{"id":12606,"date":"2026-02-24T11:01:13","date_gmt":"2026-02-24T10:01:13","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=12606"},"modified":"2026-02-24T11:01:13","modified_gmt":"2026-02-24T10:01:13","slug":"alle-muessen-mehr-arbeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/02\/24\/alle-muessen-mehr-arbeiten\/","title":{"rendered":"Alle m\u00fcssen mehr arbeiten!"},"content":{"rendered":"\n<p>So der allgemeine Tenor aus den politischen Lagern, oft flankiert vor &#8222;<em>wir brauchen Migranten wegen des demagogischen Wandels<\/em>&#8222;. Begr\u00fcndung: der allgemeine Wohlstand verf\u00e4llt, immer mehr Menschen sind armutsgef\u00e4hrdet (17,6 Mio = 21,2%) oder haben keine eigene Wohnung (inzwischen deutlich \u00fcber 1 Mio). Und das liegt daran, dass zu wenig gearbeitet wird. Oder Facharbeiter fehlen. Oder beides. Egal, auf jeden Fall: mehr reinklotzen und mehr Migranten und die Sache ist behoben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das kommt vorzugsweise von Leuten, die, wenn sie ihre Arbeitszeit verdoppeln w\u00fcrden, immer noch nichts tun (vielleicht abgesehen vom Klopfen bl\u00f6der Spr\u00fcche). Aber davon abgesehen ist die Begr\u00fcndung f\u00fcr die Forderungen bereits grundfalsch. Der Niedergang liegt keineswegs daran, dass zu wenig gearbeitet wird, sondern daran, dass die <strong>Politik seit Jahrzehnten die von den B\u00fcrgern erzielten Einnahmen systematisch veruntreut hat und das auch weiterhin tut und schlicht und einfach nun feststellt, dass nicht mehr gen\u00fcgend Geld zum weiteren Veruntreuen vorhanden ist<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Woher r\u00fchrt der Wohlstand? Die verbl\u00fcffend einfache Antwort auf diese Frage: er beruht auf Sachen, die man aus weniger wertvollen Sachen geschaffen hat und die man nun an andere Leute verkaufen kann. Aus dem Gewinn kann man sich zun\u00e4chst ern\u00e4hren, und wenn etwas \u00fcbrig bleibt, kann man selbst Sachen von anderen kaufen. Wenn das m\u00f6glich ist, w\u00e4chst der Wohlstand, weil die Anzahl der Sachen, die einem geh\u00f6ren, w\u00e4chst. Ganz einfach. Man braucht also zun\u00e4chst einmal Leute, die in der Lage sind, wertvolle Sachen herzustellen. Darunter fallen nicht nur die Handwerker selbst, sondern auch die pfiffigen Leute, die neue Sachen entwickeln und andere, die unbedarfte Leute zu f\u00e4higen Handwerkern ausbilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das l\u00e4uft um so effektiver, je besser die Infrastruktur ist, also Wege, die geschaffenen Sachen zu verteilen und Organisationsabteilungen, die sich darum k\u00fcmmern, das m\u00f6glichst effektiv zu machen. L\u00e4uft das gut, baut sich darum noch ein Dienstleistungssektor auf, der f\u00fcr ein wenig Spa\u00df und Ablenkung sorgt. Der kann aber nur existieren, wenn aus dem ersten Prozess gen\u00fcgend \u00fcbrig bleibt, um auch diese Leute bezahlen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider tendiert dieser Bereich zur Metastasenbildung, auch B\u00fcrokratie genannt. W\u00e4hrend es v\u00f6llig klar ist, dass zum Schaffen einer Sache eine bestimmte Zeit notwendig ist (die man minimieren, aber nicht beliebig verkeinern kann) und \u00c4hnliches auch f\u00fcr die Grundorganisation gilt, gilt in den B\u00fcrokratiemetastasen \u201e<em>Arbeit dehnt sich genau in dem Ma\u00df aus, wie Zeit f\u00fcr ihre Erledigung zur Verf\u00fcgung steht<\/em>\u201c oder daraus resultierend &#8222;<em>der Umfang der zu erledigenden Arbeit ist unabh\u00e4ngig von der Anzahl der Leute<\/em>&#8222;. Die Forderung &#8222;<em>alle m\u00fcssen mehr arbeiten<\/em>&#8220; f\u00fchrt auf diesem Feld also zu &#8222;<em>es muss mehr Zeit mit der gleichen Arbeit gef\u00fcllt werden<\/em>&#8222;.