{"id":1496,"date":"2018-03-17T16:00:00","date_gmt":"2018-03-17T15:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1496"},"modified":"2018-03-17T16:00:00","modified_gmt":"2018-03-17T15:00:00","slug":"ungereimtheiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/03\/17\/ungereimtheiten\/","title":{"rendered":"Ungereimtheiten"},"content":{"rendered":"<p>In Gro\u00dfbritannien ist offenbar ein Giftanschlag auf einen ehemaligen britischen Geheimdienstagenten russischer Herkunft ver\u00fcbt worden. Die Vergifteten sind noch nicht ganz umgekippt, da ist es der britischen Regierung schon klar: die Russen waren es!<!--more--><\/p>\n<h5>&#8230; und Action!<\/h5>\n<p>Als Gift wurde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nowitschok\">Nowitschok<\/a>\u00a0 identifiziert, das von den Russen Ende der 1980er Jahre entwickelt wurde. Diese h\u00e4tten es nicht entsorgt und so gegen das Chemiewaffenabkommen versto\u00dfen und nun damit auch noch einen ehemaligen Agenten aus purer Rachsucht vergiftet, so die britische Regierung.<\/p>\n<p>Allerdings vermeldet die Neuen Z\u00fcrcher Zeitung:<\/p>\n<ul>\n<li>Russland hat die Produktion dieses Kampfstoffes nie offiziell zugegeben, und es steht deshalb (angeblich) auch nicht auf der Liste der vom Abkommen erfassten Stoffe.<\/li>\n<li>Das Abkommen umfasst ebenfalls das Verbot von Vorstufen, aus denen die Kampfstoffe synthetisiert werden k\u00f6nnen. Allerdings sind die Vorstufen von Nowitschik auch Bestandteil vieler Agrarchemikalen, was deren Verbot mehr oder weniger unm\u00f6glich macht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Von der Stoffklasse, zu der Nowitschik geh\u00f6rt, existieren zus\u00e4tzlich viele verschiedenen Varianten. Nach Angabe Russlands wird sie auch in Gro\u00dfbritannien erforscht, n\u00e4mlich genau von dem Labor, das das beim Anschlage verwendete Gift identifiziert hat. Es kommen somit potentiell viele Urheber in Frage:<\/p>\n<ul>\n<li>Nat\u00fcrlich die Russen bzw. deren Geheimdienste,<\/li>\n<li>die entsprechenden britischen Stellen,<\/li>\n<li>ein beliebiger dritter Geheimdienst, da alle um das Gift wissen,<\/li>\n<li>und sofern die Angaben zu den Vorstufen stimmen, kann es m\u00f6glicherweise auch von beliebigen weiteren Gruppen synthetisiert worden sein, ggf. sogar aus unverd\u00e4chtigen Stoffen in Gro\u00dfbritannien selbst (man denke an den Sarin-Anschlag der Aum-Sekte in Tokio 1995).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die normale Vorgehensweise bei solchen Verdachtsmomenten der Urhebenerschaft, wie sie nun Russland gegen\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert wurden &#8211; und mehr scheinen es wohl nicht zu sein &#8211; w\u00e4re: man informiert den Verd\u00e4chtigen und gew\u00e4hrt ihm Zugang zu allen Ermittlungsergebnissen, um eine Untersuchung der Vorw\u00fcrfe zu erm\u00f6glichen und zu berichten. In der Regel ist sogar der Austausch von Ermittlerteams international \u00fcblich, um durch koordinierte Ermittlung die T\u00e4ter zu finden. Diese Vorgehensweise ist in den entsprechenden Abkommen auch vertraglich so festgelegt.