{"id":12778,"date":"2026-04-22T14:36:19","date_gmt":"2026-04-22T12:36:19","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=12778"},"modified":"2026-04-22T14:36:20","modified_gmt":"2026-04-22T12:36:20","slug":"der-grosse-irrtum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/04\/22\/der-grosse-irrtum\/","title":{"rendered":"Der gro\u00dfe Irrtum"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Artikel ist mehr oder weniger die Fortsetzung des letzten. Das bundesdeutsche Gesch\u00e4ftsmodell ist am Ende. Das Flagschiff, die Autoindustrie und die angeschlossenen Zulieferer, geraten Dank irrsinniger ideologischer Vorgaben der Politik und der Ignoranz des Marktes durch das Management in eine solche Schieflage, dass ein Abrutschen nicht mehr aufzuhalten sind. Monatlich verschwinden ca. 15.000 Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch halt! Der Rettungsanker ist in Sicht! Die b\u00f6sen Russen wollen uns angreifen, obwohl sie das selbst am wenigsten zu wissen scheinen. Doch sei es drum: wir (wer immer damit auch gemeint sein mag) m\u00fcssen kriegstauglich werden. Die Kriegspolitiker stellen Subventionen in Aussicht \u2013 und die Unternehmen, darunter die Flagschiffe der Automobilbranche, jauchzen ob des zu erwartenden Geldsegens \u2013 und stellen damit einmal mehr unter Beweis, dass die Managementetagen keinerlei Ahnung hat, wie so ein Betrieb \u00fcberhaupt funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Spielen wir das einmal durch: wer bis jetzt Automobile produziert hat, will jetzt auf einmal Panzer (oder vergleichbares Kriegsger\u00e4t) produzieren. Wo bisher Hunderttausende von Autos vom Band gerollt sind, wird demn\u00e4chst ein Hundertstel dieser Menge produziert. Das mag zwar, wenn es funktioniert, die Vorstandsboni sichern, aber nicht die Arbeitsstellen der Belegschaft. Die wird in dem Umfang nicht mehr ben\u00f6tigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur die Belegschaft ist betroffen: die kompletten Produktionslinien sind f\u00fcr den neuen Zweck v\u00f6llig unbrauchbar. Die Arbeitsschritte sind andere, die Materialien sind andere. Und mit den Materialien sind auch die bisherigen Zulieferer unbrauchbar. Sie m\u00fcssten nicht nur andere Teile liefern, viele m\u00fcssten auch Teile in Werkstoffen liefern, von deren Verarbeitung sie wenig Ahnung haben. Mit anderen Worten: es geht nicht darum, die Teile in einer anderen Reihenfolge zusammen zu schrauben, sondern die bisherigen Produktionslinien kann man komplett wegwerfen und alles komplett neu aufbauen. Wie bei den entsorgten Kernkraftwerken gehen erst einmal Milliardeninvestionen den Bach hinunter.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits an der Stelle wird es kritisch: die Finanzlage der Unternehmen ist relativ d\u00fcnn. Ist das finanzierbar? Mit entsprechenden Subventionen vielleicht \u2013 so lange der Staat unbegrenzten Kredit hat und das Geld irgendwo aufnehmen kann. Kann er das? Und wenn ja, wie lange? Denn es kommen noch ein paar Kleinigkeiten hinzu: die Belegschaften ben\u00f6tigen eine entsprechende Ausbildung, um die Produktion zu wuppen. Bekommen sie die? Und wenn ja, von wem? Und damit nicht genug: ein gro\u00dfer Teil der R\u00fcstungsprodukte wird bislang im Ausland eingekauft. Baut man sie selbst, muss man auch \u00fcber das spezielle Know-How verf\u00fcgen, angefangen von Materialkenntnissen bis hin zur Elektronik. Und das in einem Land, das noch nicht mal einen funktionierenden Digitalfunk zwischen den Panzern hinbekommt \u2013 von Gefechtsfeldintegration ganze System ganz zu schweigen. Da kann man vermutlich froh sein, wenn G-e-f-e-c-h-t-s-f-e-l-d-i-n-t-e-g-r-a-t-i-o-n