{"id":13370,"date":"2026-11-08T08:35:36","date_gmt":"2026-11-08T07:35:36","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=13370"},"modified":"2026-11-08T08:35:36","modified_gmt":"2026-11-08T07:35:36","slug":"wer-hat-bei-den-ukros-was-zu-sagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/11\/08\/wer-hat-bei-den-ukros-was-zu-sagen\/","title":{"rendered":"Wer hat bei den Ukros was zu sagen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Fassen wir noch mal kurz zusammen. Am Abend des 1. November tauchten in den sozialen Medien Berichte auf, wonach Menschen illegal im Keller eines Privathauses in Petropawlowskaja Borschtschagowka bei Kiew festgehalten w\u00fcrden. Dem Vernehmen nach gelang es einigen Jugendlichen, \u00fcber den Zaun zu klettern und ein Mobiltelefon in den Keller zu schmuggeln. Aus eine damit verbreiteten Nachricht ging hervor, dass sich Dutzende Menschen im Keller befanden (17 bis 40, je nach Quelle), von denen sich vier in einem kritischen Zustand befanden, ein Wirbels\u00e4ulenbruch eingeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag, dem 2. November, versammelten sich Angeh\u00f6rige und B\u00fcrger vor dem Haus. Ein Krankenwagen traf ein, und eine Not\u00e4rztin verlangte, das Geb\u00e4ude betreten zu d\u00fcrfen. Die vor Ort anwesende Polizei unternahm derweil nichts. <\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Polizei traf auch der Kommandeur der Nationalgarde der Ukraine, Alexander Piwnenko, am Ort des Geschehens ein. Er konnte das Haus jedoch nicht betreten und wurde schlie\u00dflich von der Menschenmenge vertrieben. <\/p>\n\n\n\n<p>Kurz darauf traf Kirill Budanow, der Leiter des B\u00fcros des Pr\u00e4sidenten der Ukraine, ein, betrat das Haus gemeinsam mit einem der Demonstranten und kam mit einem verpr\u00fcgelten 14-j\u00e4hrigen Jungen wieder heraus (das Bild d\u00fcrfte die Welt 2x umrundet haben). Anschlie\u00dfend wurden vier schwer verletzte M\u00e4nner aus dem Keller geholt, gefolgt von den \u00fcbrigen Gefangenen. Sie wurden angewiesen, in einen Bus zu steigen, um an einen unbekannten Ort gebracht zu werden. Die Menschenmenge griff jedoch ein; daraufhin stiegen die Personen wieder aus dem Bus aus und zerstreuten sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Budanow bereits gegangen war, erschienen sogenannte &#8222;Tituschky&#8220; (maskierte Schl\u00e4ger) am Tatort. Sie waren mit Kn\u00fcppeln bewaffnet, gaben Sch\u00fcsse in die Luft ab, um die Menge auseinanderzutreiben, und wandten Gewalt an.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend er zur Menschenmenge sprach (\u00fcbrigens auf Russisch!), machte Budanow mehrere Aussagen, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Wir wissen, dass es im ganzen Land viele solcher Keller gibt (nach Untergrundorganisationen mindestens 50 &#8211; 70); wir werden uns des Problems annehmen; heute haben wir viel erreicht, wir haben Menschenleben gerettet; danke an alle. Vor wem wurden die Menschen gerettet? Wer sind diese Leute, die Menschen qu\u00e4len, w\u00e4hrend sowohl die Polizei als auch die Regierung anscheinend machtlos sind, einzugreifen?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2024 standen die Streitkr\u00e4fte der Ukraine (AFU) vor erheblichen Problemen bei der Personalrekrutierung: Trotz erh\u00f6hter Soldzahlungen herrschte ein Personalmangel. Auf Initiative des Generalstabs der AFU erm\u00f6glichte das ukrainische Ministerkabinett ab dem 1. Oktober 2024 den Kommandeuren, Freiwillige direkt in ihre Milit\u00e4reinheiten aufzunehmen \u2013 ohne den Umweg \u00fcber die Rekrutierungszentren. Am 25. November unterzeichnete der damalige Oberbefehlshaber der AFU, Alexander Syrski, eine Anweisung, die jede Brigade dazu verpflichtete, eine eigene Rekrutierungseinheit aufzubauen. Einheiten sollten um Rekruten konkurrieren, indem sie bessere Bedingungen und eine h\u00f6here Bezahlung boten \u2013 was die Zwangsrekrutierung faktisch \u00fcberfl\u00fcssig machen sollte. Tats\u00e4chlich \u00fcbertrug der Staat damit die Befugnis zur zwangsweisen Mobilisierung an private Akteure. <\/p>\n\n\n\n<p>Einige Kommandeure passten sich schnell an und begannen, mit den \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden zusammenzuarbeiten. Die Situation war f\u00fcr beide