{"id":13007,"date":"2026-06-19T08:24:11","date_gmt":"2026-06-19T06:24:11","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=13007"},"modified":"2026-06-19T08:24:12","modified_gmt":"2026-06-19T06:24:12","slug":"beitragsvertraegliches-verrecken-im-krankheitsfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/06\/19\/beitragsvertraegliches-verrecken-im-krankheitsfall\/","title":{"rendered":"Beitragsvertr\u00e4gliches Verrecken im Krankheitsfall"},"content":{"rendered":"\n<p>Je nach Erkrankung k\u00f6nnen hohe Behandlungskosten entstehen. H\u00f6her als viele Menschen schultern k\u00f6nnen, was in nicht wenigen F\u00e4llen auch dann gilt, wenn man selbst Vorsorge treiben und R\u00fccklagen bilden w\u00fcrde. Deshalb gibt es das Instrument &#8222;Krankenversicherung&#8220;. Von der sollte man erwarten, dass sie in akuten F\u00e4llen die Kosten \u00fcbernimmt. Macht sie in der Regel auch, falls man nicht bei der LKH versichert ist.\u00b9\u207e<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich \u00fcbernehmen die Kassen nicht alles. Das betrifft aber nicht akute Notf\u00e4lle. Was nicht (oder m\u00f6glicherweise nicht) \u00fcbernommen wird, wissen die \u00c4rzte und sind verpflichtet, die Patienten darauf hinzuweisen, damit die kl\u00e4ren k\u00f6nnen, was geht und was nicht und was sie selbst tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei GKV-Versicherten ist damit eigentlich alles klar. Komplizierter wird die Sache bei Staatsdienern, die nicht in der GKV sind, sondern Beihilfe bekommen. Um dem \u00fcblichen Schnappatmen zuvor zu kommen: die Versicherungsbeitr\u00e4ge teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der Staat ist irgendwann auf die Idee gekommen, seinen Anteil nicht in eine Versicherung abzuf\u00fchren, sondern Krankheitskosten direkt zu bezahlen &#8211; allerdings auch nur 50%, wie es seinem Anteil an den Versicherungskosten entspr\u00e4che. F\u00fcr den Rest darf der Staatsdienet auf eigene Kosten eine PKV abschlie\u00dfen, kommt also auch nicht billiger weg als der GKV-Versicherte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beihilfe \u00fcbernimmt exakt das, was auch die GKV \u00fcbernimmt, d.h. bestimmte Leistungen muss der Patient entweder ablehnen oder sie selbst zahlen. Man sollte annehmen, dass damit auch klar ist, was die PKV zahlt, n\u00e4mlich mindestens das Gleiche, wenn man nicht mehr vereinbart hat. Aber genau da irrt man sich. Die muss zwar letztlich auch zahlen, aber die Notlage des Patienten wird sehr gerne ausgenutzt, ihn zus\u00e4tzlich zu drangsalieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nebenbei: man ist dann Privatpatient, was fr\u00fcher mal gehie\u00dfen hat, dass man schneller und leichter an Termine kam. Im Gegenzug waren die Rechnungen der \u00c4rzte auch 2,3 bis 3,5 mal so hoch. Wer mehr zahlt, bekommt mehr Leistung &#8211; mit Ungerechtigkeit hat das nichts zu tun. Au\u00dferdem war das man: die Faktoren 2,3 bis 3,5 gelten nach wie vor, aber heute sitzt auch der Privatpatient 3 &#8211; 5 Stunden im Wartezimmer, weil es Termine nicht gibt, und auch er wartet 6 &#8211; 9 Monate auf Facharzttermine und bekommt keinen neuen Hausarzt, wenn er umzieht. Aber das nur nebenbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Im vorliegenden Fall wurde ziemlich pl\u00f6tzlich eine kombinierte Karzinom-Darm-OP notwendig, Kosten schlie\u00dflich 27.000 \u20ac. Nach Einreichen der Rechnung bei der Beihilfe war p\u00fcnktlich deren 70%-Anteil auf dem Konto, nach Einreichen bei der LKH passiert mehr als 1 Monat: NICHTS. Deren 30%-Anteil musste erst einmal vorfinanziert werden. Erst nach mehreren Beschwerdebriefen an den Vorstandschef zahlte die LKH erst einmal 50% der ausstehenden Summe, wobei nicht klar wurde, weshalb sie zahlt oder weshalb sie nicht zahlt. Nunmehr kommt die Salami-Taktik zur Anwendung: mal fehlt dieses Dokument, mal jenes usw. Letztlich unterstellt die Versicherung mehr oder weniger, eigentlich sei die OP ja gar nicht n\u00f6tig gewesen. Formaljuristisch ist sie mit der Zerm\u00fcrbungstaktik zwar auf dem sicheren Weg, aber letztlich sieht die Rechtsprechung inzwischen deutlich anders aus. Zahlen muss sie, die Frage ist nur wann. Gibt der Patient vielleicht auf, entweder weil der genervt ist oder das Zeitliche segnet?<\/p>\n\n\n\n<p>Und dazu kommen weitere M\u00e4tzchen: digitale Anwendungen, inzwischen vom Gesundheitssystem komplett akzeptiert und obendrein oft preiswerter als konventionelle Therapien, werden oft von der PKV abgelehnt, weil sie in alten Katalogen nicht vorkommen. Und bei kostpieligen ambulanten Therapien wie der Vakuumtherapie bei Wundbehandlungen kommt dann die n\u00e4chste Weigerung. <\/p>\n\n\n\n<p>Mein Rat, wenn man sich bei einer PKV wie der LKH versichert: fordern Sie bei Vertragsabschluss gleich die Brosch\u00fcre<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"><strong>Beitragsvertr\u00e4gliches Ableben bei schwerer Erkrankung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>mit an.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Falls jemand \u00e4hnliche Probleme hat: man kann die Versicherung bei der BAFIN melden. Die k\u00f6nnen zwar nichts f\u00fcr den Betroffenen tun, aber das m\u00fcndet in sehr unangenehme Fragen an die Versicherung selbst. Direkt kann man \u00fcber den Ombudsmann der PKV etwas tun, und wenn das alles nicht hilft, bleibt noch der Weg zum Anwalt (m\u00f6glichst mit Rechtsschutzversicherung), weil die Gerichte dieser Taktik, dem Patienten genau dann Steine in den Weg zu legen,wenn es ihm richtig dreckig geht, inzwischen nicht mehr sehr wohlwollend gegen\u00fcber stehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\u00b9\u207e Ob andere Versicherungen \u00e4hnlich gepolt sind, wei\u00df ich nicht. Kann aber durchaus sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je nach Erkrankung k\u00f6nnen hohe Behandlungskosten entstehen. H\u00f6her als viele Menschen schultern k\u00f6nnen, was in nicht wenigen F\u00e4llen auch dann gilt, wenn man selbst Vorsorge treiben und R\u00fccklagen bilden w\u00fcrde. 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