{"id":1559,"date":"2018-04-04T09:39:26","date_gmt":"2018-04-04T07:39:26","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1559"},"modified":"2018-04-04T09:39:26","modified_gmt":"2018-04-04T07:39:26","slug":"die-evolution-der-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/04\/04\/die-evolution-der-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Die Evolution der Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die menschliche Gesellschaft hat im Laufe der Zeit mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen, war aber jeweils \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume stabil, nachdem sie sich auf dem jeweils neuen Modell stabilisiert hatte. <!--more--><\/p>\n<p>Das urspr\u00fcngliche Modell ist das des J\u00e4gers und Sammlers, das mit einer geringen und sich selbst begrenzden Gesamtbev\u00f6lkerungsanzahl verbunden ist. Begrenzender Faktor ist die Ern\u00e4hrungslage, die stark schwanken kann. Biologisch f\u00fchrt dies zu einer relativ hohe Geburtenrate, um in guten Jahren vom Flaschenhals der genetischen Uniformit\u00e4t wegzukommen, der in schlechteren Jahren durch eine hohe Sterblichkeit begegnet wird. Das einzelne Leben ist von begrenztem Wert, die Gesellschaft aber wenig aggressiv, da das Regulativ die Umwelt ist und genetische Auff\u00fcllung durch andere St\u00e4mme biologisch sinnvoller als gegenseitiges Ausrotten.<\/p>\n<p>Mit dem \u00dcbergang zur Hirten- und Landwirtschaftsgesellschaft wird das Umweltregulativ teilweise ausgeschaltet. Die Bev\u00f6lkerungsdichte wird h\u00f6her, bleibt (blieb) aber \u00fcber Jahrtausende ebenfalls erstaunlich stabil, wie Sch\u00e4tzungen von Arch\u00e4ologen und Anthropologen zeigen. Die hohe Geburtenrate bleibt, da biologisch bedingt, das Regulativ sind aber nun Seuchen, die sich durch die dichtere Besiedlung leicht ausbreiten k\u00f6nnen, und, da das alleine nicht gen\u00fcgt, starke gesellschaftliche Aggression: man bringt die Nachbarn so lange um, bis ein gewisssen Gleichgewicht an Ern\u00e4hrungsgrundlage und Bev\u00f6lkerungsdichte erreicht ist. Das einzelne Leben in dieser Gesellschaft ist weiterhin von sehr begrenztem Wert: wenn von 10 oder mehr Kindern letztlich 2 \u00fcberleben, gen\u00fcgt das, und man bindet sich emotional nur begrenzt an den Nachwuchs.<\/p>\n<p>In der nachfolgenden Gesellschaftsform, an der sehr lange in der einen oder anderen Art herumexperimentiert wurde (partiell bereits in der Antike), die aber in ihrer eigentlichen Auspr\u00e4gung kaum mehr als 150 Jahre alt ist, wird durch bessere Hygiene und Wissenschaft das Sterblichkeits- und Ern\u00e4hrungsproblem beseitigt. Mit einigen Nachteilen: die Nahrung verliert ihre biologische Vielfalt und wird sehr empfindlich: Getreide beschr\u00e4nkt sich auf wenige genetisch einheitliche Arten und muss chemisch (mit zunehmenden Problemen) gesch\u00fctzt werden, Fleisch kann praktisch nur noch unter Quarant\u00e4nebedingungen produziert werden. Die starke Vermehrung der Bev\u00f6lkerung kann nur noch durch immer brutalere Kriege unter Kontrolle gehalten werden. Allerdings ist das nur der Anfang weiterer Umw\u00e4lzungen.