richtig buchstabiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Schaut man sich nur diesen Teil des Systemumbaus an, besteht eine nicht kleine Wahrscheinlichkeit, dass nach Abbau der alten Automobilproduktionslinien mitten im Aufbau der neuen Linien dem Ganzen die Puste ausgeht und das Land vor wundersch\u00f6nen Hallen voller Schrott steht. Und sollten die neuen Produktionslinien doch fertig werden, gibt es noch viel Raum zum Pusteausgehen, bis auf diesen Linien tats\u00e4chlich etwas Brauchbares produziert wird, das nicht bereits beim Fahren auf den Werksparkplatz die wei\u00dfe Fahne hisst.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nehmen wir einmal an, bis hier hin funktioniert noch alles. Dann werden Sachen produziert, die f\u00fcr eine Zivilgesellschaft v\u00f6llig unbrauchbar sind. Die Wirtschaft lebt aber nun einmal davon, dass die Menschen die Produkte kaufen und sie \u201everbrauchen\u201c. Der Zweck von Kriegsger\u00e4ten ist zwar deren Zerst\u00f6rung, aber zun\u00e4chst mal wandern sie in Arsenale, und die sind irgendwann voll. Und der Staat ist der einzige Kunde der Unternehmen. Und dann? Stellt der Staat die Bestellungen ein und die Unternehmen produzieren nicht mehr, wie ein gewisser Wirtschaftsminister mal festgestellt hat? Nein, man muss offen sagen, das funktioniert nachhaltig nur, wenn die Produkte nachhaltig \u201everbraucht\u201c werden, sprich sie in einem Krieg eingesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>War das Modell bislang nur eine theoretische Analyse, k\u00f6nnen wir nun tats\u00e4chlich zur Praxis kommen. Es gibt n\u00e4mlich einen Staat, der das bislang halbwegs erfolgreich vorf\u00fchrt, wobei man allerdings konzedieren muss, dass die R\u00fcstungsindustrie zwar ein wesentlicher Teil, aber nicht alles ist. Da gibt es noch einen erheblichen Anteil an ziviler Technik, ohne den der Staat gar nicht funktionieren kann. Die Kriegstreiber hier zu Lande haben daran aber mutma\u00dflich nicht gedacht. Sie haben eher eine Kriegsindustrie wie 1943 \u2013 1945 im Auge, wenn man die \u00c4u\u00dferungen so h\u00f6rt. Aber zur\u00fcck zu dem Staat, von dem ich schreibe: die \u201eVerunreinigten Staaten von Amerika\u201c oder kurz USA.<\/p>\n\n\n\n<p>Die haben die Verbrauchsspirale auch f\u00fcr ihre Kriegsindustrie in Gang gesetzt, denn ohne Verbrauch geht es nun mal nicht. Ein Teil des Verbrauch besteht im Verkauf der Produkte, ein wesentlicher Teil aber auch in der F\u00fchrung von Kriegen. Seit dem 1. WK f\u00fchren die USA einen Krieg nach dem anderen (1. WK, kein Schreibfehler), in den letzten 25 Jahren f\u00fchren sie praktisch einen Dauerkrieg an verschiedenen Orten. Kriegsger\u00e4te werden erfolgreich verbrauch (zerst\u00f6rt oder durch die Belastung verschlissen), was der R\u00fcstungsindustrie zuverl\u00e4ssige Dauereinnahmen beschert. Zur Finanzierung werden die meist unfreiwilligen Kriegsgegner ausgepl\u00fcndert, was allerdings nicht gen\u00fcgt: die USA sind bis \u00fcber beide Ohren verschuldet und es rettet sie bisher nur die Dollar-Dominanz in den Zahlungssystemen. Das w\u00e4re folglich das Folgeszenario, wenn die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft funktioniert: Kriege f\u00fchren, Volkswirtschaften auspl\u00fcndern und trotzdem st\u00e4ndige neue Schulden anh\u00e4ufen. Ob Letzteres nach dem Kraftakt der Umstellung noch funktioniert? Kann man bezweifeln. Die USA hatten es da wesentlich einfacher. Die Weltkriege I und II bestanden f\u00fcr die USA im Wesentlichen aus der Auspl\u00fcnderung der so genannten Aliierten, was ihnen das Kapital f\u00fcr diese Wirtschaftsumstellung lieferte.