{"id":13145,"date":"2026-08-26T09:08:42","date_gmt":"2026-08-26T07:08:42","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=13145"},"modified":"2026-08-26T09:08:43","modified_gmt":"2026-08-26T07:08:43","slug":"keinen-arsch-in-der-hose-aber-woke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/08\/26\/keinen-arsch-in-der-hose-aber-woke\/","title":{"rendered":"Keinen Arsch in der Hose &#8211; aber Woke?"},"content":{"rendered":"\n<p>Die linke Regierungsorganisation (NGO) Campact ruft zum Boykott von Unternehmen auf. In diesem Fall zur Sperrung bestimmter Youtube-Kan\u00e4le f\u00fcr Unternehmenswerbung. Damit gehen den Kanalbetreibern Werbeeinnahmen verloren. Der Klassenfeind soll mit allen Mitteln gesch\u00e4digt werden. Vom Boykottaufruf betroffen sind:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/campact.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von campact.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-13c9ee18-7a68-47d6-8b67-05743132b6fd\" href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/campact.pdf\">campact<\/a><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/campact.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-13c9ee18-7a68-47d6-8b67-05743132b6fd\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>Campact hat verschiedene gro\u00dfe Unternehmen angeschrieben und einige haben bereits einen Werbeboykott auf den Kan\u00e4len zugesagt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Folgende Unternehmen haben bereits angek\u00fcndigt, ihre Sperrlisten anzupassen: Aldi S\u00fcd, Kleinanzeigen, Indeed, XXXLutz, DEVK, Constantin Film, Wolt, Bergfreunde, Immowelt, Euronics, Axa, Berliner Wasserbetriebe, Milram, dm, Immoscout, Edeka, Flixtrain, Bifi, Klosterfrau, Procter &amp; Gamble. Dar\u00fcber hinaus haben Miniatur Wunderland, LG Electronics, Krombacher, Sparkasse, Sumup, Lenor, Rewe, Booking und Samsung zur\u00fcckgemeldet, sie wollen dies pr\u00fcfen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Um es mal auf den Punkt zu bringen: irgendeine linke Drecksau pfeift und alle machen brav M\u00e4nnchen. Wenn man sich die Liste anschaut und mal in den Belegen bl\u00e4ttert: da gibt es Beitr\u00e4ge oder Artikel, zum gro\u00dfen Teil Meinungsartikel aus der Mainstream-Presse, die teilweise deutlich \u00e4lter sind als 5 Jahre, aus dem Zusammenhang gegriffen, mutwillig verf\u00e4lscht usw. Und es betrifft Kan\u00e4le, bei denen selbst der Verfassungsdreck, sonst nicht zimperlich im F\u00e4lschen von &#8222;Belegen&#8220;, nur m\u00fcde l\u00e4chelt und sagt, dazu habe er nichts. <\/p>\n\n\n\n<p>Man muss sich fragen, warum die Unternehmen nicht nur mitmachen, sondern sofort einknicken und brav an der Schei\u00dfe lecken, die ihnen vorgeworfen wird. Campact hat nicht mehr Reichweite als die meisten der zum Boykott ausgeschriebenen Kan\u00e4le und ist nichts als ein schreiender Zwerg. Andererseits entgehen den Konzernen bei einem Boykott Millionen von potentiellen Kunden, die angesprochen werden k\u00f6nnten. Wobei die Psychologie eindeutig ist, wie derzeit der AfD-Kandidat Ulrich Siegmund zeigt: statt auf das infantile Gebrabbel der linken Blase einzugehen, h\u00e4lt er mit gleichen Mitteln dagegen, und der Mensch als Publikum neigt nun mal dazu, demjenigen mehr Aufmerksamkeit zu geben, der beweist, dass er einen Arsch in der Hose hat und nicht nur ein kleiner Mimimi-Feigling ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Konzernen muss mal gesagt werden: <strong><em>&#8222;Ihr habt keinen Arsch in der Hose und wollt woke sein, aber gerade da l\u00e4uft aus geschlecht<\/em>sspezifischen Gr\u00fcnden das Meiste \u00fcber und in den Arsch. Ihr habt euch gerade selbst kastriert!