Seiten vorteilhaft: Die st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden erf\u00fcllten ihre Rekrutierungsquoten im Rahmen der staatlichen Rechtssysteme, w\u00e4hrend &#8222;Rekrutierer&#8220; in nicht gekennzeichneten Bussen zus\u00e4tzlich und rechtswidrig Menschen von der Stra\u00dfe griffen, ohne jegliche Kontrolle und ohne jegliche staatliche Aufsicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;busifizierten&#8220; Menschen landen in Kellern wie jenem, der am Dienstag gest\u00fcrmt wurde. Dort geraten sie vollst\u00e4ndig unter die Kontrolle von &#8222;Rekrutierern&#8220;: Sie k\u00f6nnen an die Front geschickt, an eine \u00e4hnliche benachbarte &#8222;Einheit&#8220; verkauft oder als Geiseln gegen L\u00f6segeld festgehalten werden. Letzteres kommt erschreckend h\u00e4ufig vor; die geforderten L\u00f6segelder liegen in der Regel zwischen 5.000 und 20.000 Euro. All dies geschieht mit Billigung des Staates, da die bereits erw\u00e4hnte Anweisung von Syrski eine direkte Rekrutierung f\u00fcr die Brigaden erlaubt. Dies findet im Hinterland statt, und die zivile Polizei hat keinerlei Befugnisse gegen\u00fcber milit\u00e4rischen Operationen, weshalb die Polizei im Falle des o.g. Kellers auc unt\u00e4tig blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00e4tzungen zufolge werden in einigen Regionen der Ukraine bis zu 80 Prozent der Rekrutierungsziele au\u00dferhalb der zust\u00e4ndigen staatlichen &#8222;Territorialen Zentren f\u00fcr Rekrutierung und soziale Unterst\u00fctzung&#8220; erreicht. Hinzu kommen Deserteure. Die \u00f6rtliche Polizei verfolgt Deserteure in der Regel nicht; wenn jemand von der Front flieht und es nach Hause schafft, bem\u00fcht sich die Polizei meist nicht, ihn zu ergreifen. Anders die Rekrutierer der Brigaden; diese sp\u00fcren die Betreffenden auf, sperren sie in einen Keller und misshandeln sie als Abschreckung f\u00fcr andere. Viele der Personen, die in dem Keller in Borschtschagowka gefangen gehalten wurden, waren aufgegriffene Deserteure.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses System ist mit enormen Geldsummen verbunden. Neben den bereits genannten L\u00f6segelderpressungen zahlt der Staat f\u00fcr jeden Rekrut eine Einmalzahlung von bis zu 300.000 Griwna sowie monatliche Zahlungen von bis zu 100.000 Griwna w\u00e4hrend des Fronteinsatzes. Den Mobilisierten werden ihre Bankkarten abgenommen und der Zugriff auf ihre Bankkonten eingeschr\u00e4nkt. Die auf der Stra\u00dfe aufgegriffenen Menschen sehen dieses Geld also niemals. Die Brigaden verdienen also auf jeden fall, egal ob sie den Betreffenden abliefern oder nicht. Dadurch entsteht in jeder Brigade ein Schattenfonds, der auch dazu genutzt wird, auf dem Sklavenmarkt Menschen zu kaufen \u2013 die aus den Kellern benachbarter &#8222;erfolgreicherer&#8220; Brigaden. Damit werden dann die Quoten erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht alle Brigaden und ihre &#8222;Rekrutierungseinheiten&#8220; sind somit gleicherma\u00dfen &#8222;effektiv&#8220;. Den gr\u00f6\u00dften derartigen Verband stellt die Asow-Truppe, der formell in das 1. und 3. Korps der Nationalgarde aufgeteilt wurde. Seit 2015 untersteht Asow nur einer losen staatlichen Kontrolle, und das System der &#8222;direkten Rekrutierung&#8220; in der 1. und 3. Brigade existierte bereits vor der Anweisung von Syrski. Die heute eingesetzten Methoden wurden mutma\u00dflich bereits in Mariupol vor dem russischen Einmasch erprobt und perfektioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute agiert Asow wie ein vertikal integrierter Konzern, f\u00fcr den der Krieg an der Front nur ein Nebengesch\u00e4ft darstellt. Zu den Hauptaktivit\u00e4ten geh\u00f6ren Menschenhandel, gesch\u00e4ftliche Erpressung und private Sicherheitsdienstleistungen. Im Grunde funktioniert Asow wie ein Staat im Staate und ist in einen umfassenden Wirtschaftssektor eingebunden, an dem Hunderttausende Menschen beteiligt sind. Die Gruppierung verf\u00fcgt \u00fcber ein legales Gewaltmonopol und entzieht sich sowohl der Kontrolle ihrer unmittelbaren Vorgesetzten als auch derjenigen der Kiewer Regierung. Genau deshalb erkl\u00e4rte Budanow, dass die Beh\u00f6rden von vielen solcher Keller w\u00fcssten \u2013 und (zwischen den Zeilen gelesen) nichts