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Sektor haben wir noch ausgelassen, und der ist im Moment m\u00f6glicherweise gerade dabei, selbst den USA das Genick zu brechen: neben dem Materialverbrauch ist Krieg auch immer massiver Menschenverbrauch. Die Dauerkriege, insbesondere die letzten 25 Jahre Dauerkrieg, haben 1,6 Millionen \u201eVeteranen\u201c produziert, womit nicht die Gestalten gemeint sind, die in geb\u00fcgelter Uniform mit M\u00fche das Gleichgewicht unter der Last der Orden an der Brust halten, sondern nur die Kriegsgesch\u00e4digten. Die US-Streitkr\u00e4fte sind zwar mit die Uneffektivsten der Welt, da auf einem K\u00e4mpfer im Schnitt 8 Supporter kommen, die Ausfallrate mit schweren k\u00f6rperlichen oder psychischen Sch\u00e4den der K\u00e4mpfer liegt aber bei 20% &#8211; 30%, und das ist nicht unerheblich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat zwei Folgen: die Versorgung der eigenen Kriegsopfer geht ins Geld. In diesem Jahr sollen die Aufwendungen f\u00fcr die Veteranenversorgung bei 488 Mrd. US-$ liegen, das ist fast die H\u00e4lfte des Pentagon-Budgets! Die zweite Folge ist, dass die Kriegsbesch\u00e4digten, wie es im fr\u00fchen Bundesdeutsch hie\u00df, inzwischen allgegenw\u00e4rtig und nicht zu \u00fcbersehen sind. Die US-Streitkr\u00e4fte haben mit Ausnahme der Air Force inzwischen massive Personalprobleme, weshalb auch immer wieder Einheiten der daf\u00fcr gar nicht vorgesehenen Nationalgarden zum Einsatz kommen. \u201eSollen wir so enden wie die?\u201c ist die berechtigte Frage, die sich junge US-Amerikaner stellen und sich lieber einen andere Job suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist also die Folge der derzeitigen Kriegshysterie, die in der EU gepflegt wird? Eine kaputte bis v\u00f6llig zerst\u00f6rte Wirtschaft, je nachdem, wann das Licht ausgeht, eine Gesellschaft, in der sich leben nicht mehr lohnt, da keine Wohlstandprodukte mehr vorhanden sind, eine Beteiligung an Dauerkriegen, um den Zerfall aufzuhalten, ein zunehmender Anteil von Behinderten oder psychisch Schwergesch\u00e4digten und schlie\u00dflich der trotz allem nicht aufzuhaltende Zerfall, wobei es von bestimmten Details in der Kette abh\u00e4ngt, wie weit der geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man in die Ukraine schaut, bekommt man eine h\u00f6here Potenz der US-Probleme zu sehen: der Anteil der Bev\u00f6lkerung mit Kriegserfahrung (und Kriegssch\u00e4den) ist viel h\u00f6her und eine Auffangmatte f\u00fcr die Veteranen existiert noch nicht einmal infinitesimal. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die EU krampfhaft versucht, den Krieg dort nicht enden zu lassen. Die Angst vor dem, was eine bis an die Z\u00e4hne bewaffnete traumatisierte Armee mit denjenigen anstellen kann, von denen sie sich verraten f\u00fchlt \u2013 und das sind die EU-Staaten, wenn der Krieg endet.<\/p>\n\n\n\n<p>Derweil gibt es hier inzwischen Stimmen, die sogar den Volkssturm reaktivieren wollen: Wehrdienst bis zum 70. Lebensjahr (kein Scherz!). Man kann eigentlich nur hoffen, dass sich die Menschen dem Irrsinn mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln verweigern. Mit allen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Artikel ist mehr oder weniger die Fortsetzung des letzten. Das bundesdeutsche Gesch\u00e4ftsmodell ist am Ende. Das Flagschiff, die Autoindustrie und die angeschlossenen Zulieferer, geraten Dank irrsinniger ideologischer Vorgaben der Politik und der Ignoranz des Marktes durch das Management in eine solche Schieflage, dass ein Abrutschen nicht mehr aufzuhalten sind. 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