&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Warum l\u00e4uft das so, und dann noch in Rekordgeschwindigkeit? Weil der Kunde in den Rechnungen der Unternehmen \u00fcberhaupt keine Rolle spielt. Hier ein paar Gr\u00fcnde:<\/p>\n\n\n\n<p id=\"p-rc_15d848551f88cffe-44\"><strong>1. Das \u201eBrand Safety\u201c-Phantom (K\u00fcnstliche KPIs)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"p-rc_15d848551f88cffe-44\">Marketingabteilungen verwalten Budgets von vielen Millionen Euro und m\u00fcssen deren Verwendung rechtfertigen.<sup><\/sup> Dazu nutzen sie Software und Agenturen, die sogenannte <strong>\u201eBrand Safety\u201c<\/strong>-Metriken (Markensicherheit) verkaufen.<sup><\/sup><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Software-Dashboard-Warnungen zeigen etwa ein Risiko von \u201e0,5 % Platzierungen in risikobehaftetem Umfeld\u201c an.<\/li>\n\n\n\n<li>PR-Managern wird eingeredet, dass solche Zahlen den Markenwert bedrohen.<\/li>\n\n\n\n<li>Um ihre eigene Daseinsberechtigung zu belegen und Risiken auf 0 % zu dr\u00fccken, reagieren sie auf jede Liste von Aktivisten sofort als vermeintlich vorbildliche Korrektur.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>2. Asymmetrie von Risiko und Belohnung bei PR-Managern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Abteilungsleiter in einer Konzernzentrale wird nicht daf\u00fcr bef\u00f6rdert, dass er mutig die Meinungsfreiheit verteidigt oder gelassen bleibt.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bleibt er passiv und ein Vorwurf landet auf der Titelseite einer Zeitung, droht ihm der Karriereknick.<\/li>\n\n\n\n<li>Setzt er ein H\u00e4kchen auf einer Sperrliste, kostet ihn das pers\u00f6nlich nichts, verhindert aber jedes potenzielle Risiko.In Konzernen regiert das Prinzip der pers\u00f6nlichen Risikovermeidung.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>3. Entkopplung der Zentrale von der Kundenrealit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den Werbe- und Nachhaltigkeitsabteilungen (ESG) gro\u00dfer Konzerne in Hamburg, K\u00f6ln oder M\u00fcnchen sitzen oft Teams, die gesellschaftlich und akademisch in einer sehr \u00e4hnlichen Blase leben wie die Mitarbeiter von NGOs wie Campact. Sie verwechseln die lautstarke Erregung auf Plattformen wie X (Bluesky\/LinkedIn) mit der Meinung der tats\u00e4chlichen Kunden an den Kassen in der Provinz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Die Angst vor dem \u201eMedien-Echo-Raum\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unternehmen f\u00fcrchten nicht den Kunden, der am Samstag seine Br\u00f6tchen holt, sondern die bundesweite Presse. Wenn eine NGO droht, Gro\u00dfmedien wie den <em>Spiegel<\/em>, die <em>ARD<\/em> oder die <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> einzuschalten (\u201eEdeka finanziert Hetzmedien\u201c), geht es nicht mehr um das Konsumverhalten, sondern um den Aktienkurs, Banken-Ratings (ESG-Kriterien) oder das Ansehen des Vorstands auf Parkett-Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"p-rc_15d848551f88cffe-47\">Es handelt sich um ein System, in dem sich Marketing-Agenturen, Risiko-Software und PR-Abteilungen gegenseitig Aufgaben und Kennzahlen schaffen, die mit dem echten Einkaufsverhalten an den Kassen wenig bis gar nichts zu tun haben.<sup><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LO5jC6cYpoQ\">Anti-AfD-Aufkleber: Edeka-Betreiber wehrt sich | BR24<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Video zeigt praxisnah, wie politisch motivierte Aktionen vor Ort auf den Unmut von Filialbetreibern und Kunden treffen und wie stark die Realit\u00e4t in den M\u00e4rkten von den Vorgaben der Zentrale abweichen kann.