<\/p>\n<p>Die Chancen auf positive weitere Ermittlungsergebnisse (Hinweise auf Tatverlauf und T\u00e4ter) stehen gerade in Gro\u00dfbritannien sehr gut, da es nebst China und Taiwan wohl \u00fcber das dichteste elektronische \u00dcberwachungsnetz verf\u00fcgt (Video\u00fcberwachung, Mobilfunk\u00fcberwachung). Die Daten lassen sich allerdings nicht in der Geschwindigkeit auswerten, mit der die Schuldzuweisung Gro\u00dfbritanniens an Russland erfolgt ist. Auch wurden anscheinend keinerlei Ermittlungsergebnisse weitergegeben, sondern ein Schuldeingest\u00e4ndnis in Form eines Ultimatums gefordert, das vermutlich noch nicht einmal Luxemburg h\u00e4tte annehmen k\u00f6nnen. Die russische Seite berichtet jedenfalls von inzwischen view diplomatischen Versuchen, die normale Ermittlungsvorgehensweise in Gang zu bringen, ohne dass die Briten darauf reagiert h\u00e4tten. Da von dieser Seite niemand widerspricht, d\u00fcrfte dieser Darstellung wohl Glauben zu schenken sein.<\/p>\n<p>Im UNO-Sicherheitsrat stellen sich die USA spontan hinter die Briten, da sie &#8222;fest glauben, dass der Anschlag von Russland ver\u00fcbt wurde&#8220; (O-Ton im Sicherheitsrat). &#8222;Fest glauben&#8220; ist aber etwas anderes als &#8222;uns liegen Beweise vor&#8220;. Es gibt Leute, die fest glauben, dass die Erde eine Scheibe ist, und meinen, auch das Recht zu haben, Leute, die das nicht glauben, im Namen Allahs K\u00f6pfen zu d\u00fcrfen. Es ist schon bedenklich, dass Leute, die anerkannterma\u00dfen \u00fcber den gr\u00f6\u00dften Atomwaffenabfeuerknopf aller Zeiten verf\u00fcgen, auf diesem geistigen Niveau operieren und Presseleute mit ernster Miene so tun, als sei damit alles zur Schuldfrage gesagt.<\/p>\n<p>Die EU-L\u00e4nder stellten sich ebenfalls spontan hinter die Briten, da die Tat &#8222;zumindest von Russland inspiriert sei&#8220; (ebenfalls O-Ton im Sicherheitsrat). Was immer das auch bedeuten mag, es scheint hinreichend als Beweis f\u00fcr die Schuld Russlands. Au\u00dfenminister Maas k\u00fcndigt denn auch spontan in den Medien eine &#8222;h\u00e4rtere Gangart gegen\u00fcber Russland&#8220; an, womit er allerdings nur zeigt, dass er als Au\u00dfenminister noch weniger drauf hat als als Justizminister (und das will schon etwas hei\u00dfen), denn zu dessen Aufgaben geh\u00f6ren solche \u00c4u\u00dferungen mit Sicherheit nicht, auch wenn das die zuk\u00fcnftige Ausrichtung der Politik sein sollte.<\/p>\n<p>Statt also die vorgesehene L\u00f6sungsstrategie zu verfolgen, wird im Westen kr\u00e4ftig getrommelt. Ob man den Russen nun glaubt, dass sie mit dem Anschlag nichts zu tun haben, oder nicht, unseren Leuten ist bei diesem Verlauf der Dinge jedenfalls kein Vertrauen zu schenken. Man braucht anscheinend dringender einen B\u00f6sewicht als eine Aufkl\u00e4rung des Vorfalls.<\/p>\n<h5>Der B\u00f6sewicht<\/h5>\n<p>Wenn man nach dem Grund sucht, weshalb Russland stets der B\u00f6sewicht ist, f\u00e4ngt man am Besten bei der Deutschen Einheit an. In den Vereinbarungen beim Zerfall der UdSSR wurde n\u00e4mlich auch festgelegt, dass sich die Nato nicht nach Osten ausdehnen solle. Die Russen waren allerdings lange nicht in der Lage, auf die Einhaltung dieser Vereinbarungen nachdr\u00fccklich zu bestehen, und die Liste der EU- und Nato-Mitgliedsstaaten deutet darauf hin, dass man sich im Westen auch nicht gro\u00df um diese Vereinbarungen gek\u00fcmmert hat:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bildschirmfoto-vom-2018-03-15-11-53-32.