{"id":12890,"date":"2026-05-21T09:04:00","date_gmt":"2026-05-21T07:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=12890"},"modified":"2026-05-22T08:37:14","modified_gmt":"2026-05-22T06:37:14","slug":"nobelpreis-fuer-foerderung-des-antisemitismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/05\/21\/nobelpreis-fuer-foerderung-des-antisemitismus\/","title":{"rendered":"Nobelpreis f\u00fcr &#8222;F\u00f6rderung des Antisemitismus&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Klar, den Nobelpreis gibt es nicht. Eher gibt es einen Nobelpreis f\u00fcr &#8222;<em>Unauff\u00e4llige Beseitigung unerw\u00fcnschter Ehnien<\/em>&#8222;. Es sollte ihn aber geben. Und konkurenzloser Wettbewerber daf\u00fcr ist derzeit die israelische Regierung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Was ist denn nun schon wieder passiert?<\/em>&#8220; m\u00f6gen manche fragen. Es geht um die so genannte Gaza-Flotille, die vor einiger Zeit mit humanit\u00e4ren Hilfsg\u00fctern in Richtung Gaza aufgebrochen ist. Diese Flotille hat die israelische Marine Hunderte von Kilometern vor der israelischen K\u00fcste, m\u00f6glicherweise sogar in griechischen Hoheitsgew\u00e4ssern, aufgebracht. Im Klartext: in einem eindeutigen Akt der <strong>Piraterie<\/strong> geentert und die Schiffe als Prisen nach Israel verbracht. Die meisten Schiffe sollen nun enteignet werden. Die Crews wurden nicht etwa nach Hause geschickt, sondern nach Israel entf\u00fchrt, strafrechtlich als <strong>Kipnapping<\/strong>. Die Reaktionen der Heimatl\u00e4nder der Entf\u00fchrten, insgesamt ca. 430 Personen, haben dagegen nur verhalten protestiert. Lediglich in Irland und Spanien scheint man sich etwas mehr aufgeregt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun setzt die israelische Regierung noch eins drauf. Lassen wir Haaretz zu Wort kommen:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><strong>Netanjahu und Au\u00dfenminister Sa'ar verurteilen Ben-Gvirs Video von Flottillen-Aktivisten, nachdem mehrere L\u00e4nder israelische Gesandte einbestellt haben<\/strong><br><br>Einen Tag, nachdem das israelische Au\u00dfenministerium erkl\u00e4rt hatte, dass \u201ealle 430 Aktivisten\u201c einer auf den Gazastreifen zusteuernden Flottille \u201eauf dem Weg nach Israel\u201c seien, ver\u00f6ffentlichte der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir ein Video. Es zeigte, wie die Aktivisten durch einen israelischen Hafen geschleift wurden \u2013 versehen mit der Bildunterschrift: \u201eSo begr\u00fc\u00dfen wir Terrorunterst\u00fctzer. Willkommen in Israel.\u201c<br><br>Das Video zeigte maskierte Polizeibeamte, die Aktivisten zu Boden stie\u00dfen und sie zwangen, sich auf alle Viere zu begeben; anschlie\u00dfend wurden sie in einer Lagerhalle mit dem Gesicht nach unten aufgereiht, die H\u00e4nde mit Kabelbindern auf dem R\u00fccken gefesselt. Daraufhin betrat Ben-Gvir den Raum, schwenkte eine israelische Flagge und rief: \u201eWillkommen in Israel! Wir sind die Hausherren.\u201c<br><br>In einer anderen Einstellung knieten die Aktivisten auf einem Metallboden, umgeben von Stacheldraht, w\u00e4hrend bewaffnete Beamte der Grenzpolizei Wache hielten und im Hintergrund die israelische Nationalhymne erklang. Das Video endete damit, dass Ben-Gvir in die Kamera sagte: \u201eLassen Sie sich nicht von ihrem Geschrei st\u00f6ren\u201c \u2013 w\u00e4hrend im Hintergrund eine Frau zu h\u00f6ren war, die flehte und schrie.<br><br>Kurz nach der Ver\u00f6ffentlichung des Videos bezeichneten sowohl die italienische Premierministerin Meloni als auch der franz\u00f6sische Au\u00dfenminister Barrot Ben-Gvirs Verhalten als \u201einakzeptabel\u201c und erkl\u00e4rten, sie h\u00e4tten die israelischen Gesandten ihrer L\u00e4nder zwecks Kl\u00e4rung einbestellt. Diesem Schritt schlossen sich mehrere weitere L\u00e4nder an, darunter Kanada, Belgien, die Niederlande und das Vereinigte K\u00f6nigreich.