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"p-rc_b14967f46ac8bb97-48\">Aber dass dieses Muster so gut funktioniert, ist weniger das Resultat einer genialen \u201eSuper-Propaganda\u201c, sondern das Ergebnis eines <strong>Systemfehlers im modernen Digitalkapitalismus<\/strong>, den Kampagnenorganisationen wie Campact eiskalt ausnutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zusammenspiel l\u00e4sst sich in drei Mechanismen zerlegen:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Das Prinzip des geringsten Widerstands<\/h3>\n\n\n\n<p>Unternehmen sind keine Gesinnungst\u00e4ter, sondern Risiko-Rechner.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wenn Campact 90 Konzernen mitteilt: \u201eEure Werbung l\u00e4uft vor Kanal X\u201c, macht der Marketing-Manager keine philosophische Debatte \u00fcber Meinungsfreiheit auf. Exxpress<\/li>\n\n\n\n<li>Er stellt sich nur eine Frage: <em>\u201eWas kostet es mich, den Kanal auf die Blacklist zu setzen?\u201c<\/em> Antwort: <strong>0 Euro und 1 Minute Arbeit.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><em>\u201eWas kostet es mich, es nicht zu tun?\u201c<\/em> Antwort: <strong>Potenzielle Schlagzeilen, Aufschrei im Netz, Rechtfertigungsdruck beim Vorstand.<\/strong> Das System gibt also immer der lautesten und drohendsten Gruppe nach, weil Nachgeben die billigste Option ist. Reitschuster<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Die \u201eFraming-Falle\u201c und das Kontaktschuld-Prinzip<\/h3>\n\n\n\n<p id=\"p-rc_b14967f46ac8bb97-51\">Campact wirft auf ihren Listen sehr unterschiedliche Akteure in einen Topf:<sup><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Apollo News<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Neben verfassungsfeindlichen oder extremistischen Kan\u00e4len landen dort auch etablierte, konservative oder alternative Medien (wie <em>Apollo News<\/em>, <em>Tichys Einblick<\/em> oder die <em>Weltwoche<\/em>). Apollo News<\/li>\n\n\n\n<li>Durch das einheitliche Etikett (\u201eHass &amp; Hetze\u201c \/ \u201eAfD-nah\u201c) wird ein Kontaktschuld-Effekt erzeugt. PR-Abteilungen pr\u00fcfen die einzelnen F\u00e4lle aus Zeitnot nicht differenziert nach, sondern sperren pauschal den gesamten Block, um absolut \u201esauber\u201c dazustehen. TAZ+\u00a01<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Das Entstehen einer Monokultur<\/h3>\n\n\n\n<p id=\"p-rc_b14967f46ac8bb97-54\">Wenn NGOs bestimmen, welche Kan\u00e4le Werbeeinnahmen generieren d\u00fcrfen und welche entzogen werden, entsteht eine <strong>asymmetrische Zensurwirkung durch die Hintert\u00fcr<\/strong>:<sup><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Reitschuster<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Kein Staat verbietet die Medien (das w\u00e4re verfassungswidrig).<\/li>\n\n\n\n<li>Stattdessen wird ihnen der finanzielle N\u00e4hrboden entzogen, indem man den Werbemarkt blockiert. Reitschuster<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum das nicht ewig funktioniert<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieses Spiel klappt nur so lange, wie der Markt monopolyartig \u00fcber Werbeeinnahmen l\u00e4uft. Sobald Medienmacher merken, dass sie \u00fcber Werbenetzwerke angreifbar sind, stellen sie ihr Modell um:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Echte Unabh\u00e4ngigkeit durch Direktfinanzierung:<\/strong> Medien, die sich rein \u00fcber Abos, Spenden oder Club-Mitgliedschaften tragen, sind gegen solche Boykotte immun. Reitschuster<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ausweichbewegungen des Publikums:<\/strong> Wenn Konsumenten merken, dass Konzerne vor politischen Akteuren einknicken, verliert der Pranger seine Wirkung \u2013 es bildet sich ein Gegenpublikum, das betroffene Kan\u00e4le erst recht unterst\u00fctzt. Reitschuster<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p id=\"p-rc_b14967f46ac8bb97-58\">Am Ende gewinnt nicht zwingend die Propaganda, sondern schlicht die Seite, die den wirtschaftlichen Druck am geschicktesten organisiert \u2013 es sei denn, die Adressaten lernen, dem Druck standzuhalten oder Werbenetzwerken komplett den R\u00fccken zu kehren.