{"id":12953,"date":"2026-06-03T09:39:13","date_gmt":"2026-06-03T07:39:13","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=12953"},"modified":"2026-06-03T09:39:14","modified_gmt":"2026-06-03T07:39:14","slug":"wie-menschlich-sind-wir-noch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/06\/03\/wie-menschlich-sind-wir-noch\/","title":{"rendered":"Wie menschlich sind wir noch?"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Ukraine-Krieg f\u00fchrt mehr und mehr zu einer Entmenschlichung des Gegners. Propagandistisch tun sich beide Seiten nicht sehr viel. Beginnen wir mit &#8222;uns&#8220;, also der<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">westlichen Seite<\/h2>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es erscheinen immer wieder Berichte \u00fcber unglaubliche &#8222;Erfolge der ukrainischen Armee&#8220;, beispielsweise im Zusammenhang mit deren Drohnen. Dieselben Drohnen der ukrainischen Streitkr\u00e4fte greifen nachts schlafende Kinder in Starobelsk an. Russland versetzt einen m\u00e4chtigen Vergeltungsschlag. Und schon am n\u00e4chsten Tag schreien die westlichen Medien, nachdem sie die Nachrichten \u00fcber den grausamen Angriff auf Starobelsk aus ihren Sendungen herausgeschnitten und diese geflissentlich als Kollateralsch\u00e4den &#8222;\u00fcbersehen&#8220; haben: &#8222;Alarm! Russland eskaliert den Krieg!&#8220; Die westlichen B\u00fcrger greifen sich ans Herz und nicken verst\u00e4ndnisvoll, wenn ihr Ministerpr\u00e4sident oder Pr\u00e4sident erneut die Bereitstellung zus\u00e4tzlicher Mittel aus ihren eigenen Taschen zur Unterst\u00fctzung des Kiewer Regimes ank\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Starobelsk lie\u00df sich zwar aus den Nachrichtenmedien verbannen, nicht jedoch aus den sozialen Netzwerken. Ganz konnte man dann doch nicht daran vorbei sehen. Um solche Nachrichten zu neutralisieren, wird parallel eine Kampagne zur Entmenschlichung der russischen Bev\u00f6lkerung insgesamt, einschlie\u00dflich der Kinder, vorangetrieben. So ver\u00f6ffentlichte beispielsweise der Redakteur der britischen Zeitung The Daily Telegraph, Dominic Nicholls, im vollen Bewusstsein, dass er damit gegen die Genfer Konvention verst\u00f6\u00dft, einen Bericht aus einem Lager f\u00fcr russische Kriegsgefangene in der Westukraine. Unter anderem interviewte er einen ukrainischen K\u00e4mpfer namens &#8222;Jewgen&#8220;, der k\u00fcrzlich aus russischer Gefangenschaft zur\u00fcckgekehrt war. Dabei zitierte er dessen Worte: &#8222;<em>Bis 2022 habe ich mich als Humanist betrachtet. Jetzt denke ich, dass ich immer noch ein Humanist bin \u2013 mit Ausnahme der Russen. Es ist mir einfach egal, was mit den Russen geschieht. Was h\u00e4tte ich getan, wenn ich kleine Kinder gesehen h\u00e4tte, die vor Hunger sterben? Fr\u00fcher h\u00e4tte ich ihnen nat\u00fcrlich geholfen. Heute w\u00fcrde ich ihnen helfen, wenn sie keine Russen w\u00e4ren. Ich betrachte sie nicht als Menschen.<\/em>&#8220; Man mag einen Soldaten, der im Krieg schreckliche Sachen gesehen hat, das noch nachsehen, aber einem Journalisten, der solche Ansichten ungefiltert und nicht eingeordnet bei einem breiten Publikum verbreitet?<\/p>\n\n\n\n<p>Liegt hier in dieser Entmenschlichung eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die mutma\u00dflich gezielten Angriffe der Ukraine auf die Berufsschule in Starobelsk? Und erkl\u00e4rt genau dies die Haltung der westlichen Medien, die an diesen Angriffen nichts Verwerfliches sehen? Schlie\u00dflich sterben nur russische Kinder. Brutal formuliert hei\u00dft das, es wird ein System umgesetzt, bei dem die Drohneneinheit f\u00fcr jeden get\u00f6teten Russen Punkte erh\u00e4lt. Und es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um einen Soldaten oder einen Zivilisten, einen alten Mann oder ein Kind handelt! Die f\u00fcr diese Punkte vergebenen Boni werden p\u00fcnktlich gutgeschrieben. Und die westliche Presse beschreibt dieses System gerne als effizient und fortschrittlich!