<br><br>In einer seltenen \u00f6ffentlichen R\u00fcge verurteilten sowohl Netanjahu als auch Au\u00dfenminister Gideon Sa'ar Ben-Gvirs Vorgehen. Der Premierminister erkl\u00e4rte, dass Israel zwar \u201ejedes Recht\u201c habe, die Flottillen am Erreichen des Gazastreifens zu hindern, die Art und Weise jedoch, \u201ewie Minister Ben-Gvir mit den Aktivisten umgegangen ist\u201c, \u201enicht mit Israels Werten und Normen im Einklang stehe\u201c.<br><br>Netanjahu teilte mit, er habe die israelischen Beh\u00f6rden angewiesen, die Aktivisten \u201eso schnell wie m\u00f6glich\u201c abzuschieben. Sa'ar erkl\u00e4rte seinerseits, Ben-Gvir sei \u201enicht das Gesicht Israels\u201c, und f\u00fcgte hinzu, dieser habe \u201edem Land mit dieser entsetzlichen Farce wissentlich geschadet \u2013 und das nicht zum ersten Mal\u201c.<\/pre>\n\n\n\n<p>Das ist die israelische Nachrichtenversion. Das Bedenkliche an dem Vorfall: es handelt sich nicht um ein Vergehen Subalterner, <strong>sondern die israelische Regierung hat diese menschenverachtende Behandlung angeordnet und in Gestalt eines hochrangigen Ministers pers\u00f6nlich durchgef\u00fchrt.<\/strong> Man muss das so lesen: die Flotille ist schon eine geraume Zeit in den H\u00e4nden der Israelis, so dass von &#8222;Pl\u00f6tzlichkeit&#8220; keine Rede sein kann. Und erst nachdem den Israelis die Sache diplomatisch um die Ohren geflogen ist, wagen sich Netanyahu und sein Au\u00dfenminister aus der Deckung, bekr\u00e4ftigen indirekt das Recht auf <strong>Piraterie<\/strong> und <strong>Entf\u00fchrung<\/strong> und wiegeln mit schwachen Worten ab, was nun passiert ist. Auf X lie\u00df sich die italienische Regierungschefin Meloni dazu so vernehmen:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Die Bilder des israelischen Ministers Ben-Gvir sind inakzeptabel. Es ist unzul\u00e4ssig, dass diese Demonstranten, darunter viele italienische Staatsb\u00fcrger, einer solchen Behandlung ausgesetzt werden, die die W\u00fcrde der Person verletzt. Die italienische Regierung unternimmt auf h\u00f6chster institutioneller Ebene unverz\u00fcglich alle notwendigen Schritte, um die sofortige Freilassung der beteiligten italienischen Staatsb\u00fcrger zu erreichen. Italien verlangt zudem Entschuldigungen f\u00fcr die Behandlung, die diesen Demonstranten zuteil wurde, und f\u00fcr die totale Missachtung, die gegen\u00fcber den ausdr\u00fccklichen Forderungen der italienischen Regierung gezeigt wurde. Aus diesen Gr\u00fcnden werden das italienische Au\u00dfenministerium und das Ministerium f\u00fcr internationale Zusammenarbeit den israelischen Botschafter unverz\u00fcglich einbestellen, um formelle Erkl\u00e4rungen zu den Vorg\u00e4ngen zu verlangen.<\/pre>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich \u00e4u\u00dferten sich Frankreich und Spanien und aus Irland werden Rufe nach EU-Sanktionen gegen Israel laut.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ansonsten stehen die Israelis derzeit nicht sehr hoch im Ruf. Man wirft ihnen die gezielte T\u00f6tung von Journalisten in Gaza und im Libanon vor, um Berichte \u00fcber den Genozid und die Kriegsverbrechen zu unterdr\u00fccken:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Die Vorw\u00fcrfe, dass die israelischen Streitkr\u00e4fte (IDF) im Gazastreifen und im Libanon gezielt Journalistinnen und Journalisten attackieren und t\u00f6ten, wiegen schwer. Pressefreiheits- und Menschenrechtsorganisationen sprechen von einer historisch beispiellosen Zahl an get\u00f6teten Medienschaffenden.