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1490 size-full\" src=\"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bildschirmfoto-vom-2018-03-15-11-53-32.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bildschirmfoto-vom-2018-03-15-11-53-32.png 650w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bildschirmfoto-vom-2018-03-15-11-53-32-300x170.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Als nach Polen und dem Baltikum auch die Ukraine vom Westen in einer Weise bearbeitet wurde, die auf einen Anschluss hinauslief (Assoziierungsabkommen, m\u00f6gliche Nato-Mitgliedschaft), zogen die Russen die Notbremse, was zur Abspaltung der Ostukraine und schlie\u00dflich zur Annektion der Krim f\u00fchrte. Die Beantwortung der Frage, ob sich das eine oder andere von selbst entwickelte oder von Russland gesteuert wurde, h\u00e4ngt stark davon ab, ob man in westliche oder russische Medien schaut. Schaut man sich allerdings die Landkarte an, wei\u00df man auch ohne milit\u00e4rische Detailkenntnisse, dass Russland gar nicht anders konnte, als notfalls tats\u00e4chlich einen innerukrainischen Konflikt zu provozieren:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bildschirmfoto-vom-2018-03-16-10-06-01.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1494\" src=\"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bildschirmfoto-vom-2018-03-16-10-06-01-300x257.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bildschirmfoto-vom-2018-03-16-10-06-01-300x257.png 300w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bildschirmfoto-vom-2018-03-16-10-06-01-768x658.png 768w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Bildschirmfoto-vom-2018-03-16-10-06-01.png 783w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sewastopol auf der Krim ist die Basis der russischen Schwarzmeerflotte, die inzwischen durch eine gro\u00dfe US-Marinebasis \u00e0 la Guantanamo in Odessa flankiert wird. H\u00e4tten die Russen nichts unternommen, h\u00e4tte ihnen die Nato jederzeit den Zugang zum schwarzen Meer sperren k\u00f6nnen. Die Annektion der Krim war die logische Konsquenz zur Nato-Politik in der Ukraine.<\/p>\n<p>Bevor man nun Russland als den alleinigen Aggressor ansieht, als der er ja durchgehend dargestellt wird (wobei man schon im Vorfeld die Verst\u00f6\u00dfe gegen die vertragswidrige Osterweiterung ignorieren muss), sollte man ber\u00fccksichtigen:<\/p>\n<ul>\n<li>Viele der poltischen Vorg\u00e4nge in der Ukraine wurden massiv von der CIA beeinflusst, die ja \u00fcber gro\u00dfe Erfahrungen in der Destabilisierung von L\u00e4ndern verf\u00fcgt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen schon l\u00e4ngere Zeit ein Krieg auf der Ebene CIA .\/. FSB\/GRU im Gange.<\/li>\n<li>Die CIA finanziert nach wie vor die ukrainischen Milizen, die neben der urkainischen Armee operiert und nicht in die Minsker Vereinbarungen eingebunden sind, also auch nicht auf die Einhaltung der Waffenstillstandsvereinbarungen kontrolliert werden.