{"id":13023,"date":"2026-06-23T08:27:05","date_gmt":"2026-06-23T06:27:05","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=13023"},"modified":"2026-06-23T08:27:05","modified_gmt":"2026-06-23T06:27:05","slug":"die-eu-als-grund-dafuer-dass-nichts-mehr-funktioniert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/06\/23\/die-eu-als-grund-dafuer-dass-nichts-mehr-funktioniert\/","title":{"rendered":"Die EU als Grund daf\u00fcr, dass nichts mehr funktioniert"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Zust\u00e4nde bei der Deutsche Bahn AG sind bekannt: kommt man ein Zug p\u00fcnktlich, stellt sich die Frage, ob das der von Gestern mit 24h oder der von Vorgestern mit 48h Versp\u00e4tung ist. Nun ist die DB zwar eine Nummer f\u00fcr sich, aber woanders sieht es auch nicht gut aus: beim franz\u00f6sischen Bruder SNCF kocht im Moment die Suppe \u00fcber. Alle Gewerkschaften sind sich ausnahmsweise einmal einig und machen auf Randale.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Grund ist die EU mit ihren Vorgaben der Privatisierung und des europaweiten Wettbewerbs. Die gehen &#8211; nicht nur hier, sondern in allen Bereichen, in denen es um Infrastruktur geht &#8211; v\u00f6llig an den Anforderungen der Bev\u00f6lkerung und der Besch\u00e4ftigten vorbei und zerst\u00f6ren so seit fast 200 Jahren gut funktionierende Systeme.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gute Infrastruktur ist die Voraussetzung f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung eines modernen Staates. Menschen und Material m\u00fcssen schnell, zuverl\u00e4ssig und zu vertretbaren Preisen von A nach B (und auch anderen Buchstaben) transportiert werden. Das Hauptproblem in der Fl\u00e4che: die Nachfrage ist nicht homogen. In einer Gro\u00dfstadt ist die S-Bahn im 10-Minuten-Takt rammelvoll (<em>oder war es zumindest mal, bevor vielbesungene &#8222;Goldst\u00fccke&#8220; die Benutzung etwas unsicher machten<\/em>), im l\u00e4ndlichen Bereich w\u00fcrde ein Zug pro Tag theoretisch voll werden, w\u00fcrde man alle Fahrg\u00e4ste in einem konzentrieren. Was nat\u00fcrlich nicht funktioniert, denn die zeitlichen Anforderungen der Kunden &#8211; wann und wie schnell &#8211; sind in beiden Bereichen vergleichbar. Soll auch der l\u00e4ndliche Bereich bedient werden, gen\u00fcgt zwar vielleicht ein 30-Minuten-Takt, aber der sollte schon sein, was aber dazu f\u00fchrt, dass die Strecken nicht unbedingt profitabel betrieben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kann man auf andere Infrastrukturen wie Ver- und Entsorgung, Energieversorgung, Individualverkehr (Stra\u00dfen), medizinische Versorgung, Post usw. \u00fcbertragen. Es wird Bereiche geben, in denen alles super l\u00e4uft und sogar am Ende sogar etwas \u00fcbrig bleibt, und andere Bereiche, die Zusch\u00fcsse ben\u00f6tigen, um zufriedenstellend zu funktionieren. Und das ist unter zwei Voraussetzungen kein Problem: (1) beide Bereiche liegen in der Zust\u00e4ndigkeit eines Unternehmens und (2) das Unternehmen ist staatlich und nicht B\u00f6rsenzw\u00e4ngen unterworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Prinzip hat seit 1800-wei\u00df-ich-nicht bis etwa 2000 ganz gut funktioniert: die formal defizit\u00e4ren Bereiche wurden durch die profitablen Bereiche quersubventioniert und lieferten akzeptable Qualit\u00e4t und durch den fehlenden Gewinnzwang blieben auch die Kosten f\u00fcr die Nutzer akzeptabel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8230; und dann kam die EU!