<br><br>Sowohl das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) als auch Reporter ohne Grenzen (RSF) stufen die Konflikte in der Region als die t\u00f6dlichsten f\u00fcr die Presse seit Beginn ihrer Aufzeichnungen (1992) ein. Bis Mitte 2026 wurden \u00fcber 250 Medienschaffende \u2013 die \u00fcberwiegende Mehrheit Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen, aber auch Dutzende im Libanon \u2013 durch israelische Angriffe get\u00f6tet.<br><br>Die Vorw\u00fcrfe, die Argumente der Ermittler sowie die Position Israels teilen sich wie folgt auf:<br><br>---<br><br>## Die zentralen Vorw\u00fcrfe und Berichte<br><br>Unabh\u00e4ngige Untersuchungen von Menschenrechtsorganisationen und internationalen Medienh\u00e4usern kommen in mehreren konkreten F\u00e4llen zu dem Schluss, dass Angriffe gezielt auf Journalisten ver\u00fcbt wurden.<br><br>### 1. Der Fall Issam Abdallah im S\u00fcdlibanon<br><br>Einer der am besten dokumentierten F\u00e4lle ereignete sich am 13. Oktober 2023. Der Reuters-Videojournalist Issam Abdallah wurde get\u00f6tet, sechs weitere Reporter (unter anderem von AFP und Al Jazeera) teils schwer verletzt.<br><br>* **Die Untersuchung:** Unabh\u00e4ngige Untersuchungen von *Reuters*, *Amnesty International*, *Human Rights Watch* und dem niederl\u00e4ndischen Forschungsinstitut *TNO* rekonstruierten den Vorfall akribisch.<br>* **Das Ergebnis:** Die Journalisten befanden sich weitab von aktiven Gefechten, waren station\u00e4r, trugen blaue Schutzwesten mit der Aufschrift \u201ePRESS\u201c und fuhren ein entsprechend markiertes Auto. Sie wurden innerhalb von 30 Sekunden von zwei aufeinanderfolgenden Pr\u00e4zisionssch\u00fcssen (120-mm-Panzermunition) aus einer israelischen Milit\u00e4rposition beschossen. Die Organisationen stuften dies als gezielten Angriff auf Zivilisten und somit als mutma\u00dfliches Kriegsverbrechen ein.<br><br>### 2. Angriffe auf Al Jazeera im Gazastreifen<br><br>Mehrere prominente Gesichter des Senders *Al Jazeera* wurden get\u00f6tet oder schwer verletzt.<br><br>* Ein besonders schwerer Vorfall ereignete sich im August 2025, als ein israelischer Luftangriff gezielt ein Pressezelt vor dem Al-Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt traf. Dabei wurden der bekannte Reporter **Anas al-Sharif** sowie mehrere Kollegen get\u00f6tet. UN-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres und RSF verurteilten den Angriff scharf als gezielte T\u00f6tung.<br>* Auch der Leiter des Al-Jazeera-B\u00fcros in Gaza, Wael al-Dahdouh, verlor bei separaten Luftangriffen seine Frau, mehrere Kinder und schlie\u00dflich seinen Sohn Hamza al-Dahdouh (ebenfalls Journalist), w\u00e4hrend er selbst verletzt wurde.<br><br>### 3. J\u00fcngste Angriffe im Libanon (Fr\u00fchjahr 2026)<br><br>Auch nach der Ausweitung des Konflikts im Libanon hielten die Vorw\u00fcrfe an. Im M\u00e4rz und April 2026 starben erneut mehrere Journalisten durch Drohnen- und Raketenangriffe, darunter die Reporterin **Fatima Ftouni** (*Al-Mayadeen*) und der langj\u00e4hrige Korrespondent **Ali Shoaib** (*Al-Manar*), als ihr eindeutig als Presse gekennzeichnetes Fahrzeug im S\u00fcdlibanon beschossen wurde. Im April 2026 starb die Journalistin **Amal Khalil** nach einem Raketentreffer auf ihr Schutzhaus.<br><br>---<br><br>## Israels Argumentation und Rechtfertigung<br><br>Die israelische Regierung und die IDF weisen den Vorwurf, Journalisten *aufgrund ihrer Arbeit* gezielt ins Visier zu nehmen, strikt zur\u00fcck. Die offizielle Position l\u00e4sst sich in drei Kernpunkte zusammenfassen:<br><br>* **Der Vorwurf der Terror-Zugeh\u00f6rigkeit:** In vielen der prominenten F\u00e4lle behaupten die IDF im Nachgang, die Get\u00f6teten seien keine reinen Journalisten gewesen, sondern aktive Mitglieder des milit\u00e4rischen Fl\u00fcgels von Hamas oder der Hisbollah (z. B. im Geheimdienst oder der operativen Aufkl\u00e4rung). Im Fall von Ali Shoaib (M\u00e4rz 2026) argumentierte die IDF, er habe systematisch Positionen israelischer Soldaten f\u00fcr die Hisbollah ausgesp\u00e4ht.