{"id":13113,"date":"2026-08-12T16:25:53","date_gmt":"2026-08-12T14:25:53","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=13113"},"modified":"2026-08-12T16:25:54","modified_gmt":"2026-08-12T14:25:54","slug":"zum-nazivergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/08\/12\/zum-nazivergleich\/","title":{"rendered":"Zum Nazivergleich"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein paar Beispiele zur verbalen Verrohung des lautstarken Teiles der Gesellschaft:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>(1)<\/strong> Ein<strong> Bundeskanzler Friedrich Merz<\/strong> verk\u00fcndet ganz offen in Presseerkl\u00e4rungen, &#8222;man m\u00fcsse Russland <strong>ausbluten<\/strong>&#8222;. Das ist zwar kein NS-Sprech, aber sehr nahe dran. Vor ziemlich genau 100 Jahren ging das Deutsche Heer in die Schlacht von Verdun mit genau dieser Parole durch General Erich von Falkenhayn. Verdun gilt weltweit als das ultimative Symbol f\u00fcr eine zutiefst menschenverachtende Milit\u00e4rstrategie, bei der das Leben des einzelnen Soldaten absolut keinen Wert mehr besa\u00df. W\u00e4hrend Verdun im kollektiven Ged\u00e4chtnis der Deutschen und Franzosen als die \u201eBlutm\u00fchle\u201c gilt, besetzt die Somme-Schlacht (Juli bis November 1916) in Gro\u00dfbritannien genau denselben Platz als <strong>Symbol f\u00fcr die absolute Gef\u00fchllosigkeit und Inkompetenz der eigenen F\u00fchrung<\/strong>. Der britische Oberbefehlshaber, Field Marshal Douglas Haig, ging als einer der umstrittensten Gener\u00e4le der Geschichte in die Historie ein. Seine Haltung glich der von Falkenhayn in Verdun.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Milit\u00e4rstrategen des Zweiten Weltkriegs hatten aus dem Trauma des Ersten Weltkriegs gelernt, dass eine angek\u00fcndigte oder bewusst herbeigef\u00fchrte Abnutzungsschlacht wie Verdun politisch und psychologisch der absolute Selbstmord gewesen w\u00e4re. Man ver\u00e4nderte im Zweiten Weltkrieg die Sprache und die taktischen Methoden radikal \u2013 obwohl das Ergebnis f\u00fcr die Soldaten am Ende oft genauso vernichtend war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2)<\/strong> Der so genannte <strong>Journalist Michael Martens<\/strong> fragte auf einer Pressekonferenz allen Ernste, wie Deutschland der Ukraine dabei helfen k\u00f6nne, <strong>m\u00f6glichst viele Russen zu t\u00f6ten<\/strong>. Er korrigierte weiter zu russische Soldaten, angesichts der Drohnenangriffe gegen russische Zivileinreichtungen und Zivilisten ist die Unterscheidung allerdings eher marginal. Dar\u00fcber hinaus verbreitet und kommentiert Martens auch T\u00f6tungsvideos von Russen durch ukrainische Drohnenpiloten mit einer gewissen Begeisterung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reaktion der Presse liegt zwischen verhalten und nicht vorhanden. Besonders sein Arbeitgeber, die FAZ (Faschistische Allgemeine Zeitung) fl\u00fcchtet sich in eine windige Ausrede nach der anderen, die <strong>die absolute Gef\u00fchllosigkeit und Menschenverachtung<\/strong> dieser Leute eher unterstreicht. Wenn sich Martens dabei auf Winston Churchill, einen ausgewiesenen Massenm\u00f6rder beruft (<em>Churchill wurde damals gefragt, wie man den jugoslawischen Partisanen helfen k\u00f6nne. Seine Antwort lautete sinngem\u00e4\u00df: Indem man herausfindet, wer die meisten Deutschen t\u00f6tet, und ihnen hilft, noch mehr zu t\u00f6ten.<\/em>), macht es das eher noch schlimmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Exakt solche Formulierungen, die das gezielte T\u00f6ten und die Dezimierung von Millionen Menschen einer bestimmten Volksgruppe forderten, sind in der NS-Zeit massenhaft und systematisch aufgetreten. In seinen geheimen Reden vor SS-F\u00fchrern sprach Himmler offen \u00fcber die Vernichtung der Juden und Slawen. Er betonte, dass das Schicksal dieser V\u00f6lker ihm v\u00f6llig gleichg\u00fcltig sei. Ihn interessiere das Sterben von Zehntausenden russischen Frauen beim Schanzenbau nur insoweit, als dass \u201eder Panzergraben f\u00fcr Deutschland fertiggestellt wird\u201c. Im Gegensatz zu Martens war das wenigstens eine Geheimrede und keine offene Anfrage.