{"id":13119,"date":"2026-08-15T11:39:18","date_gmt":"2026-08-15T09:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=13119"},"modified":"2026-08-15T11:39:18","modified_gmt":"2026-08-15T09:39:18","slug":"die-sache-mit-dem-niedrigwasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/08\/15\/die-sache-mit-dem-niedrigwasser\/","title":{"rendered":"Die Sache mit dem Niedrigwasser"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Rhein hat Niedrigwasser. Das liegt nat\u00fcrlich am Klima nach Erkenntnissen der ersten Verbl\u00f6dungsgarde. Inzwischen setzt sich allerdings langsam die Erkenntnis durch, dass 2026 nicht unbedingt der hei\u00dfeste Sommer seit Beginn der Klimahysterie ist (da gab es schon 2 andere auch mit einer 20 vor den letzten beiden Zahlen sowie einige mit einer 19) und auch die Niedrigwasserst\u00e4nde 1947 und insbesondere 1540 unterboten wurden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Problem ist die Wirtschaftslogistik. Der Rhein geh\u00f6rt zu den am St\u00e4rksten genutzten Wasserstra\u00dfen und auf ihm wird der gr\u00f6\u00dfte Teil der Masseng\u00fcter bef\u00f6rdert. Die Fahrrinne (ausgebaggert) besitzt eine Tiefe von 1,11 m und bei einem Pegel von 49 cm haben die Schiffe nur noch 1,60 m Wasser unter dem Kiel. Ein typisches Frachtschiff l\u00e4sst sich nur noch halb beladen und muss zudem langsamer fahren, was die Frachtkosten in die H\u00f6he treibt. Transportiert wird nur noch, was unbedingt muss: Koks- und Erzfrachter fahren beispielsweise mit Minimallast den Rhein bis Koblenz hoch und dann weiter die normal beschiffbare Mosel, um im Saarland die Stahlindustrie so weit minimal zu versorgen, dass die \u00d6fen nicht ausgehen. Die w\u00e4ren dann n\u00e4mlich nur noch Schrott.<\/p>\n\n\n\n<p>Politiker laufen unter solchen Rahmenbedingungen zu absoluten H\u00f6chstleistungen geistiger Umnachtung auf, nat\u00fcrlich eifrig beklatscht von Qualit\u00e4tshirnlosen in den Medien. So wird gefordert, dass die Fahrrinne im Rhein auf 1,60 &#8211; 2,00 m ausgebaggert wird, damit die Schiffe mehr Ladung aufnehmen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dass dabei der Abflussquerschnitt massiv vergr\u00f6\u00dfert wird, entgeht solchen Hirnakrobaten nat\u00fcrlich. Das Grundproblem: Warum einfaches Vertiefen schadet. Wenn man ein Flussbett vertieft, passiert ohne Gegenma\u00dfnahmen Folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erosion der Sohle:<\/strong> Die h\u00f6here Flie\u00dfgeschwindigkeit rei\u00dft noch mehr Kies und Sand mit. Der Fluss gr\u00e4bt sich selbst immer tiefer ein.. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gr\u00f6\u00dferer Querschnitt = H\u00f6here Flie\u00dfgeschwindigkeit:<\/strong> Das Wasser hat weniger Widerstand und flie\u00dft schneller ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Absinken des Grund- und Wasserspiegels:<\/strong> Der Ruhe- und Niedrigwasserspiegel sinkt ab. Was am ausgebaggerten Punkt als Gewinn aussieht, f\u00fchrt flussaufw\u00e4rts zu niedrigeren St\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um eine tiefere Fahrrinne bei Niedrigwasser zu erreichen, ohne den Wasserspiegel abzusenken, geht es bei modernen Projekten nicht um ein stumpfes \u201eAusbaggern\u201c, sondern um <strong>Sohlanpassung und Str\u00f6mungslenkung<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Einengung des Str\u00f6mungsbetts bei Niedrigwasser:<\/strong> Durch die gezielte Umgestaltung von <strong>Buhnen<\/strong> (quer in den Fluss gebaute D\u00e4mme) oder <strong>Parallelwerken<\/strong> wird der Fluss bei niedrigem Wasserstand schmaler gezwungen. Weniger Breite bedeutet bei gleichem Durchfluss mehr Tiefe.