<\/li>\n<li>Zum Referendum auf der Krim existieren je nachdem, wen man fragt, v\u00f6llig unterschiedliche Zahlenversionen, die sich allerdings trotz allem einig sind, dass die Mehrheit der abgegebenen Stimmen f\u00fcr den Anschluss war.<\/li>\n<\/ul>\n<p>W\u00e4hrend der Konflikt in der Ostukraine weitergeht und man fallweise die Russen beschuldigt, die Separatisten zu finanzieren (was sie zweifellos auch tun), die Anschuldigungen aber moderat h\u00e4lt, da man selbst gen\u00fcgend Dreck am Stecken hat, ist der Hauptgrund f\u00fcr die B\u00f6sewichtrolle Russlands und die bereits seit Jahren verh\u00e4ngten Sanktionen die Annektion der Krim. Ob man nun der westlichen Darstellung der widerrechtlichen Annektion oder der russischen einer rechtlich einwandfreien Anwendung des Selbsbestimmungsrechts der V\u00f6lker, ist wohl wieder eine Geschmacksfrage. Die westliche Ansicht l\u00e4uft jedenfalls mehr oder weniger darauf hinaus, dass ein Selbstbestimmungsrecht nur dann existiert, wenn der Unterdr\u00fccker dem zustimmt. F\u00fcr die russische Darstellung sprechen private Informationen von in Deutschland lebenden Exrussen mit verwandtschaftlichen Kontakten auf die Krim, nach denen f\u00fcr die \u00fcberwiegende Mehrheit der Krimbewohner der Anschluss an Russland der Wunschzustand is: Geh\u00e4lter und Pensionen kommen regelm\u00e4\u00dfig und p\u00fcnktlich, und auch die Gesch\u00e4fte sind so best\u00fcckt, dass man das Geld auch wieder ausgeben kann\u00a0 (was in Ukrainezeiten nicht immer der Fall gewesen sein soll).<\/p>\n<p>Zu dieser gut definierten Rolle Russlands als B\u00f6sewicht kommt seit Ausbruch des B\u00fcrgerkriegs in Syrien die Unterst\u00fctzung des Assad-Regimes hinzu. Nicht nur, dass man zur Niederk\u00e4mpfung des IS auch mit den Russen kooperieren musst, mit dessen Unterst\u00fctzung scheint sich ausgerechnet das gehasste Assad-Regime wieder zu stabilisieren, w\u00e4hrend man selbst seinen eigenen Verb\u00fcndeten, den Kurden, kr\u00e4ftig in den Hintern tritt. Trotz des Umzingelungsversuchs durch die Nato hat es der B\u00f6sewicht geschafft, sich zu profilieren und das Chaos, dass die US-Milit\u00e4rs und westliche Polit-Trolle weltweit anrichten, in seiner n\u00e4chsten Nachbarschaft einstweilen zu stoppen. Ein Grund mehr ihn zu hassen.<\/p>\n<h5>Sanktionen<\/h5>\n<p>Sanktionen beginnen traditioniell mit dem Austausch eines gro\u00dfen Teils des Botschaftspersonals. &#8222;Was soll der Quatsch?&#8220; wird sich mancher fragen. Der Quatsch ist allerdings gut kalkuliert: rund 1\/3 des Diplomatenhaufens sind Spione (selbst hier wimmelt es von &#8222;befreundeten&#8220; US- und britischen Agenten, wie inzwischen durch Abh\u00f6rma\u00dfnahmen der Bundesregierung und der EU-Kommission hinl\u00e4nglich bekannt ist). Zu der Aufgaben geh\u00f6rt auch das F\u00fchren von Spionageringen, was verst\u00e4ndlicherweise pers\u00f6nliche Beziehungen voraussetzt. Wirft man Diplomaten raus, ist hoffentlich auch der eine oder andere aktive Agentenf\u00fchrer dabei, und bis das Netz wieder richtig funktioniert, hat man erst einmal eine Verschnaufpause.