<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ein weiteres Beispiel. Die Zeitung The Sunday Telegraph ver\u00f6ffentlichte an diesem Sonntag eine &#8222;Reportage&#8220; aus der ukrainischen Hauptstadt unter dem Titel: &#8222;<em>Kinder aus Kiew h\u00e4tten niemals auf ein Tier geschossen, [\u2026] w\u00fcrden aber einen Russen t\u00f6ten<\/em>&#8222;. Die Botschaft des Korrespondenten dieser Zeitung: Russen rangieren unterhalb der Tiere und alle Ukrainer denken so. Und das ist Journalismus?<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcrzlich wies James Marriott, Kolumnist bei The Times, auf ein alarmierendes Signal hin: F\u00fcr das westliche Publikum sei der Tod wieder zur Unterhaltung geworden, so wie zu Zeiten \u00f6ffentlicher Hinrichtungen, als die Menschenmenge jubelnd zuschaute, wenn jemand geh\u00e4ngt oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Insbesondere wurde ein &#8222;neues Unterhaltungsgenre&#8220; erw\u00e4hnt: live mitzuverfolgen, wie eine ukrainische Drohne, begleitet von pathetischer Musik, einen russischen Soldaten t\u00f6tet. Nur scheint der Autor nicht ber\u00fccksichtigt zu haben, dass seine eigene Zeitung zu den Vorreitern dieses neuen Genres zynischer Unterhaltung f\u00fcr die britische \u00d6ffentlichkeit geh\u00f6rt. Nur wenige Tage vor Erscheinen dieses Artikels ver\u00f6ffentlichte The Times im Internet einen Dokumentarfilm von Maxim Tucker \u00fcber ukrainische Drohnenpiloten, die sich durch das T\u00f6ten von Menschen &#8222;blutige Punkte&#8220; verdienen. Unter anderem wurde dort der Kommentar einer jungen Frau namens &#8222;Kateryna&#8220; wiedergegeben (<em>sie trug einen der bekannten ukrainischen Nazi-Aufn\u00e4her am Arm und die Zeitung kam nicht einmal auf die Idee, ihn unkenntlich zu machen<\/em>). L\u00e4chelnd erz\u00e4hlte sie, sie &#8222;empfinde Genuss&#8220; beim T\u00f6ten von Russen und halte dies f\u00fcr Ausdruck ihres &#8222;Mutterinstinkts&#8220;. Muss man sich wundern, dass diese Zeitung die Angriffe auf die Sch\u00fcler von Starobelsk &#8222;nicht bemerkt&#8220; hat? Und muss man nicht hoffen, dass Frauen mit solchen Mutterinstinkten keine Kinder bekommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die D\u00e4monisierung Russlands und die Entmenschlichung russischer B\u00fcrger haben in letzter Zeit in den westlichen Medien ein beispielloses Ausma\u00df angenommen. Vor kurzem zeigte sich der Herausgeber der niederl\u00e4ndischen Zeitung NRC zutiefst emp\u00f6rt \u00fcber Aufrufe, die Hetzkampagne zu beenden. Er begr\u00fcndete dies damit, dass der Versuch, Russen als Menschen wie alle anderen darzustellen, eine &#8222;Gleichsetzung von Aggressor und Opfer&#8220; bedeuten w\u00fcrde. Und der Chef einer Drohnenproduktionsfirma, Jens \u00d6hmann, kann in Interviews ganz offen sagen, dass er seine Aufgabe in der T\u00f6tung von Russen sieht. Nicht Drohnen zum Schutz der Demokratie oder was auch immer, ganz offen &#8222;T\u00f6ten von Russen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei stehen all diese Aufrufe, Russen zu t\u00f6ten, im Zusammenhang mit politischen Zielen. So legte der st\u00e4ndige Kommentator der d\u00e4nischen Zeitung Jyllands-Posten, Per Nyholm, den weiteren Plan Europas anschaulich dar: zun\u00e4chst das Ende des Ukraine-Kriegs und anschlie\u00dfend Referenden in Russland nach