<br>* **Mangelnde Beweise:** Presseorganisationen wie das CPJ kritisieren scharf, dass Israel diese Behauptungen (\u201eJournalist als Terrorist\u201c) sehr oft nachschiebt, ohne daf\u00fcr \u00f6ffentlich \u00fcberpr\u00fcfbare und glaubw\u00fcrdige Beweise vorzulegen.<br>* **Kollateralsch\u00e4den im urbanen Raum:** F\u00fcr die hohe Zahl an Toten im Gazastreifen macht Israel die Kampfesweise der Hamas verantwortlich. Da aus dicht besiedelten zivilen Gebieten operiert werde, seien zivile Opfer \u2013 darunter auch Reporter \u2013 in der Praxis oft nicht zu vermeiden.<br><br>---<br><br>## Internationale Reaktionen und rechtliche Schritte<br><br>Aufgrund der H\u00e4ufung dieser Vorf\u00e4lle haben internationale Akteure rechtliche Schritte eingeleitet:<br><br>&gt; **Klagen vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH):**<br>&gt; *Reporter ohne Grenzen (RSF)* hat bereits mehrere Strafanzeigen beim IStGH in Den Haag wegen mutma\u00dflicher Kriegsverbrechen gegen Journalisten im Gazastreifen eingereicht.<br>&gt; Auch die libanesische Regierung k\u00fcndigte im Fr\u00fchjahr 2026 an, wegen der gezielten T\u00f6tung von Medienschaffenden internationalen Rechtsschutz zu suchen.<br><br>V\u00f6lkerrechtlich sind Journalistinnen und Journalisten in bewaffneten Konflikten als Zivilpersonen gesch\u00fctzt. Solange sie nicht direkt an Feindseligkeiten teilnehmen, ist jeder vors\u00e4tzliche Angriff auf sie ein schwerer Versto\u00df gegen die Genfer Konventionen.<\/pre>\n\n\n\n<p>Israel mordet anscheinend hemmungslos, um andere Morde zu kaschieren, und glaubt anscheinend, sich alles erlauben zu k\u00f6nnen, so lange es den gro\u00dfen Bruder USA im R\u00fccken hat. Da sich derzeit selbst die, die es k\u00f6nnten, sich schwer tun, dem offensichtlich v\u00f6llig durchgeknallten Potus Trump Paroli zu bieten, haben sie damit einen gewissen Erfolg. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es w\u00e4re ihnen aber zu empfehlen, einmal dar\u00fcber nachzudenken, dass Regierungen wechseln, V\u00f6lker nicht!<\/strong> Vorurteile bis hin zu Hass brechen vielleicht erst dann voll durch, wenn die Regierung wechselt.<\/p>\n\n\n\n<p>So etwas geht stets nach hinten und in die falsche Richtung los. In diesem Fall der unzul\u00e4ssigen und unzutreffenden Projektion der Handlungen Israels auf Juden als solche, womit aus Israelkritik oder bestenfalls Antizionismus mal wieder Antisemitismus wird. In den USA gab es in diesem Jahr bereits eine ganze Reihe von teilweise vereitelten Anschl\u00e4gen gegen Synagogen und j\u00fcdische Einrichtungen (aber auch einen gegen eine Moschee). Der gr\u00f6\u00dfere Teil der j\u00fcdischen Weltbev\u00f6lkerung, viele Israelis eingeschlossen, ist aber alles andere als einverstanden damit, was in Israel passiert:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">## Wie denken Juden wirklich \u00fcber Israels Politik?