<\/p>\n<p>Fortgesetzt wird das Spiel durch Einreiseverbote f\u00fcr &#8222;der Regierung nahestende Personen&#8220; und das Einfrieren der Verm\u00f6genswerte dieser Personen. Im Zusammenhang mit Russland ist immer von den Oligarchen die Rede, als ob diese Gruppe von Superreichen nun eine besondere russische Erscheinung w\u00e4ren. Was nat\u00fcrlich Quatsch ist, den superreiche Oligarchen gibt es im Westen noch viel mehr als im Osten. Der einzige, aber wesentliche Unterschied d\u00fcrfte darin bestehen, dass in Russland und China der Staat die Oligarchen kontrolliert, w\u00e4hrend das in den westlichen L\u00e4ndern genau andersherum funktioniert. Auch das soll die Gegenseite wie der Diplomatenaustausch behindern, st\u00f6\u00dft aber zunehmend auf Rechtsprobleme, da zumindest britische Gerichte einen direkten Zusammenhang zwischen dem Handeln eines Oligarchen und dem politischen Profit eines Staates nicht so ohne weiteres erkennen k\u00f6nnen und die eine oder andere Aktion inzwischen f\u00fcr illegal erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Nach diesen gezielten Ma\u00dfnahmen kommen allgemeine Wirtschaftssanktionen, bei denen in den westlichen Medien von Russland (zumindest unterschwellig) immer das Bild eines mittelalterlichen Staates gezeichnet, der ohne westliche Technologie nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig ist. Wer allerdings Video-Streaming-Dienst in Anpruch nimmt, wird schnell eines anderen belehrt: In Nachrichtensendungen sehen russische St\u00e4dte nicht anders aus als europ\u00e4ische oder US-amerikanischen, und immer mehr russische Filme st\u00fcrmen die Videolisten. Letztere sind f\u00fcr eine Beurteilung ebenfalls wichtig, da Filme, die in der Jetztzeit handeln und reale Orte als Hintergrund verwenden, auch die Realit\u00e4t abbilden. Und auch hier kann man feststellen, dass man zumindest in den Gro\u00dfst\u00e4dten kaum Unterschiede zu westlichen Gro\u00dfst\u00e4dten zu bemerken sind und hinsichtlich des gesellschaftlichen Verhaltens\u00a0 beispielsweise junge Leute dort mit der gleichen Aufm\u00fcpfigkeit zu Werke gehen wie hier (bei Filmen aus islamischen Kulturen ist der Unterschied hingegen in jeder Beziehung gewaltig). Und wer auf die Milit\u00e4rtechnik schaut, wird ebenfalls nicht umhin kommen, festzustellen, dass das &#8222;primitive Russland&#8220; durchaus mit der westlichen Technik mithalten kann. Trotz aller Propaganda wird man unterstellen m\u00fcssen, dass Russland weit weniger empfindlich gegen\u00fcber Sanktionen ist, als dem Westb\u00fcrger das Glauben gemacht wird.<\/p>\n<p>Was haben nun die Sanktionen im Gefolge des Ukraine-Konflikts gebracht? Lieferverbote treffen vorzugsweise kleinere Unternehmen, denn internationale Konzerne haben immer gen\u00fcgend M\u00f6glichkeiten, etwas zu umgehen. Bestimmte Maschinen wird Russland somit vom Westen nicht mehr erhalten haben, d\u00fcrfte aber durchaus in der Lage sein, das nach gewissen Engp\u00e4ssen durch eigenen Entwicklungen oder Kauf zum Beispiel bei den Chinesen aufzufangen (die Russen waren ohnehin schon immer Meister der Improvisation). Besonders getroffen haben die Russlandsanktionen die Agrarbranche: Russland war beispielsweise ein gro\u00dfer Abnehmer deutscher Milchprodukte, und deutsche Bauern sa\u00dfen mit Greifen der Sanktionen auf einmal auf ihren Produkten fest. Die Milchpreise fielen in der Folge massiv in den Keller, zumal