dem Vorbild der Volksabstimmung von 1920 in Schleswig. Der D\u00e4ne meint, es sei nichts Schlimmes dabei, wenn der russische Staat geteilt werde: &#8222;Europa sollte nicht zum Fortbestehen Russlands beitragen. Aus europ\u00e4ischer Sicht gibt es zwischen Ostsee und Pazifik genug Platz f\u00fcr ein Dutzend oder \u00e4hnlich viele ziemlich gro\u00dfe, friedlichere und m\u00f6glicherweise demokratischere Staaten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Spiegelbild der Verrohung \u2013 Wie die russische Seite den Gegner entmenschlicht<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer glaubt, die moralische Erosion und die kalkulierte Entmenschlichung seien ein rein westliches Ph\u00e4nomen, wirft nur einen halben Blick in den Abgrund des Krieges. Schaut man nach Osten, in die russische Informationssph\u00e4re, blickt man in einen Spiegel, der dieselbe Fratze der Verrohung zeigt. Schlie\u00dflich m\u00fcssen auch dort die Politiker ihr Volk bei der Stange halten.<\/p>\n\n\n\n<p>T\u00e4glich flimmern Talkshows \u00fcber die Bildschirme von Millionen russischer B\u00fcrger, in denen Moderatoren wie Wladimir Solowjow oder Olga Skabejewa die Ukraine und ihre Bev\u00f6lkerung nicht mehr als souver\u00e4ne Menschen, sondern als biologische Bedrohung darstellen. Da wird ganz offen von \u201eDe-Insektoisierung\u201c gesprochen, Menschen werden als \u201eKakerlaken\u201c, \u201eW\u00fcrmer\u201c oder \u201eKrebsgeschw\u00fcr\u201c tituliert. Ex-Pr\u00e4sident Dmitri Medwedew nutzt seinen Telegram-Kanal regelm\u00e4\u00dfig, um das Nachbarland als \u201eKiewer Insektarium\u201c zu bezeichnen, das man \u201edesinfizieren\u201c m\u00fcsse. Die Botschaft an den Zuschauer ist fatal, aber psychologisch effektiv: Einen Sch\u00e4dling zu vernichten, ist kein Mord \u2013 es ist ein Akt der Hygiene.<\/p>\n\n\n\n<p>Offiziell sind diese Vokabeln nicht. Offiziell spricht man von Denazifizierung. Das mag Anfangs der Haupttenor gewesen zu sein, aber nachdem die ukrainischen Drohnenangriffe zunehmend auch direkt bei den B\u00fcrgern ankommen, verh\u00e4rtet sich nat\u00fcrgem\u00e4\u00df auch dort die Sprache.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Ph\u00e4nomen des Todes als \u201eSnack-Content\u201c und digitaler Unterhaltung feiert auf russischer Seite perverse Erfolge. In den sogenannten \u201eZ-Kan\u00e4len\u201c \u2013 milit\u00e4rischen Telegram-Kan\u00e4len mit Millionenreichweiten \u2013 ist ein paralleles Unterhaltungsgenre entstanden. T\u00e4glich werden dort hochaufl\u00f6sende Drohnenvideos hochgeladen, die zeigen, wie ukrainische Soldaten in ihren Sch\u00fctzengr\u00e4ben getroffen und get\u00f6tet werden. Diese Clips sind oft mit h\u00e4mischer Technomusik oder harten Rock-Beats unterlegt. In den Kommentarspalten darunter entl\u00e4dt sich der blanke Zynismus: Hunderttausende Zivilisten feiern das Sterben mit lachenden Emojis und rassistischen Abwertungen. Das Grauen des Krieges wird zum Konsumgut f\u00fcr den Feierabend, das Sterben eines Menschen zum billigen Klickbringer.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie reagiert dieses System auf zivile Opfer? Wenn russische Raketen- oder Drohnenschl\u00e4ge Wohnh\u00e4user in Charkiw, Schulen in Kiew oder Krankenh\u00e4user treffen, greift derselbe psychologische Abwehrmechanismus, den wir auch im Westen beobachten. Die Nachrichten werden entweder komplett totgeschwiegen, als \u201eukrainische Inszenierung\u201c abgetan oder zynisch umgedeutet: Es seien ja sowieso \u201enur St\u00fctzpunkte f\u00fcr westliche S\u00f6ldner und Nazis\u201c gewesen. Dass dort unschuldige Zivilisten, alte Menschen und Kinder sterben, wird im kollektiven