<br><br>Das Meinungsbild ist stark gespalten \u2013 vor allem entlang von Altersgruppen und geografischen Grenzen. Die Realit\u00e4t zeigt ein zutiefst zerrissenes Bild, das sich besonders gut am Beispiel der USA (der gr\u00f6\u00dften j\u00fcdischen Gemeinschaft au\u00dferhalb Israels) ablesen l\u00e4sst:<br><br>### Der Generationenkonflikt<br><br>Es gibt eine tiefe Kluft zwischen den Generationen, die sich in Umfragen (u.a. des *Pew Research Center* und des *American Jewish Committee*) widerspiegelt:<br><br>* **J\u00fcngere J\u00fcdinnen und Juden (unter 30):** In dieser Gruppe ist die Kritik an der israelischen Regierung, der Kriegsf\u00fchrung und der Besatzungspolitik extrem hoch. Organisationen wie *Jewish Voice for Peace* oder *IfNotNow*, die sich aktiv f\u00fcr die Rechte von Pal\u00e4stinensern einsetzen, erleben einen enormen Zulauf. Viele junge amerikanische Juden distanzieren sich stark von der aktuellen israelischen F\u00fchrung.<br>* **\u00c4ltere Generationen (\u00fcber 50):** Hier \u00fcberwiegt oft eine traditionellere, bedingungslose Solidarit\u00e4t mit dem Staat Israel, der als historische Lebensversicherung f\u00fcr das j\u00fcdische Volk nach dem Holocaust gesehen wird. Auch wenn man die dortige Regierung (wie die von Benjamin Netanjahu) scharf kritisiert, steht man meist hinter den milit\u00e4rischen Kernzielen zur Selbstverteidigung.<br><br><br>Dass j\u00fcdische Gemeinden weltweit daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen m\u00fcssen, ist doppelt tragisch: Zum einen, weil kollektive Bestrafung unschuldiger Menschen prinzipiell unrecht ist. Zum anderen, weil die j\u00fcdische Gemeinschaft selbst eine der pluralistischsten und diskussionsfreudigsten Gemeinschaften \u00fcberhaupt ist \u2013 in der die sch\u00e4rfste Kritik an der israelischen Regierung oft von J\u00fcdinnen und Juden selbst kommt.<\/pre>\n\n\n\n<p>In Deutschland beispielsweise vertritt der unbedingt linientreue ZdJ beispielsweise nur eine Minderheit der j\u00fcdischen Mitb\u00fcrger; viele distanzieren sich ausdr\u00fccklich vom ZdJ und der israelischen Handlungsweise. Trotzdem erlebt der Antisemitismus weltweit weiteren Aufschwung, wobei nicht gerade hilfreich ist, dass (a) &#8222;<em>man darf das nicht verallgemeinern<\/em>&#8220; besonders in Deutschland durch inflation\u00e4re Verwendung an Stellen, wo Verallgemeinerung Not tut, vielfach nicht mehr Ernst genommen wird und (b) Israel nach wie vor f\u00fcr sich in Anspruch nimmt, f\u00fcr alle Juden der Welt zu sprechen. <\/p>\n\n\n\n<p>Und nicht nur das: &#8222;<em>alle Juden werden in absehbarer Zeit nach Israel umsiedeln<\/em>&#8222;, so eine weitere Parole aus dem Umkreis Ben Gvir\/Smotrich, was alleine physisch &#8211; nur rund 1\/3 &#8211; 1\/2 der Juden wohnt in Israel &#8211; ein r\u00e4umliches Problem f\u00fcr die Unterbringung und Versorgung ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Um zum Titel des Artikels zu kommen: die israelische Regierung liefert durch ihre Politik derzeit die <strong>Bilder und den Vorwand<\/strong>, die von Antisemiten weltweit instrumentalisiert werden, um einen ohnehin existierenden Hass zu rechtfertigen. Die Politik schafft die hochemotionalen Bilder, aber die Kombination aus <strong>mangelnder Medienkompetenz<\/strong>, <strong>Social-Media-Algorithmen<\/strong> und <strong>sozialem Druck<\/strong> sorgt daf\u00fcr, dass eigentlich gutmeinende, aber uninformierte Menschen massenhaft empf\u00e4nglich f\u00fcr antisemitische Denkmuster werden. Der Antisemitismus dockt sich wie ein Parasit an das echte, legitime Mitgef\u00fchl f\u00fcr die Opfer des Krieges an. Wobei man sich auch Gedanken dar\u00fcber machen kann, inwieweit Antisemitismus nicht gezielt gez\u00fcchtet wird:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Preisgekr\u00f6nte Doku - 75 Jahre Befreiung von Auschwitz  (Defamation - Yoav Shamir deutsch)\" width=\"604\" height=\"340\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/M8eVgtmJkj8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Und was passiert derweil in Deutschland? Trotz deutscher Staatsb\u00fcrger unter den Gaza-Flottilanten bislang nichts, es ist noch nicht einmal