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(3)<\/strong> Und dann gibt es noch einen  Unternehmer, dessen \u00c4u\u00dferungen und Pr\u00e4sentationen im ARD-Format <em>Tagesschau<\/em> (bzw. dem Investigativ-Format von WDR, NDR und SZ) thematisiert wurden, names <strong>Stefan Thumann<\/strong>, der Chef des bayerischen R\u00fcstungs-Start-ups <em>Donaustahl<\/em>. Thumann vermarktet seine in Niederbayern produzierten <em>MAUS<\/em>-FPV-Drohnen nicht als abstrakte Verteidigungstechnologie, sondern bewirbt sie ganz konkret mit dem Einsatzzweck, die russische Invasionsarmee personell und materiell zu dezimieren. In Interviews und Statements machte er unmissverst\u00e4ndlich klar, dass der Zweck seiner Produkte darin besteht, die \u00dcberlebensf\u00e4higkeit der ukrainischen Truppen zu sichern, indem man die Angreifer physisch ausschaltet. <em>Donaustahl<\/em> legte Kalkulationen vor, wie billig und effektiv das T\u00f6ten und Zerst\u00f6ren mit seinen Drohnen ist. Die Drohne kostet in der Produktion nur wenige hundert Euro, kann aber russische Soldaten ausschalten oder Millionen Euro teures Milit\u00e4rger\u00e4t zerst\u00f6ren. Diese nackte Kosten-Nutzen-Rechnung (niedrige Produktionskosten vs. maximaler Schaden beim Feind) wurde als zentrales Verkaufsargument genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><strong>Es gab auch in der NS-Zeit genau diese wirtschaftlichen und technischen Wettbewerbe um das effektivste T\u00f6ten.<\/strong><\/strong> Die Erfurter Firma <strong>Topf &amp; S\u00f6hne<\/strong> und die Berliner Firma <strong>H. Kori<\/strong> standen in einem direkten, marktwirtschaftlichen Konkurrenzkampf um die Krematorien von Auschwitz u.a. Der industrielle Massenmord an den Juden und anderen Gruppen unterlag allerdings der strengsten Geheimhaltungsstufe (<em>Geheime Reichssache<\/em>). Die NS-F\u00fchrung wusste, dass die Ver\u00f6ffentlichung solcher Effizienzberechnungen \u00fcber das T\u00f6ten von Zivilisten im In- und Ausland einen massiven moralischen und politischen Schaden anrichten w\u00fcrde. Die Firmen korrespondierten mit der SS \u00fcber geheime Kan\u00e4le. In der \u00d6ffentlichkeit durfte dar\u00fcber kein Wort fallen; stattdessen wurde das Geschehen sprachlich als \u201eUmsiedlung\u201c oder \u201eSonderbehandlung\u201c getarnt. Heute werden solche Effizienzbem\u00fchungen im Zuge der \u00d6konomisierung und der ver\u00e4nderten geopolitischen Lage als vermeintlich \u201erationale\u201c Nachricht im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die \u00c4hnlichkeiten sind frappant. Nur sollte man sich h\u00fcten, tats\u00e4chliche Vergleiche mit der NS-Zeit anzustellen, weil das mit ziemlicher Sicherheit Staatsanw\u00e4lte auf den Plan ruft. \u00c4hnlichkeiten sind in gewisser Hinsicht nicht zu bestreiten, aber direkte Vergleiche werden von der KI in der Regel in der Art<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Der historische Unterschied zur NS-Rhetorik<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Genozidale Vernichtung vs. Kombattanten:<\/strong> Die Rhetorik der Nationalsozialisten zielte auf die vollst\u00e4ndige physische Vernichtung von ethnischen Gruppen (Juden, Sinti und Roma) und die Versklavung slawischer V\u00f6lker ab. Diese Gruppen wurden als \u201eUntermenschen\u201c entmenschlicht. Bei der Frage von Martens ging es spezifisch um <strong>regul\u00e4re Soldaten einer Invasionsarmee<\/strong> in einem v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg. V\u00f6lkerrechtlich ist das gezielte Bek\u00e4mpfen gegnerischer Kombattanten im Rahmen der Selbstverteidigung legal \u2013 die Vernichtung von ethnischen Minderheiten im Nationalsozialismus war ein staatlich organisiertes Verbrechen gegen die Menschlichkeit. <\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>abgeb\u00fcgelt, wenn sie auch bei ein wenig Bohren zugibt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Sobald Krieg technisiert und industrialisiert wird \u2013 ob durch die Artilleriegener\u00e4le in Verdun 1916, die NS-B\u00fcrokratie im Zweiten Weltkrieg oder moderne Drohnen-Start-ups heute \u2013, verschwindet der Mensch hinter Begriffen wie \u201eMaterial\u201c, \u201eVerschlei\u00df\u201c, \u201eEffizienz\u201c oder \u201eKosten-Nutzen-Rechnung\u201c. Die nackte, mathematische Kalkulation \u00fcber das massenhafte T\u00f6ten ist das gemeinsame Merkmal all dieser Epochen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das heutige Problem ist das <strong>NIE WIEDER.