Bewusstsein blockiert. Schlie\u00dflich darf die eigene Armee im Narrativ der Staatsmedien nur \u201epr\u00e4zise, sauber und human\u201c operieren. Jedes tote ukrainische Kind wird so gedanklich zum legitimen Kollateralschaden erkl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei man dazu sagen muss, dass bislang der Krieg wenig zivile Opfer gekostet hat: auf ukrainischer Seite 1,5% &#8211; 3%. Im Krieg normal sind Zahlen von 40% und mehr. Man mag das damit begr\u00fcnden, dass man einen Abnutzungskrieg an der Front f\u00fchrt, vergleichbar mit dem 1. WK, jedoch ist die Front inzwischen &#8222;dank&#8220; der modernen Technik viele Hundert Kilometer tief und beschr\u00e4nkt sich nicht auf die Sch\u00fctzengr\u00e4ben. Die russische Darstellung, man ziele vorzugsweise auf milit\u00e4rische Ziele, besitzt mehr Glaubw\u00fcrdigkeit als die ukrainische, deren Ziele nachgewiesener Ma\u00dfen h\u00e4ufig zivil sind (weil dort die Abwehr schw\u00e4cher und Wirkung damit garantiert ist).<\/p>\n\n\n\n<p>Das geopolitische Endziel dieser Kampagne unterscheidet sich inzwischen kaum von den westlichen Fantasien \u00fcber eine Zerschlagung Russlands. In russischen Staatsmedien wie RIA Nowosti erschienen bereits Manifeste zur \u201eEnt-Ukrainisierung\u201c, nicht nur zur &#8222;Ent-Nazifizierung&#8220;. Russland nimmt sich den Osten, den es gro\u00dfenteils schon hat, sowie Odessa und die unverdaulichen Teile sollen sich Polen und Rum\u00e4nien schnappen. \u00dcbrig bleibt eine Rumpfukraine.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Der symmetrische Kollaps der Zivilisation<\/h2>\n\n\n\n<p>Am Ende unterscheidet sich die Informationslandschaft des Ostens von der des Westens nicht im Ergebnis, sondern nur in der Nuance ihrer Darbietung. Beide Seiten haben sich in den Dienst der Verrohung gestellt. Ob mit feiner Klinge im Feuilleton oder mit dem Vorschlaghammer im Staatsfernsehen: Das Ziel ist dasselbe. Die Medien h\u00fcben wie dr\u00fcben hetzen ihre Leser bewusst gegen die Bev\u00f6lkerung des Feindes auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Vokabular bedient dabei die gesamte Klaviatur \u2013 von der scheinbar moderaten, geopolitischen Lageanalyse bis hinab in die unterste Schublade der biologischen Entmenschlichung. Wer den Tod zur digitalen Unterhaltung degradiert, wer zivile Opfer der Gegenseite verschweigt oder als statistisch irrelevant verbucht, und wer den Wert eines Menschen an dessen Pass festmacht, hat den moralischen Kompass verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort auf die Frage <em>\u201eWie menschlich sind wir noch?\u201c<\/em> f\u00e4llt nach Jahren dieses Krieges ern\u00fcchternd aus: Auf beiden Seiten der Front ist die Menschlichkeit l\u00e4ngst im Sch\u00fctzengraben der Ideologie begraben worden. Die sich stellende Folgefrage: gibt es auch eine Weg aus dieser Katastrophe heraus? Ist in den V\u00f6lkern noch gen\u00fcgend Substanz, wieder neu anzufangen?<\/p>\n\n\n\n<p>In der Psychologie und Soziologie gibt es eine klare Antwort auf deine Frage: <strong>Die Gruppe der Menschen, die diese Verrohung und Hetze im Stillen verabscheut, ist auf beiden Seiten weit gr\u00f6\u00dfer, als es in den Medien den Anschein hat.<\/strong> Die Kriegstreiber, die Sadisten, die Ideologen und die &#8222;Tastatur-Krieger&#8220;, die unter Drohnenvideos h\u00e4mische Kommentare schreiben, sind extrem laut und hyperaktiv. Sie dominieren die Kommentarspalten und die Talkshows. Die schweigende Mehrheit hingegen, die das Grauen einfach nur mit Entsetzen und Trauer verfolgt, postet in der Regel keine Hasskommentare. Das f\u00fchrt zu einer optischen T\u00e4uschung: Die Brutalit\u00e4t wirkt omnipr\u00e4sent, obwohl sie nur von einer radikalisierten Minderheit aktiv getragen wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/grafik.