bekannt, ob sich das Au\u00dfenministerium \u00fcberhaupt k\u00fcmmert. Klar, irgendwelche Reaktionen w\u00fcrde ja mal wieder an der Staatsr\u00e4son knabbern, in der Deutschland nicht vorkommt. Mein Tipp deshalb: es wird Haaretz \u00fcber kurz oder lang so gehen wie RT: damit die deutsche Gesellschaft nicht in den Genuss solcher Informationen kommt, wird der Konsum und die Verbreitung von Haaretz-Nachrichten kurzerhand verboten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Update, wieder Haaretz<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><strong>Aktivisten der Gaza-Flottille berichten \u00fcber Misshandlungen in israelischer Haft \u2013 Menschenrechtsgruppe \u00e4u\u00dfert sich<\/strong><br><br>W\u00e4hrend hochrangige internationale Vertreter und Staatschefs weiterhin ein Video des rechtsextremen Ministers Itamar Ben-Gvir verurteilten, in dem dieser inhaftierte Flottillen-Aktivisten verh\u00f6hnt, teilte das israelische Au\u00dfenministerium am Donnerstag mit, dass alle Inhaftierten abgeschoben worden seien. In einer Erkl\u00e4rung, die auf ihre anf\u00e4ngliche Festsetzung in internationalen Gew\u00e4ssern folgte, hatte das Ministerium zuvor angegeben, dass 430 Aktivisten in Gewahrsam genommen worden seien.<br><br>Das Video, das Ben-Gvir am Mittwoch auf der Plattform X ver\u00f6ffentlichte, zeigte maskierte israelische Polizisten, die Teilnehmer einer abgefangenen, auf dem Weg nach Gaza befindlichen Flottille fixierten, sie durch eine Einrichtung f\u00fchrten, in einer Lagerhalle aufstellten und sie zwangen, mit hinter dem R\u00fccken mit Kabelbindern gefesselten H\u00e4nden niederzuknien. \u201eSo hei\u00dfen wir Terrorunterst\u00fctzer willkommen. Willkommen in Israel\u201c, schrieb Ben-Gvir begleitend zu den Aufnahmen. In einem weiteren Clip ist zu h\u00f6ren, wie er \u2013 w\u00e4hrend er mit Handschellen gefesselte Aktivisten verh\u00f6hnt \u2013 ausruft: \u201eDas Volk Israel lebt!\u201c<br><br>Die internationale Emp\u00f6rung \u00fcber das Videomaterial und den Umgang Israels mit den Aktivisten nahm weiter zu. Das polnische Au\u00dfenministerium forderte, Ben-Gvir die Einreise nach Polen zu verweigern; der italienische Au\u00dfenminister rief indes die EU dazu auf, Sanktionen gegen ihn zu verh\u00e4ngen \u2013 dies aufgrund der \u201einakzeptablen Handlungen, die gegen\u201c die Inhaftierten begangen worden seien und die er als \u201eVerletzung grundlegendster Menschenrechte\u201c bezeichnete.<br><br>Unterdessen berichtete eine israelische Menschenrechtsgruppe am Mittwoch, dass viele der Inhaftierten von extremer Gewaltanwendung, sexuellen Dem\u00fctigungen und schweren Verletzungen durch israelische Sicherheitskr\u00e4fte berichtet h\u00e4tten. Nach Angaben des Rechtszentrums Adalah (Adalah \u2013 The Legal Center for Arab Minority Rights in Israel) mussten mindestens drei Personen aufgrund von Verletzungen, die ihnen durch israelisches Sicherheitspersonal zugef\u00fcgt worden waren, station\u00e4r behandelt werden; zudem wurden bei Dutzenden Teilnehmern mutma\u00dfliche Rippenbr\u00fcche sowie Atemnot dokumentiert.<br><br>In einer nicht\u00f6ffentlichen Besprechung am Tag vor der Ver\u00f6ffentlichung des Videos teilte Ben-Gvir Polizeibeamten mit, dass er beabsichtige, eine weitere Amtszeit als Minister f\u00fcr nationale Sicherheit anzustreben \u2013 oder die Rolle an \u201ejemanden aus dem Ministerium\u201c abzugeben \u2013, \u201eje nachdem, wie viele Sitze wir\u201c bei den bevorstehenden Wahlen \u201eerringen\u201c.