{"id":1305,"date":"2018-01-28T09:46:28","date_gmt":"2018-01-28T08:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1305"},"modified":"2018-01-28T09:46:28","modified_gmt":"2018-01-28T08:46:28","slug":"das-gutmenschenproblem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/01\/28\/das-gutmenschenproblem\/","title":{"rendered":"Das Gutmenschenproblem"},"content":{"rendered":"<p>Ein Grundprinzip der Natur lautet: Nichts ist umsonst. Wenn man etwas haben will, muss man daf\u00fcr bezahlen.<!--more--><\/p>\n<h4>Das gute Gesch\u00e4ft<\/h4>\n<p>Letzten Ende ist alles ein Gesch\u00e4ft. Wenn man allerdings mit den gleichen Gesch\u00e4ftspartnern wieder ein Gesch\u00e4ft abschlie\u00dfen will, sorgt man tunlichst daf\u00fcr, dass alle Beteiligten der Ansicht sind, ein gutes Gesch\u00e4ft gemacht zu haben und nicht \u00fcbers Ohr gehauen worden zu sein. Was ein &#8222;gutes Gesch\u00e4ft&#8220; ist, ist nat\u00fcrlich eine Sache der individuellen Interpretation.<\/p>\n<p>In Gemeinschaften, in denen jeder jeden mehr oder weniger kennt und keine Notsituation herrscht, in der die Ressourcen nicht mehr f\u00fcr alle ausreichen, werden die meisten Gesch\u00e4fte gute Gesch\u00e4fte sein. Anders sieht es aus, wenn kaum eine Wiederholungsabsicht besteht. Dann ist die Versuchung gro\u00df, mehr Profit heraus zu schlagen. Als historisches Beispiel m\u00f6gen die Zigeuner dienen, die nur selten den gleichen Ort nochmals besuchten. Zogen sie weiter, oft zu einem Zeitpunkt, da es die sesshaften Anwohner gar nicht so richtig mitbekamen, fehlte anschlie\u00dfend die eine oder andere Kuh oder ein Schaf oder auch etwas aus dem Haushalt. So wei\u00df Gustav Freytag in seinen &#8222;Bilder aus der deutschen Vergangenheit&#8220; zu berichten, dass \u00fcber Zigeuner bereits im 15.\/16, Jahrhundert die Spr\u00fcche von Dieben, R\u00e4ubern und Halsabschneidern kursierten und dass man seine T\u00f6chter und Wertsachen besser gut verschlie\u00dfe, bis sie wieder fort seien. Heute sind das nat\u00fcrlich &#8222;fremdenfeindliche Vorurteile&#8220;, allerdings, wenn man auf die 400-j\u00e4hrige Geschichte schaut, durch Erfahrung gut fundierte Vorurteile.<\/p>\n<h4>Die Rolle des Gesetzes<\/h4>\n<p>Unsere Massengesellschaft ist inzwischen so strukturiert, dass nur in d\u00f6rflichen Gemeinschaften jeder jeden kennt, zumindest weitgehend. Heute ist alles anonym, und die Leute, die man privat trifft, sind meist nicht diejenigen, mit denen man Gesch\u00e4fte macht. Die Versuchung, einseitige Gesch\u00e4fte zu machen, ist ungleich gr\u00f6\u00dfer. Ein mit ungleichen Gesch\u00e4ften einhergehendes Problem ist allerdings eine wachsende Feindschaft zwischen verschiedenen Gruppen, die sich gewaltsam entladen kann.<\/p>\n<p>Um dem gegen zu steuern und halbwegs alle zufrieden zu stellen sind Gesetze vorhanden. Ausw\u00fcchse werden vom Staat als \u00fcbergeordnetem Friedensrichter abgestraft. Allerdings sind Gesetze nicht optimal. Derzeit haben sie eine Unwucht, die zwei Gruppen deutlich bessere Gesch\u00e4fte erm\u00f6glicht und wieder Unzufriedenheit erzeugt, die sich beispielsweise im Erfolg der AfD ausdr\u00fcckt: 1) wer gen\u00fcgend Geld hat, kann sich den Gesetzen weitgehend entziehen, und 2) wer die Gesetze macht, kann daf\u00fcr sorgen, dass sie auf einen selbst nur bedingt zutreffen. Das alte Animal-Farm-Prinzip: &#8222;All people are equal, but some people are more equal than others&#8220;.<\/p>\n<p>Die Unzufriedenheit mit dieser &#8222;Ungerechtigkeit&#8220; steigt, und die Urheber sind anscheinend nicht im Stande, trotz st\u00e4ndigem Gefasels von mehr Gerechtigkeit die Gefahr, die sich da entwickelt, zu erkennen.