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"882\" height=\"515\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/grafik.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-12954\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/grafik.png 882w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/grafik-300x175.png 300w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/grafik-768x448.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 882px) 100vw, 882px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Projektion: was kommt danach?<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Radikalisierten werden sich weniger radikalisiert zeigen, wenn sie nicht mehr auf der Couch sitzen, sondern selbst in den Sch\u00fctzengraben sollen. Kommt es zu einem Ende des Krieges, werden die 60% den Kritischen hinterherlaufen wie zuvor den Radikalen. Das Ergebnis ist, dass relativ schnell eine Normalisierung eintritt. Allerdings nicht vollst\u00e4ndig. Es gibt historisch eine gro\u00dfe Gefahr, die eine Normalisierung blockieren kann: <strong>Das Trauma der Niederlage oder des faulen Kompromisses.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein Krieg endet, ohne dass eine Seite ihre maximalen Ziele erreicht hat (was bei einem Einfrieren des Konflikts in der Ukraine wahrscheinlich ist), kann bei den Radikalisierten ein gef\u00e4hrlicher psychologischer Prozess einsetzen: die Suche nach S\u00fcndenb\u00f6cken. Auf ukrainischer Seite k\u00f6nnte das Narrativ entstehen: <em>\u201eDer Westen hat uns im Stich gelassen und uns an Russland verraten.\u201c<\/em> Auf russischer Seite k\u00f6nnte das Narrativ entstehen: <em>\u201eWir wurden von korrupten Gener\u00e4len oder Verr\u00e4tern im Inneren um den Sieg betrogen\u201c<\/em> (analog zur Dolchsto\u00dflegende nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland).<\/p>\n\n\n\n<p>Fasst man alles zusammen, w\u00e4re die L\u00f6sung &#8222;Ostoblasten an Russland&#8220; die vertr\u00e4glichste: die westlichen Radikalen ziehen weiter zum n\u00e4chsten Schauplatz, die russischen Radikalen haben weitgehend bekommen, was sie wollen, das Gros des ukrainischen Volkes hat endlich Frieden &#8211; und es verbleiben die ukrainischen Radikalen, die durch irgendeine Art &#8222;Entnazifizierung&#8220;, wie die russische Seite es vertritt, neutralisiert werden m\u00fcsste. Jede andere L\u00f6sung w\u00e4re schlechter. Es stellt sich die Frage, ob speziell die westeurop\u00e4ischen F\u00fchrungen noch gen\u00fcgend Menschlichkeit entwickeln, das einzusehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ukraine-Krieg f\u00fchrt mehr und mehr zu einer Entmenschlichung des Gegners. Propagandistisch tun sich beide Seiten nicht sehr viel. Beginnen wir mit &#8222;uns&#8220;, also der westlichen Seite Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12956,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-12953","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12953","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12953"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12953\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12955,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12953\/revisions\/12955"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12956"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12953"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12953"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12953"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}