<\/strong> Man gibt vor, aus den Vorg\u00e4ngen in der Vergangenheit gelernt zu haben &#8211; und benutzt das alte Vokabular teilweise noch ungehemmter weiter als zuvor. Und ist damit auf der sicheren weil unkritisierbaren Seite, siehe 1. KI-Antwort. Wo ist der Trick dabei, dass man heute etwas ungestraft \u00fcber bestimmte V\u00f6lksgruppen sagen darf, das im Rahmen der NS-Zeit ge\u00e4u\u00dfert heute als kriminell gilt?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Trick besteht darin, die <strong>NS-Zeit ideologisch zum absolut b\u00f6sen H\u00f6hepunkt der Menschheitsgeschichte<\/strong> zu definieren. Dazu wird jegliche Diskussion \u00fcber Vorg\u00e4nge in der damaligen Zeit kriminalisiert. Wenn man ein aktuelles Beispiel dazu will, nehme man den russisch-ukrainischen Krieg. Hintergr\u00fcnde unterscheiden sich erheblich, je nachdem ob man russische Versionen oder EU-Versionen verwendet. Das liegt daran, dass die Schnittmengen zwischen den Faktendarstellungen au\u00dfergew\u00f6hnlich klein sind: was die eine Seite sagt, wird von der anderen schlicht nicht zur Kenntnis genommen, was zwangsweise zu v\u00f6llig anderen Aussagen f\u00fchrt. In der Praxis: wer aus der Differenzmenge der russischen Version zur EU-Version zitiert, verbreitet <strong>Desinformation<\/strong> und wird zur Zielscheibe des Staatsapparates und selbst ernannter Tugenw\u00e4chter. Nur die EI-Version ist <strong>Information<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sieht mit der Darstellung der NS-Zeit nicht anders aus. Zitiert werden jeweils Historiker und sonstige Wissenschaftler, die in einem \u00fcbereinstimmenden Konsens ganz bestimmte Aspekte herausarbeiten, w\u00e4hrend Dissidenten eben Desinformation betreiben und Verharmloser sind. Und <strong>Verharmlosung ist in vielen EU-Staaten strafbewehrt<\/strong> (<em>beispielsweise war die SS alles andere als ein homogener Haufen, dessen einzige Freude im T\u00f6ten minderwertiger Ethnien bestand. In der Staatsverwaltung waren viele aus reinen Karrieregr\u00fcnden in der SS und bekleideten als Akadamiker vielfach sogar formal ausgesprochen hohe R\u00e4nge. Die Waffen-SS war ein weiteres v\u00f6llig anderes Kapitel. Vieles steht aber in den offiziellen Darstellungen so weit hinten in Fu\u00dfnoten versteckt, dass es m\u00f6glichst keiner findet. Es lebe die Schlagzeile, wie heute auch<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>And that&#8217;s it is!<\/strong> Wer heute etwas Menschenverachtendes oder Gef\u00fchlloses sagt, kann immer &#8211; egal wie ausfallend seine Wortwahl ist &#8211; darauf verweisen, dass das alles ja immer noch <strong>harmlos im Vergleich zum absolut B\u00f6sen der NS-Zeit<\/strong> ist. Die erste KI-Reaktion zeigt es deutlich: einzelne Beispiele sind unzul\u00e4ssig, weil man das B\u00f6se jeweils beliebig erweitern kann. Spricht Martens vom T\u00f6ten von Russen, wird das locker getoppt durch &#8222;vollst\u00e4ndige physische Vernichtung &#8230;&#8220;. Der unerlaubte Vergleich ist dann strafbewehrte Verharmlosung der NS-Ideologie, die ihrerseits strafbewehrt (ebenfalls Verharmlosung) auch nicht weiter hinterfragt werden darf. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein paar Beispiele zur verbalen Verrohung des lautstarken Teiles der Gesellschaft: Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-13113","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13113","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13113"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13113\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13114,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13113\/revisions\/13114"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13113"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13113"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13113"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}