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gezielte Beseitigung von Felsspitzen (Puntal-Ausbau):<\/strong> Oft fehlen nur an wenigen Stellen wenige Zentimeter (z. B. im felsigen Mittelrheintal bei Kaub). Wenn man punktuell Felskuppen auf der Sohle abtr\u00e4gt, erh\u00f6ht das die Fahrrinnentiefe an den Engp\u00e4ssen, ohne den Gesamtabflussquerschnitt des Flusses nennenswert zu ver\u00e4ndern.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Zugabe von Geschiebe (Gegen-Erosion):<\/strong> Damit sich der Rhein nicht selbst eingr\u00e4bt, verpressen Wasserbaustellen an kritischen Stellen j\u00e4hrlich tausende Tonnen Kies auf die Sohle, um das Bett zu stabilisieren.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Allerdings gen\u00fcgt das auf Dauer nicht, da der Klimatrend sich gewandelt hat: bis ca. 2000 h\u00e4ufige Hochwasserlagen, seit 2000 h\u00e4ufiger werdende Niedrigwasserlagen, weil die Niederschl\u00e4ge im Alpenraum abnehmen bzw. mehr Regen als Schnee liefern (Schnee ist der Puffer f\u00fcr den Sommer). Berreits laufend ist eine technische Evolution der Schiffe (Flachwasser-Kaskos). Wenn nicht mehr Wasser in den Fluss gebracht werden kann, m\u00fcssen die Schiffe so konstruiert werden, dass sie weniger Tiefgang ben\u00f6tigen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Leichtbau und neue Rumpfformen:<\/strong> Moderne Binnenschiffe werden breiter gebaut und aus leichteren, hochfesten St\u00e4hlen gefertigt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Tunnelsysteme f\u00fcr Propeller:<\/strong> Spezielle Vertiefungen im Rumpf erlauben es, dass sich die Schiffsschraube auch bei extrem niedrigem Wasserstand noch komplett im Wasser befindet und Vortrieb erzeugt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Das Ergebnis:<\/strong> W\u00e4hrend herk\u00f6mmliche Frachter bei einem Pegelort wie Kaub ab ca. 40\u201350 cm Pegelstand nicht mehr fahren k\u00f6nnen, schaffen neuartige Flachwasserschiffe (wie sie z. B. die BASF oder Covestro zunehmend einsetzen) dieselbe Strecke noch bei deutlich unter 30 cm Pegel mit wirtschaftlicher Restladung.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Allerdings sinkt aufgrund der hydrologischen Besonderheiten die Geschwindigkeit der Schiffe und sie werden technische aufw\u00e4ndiger (Querruder).<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommen muss eine Anpassung der industriellen Logistik von Just-in-Time auf Vorratsbewirtschafttung. Die raumgreifende Reorganisation der Lieferketten verlangt von den Anliegern grundlegend neue Strategien:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prozessanpassung:<\/strong> Vor\u00fcbergehende Umstellung von Gro\u00dfcontainern auf kleinere Einheiten oder vorgezogene Wartungsintervalle in Werken w\u00e4hrend der prognostizierten Niedrigwassermonate im Sp\u00e4tsommer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Puffer- und Lagerkapazit\u00e4ten:<\/strong> Unternehmen am Rhein bauen ihre Rohstofflager drastisch aus, um D\u00fcrrephasen von 4 bis 8 Wochen ohne Produktionsstopps \u00fcberbr\u00fccken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Multimodale Logistik-Konzepte:<\/strong> Statt rein auf den Rheintransport zu setzen, werden sogenannte \u201eSpringerkonzepte\u201c etabliert: Sinkt der Pegel, wird ein Teil der Fracht automatisch auf die Schiene oder per Lkw zur n\u00e4chsten G\u00fcterdrehscheibe umgeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem vern\u00fcnftigen Gesamtkonzept k\u00f6nnte sich die Wirtschaft problemlos anpassen, so lange der aktuelle Klimatrend anh\u00e4lt. Vern\u00fcnftig? In Deutschland? Vergesst es! Den Bereich LKW und Bahn diskutieren wir besser erst gar nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rhein hat Niedrigwasser. Das liegt nat\u00fcrlich am Klima nach Erkenntnissen der ersten Verbl\u00f6dungsgarde. 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