<\/p>\n<h4>Gesetzlosigkeit<\/h4>\n<p>Nicht in allen L\u00e4ndern geht es so zu wie bei uns, wo es trotz allem noch halbwegs gut geregelt abl\u00e4uft. Anderswo herrscht Not, weil die Ressourcen nicht ausreichen, sich einige Leute im gesetzlosen Raum ma\u00dflos bereichern oder aus irgendwelchen Gr\u00fcnden, an denen unsere Politiker einen erheblichen Anteil mittragen, Krieg herrscht.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckfallstrategie der Menschen ist &#8222;jeder f\u00fcr sich&#8220; oder seine Familie oder seinen Clan, und das erst nicht seit heute, sondern teilweise schon seit vielen Generationen. &#8222;Der Mensch ist ein Gewohnheitstier&#8220; wei\u00df der Volksmund, und genauso, wie wir uns an die Suprematie des Gesetzes gew\u00f6hnt haben, haben sich andere Gesellschaften an die Suprematie der Faust gew\u00f6hnt. Die Gewohnheit zu wechseln ist mental keine einfache Sache.<\/p>\n<p>In vielen L\u00e4ndern brennt es aber derzeit derart, dass sie viele Leute auf Wanderschaft in ein gelobtes Land begeben &#8211; und schon sind wir bei der Fl\u00fcchtlingskrise: Leute der Faust treffen hier auf Leute des Gesetzes. Wie soll man mit dem Konflikt umgehen?<\/p>\n<h4>Migrantenkategorien<\/h4>\n<p>Unsere Gesellschaftswerte verlangen, dass Menschen in Not geholfen wird. Das trifft auch auf Migranten zu. Hier ist es geboten, zu differenzieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Einwanderer wollen in der hiesigen Gesellschaft Fu\u00df fassen und Teil der Gesellschaft werden. Selten kommen diese Leute mittellos, selten sind diese Leute ungebildet, und ihr Ziel macht sie kooperationsbereit. Wenn man von Integration spricht, sind eigentlich diese Menschen gemeint. Ob sie sich integrieren k\u00f6nnen &#8211; sich von einer anderen Kultur so weit zu trennen, dass keine wesentlichen Konflikte bestehen &#8211; steht auf einem anderen Blatt.<\/li>\n<li>Politisch Verfolgte genie\u00dfen ebenfalls einen besonderen Schutz, sind aber auch in den seltensten F\u00e4llen mittellos oder nicht im Stande, ihren Unterhalt ma\u00dfgeblich selbst zu verdienen. Zu dieser Gruppe werden aber vorschnell zu viele Leute hinzu gerechnet: wieso ein anderer Staat einen Ziegenhirten und Analpahbeten, der langfristig auf Kosten des Sozialstaates lebt, politisch verfolgen sollte, ist wohl nur Gutmenschen klar.<\/li>\n<li>Kriegsfl\u00fcchtlinge: Ziel muss es sein, diese Leute schnellstm\u00f6glich wieder in ihre Heimat zu bekommen, und zwar aus zwei Gr\u00fcnden: 1) muss Wiederaufbauarbeit geleisten werden, und dazu braucht man dort die Leute, 2) machen sich dort andere Leute auf dem Eigentum der Fl\u00fcchtlinge breit, wenn sie nicht wiederkommen, womit der aufnehmende Staat sie dann langfristig am Hals hat. Im Zusammenhang mit Kriegsfl\u00fcchtlingen von Integration und Aufenthaltsrecht zu schwadronieren ist so falsch wie m\u00f6glich, genauso wie das Argument &#8222;es ist ja alles kaputt&#8220;. Das war es hier nach 1945 auch.<\/li>\n<li>Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge sind auf der Flucht vor der Not in ihrer Heimat. Sie bringen in der Regel nichts mit, was sie hier zu Teilen der Gesellschaft machen k\u00f6nnte, und fallen den Sozialkassen auf ewig zur Last. Es ist zwar bedauerlich, wenn dort solche Zust\u00e4nde herrschen, aber daraus l\u00e4sst sich nun kein Recht ableiten, hier zu schmarotzen.