt) oder um Versto\u00df gegen den Datenschutz, weil man den Film auch Freunden zeigt, liegt in der Willk\u00fcr der Beamten. Also: ein Auto mit zwei S\u00fcdl\u00e4nder setzt sich vor einen, legt den R\u00fcckw\u00e4rtsgang ein und t\u00e4usch einen Auffahrunfall vor. Mit der Dashcam kommen sie nicht durch, aber der Gesch\u00e4digte wird trotzdem mit einem Bu\u00dfgeld belegt, und das kann theoretisch bis zu 300.000 \u20ac betragen.<\/li>\n<li>Ein Autofahrer hatte mehrfach Verkehrsrowdies angezeigt, teilweise mit Fotos als Beweismittel. Immerhin ist er mittelbar Betroffener, d.h. es k\u00f6nnte auch ihn erwischen, wenn das Rowdietum mal schief geht. Ergebnis: eine saftige Ordnungsstrafe wegen Versto\u00dfes gegen das Datenschutzgesetz. Gesch\u00fctzt wird der gef\u00e4hrliche Verkehrsteilnehmer. Anders bei der Datenschutzverordnung: Anw\u00e4lte, die nicht mittelbar gesch\u00e4digt sind (vermutlich ist in den meisten F\u00e4llen \u00fcberhaupt niemand gesch\u00e4digt), mahnen Leute massenhaft wegen formaler Vert\u00f6\u00dfe ab. Eine gewerbsm\u00e4\u00dfig betriebene N\u00f6tigung zum Zwecke der eigenen Bereicherung wird vom Staat ausdr\u00fccklich unterst\u00fctzt. Noch weiter geht der Staat selbst: im Rahmen der v\u00f6llig unsinnigen Dieselfahrverbote denkt die Stadt K\u00f6ln beispielsweise \u00fcber eine automatische Erfassung der Kennzeichen nach, um die Fahrer abzukassieren. Abgesehen davon, dass die Zentralregister vermutlich nicht den aktuellen Stand widerspiegeln, will sich der Staat das Recht nehmen, jeden B\u00fcrger l\u00fcckenlos zu kontrollieren, Datenschutz hin oder her.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gesch\u00fctzt werden somit vorzugsweise die Daten von Verbrechern, und das auch im Kleinen. Widerlich ist zum Beispiel die Unsitte, Aufnahmen von Unf\u00e4llen oder Leuten in peinlichen Situationen ins Netz zu stellen. An der Stelle ist Datenschutz wirklich notwendig und sinnvoll. Man kann allerdings die Betreiber der Internetplattformen nur h\u00f6flich bitten, die Sachen zu L\u00f6schen. Bereits die Bitte, die Identit\u00e4t des Urhebers rauszur\u00fccken, um diesen zur Rechenschaft zu ziehen, scheitert in der Regel: die Identit\u00e4t ist aus datenschutzrechtlichen Gr\u00fcnden nicht zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Im Grunde braucht man den ganzen Datenschutzdreck nicht. Wer nicht will, dass bestimmte Daten nicht allgemein bekannt sind, sollte eben an den entsprechenden Stellen die Fresse halten und nicht alles rausposaunen. N\u00fctzlich w\u00e4re es hingegen, wenn man im Internet genauso verfahren m\u00fcsste wie im Vorinternet: ein verbindliches Impressum f\u00fcr jede Nachricht. So lange man in einer Demokratie lebt, sind anonyme Konten v\u00f6llig unn\u00f6tig. Selbst die Schweiz konnte man zwingen, anonyme Bankkonten zu l\u00f6schen. Wieso sollte es nicht m\u00f6glich sein, Fakebook zu zwingen, Nutzer nur mit Identit\u00e4tsnachweis zuzulassen? &#8222;Ich bin 16 Jhre alt&#8220; kann auch ein 12-j\u00e4hriger erfolgreich anklicken, vom falschen Namen und dem anonymen Mailkonto auf den Bahamas einmal abgesehen.<\/p>\n<p>Aber vermutlich sind sinnvolle Ma\u00dfnahmen wieder einmal viel zu einfach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man sich das uns\u00e4gliche Gefasel zum Datenschutz anh\u00f6rt, stellt sich irgendwann die Frage, was da eigentlich vor wem gesch\u00fctzt werden soll. 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