<\/p>\n<p>Da insbesondere die Kindersterblichkeit sinkt, gewinnt das individuelle Leben an Bedeutung. Man bindet sich emotional st\u00e4rker an weniger Kinder, und da dem Menschen auch mehr Raum der pers\u00f6nlichen Entfaltung einger\u00e4umt werden kann, je h\u00f6her der Technisierungs-\/Zivilisierungsgrad wird, kann die Bev\u00f6lkerungszahl sogar sinken. Dies lie\u00df sich insbesondere in den westeurop\u00e4ischen Staaten in den letzten Jahrzehnten beobachten: Deutsche, Franzosen und andere wurden weniger. Wenn man genauer hinschaut, ist dieser Effekt davon abh\u00e4ngig, wieviel individuellen Freiraum man den Menschen gew\u00e4hrt. Einfach gesprochen: wenn man ins Kino gehen oder in Urlaub fahren kann, macht man das, aber wenn Ficken der einzige Ausgleich zum tristen Alltag ist &#8230;<\/p>\n<p>Je nach Sichtweise ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen oder wird durch die Digitalisierung auf eine neue Stufe gehoben. Traditionell muss man die Leute ja besch\u00e4ftigen, also in Arbeit halten, und der Verdienst muss so sein, dass die Individualit\u00e4t auf die Vermehrungsrate Einfluss nimmt und Aggression vermindert. Bereits heute haben aber viele Leute Bullshitjobs, die wenig befriedigen, und die Digitalisierung wird es erlauben, noch mehr Arbeit von den Maschinen erledigen zu lassen. Der Mensch wird freigestellt oder &#8211; nach den derzeitigen Wirtschaftsmodellen &#8211; in Bullshitjobs besch\u00e4ftigt. Was das ist, wird hier ganz treffen beschrieben:<\/p>\n<p>https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PIl1ZOKT3BI<br \/>\nBislang gibt es keinerlei Bildungs- und Wirtschaftsmodelle, die diese Entwicklung ber\u00fccksichtigen. Aber ok, dazu gibt es ja die Zukunft.<\/p>\n<p>Sehr viel problematische ist allerdings eine ganz andere Sache. In einem Anflug v\u00f6lliger Irrationalit\u00e4t werden Teile der Gesellschaft 3.0 n\u00e4mlich in die Gesellschaft 2.0 exportiert, mit m\u00f6glicherweise sehr fatalen Folgen. Primitive Gesellschaften in dem Sinn, dass die Technisierung gesellschaftlich abgelehnt wird und eine hohe Kinderzahl weiterhin das A und O ist, werden in dem Sinn &#8222;unterst\u00fctzt&#8220;, dass von 10 Kindern nun 9 am Leben bleiben und nicht nur 2. Die Folge ist eine Bev\u00f6lkerungsexplosion, die dazu f\u00fchrt, dass die parallele gesellschaftliche Entwicklung zur Moderne unterbleibt und inzwischen Ausma\u00dfe annimmt, die selbst mit den technischen Mitteln der Kriegsf\u00fchrung nicht mehr kontrollierbar ist. Die Irrationalit\u00e4t liegt darin, dass bei dem Blick auf den Wert des einzelnen Lebens, dass sich in der modernen Industriegesellschaft ausgepr\u00e4gt hat, der Blick aufs Grobe v\u00f6llig verloren wurde &#8211; mit fatalen Folgen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel mag das verdeutlichen: in der Fl\u00fcchtlingskrise wird stets von den bedauernswerten Einzelschicksalen berichtet. So wird jeder in Mittelmeer ertrunkene Fl\u00fcchtling zu einem Desaster aufstilisiert (was es ja auch ist), dass zur Begr\u00fcndung missbraucht wird, man m\u00fcsse die Leute retten und aufnehmen. Schaut man auf die Zahlen, stellt man aber fest, dass die Wahrscheinlichkeit, zu Ertrinken, selbst zu den schlimmsten Zeiten etwa bei 2% lag und damit nicht gr\u00f6\u00dfer war als unter den Bedingungen der Herkunftsl\u00e4nder ein \u00e4hnliches Schicksal zu erleiden. Dagegen stand eine mehr als 90%-ige Wahrscheinlichkeit (unter Ber\u00fccksichtigung der Abschiebungs- und anderer Gefahren), f\u00fcr sein Leben ausgesorgt zu haben. Die Leute haben trotz allem auch Internet, und letztlich hat dieses Gutmenschentum, wie es heute genannt wird, mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu gef\u00fchrt, dass trotz der Rettungsaktionen wesentlich mehr Menschen ertrunken sind als wenn von vornherein die richtigen Signale gesetzt worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Derzeit geht auch niemandem in der Gutmenschenriege die Irrationalit\u00e4t auf, dass Leute, die es \u00fcber die Grenze schaffen, hier bedingungslos mit Wohltaten \u00fcbersch\u00fcttet werden, w\u00e4hrend jenseits der Grenze doch bitte andere daf\u00fcr sorgen sollen, dass diese dicht bleibt. Schaut doch jemand dar\u00fcber, geht es wiederum um tr\u00e4nendr\u00fcsenreizende Einzelschicksale, die gemildert werden m\u00fcssen, w\u00e4hrend passende Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die ganze Gesellschaft mit Denkverboten belegt werden.<\/p>\n<p>Die Frage ist nun, wo der Zug hinf\u00e4hrt. Oben habe ich ein Entwicklungsmodell von Gesellschaft 3.0 auf 4.0 oder wenigstens 3.5 beschrieben, das aus unserer Sicht eigentlich erstrebenswert w\u00e4re. Nun wird unsere Gesellschaft derzeit massenhaft mit Leuten aus der Gesellschaft 2.0 geflutet, und es gibt keinerlei Anzeichen, dass sich bei denen etwas weiter entwickelt. Im Gegenteil! Wesentliche Bestandteile der Gesellschaft 2.0 wie das vorsintflutliche Islammodell wird in Teilen unserer Gesellschaft geradezu abg\u00f6ttische verehrt. Im Moment sieht leider ein Gesellschaftsmodell 2.1 wahrscheinlicher aus als eines &gt;3.0.<\/p>\n<p>Gesellschaftsmodell 2.1 kann man sich im Kino anschauen. Es handelt sich um eine 3-Klassen-Gesellschaft:<\/p>\n<ul>\n<li>An der Spitze stehen wenige Superreiche, die in jeglichem nur denkbaren Luxus leben.<\/li>\n<li>In Klasse 2 befinden sich die Schergen der Klasse 1, deren Wohl und das ihrer Familien vom Klassenerhalt abh\u00e4ngen und die jedem Befehl ihrer G\u00f6nner bedingungslos folgen.<\/li>\n<li>Die Masse darf im Dreck vor sich hinleben und verrecken und wird so weit veralimentiert und gesteuert, dass sie relativ ruhig bleibt. Irgendwie Leben nennen kann man das eigentlich nicht. Je nach technischem Stand sind zwei Spielarten denkbar:\n<ul>\n<li>Sklavendasein, das es heute bereits vielfach gibt und in etwa den Zust\u00e4nden im r\u00f6mischen Imperium \u00e4hnelt.<\/li>\n<li>Ein kaum weniger tristes Dasein, wie es in Judge Dredd und \u00e4hnlichen Filmen beschrieben wird.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Moment steht die Sache auf der Kippe: wird sich die Menschheit irgendwie weiter in Richtung der Stufe &gt;3.0 entwickeln, oder war 3.0 zumindest in Europa nur ein &#8222;Ausrutscher&#8220;, der vom Gutmenschentum gegen die eigenen Interessen aus Kurzsichtigkeit korrigiert wird?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die menschliche Gesellschaft hat im Laufe der Zeit mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen, war aber jeweils \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume stabil, nachdem sie sich auf dem jeweils neuen Modell stabilisiert hatte. Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,12],"tags":[],"class_list":["post-1559","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","category-gesellschaft"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1559","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1559"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1559\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1563,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1559\/revisions\/1563"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1559"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1559"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1559"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}