<\/li>\n<li>Sonstige Fl\u00fcchtlinge sind n\u00e4herungsweise ebenfalls Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge. Ein Beispiel sind viele T\u00fcrken, die nach 1990 nach D kamen, ohne dass sie hier wirkliche gebraucht worden w\u00e4ren, und die sich auch nach fast 30 Jahren zu einem gro\u00dfen Teil immer noch nicht integriert haben, teilweise selbst zugeben, dass sie vieles nur wegen des Sozialsystems machen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Genau betrachtet haben nur die Leute, die sich hier etwas aufbauen und sich in die Gesellschaft einf\u00fcgen wollen, einen Anspruch auf die kompletten Leistungen. Die Rechte und die Unterst\u00fctzungs f\u00fcr andere Gruppen muss man schon im Hinblick auf den Schutz der einheimischen Bev\u00f6lkerung &#8211; Problem Faust gegen Recht &#8211; beschr\u00e4nken.<\/p>\n<h4>Integration<\/h4>\n<p>Der Begriff ist an sich schon nebul\u00f6s. Meint man Integration &#8211; das ist eine Gemeinschaft, in der die verschiedenen Gruppen immer noch deutlich unterscheidbar sind &#8211; oder Inklusion &#8211; hier sind keine wesentlichen Unterschiede mehr auszumachen? Etwas grober und verst\u00e4ndlicher ausgedr\u00fcckt: in einer Integration kann man mit jedem gute Gesch\u00e4fte machen, in einer Inklusion nach Feierabend auch noch zusammen feiern gehen.<\/p>\n<p>Wichtig ist auf jeden Fall eine gemeinsame Kultur, womit aber nicht Curry-Wurst wei\u00df-rot gemeint ist, sondern eher eine Wertegemeinschaft: f\u00fcr alle sind die gleichen Gesetze und allgemeinen Verhaltensweisen verbindlich, wozu auch Grundrechte (freie Meinungs\u00e4u\u00dferung bedeutet, man darf sagen, was dem anderen NICHT gef\u00e4llt) und Umgangsformen geh\u00f6ren (man verh\u00e4lt sich im Krankenhaus wie in einem Krankenhaus und nicht wie in einem Negerkral im negativen Sinn dieses Begriffs). Und man spricht eine gemeinsame Sprache.<\/p>\n<p>Nimmt man diese Definitionen als Ma\u00dfstab, muss man feststellen, dass insbesondere im Zusammenhang mit dem Islam und den Migranten eine Inklusion nur ausnahmsweise stattfindet (in der Regel sind dies Christen) und selbst Integration in vielen Bereichen nur mit viel Wohlwollen attestiert werden kann. Scharia-Gesetzgebung und ich-bin-beleidigt-und-mach-dich-Messer-Islam ist definitiv keine Integration, Sprachverweigerung auch nach vielen Jahren ist keine Integration, und vieles andere mehr. Vielfach herrscht Exklusion: man macht zwar vielleicht am Rande Gesch\u00e4fte, kommt dem anderen aber besser nicht in die Quere.<\/p>\n<p>Um den gesellschaftlichen Frieden zu wahren, w\u00e4re ein Differenzierung zwischen verschiedenen Gruppen notwendig sowie auch Druck zu \u00c4nderungen. Leider bleibt das aus: Gutmeschentum verlangt ein Zugehen auf den anderen ohne jede Grenze, selbst bei Totalverweigerung, und f\u00fchrt letztlich zu US-amerikanischen Zust\u00e4nden: Ghettobildung in den St\u00e4dten mit allen miesen Auswirkungen wie No-Go-Areas usw.<\/p>\n<p>Vielen B\u00fcrgern sind diese Entwicklungen bewusst und ein Dorn im Auge. Leider kommt das bei Politikern und Gutmenschen nicht an. Kritik an der Entwicklung solcher Zust\u00e4nde wird als generelle Ausl\u00e4nderfeindlichkeit bezeichnet, was sie in den meisten F\u00e4llen nicht ist. Die Leute wollen nur &#8222;gute Gesch\u00e4fte&#8220; machen und sich nicht \u00fcbers Ohr gehauen f\u00fchlen, und kaum jemand wird sich an der arabischen Nachbarfamilie st\u00f6ren, deren Kinder in die Schule gehen und Deutsch sprechen und deren Eltern tags\u00fcber wie alle anderen auch geregelter Arbeit nachgehen.