<sup><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir noch mal zu Siegmund zur\u00fcck: Die Beobachtung, dass Politiker wie Ulrich Siegmund auf den ersten Blick eine beachtliche Wirkung erzielen und etablierte Akteure oder Campaigning-Netzwerke vor sich herzutreiben scheinen, greift ein zentrales Ph\u00e4nomen der heutigen politischen Kommunikation auf.<sup><\/sup> Es handelt sich dabei weniger um eine Frage von pers\u00f6nlicher \u201eFaulheit\u201c oder \u201eMut\u201c, sondern um zwei grundlegend unterschiedliche Spielregeln der Politik.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Reichweite durch das &#8222;Aktions-Reaktions-Prinzip&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p id=\"p-rc_34a38a63c45d34a2-26\">Siegmund nutzt gezielt die Dynamik moderner sozialer Medien (insbesondere TikTok und YouTube).<sup><\/sup> Auf diesen Plattformen gewinnt nicht derjenige, der differenziert abw\u00e4gt, sondern derjenige, der vereinfacht, zuspitzt und Angriffe direkt kontert.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wenn eine NGO wie Campact den Druck auf Unternehmen erh\u00f6ht, liefert sie Akteuren wie Siegmund genau das ben\u00f6tigte Narrativ: das Bild des \u201eEstablishments\u201c, das mit Boykottaufrufen agiert. Campact<\/li>\n\n\n\n<li>Jede Aktion von Aktivisten wird sofort als Vorlage genutzt, um die eigene Anh\u00e4ngerschaft zu mobilisieren. Je emotionaler und direkter der Gegenangriff formuliert ist, desto st\u00e4rker belohnen die Algorithmen diese Inhalte mit Reichweite. <\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Warum etablierte Akteure oft &#8222;feige&#8220; oder tr\u00e4ge wirken<\/h3>\n\n\n\n<p>Das z\u00f6gerliche Auftreten von Konzernzentralen, aber auch mancher klassischer Politiker, liegt an strukturellen Zw\u00e4ngen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Komplexit\u00e4tsfalle:<\/strong> Wer in Verhandlungen, Gesetzgebungsprozessen oder im PR-Krisenmanagement von Gro\u00dfkonzernen steckt, muss unz\u00e4hlige juristische, finanzielle und gesellschaftliche R\u00fccksichten nehmen. Das bremst aus und wirkt nach au\u00dfen hilflos oder devot.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Prozessorientierung vs. Agilit\u00e4t:<\/strong> Ein Landtagsabgeordneter oder Social-Media-Kandidat kann innerhalb von Minuten ein Video hochladen. Die Pressestelle eines Dax-Konzerns braucht oft Tage, um eine juristisch gepr\u00fcfte und abgesicherte Stellungnahme abzugeben. Wikipedia<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Zerlegen des Frame-Systems<\/h3>\n\n\n\n<p id=\"p-rc_34a38a63c45d34a2-30\">Dass Medienmacher und Politiker der Opposition Kampagnen wie die von Campact ins Leere laufen lassen oder umkehren k\u00f6nnen, liegt daran, dass sie das zugrundeliegende Prinzip offenlegen:<sup><\/sup><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Der Entzug der Moralkarte:<\/strong> Statt sich f\u00fcr Vorw\u00fcrfe zu rechtfertigen, wird die Legitimit\u00e4t des Angreifers infrage gestellt (\u201eWer ist Campact \u00fcberhaupt, um Firmen zu erpressen?\u201c).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Erzeugung von Gegendruck:<\/strong> Wenn eine Organisation mit Kundenverlust droht, zeigt die Gegenseite auf, dass das Nachgeben ebenfalls Kunden verprellt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis ist ein hochpolarisiertes Klima: W\u00e4hrend klassische Institutionen versuchen, Konflikten auszuweichen und dabei oft schwach wirken, gedeihen Akteure, die das Spiel der maximalen Eskalation und der schnellen Medien-Gegenoffensive beherrschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum gibt es keine auf Krawall geb\u00fcrstete PR-Manager? Jemand, der nicht bei der ersten Droh-E-Mail einer NGO zusammenzuckt, sondern die Angreifer rhetorisch ins Leere laufen l\u00e4sst oder den Spie\u00df umdreht, w\u00fcrde bei einem gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung und Kundschaft extrem gut ankommen. Die Sehnsucht nach Unternehmen, die R\u00fcckgrat zeigen und sich nicht erpressen lassen, ist riesig.