Australier und Neuseel\u00e4nder, die die gleichen Probleme mit den Sanktionen hatten, zus\u00e4tzlich auf den Weltmarkt dr\u00e4ngten, und nicht wenige Bauern mussten aufgeben. Das Problem dauert bis heute an. Die Russen waren nat\u00fcrlich auch betroffen, aber K\u00fche lassen sich auch dort z\u00fcchten, und glaubt man den russischen Nachrichten, hat sich dort die Angebotslage wieder weitgehend beruhigt (zus\u00e4tzlich haben die Chinesen &#8211; wen wundert&#8217;s ? &#8211; anscheinend diesen Markt ebenfalls f\u00fcr sich entdeckt).<\/p>\n<p>Fassen wir einmal zusammen: Sanktionen eignen sich zur Knebenlung von Schwellenl\u00e4ndern, aber nicht von voll entwickelten Industrienationen wie Russland. Die haben zwar Engp\u00e4sse, es mag ihnen auch eine Weile lang deutlich schlechter gehen, aber letztlich sch\u00fctteln die sich zweimal und machen es eben selbst. Das Problem f\u00fcr den Sanktionsverh\u00e4nger: wenn er die Sanktionen aufhebt, kommt der Kunde nicht mehr zur\u00fcck. Nie wieder, denn warum sollte er? Der ganze Sanktionsunfug, mitgetragen von Merkel, hat somit nur die deutsche Wirtschaft nachhaltig geschw\u00e4cht.<\/p>\n<p>Es kommt noch hinzu, dass Russland weiterhin Energie nach Europa liefert und daf\u00fcr bezahlt wird. Kam dieses Geld zuvor \u00fcber Handelsverbindungen wieder zur\u00fcck, setzen die Russen es nun woanders ein. Sch\u00e4digung Nr. 2.<\/p>\n<p>Bislang wird zwar gro\u00dfspurig \u00fcber Sanktionen geredet, aber was wirklich passiert, bleibt abzuwarten. Die Russen nutzen n\u00e4mlich London als internationalen Finanzplatz, und wenn die Briten Putin zu sehr vor&#8217;s Schienbein treten, verlagert der seine Finanzgesch\u00e4fte m\u00f6glicherweise woanders hin. Der Sanktionierte kann so in gewisser Gr\u00f6\u00dfenordnung auch zur\u00fcck schlagen.<\/p>\n<h5>Cui bono ?<\/h5>\n<p>Viel Gebr\u00fcll, um einen Konflikt aufzubauen, bei dem es nur Verlierer gibt. Wer hat denn nun eigentlich ein Interesse, einen solchen Konflikt auszul\u00f6sen ?<\/p>\n<p>Steckt tats\u00e4chlich Russland hinter dem Anschlag, kommen zwei Gr\u00fcnde in Frage:<\/p>\n<ol>\n<li>Der Bursche weiss zu viel. Allerdings ist das unwahrscheinlich, denn er ist schon l\u00e4nger aus dem Gesch\u00e4ft und wird regelm\u00e4\u00dfig von seiner in Russland lebenden Tochter besucht, die in einem solchen Fall ein probates Druckmittel w\u00e4re, dass man nicht einfach ausreisen l\u00e4sst.<\/li>\n<li>Es handelt sich um Rache. Allerdings sind Geheimdienstler Profis, angefangen bei Putin selbst, und Rache hat in dem Gesch\u00e4ft nichts zu suchen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Au\u00dferdem l\u00e4uft es f\u00fcr Putin gerade ganz gut: Syrien stabilisiert sich und die Stimmen im Westen, die fordern, man m\u00f6ge es mit der Krim f\u00fcr eine Weile gut sein lassen und die Sanktionen abbauen, mehren sich. Hinzu kommt die Fussball-WM im Sommer. Wieso sollte er sich jetzt auf so etwas einlassen ? Rein logisch betrachtet ist das offizielle Russland als T\u00e4ter eher unwahrscheinlich, was nat\u00fcrlich nicht bedeuten muss, dass es wirklich nicht die Finger in der Sache hat.