<\/p>\n<h4>Die Gutmenschenblase<\/h4>\n<p>Gutmenschen lassen Kritik nicht zu. Wer kritisiert, verallgemeinert in ihrer Diktion Einzelf\u00e4lle und ist daher ein Hasser, Feind oder Leugner. Der Mord an einer Studentin in Freiburg &#8211; ein Einzelfall; der Mord in Kandel &#8211; ein Einzelfall; der Mord in L\u00fcnen &#8211; ein Einzelfall. Z\u00e4hlt man die Einzelf\u00e4lle hinzu, dies es nicht in die bundesweite Presse schaffen &#8211; viele F\u00e4lle bleiben in der Lokalpresse h\u00e4ngen und werden 50 km weiter nicht mehr wahrgenommen (oder w\u00fcrden es nicht, wenn es keine sozialen Netzwerke g\u00e4be) &#8211; kommt man schon auf erschreckende Zahlen, in denen Vertreter der Faust Vertreter des Gesetzes an Leben und Gesundheit gesch\u00e4figt haben (am perfidesten in der Berichterstattung sind ARD und ZDF, f\u00fcr die selbst \u00fcberregional bekannt werdende F\u00e4lle nur Regionalereignisse sind und die sich, wenn sie doch &#8222;berichten&#8220;, vorzugsweise in Schnappathmung und k\u00fcnstlicher Emp\u00f6rung ergehen, weil ein AfD-Vertreter an einer Trauerfeierlichkeit teilgenommen hat).<\/p>\n<p>Gutmenschen leben in einer bequemen Blase. Ihnen geht es in der Regel pers\u00f6nlich gut. Der Einzelfall &#8222;Ehrenmord&#8220;: in der n\u00e4chsten Stadt. Der Park, den man nicht mehr betreten kann, weil er das Revier von Drogendealern ist: in einem anderen Stadtteil. Die Schule, an der Banden die Sch\u00fcler abziehen: nicht die, an der meine Kinder sind. Gutmenschen leben in einer heilen Welt, in der sie bequem die Augen schlie\u00dfen k\u00f6nnen. Alles passiert so weit weg, dass sie nicht selbst involviert sind, ergo sind alles Einzelf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Gutmenschen sind durch ihre Haltung aber zwangsweise Ausbeuter und Parasiten im Sinn der einf\u00fchrenden Bemerkungen. Denn auch die Einzelf\u00e4lle unterliegen dem Gesch\u00e4ftsprinzip: die allein in den 4 Wochen des Jahren 2018 angefallenen F\u00e4lle gebieten es dringend, sich Gedanken dar\u00fcber zu machen, wie so etwas zu verhindern ist. Gutmenschen ziehen sich auf den perfiden Standpunkt &#8222;man kann nicht alles verhindern, Einzelf\u00e4lle schon gar nicht, und au\u00dferdem gibt es auch biodeutsche B\u00f6sewichte&#8220; zur\u00fcck und verhindern alle Ma\u00dfnahmen, weil das bequemer ist. Zahlen tun andere, und das inzwischen nicht selten mit ihrem Leben. Nicht jeden Toten, aber den Teil, den man durch pragmatische Ma\u00dfnahmen mutma\u00dflich h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen, m\u00fcssen sich diese Gutmenschen auf ihre pers\u00f6nliches Lebenskonto buchen.<\/p>\n<p>Wie kommt man aus der Blase heraus? Freiburg, Kandel, P\u00e4dophilenreklame auf KIKA, Sch\u00e4ndung eines 4-j\u00e4hrigen M\u00e4dchens in Hamburg, B\u00fcrgschaften &#8230; zunehmend betreffen die Einzelf\u00e4lle auch Gutmenschen selbst. Leute, die ohne R\u00fcckendeckung Gutmenschenpositionen vertreten haben, sind nun selbst mit Toten, k\u00f6rperlich Gesch\u00e4digten oder massiven wirtschaftlichen Folgen konfrontiert. Wie denken sie nun? Die Presse berichtet nicht dar\u00fcber, die Gutmenschphalanx br\u00f6ckelt bislang kaum. Aber anscheinend ist das der einzige Weg: nur wenn diese Leute buchst\u00e4blich was auf die Fresse bekommen (O-Ton Andrea Nahles, also sind solche Formulierungen inzwischen politisch korrekt), besteht die Chance des Einlenkens. Hoffen wir, dass gen\u00fcgend Leute was aufs Maul bekommen, bevor es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Grundprinzip der Natur lautet: Nichts ist umsonst. Wenn man etwas haben will, muss man daf\u00fcr bezahlen. 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