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Praxis scheitert dieser Plan auf CEO-Ebene jedoch fast immer an der knallharten Mechanik von Gro\u00dfkonzernen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. PR soll Sch\u00e4den verhindern, nicht Schlachten gewinnen<\/strong> Aus Sicht des Vorstands und der Aktion\u00e4re ist PR kein Debattierclub. Die oberste Pflicht einer PR-Abteilung in einem Publikums-Konzern lautet: <em>Vermeide alles, was den B\u00f6rsenwert, Gro\u00dfinvestoren oder das Weihnachtsgesch\u00e4ft gef\u00e4hrden k\u00f6nnte.<\/em> Eine PR-Truppe auf Krawallkurs w\u00fcrde zwar Fans gewinnen, erzeugt aber permanente Medienaufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit \u2013 selbst positive bei der eigenen Zielgruppe \u2013 bedeutet f\u00fcr Risikomanager vor allem eines: Unberechenbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Die Macht der unsichtbaren Erpresser (ESG &amp; Investoren)<\/strong> Ein Edeka, Aldi oder BMW muss nicht nur dem Kunden an der Kasse gefallen. Gro\u00dfkonzerne h\u00e4ngen an Tropfen von internationalen Fonds (wie BlackRock), Kreditgebern und ESG-Ratingagenturen (Environmental, Social, Governance).<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wenn eine NGO droht, einen Konzern als \u201eUnterst\u00fctzer von Hass im Netz\u201c zu brandmarken, geht es der PR-Abteilung selten um den Kunden im Supermarkt.<\/li>\n\n\n\n<li>Es geht um das Rating bei Banken und Fonds. Schneidet ein Konzern dort wegen angeblich fehlender Haltung schlecht ab, steigen die Kreditzinsen oder Investoren ziehen Geld ab. Die PR gibt also nach, um im Hintergrund Geldstr\u00f6me zu sichern.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>3. Das Karriere-Risiko im Mittleren Management<\/strong> Ein PR-Chef, der den Druck von Aktivisten aussitzt oder sie \u00f6ffentlich konfrontiert, geht ein pers\u00f6nliches Risiko von 100 % ein. Geht die Strategie schief und die Presse zieht tagelang durch die Medien, fliegt er raus. Knickt er lautlos ein und setzt Werbe-Blacklists um, passiert ihm pers\u00f6nlich gar nichts. Das System belohnt in Konzernen fast immer die feige, aber sichere Option.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb funktioniert deine Idee fast ausschlie\u00dflich bei <strong>inhabergef\u00fchrten Unternehmen<\/strong> oder <strong>Mittelst\u00e4ndlern<\/strong>. Ein Inhaber, dem die eigene Bude geh\u00f6rt und der sein eigenes Geld riskiert, kann Aktivisten getrost die T\u00fcr weisen \u2013 und gewinnt dadurch oft treue Kunden. In aktiennotierten Gro\u00dfkonzernen hingegen regiert die B\u00fcrokratie der Risikovermeidung.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gro\u00dfe Rolle spielt auch das allgegenw\u00e4rtige Beraterunwesen. Statt selbst etwa zu entscheiden oder sich geeignete eigene Leute daf\u00fcr zu holen, holt man sich heute Berater, die aber f\u00fcr ihre Entscheidungen nicht gerade stehen. Dass externe Berater und PR-Agenturen im Rampenlicht stehen, liegt an einem paradoxen Gesch\u00e4ftsmodell: Sie verkaufen Verantwortung, ohne haftbar zu sein. Das Prinzip l\u00e4sst sich auf wenige Kernursachen herunterbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Das Prinzip des gefahrlosen Kassierens<\/strong> Berater werden nach Tagess\u00e4tzen oder Pauschalen bezahlt.