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich musste Wettbwerb herrschen, die Unternehmen mussten Profit machen (was ein wenig Geld in die Staatskasse brachte), und sp\u00e4ter noch mehr, als die Politik bemerkte, dass Verscherbeln der Staatsunternehmen noch mehr Geld zum Veruntreuen in die Kasse schaufelte. Die Auswirkungen, wieder am Beispiel Bahn: auf den profitablen Strecken entspann sich ein Wettbewerb, wer g\u00fcnstiger anbieten konnte, und das sind oft private Unternehmen oder Unternehmen anderer Staaten, die die Infratruktur ohne eigenen Aufwand nutzen, w\u00e4hrend der ehemalige Platzhirsch die Nebenstrecken und die Infrastrukturaufgaben weiterhin am Hals hatte. Die Folge: die Unternehmen wurden zerschlagen. Die reine Infrastruktur wurde ausgegliedert, um die Bef\u00f6rderungskosten auf weniger rentablen Strecken abzutrennen, was aber immer noch die profitablen Strecken beg\u00fcnstigt, weil sich die Grundpreise nicht so gravierend unterscheiden. Und der ehemalige Platzhirsch war weiterhin f\u00fcr die Nebenstrecken zust\u00e4ndig, weil dort niemand sonst etwas anbieten wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zwangsweisen Folgen: das Angebot auf den kleineren Strecken wurde geringer (statt 30-Minuten-Takt nur noch 2 &#8211; 3 Z\u00fcge pro Tag) bei gleichzeitig steigenden Preisen, die Hauptstrecken wurden auch teurer, weil der Platzhirsch weniger Einnahmen zum Umverteilen hat und alle folglich besser zulangen k\u00f6nnen. Der Service wird schlechter, weil sich niemand f\u00fcr zust\u00e4ndig h\u00e4lt (<em>warum soll der Zug der Gesellschaft A warten, wenn der Zug der Gesellschaft B Versp\u00e4tung hat?<\/em>). Das Infratrukturnetz wird schlechter, weil auch hier Umverteilungen kam noch m\u00f6glich sind. Die Arbeitsbedingungen wurden schlechter (<em>immer die erste Ma\u00dfnahme: was bisher 2 machen, kann auch 1 machen, der dann aber nicht mehr von 2, sondern von 3 Leuten in der Zentrale verwaltet wird<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und alles verdanken wir der EU, die das in bew\u00e4hrter Manier scheibchenweise umgesetzt hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Man kann das leicht auf fast alle anderen Bereiche \u00fcbertragen: Zwang zu einem Wettbewerb, Privatisierung der Unternehmen, Wegfall der M\u00f6glichkeiten zur Quersubvention zur Gew\u00e4hrleistung einer Mindestqualit\u00e4t und schlie\u00dflich massiver Zusammenbruch der Qualit\u00e4t der Dienstleistungen bei h\u00f6heren Preisen und schlechteren Arbeitsbedingungen bis hin zum Wegfall der Dienstleistungen durch Insolvenz. Vermutlich leicht nachvollziehbar von Leuten, die mal krank waren: der wirklich inzwischen Todkranke ist das Gesundheitssystem.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlussfolgerungen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(1) Dienstleistungen f\u00fcr die Allgemeinheit (Infratrukturleistungen) geh\u00f6ren in die Hand der Allgemeinheit und sind nicht zur Disposition von Gewinnmitnahmen zu stellen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>(2) Die EU geh\u00f6rt auf den M\u00fcll, denn mit ihr wird das nie was, sondern erfahrungsgem\u00e4\u00df immer schlimmer.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zust\u00e4nde bei der Deutsche Bahn AG sind bekannt: kommt man ein Zug p\u00fcnktlich, stellt sich die Frage, ob das der von Gestern mit 24h oder der von Vorgestern mit 48h Versp\u00e4tung ist. 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