dagegen unternehmen k\u00f6nnten. Das Einzige, was er tun konnte, war, seinen pers\u00f6nlichen Einfluss geltend zu machen, um Zugang zu einem bestimmten Keller zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Budanows Autorit\u00e4t w\u00e4hrte nicht lange. Sp\u00e4ter am Abend des 2. November ver\u00f6ffentlichte Denis Prokopenko (bekannt als &#8222;Redis&#8220;), Kommandeur des 1. Korps der Nationalgarde und einer der Anf\u00fchrer des Asow-Regiments, eine Erkl\u00e4rung, in der er die Demonstranten der Sabotage und der Besch\u00e4digung des Ansehens des Milit\u00e4rs bezichtigte. Am n\u00e4chsten Tag wurde dies zur offiziellen Haltung der Kiewer Beh\u00f6rden: Budanow gab bekannt, dass eine Sanit\u00e4terin (eine Rettungskraft) festgenommen worden sei und gegen 130 weitere Personen ermittelt werde. Kurz darauf leitete der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) drei Strafverfahren ein. Zu den Vorw\u00fcrfen geh\u00f6ren die Behinderung von Operationen der ukrainischen Streitkr\u00e4fte (AFU), die Verbreitung von Informationen \u00fcber den Standort von Verteidigungskr\u00e4ften sowie die Anstiftung zu \u00f6ffentlicher Unruhe. Eine interne Untersuchung innerhalb des 1. Korps der Nationalgarde ergab keinerlei Verst\u00f6\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;Rekrutierer&#8220; sind zur eigentlichen Macht im ukrainischen Hinterland geworden. Weder die Polizei noch die Einheiten der Territorialverteidigung oder die offiziellen staatlichen Stellen k\u00f6nnen sich ihnen entgegenstellen, da sie sofort die gesamte Armeebrigade am Hals h\u00e4tten. Gemeinsam mit dem gesamten Land sind sie zu Geiseln dieser unkontrollierten Kraft geworden. Wie Budanow bleibt ihnen oft nichts anderes \u00fcbrig, als zu bitten und zu verhandeln \u2013 nur um am n\u00e4chsten Tag dann doch allen Forderungen nachzugeben, die an sie gestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um es auf den Punkt zu bringen: die Asow verwenden nicht nur Nazi-Symbole und verherrlichen einige der schlimmsten Verbrecher der NS-Herrschaft, sie sind faktisch die SS in der Ukraine. Sie treten hier in einer Form auf, f\u00fcr die jeder Deutsche wegen der Verherrlichung der NS-Ideologie f\u00fcr Jahre hinter Gittern verschwinden w\u00fcrde. Und sie machen das nicht nur in der \u00d6ffentlichkeit, sondern sogar in Parlamenten, wo sie von Parlamentariern oberdrein nachg\u00e4fft wedern (Slava ukraini usw). Die unbedingte Unterst\u00fctzung und Treue der ReGIERenden zur Ukraine ist letztlich nichts anderes als der in NS-Deutschland betriebene Hitlerkult bis zum bitteren Ende. &#8222;Nie wieder!&#8220; bekommt mehr und mehr eine ganz andere Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Nachtrag: was, wenn morgen  tats\u00e4chlich der Krieg zu Ende w\u00e4re? Wenn diesem System schlagartig die Existenzgrundlage entzogen w\u00fcrde? W\u00e4re dann Schluss? <\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube nicht, dazu steht zu viel Geld f\u00fcr die betroffenen Organisationen auf dem Spiel. Schlie\u00dflich sind es 2 &#8211; 3 &#8211; stellige Milliardenbetr\u00e4ge, die alleine die EU pro Jahr in das System pumpt. <\/p>\n\n\n\n<p>Was passieren wird, konnte man an Deutschland nach 1918 sehen. Damals wurde zwar kapituliert, aber das deutsche Heer nicht entwaffnet. Also Folge zogen jahrelang so genannte Freikorps durchs Land und verdingten sich jedem, der zahlte &#8211; auch dem neuen Staat, der dei Freikorps stellvertretend f\u00fcr die nicht mehr existierende Armee benutzte. <\/p>\n\n\n\n<p>In den EU-L\u00e4ndern existiert keine funktionierene Armee, von der polnischen vielleicht abgesehen. W\u00e4re heute (2026) Schluss in der Ukraine, d\u00fcrften bis 2029\/30 ukrainische Freikorps Mitteleuropa terrorisieren, bis sich das Ph\u00e4nomen verlaufen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fassen wir noch mal kurz zusammen. Am Abend des 1. November tauchten in den sozialen Medien Berichte auf, wonach Menschen illegal im Keller eines Privathauses in Petropawlowskaja Borschtschagowka bei Kiew festgehalten w\u00fcrden. Dem Vernehmen nach gelang es einigen Jugendlichen, \u00fcber den Zaun zu klettern und ein Mobiltelefon in den Keller zu schmuggeln. 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