<\/p>\n<p>Westlichen Staaten kommt der Anschlag zumindest deutlich gelegener als Russland:<\/p>\n<ul>\n<li>Northstream II, die Pipeline, die Deutschland direkt mit russischen Gas versorgen soll, ist vielen ein Dorn im Auge. Neben den anderen EU-Staaten, die wieder eine Sonderrolle Deutschlands bef\u00fcrchten, besonders den US-Amerikanern, die viel lieber ihr Fl\u00fcssiggas aus dem Fracking exportieren m\u00f6chten und sich Chancen ausrechnen, Europa weitgehend damit zu versorgen. Erwartungsgem\u00e4\u00df gibt es auch schon die ersten Vorschl\u00e4ge (selbst aus Deutschland, obwohl man das Projekt hier aufgelegt hat), man solle Northstream II in die Sanktionsliste aufnehmen (und vermutlich das russische Gas aus Protest verbrennen).<\/li>\n<li>Besonders in Deutschland mehren sich die Stimmen, die Krim-Sanktionen Krim-Sanktionen sein zu lassen und zur Normalit\u00e4t zur\u00fcck zu kehren. Auch hier d\u00fcrften wieder die US-Amerikaner interessiert sein, das zu sabotieren, da sie selbst auch nicht mehr der zuverl\u00e4ssige Partner sind und im Falle eines Handelskrieges nat\u00fcrlich verhindern wollen, dass sich die EU einfach nur umdreht.<\/li>\n<li>Gro\u00dfbritannien steht mit dem Brexit ein wenig an der Wand, und eine Ablenkung kommt da wie gerufen, besonders wenn man damit Solidarit\u00e4t bei den EU-Leuten einfordern kann.<\/li>\n<li>Russland l\u00e4sst den gesamten Westen sehr armselig in Syrien aussehen, hat es doch bislang verhindert, dass sich die durch westliche Gro\u00dfkotzigkeit und Ignoranz verursachten Katastrophen von Libyen, Afghanistan und dem Irak wiederholen. Ein Grund, Russland weiterhin nicht als gleichberechtigten Player anerkennen zu m\u00fcssen, kommt da ganz gerufen.<\/li>\n<li>Die EU, allen voran Deutschland, dessen F\u00fchrung Gro\u00dfmachtall\u00fcren an den Tag legt und laut \u00fcber atomare Bewaffnung spekuliert, will den Kriegshaushalt massiv steigern, wozu ein veritabler B\u00f6sewicht notwendig ist, da die Bev\u00f6lkerung kaum etwas von mehr Ausgaben f\u00fcr R\u00fcstung h\u00e4lt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es existieren eine ganze Menge Spielteilnehmer, die von der Affaire profitieren. Kaum verwunderlich, dass die Briten und im Gefolge die US-Boys freudig auf den Zug aufspringen. Aber gen\u00fcgen die Motive f\u00fcr einen Mord? Nun, da m\u00f6chte ich mich ungern aus dem Fenster legen. Die Erfahrung hat schon h\u00e4ufiger gezeigt, dass es den M\u00e4chtigen an Stellen, wo normale Menschen allenfalls noch durchgeknallte Psychopathen vermuten w\u00fcrden, auf ein paar Hundert Tote mehr oder weniger nicht ankommt.<\/p>\n<p>Wer war es also ? War es vielleicht doch eine private Rache von ein paar anderen Ex-Geheimdienstlern ? Oder eine Mafia-Aktion, weil der Ex-Geheimagent gar nicht so ehrlich und anst\u00e4ndig war, wie es dargestellt wird ? Auf jeden Fall sollte man es vermeiden, sich erneut von Regierung und Medien aufhetzen zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Gro\u00dfbritannien ist offenbar ein Giftanschlag auf einen ehemaligen britischen Geheimdienstagenten russischer Herkunft ver\u00fcbt worden. Die Vergifteten sind noch nicht ganz umgekippt, da ist es der britischen Regierung schon klar: die Russen waren es! 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