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Bei Erfolg:<\/strong> Die Agentur klopft sich auf die Schulter und nutzt den Fall als Referenz f\u00fcr die n\u00e4chsten Kunden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bei Misserfolg:<\/strong> Scheitert die Strategie oder brennt der Shitstorm erst richtig auf, erkl\u00e4rt die Agentur, das Unternehmen habe die Empfehlungen nicht konsequent genug umgesetzt \u2013 und stellt die Rechnung f\u00fcr die anschlie\u00dfende \u201eKrisenkommunikation\u201c. Das unternehmerische und finanzielle Risiko bleibt zu 100 % beim Inhaber oder Vorstand.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>2. Der Berater als Schutzschild f\u00fcr das Management<\/strong> Dass F\u00fchrungskr\u00e4fte trotzdem Millionen f\u00fcr Berater ausgeben, hat einen rein egoistischen Zweck: <strong>Haftungsausschluss.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Trifft ein Manager eine eigene Entscheidung und sie geht schief, fliegt er raus.<\/li>\n\n\n\n<li>Holte er eine renommierte Agentur f\u00fcr viel Geld ins Haus und die Sache geht schief, sagt er im Aufsichtsrat: <em>\u201eWir haben die f\u00fchrenden Experten der Branche konsultiert.\u201c<\/em> Das Management kauft mit dem Beraterhonorar nicht prim\u00e4r Expertise, sondern eine pers\u00f6nliche Ausrede gegen\u00fcber Eigent\u00fcmern, Aktion\u00e4ren oder Aufsichtsr\u00e4ten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>3. Standardisierte Konserven statt individueller Mut<\/strong> PR-Agenturen arbeiten nach Schema F. Um ihr eigenes Haftungs- und Imagerisiko gering zu halten, empfehlen sie Kunden fast immer den Weg des geringsten Widerstands (Einknicken, Entschuldigen, Statements glattb\u00fcgeln). Eine individuelle, mutige Gegenoffensive w\u00fcrde die Agentur angreifbar machen \u2013 weshalb sie jedem Kunden dieselbe, risikovermeidende Einheitsmedizin verschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Fehleinsch\u00e4tzung des Auftraggebers<\/strong> Manager verwechseln Honorarh\u00f6he mit Qualit\u00e4t. Wer 500 Euro die Stunde zahlt, geht f\u00e4lschlicherweise davon aus, dass der Berater auch f\u00fcr das Wohl der Firma brennt. F\u00fcr die Agentur ist der Konzern jedoch nur ein Kunde unter vielen, der nach Projektende abgehakt wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Letzten Endes ist es also unter den herrschenden Bedingungen recht einfach, Meinungsgegner auszutrocknen, ohne sich mit ihnen in eine Diskussion einlassen zu m\u00fcssen. Was in den meisten F\u00e4llen schief gehen w\u00fcrde: die SPD hat bei einer Landtagswahl in NRW in den 1990er Jahren ihren Mitgliedern und Funktion\u00e4ren ausdr\u00fccklich verboten, sich mit NPD-Leuten in eine Diskussion einzulassen, weil sie &#8222;der NPD argumentativ nicht gewachsen seien&#8220;. Das ist heute noch so. Gleichzeitig br\u00fcsten sich diese Schmalspurintellektuellen mit Weltoffenheit, Vielfalt und Demokratie. Und der Gro\u00dfteil der Leute l\u00e4uft nach dem Gustave LeBon-Schema mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann den Lesern nur empfehlen: trinkt euch einen guten Rum, Mescal, Whisky, Solera oder Cognac und macht was anderes. Alkohol ist zwar keine L\u00f6sung, aber vieles ist einem nach dem Genuss ziemlich egal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die linke Regierungsorganisation (NGO) Campact ruft zum Boykott von Unternehmen auf. In diesem Fall zur Sperrung bestimmter Youtube-Kan\u00e4le f\u00fcr Unternehmenswerbung. 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Vom Boykottaufruf betroffen sind: Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-13145","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13145"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13145\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13147,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13145\/revisions\/13147"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}