<\/pre>\n\n\n\n<p>Und noch ein Update:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><strong>Oberstes Gericht best\u00e4tigt neue Regeln, die die Arbeit internationaler Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland erschweren<br><\/strong><br>Israels Oberstes Gericht wies am Mittwoch eine Klage internationaler Hilfsorganisationen zur\u00fcck, die in Gaza und im Westjordanland t\u00e4tig sind. Die Klage richtete sich gegen neue beh\u00f6rdliche Verfahren, die die Arbeit dieser Organisationen faktisch erschweren \u2013 Ma\u00dfnahmen, von denen erwartet wird, dass sie die humanit\u00e4re Lage, insbesondere in Gaza, versch\u00e4rfen.<br><br>Im vergangenen Jahr f\u00fchrte die Regierung neue Registrierungsvorschriften f\u00fcr NGOs ein, die Hilfsorganisationen dazu verpflichten, Israel Einzelheiten zu ihren pal\u00e4stinensischen Mitarbeitern zu \u00fcbermitteln, um Betriebsgenehmigungen zu erhalten. Gem\u00e4\u00df den neuen Regeln kann Israel die Registrierung verweigern oder die Zulassung f\u00fcr Organisationen widerrufen, deren Mitarbeiter in den vergangenen sieben Jahren zu irgendeinem Zeitpunkt zum Boykott Israels aufgerufen haben; wenn eine \u201ehinreichende Grundlage f\u00fcr die Annahme\u201c besteht, dass sie die Existenz Israels als j\u00fcdischen und demokratischen Staat ablehnen; wenn sie den bewaffneten Kampf gegen Israel unterst\u00fctzen; oder wenn sie den Holocaust oder die Gr\u00e4ueltaten vom 7. Oktober leugnen.<br><br>Die meisten Organisationen weigerten sich, die Mitarbeiterdaten zu \u00fcbermitteln, und argumentierten, dass sie sich dadurch rechtlichen Klagen aussetzen k\u00f6nnten, da europ\u00e4ische Datenschutzbestimmungen solche Offenlegungen untersagten. Infolgedessen wurde 37 Organisationen die Genehmigung zur Fortsetzung ihrer Arbeit verweigert.<br><br>Unterdessen wurde in Gaza nach Angaben von Gesundheitsbeh\u00f6rden ein 13-j\u00e4hriger Junge bei einem israelischen Drohnenangriff im Norden der Enklave get\u00f6tet. Anwohner berichteten zudem von einem erneuten Muster israelischer Warnungen, die Zivilisten dazu auffordern, vor bevorstehenden Angriffen zu fliehen \u2013 eine Praxis, die nach der im vergangenen Oktober erzielten Waffenruhe weitgehend abgeebbt war.<br><br>Die IDF \u00e4u\u00dferte sich zun\u00e4chst nicht unmittelbar zu dem Angriff, teilte jedoch am sp\u00e4teren Donnerstag mit, sie habe eine Person get\u00f6tet, die sich verd\u00e4chtig verhalten und die Waffenstillstandslinie im n\u00f6rdlichen Gaza \u00fcberquert habe.<\/pre>\n\n\n\n<p>Leider wird in Deutschland ja Kritik an den menschenverachtenden Handlungen der israelischen Regierungen sofort als Antisemitismus gebranntmarkt. Das gilt auch f\u00fcr Juden wie den Verein &#8222;Die j\u00fcdische Stimme &#8230;&#8220; in Deutschland und h\u00f6chstwahrscheinlich auch f\u00fcr israelische Menschenrechtler und die Redakteure von Haaretz. Ansonsten gibt es weitere \u00c4hnlichkeiten zwischen Deutschland und Israel: <strong>neben den Politikern pfeifen auch die Staatsjuristen auf jede Art von Menschenrecht.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klar, den Nobelpreis gibt es nicht. Eher gibt es einen Nobelpreis f\u00fcr &#8222;Unauff\u00e4llige Beseitigung unerw\u00fcnschter Ehnien&#8222;. Es sollte ihn aber geben. Und konkurenzloser Wettbewerber daf\u00fcr ist derzeit die israelische Regierung. Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12892,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-12890","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12890","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12890"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12890\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12896,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12890\/revisions\/12896"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12890"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}