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine solche Metastase ist somit leicht zu erkennen. Beispielsweise ben\u00f6tigt man eine gewisse Anzahl von Leuten, um die Infrastruktr (Stra\u00dfen, Schienen) in Ordnung zu halten. Fr\u00fcher hat das mit relativ wenigen Leuten gut funktioniert, heute sind viel mehr Leute in diesem Sektor besch\u00e4ftigt, aber es funktioniert nicht mehr. Das ist gewisserma\u00dfen ein Selbstl\u00e4ufer:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Politik hat andere Priorit\u00e4ten und stellt die notwendigen Mitteln nicht zur Verf\u00fcgung. Tats\u00e4chlich dingliche Arbeiten k\u00f6nnen nicht ausgef\u00fchrt werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Probleme fallen auf und es werden Leute engagiert, die die Ursachen untersuchen sollen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Zeit dieser Leute wird damit gef\u00fcllt, die Zeit der bisher besch\u00e4ftigten Leute mit anderen Arbeiten zu f\u00fcllen, womit nun wieder alle in Vollbesch\u00e4ftigung sind und das Problem weiterhin besteht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das Problem heute: die hergestellten Sachen sind nicht mehr verk\u00e4uflich. Da kein \u00dcberschuss mehr geschaffen wird, k\u00f6nnen auch die nachfolgenden Bereiche nicht mehr bedient werden. Manche Dienstleistungen wie Gastronomie &#8211; Entschuldigung, Gas soll ja nicht mehr, also Elektrotronomie aus Erneuerbaren &#8211; finden weniger bis gar keine Kunden und m\u00fcssen aufgeben. Mehr arbeiten, um mehr unverk\u00e4ufliche Sachen zu produzieren, bringt also nicht mehr Geld in die Kasse, sondern weniger, weil schnell auch nichts mehr da ist, die weniger wertvollen Sachen zu kaufen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nebenbei: R\u00fcstungsg\u00fcter sind wenig hilfreich, so lange sie vom Produzenten selbst gekauft werden. R\u00fcstungsg\u00fcter haben keinen allgemein brauchbaren Wert und sind ohnehin zur baldigen Zerst\u00f6rung produziert. R\u00fcstungsg\u00fcter, sofern man sie nicht weltweit an Kriegsherren verkauft, sind gewisserma\u00dfen die Metastasen der Wirtschaft. <\/p>\n\n\n\n<p>Mehr arbeiten in der Produktion bringt also nichts, so lange man nichts verkaufen kann. Mehr arbeiten in der Infrastruktur bringt auch nichts, so lange man keine Mittel hat. Im Gegenteil f\u00fchrt mehr Arbeiten zu neuen Metastaten. Und mehr arbeiten in den Metastasen f\u00fchrt zu noch gr\u00f6\u00dferer Behinderung. Mehr Arbeit, wie von den Gro\u00dfkopfeten und Pinocchios gefordert, geht also nach hinten los. Und wenn schon keine sinnvolle Arbeit da ist, gehen Forderungen einer l\u00e4ngeren Lebensarbeitszeit ebenfalls nach hinten los, denn Rentner sind billiger als Besch\u00e4ftigte, die gegen mehr Geld mehr Zeit mit nicht vorhandener Arbeit f\u00fcllen m\u00fcssen. Wenn es hei\u00dft &#8222;<em>in der Rentenkasse ist aber nichts, deshalb muss l\u00e4nger gearbeitet werden<\/em>&#8222;, liegt auch das wieder daran, dass die Gelder systematisch veruntreut wurden. Und l\u00e4ngere Arbeitszeit hat nur den Effekt, dass noch mehr Geld veruntreut werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Da ist ein unbesetzter Arbeitsplatz, keiner meldet sich, wir brauchen Migranten<\/em>&#8220; ist ebenfalls Unfug. Wenn ein Arbeitsplatz nicht besetzt werden kann, k\u00f6nnte es daran liegen, dass nicht gen\u00fcgend viele Leute ausgebildet wurden, die Arbeit zu erledigen. Wenn man Migranten holt, m\u00fcsste man die erst einmal ausbilden &#8211; was man auch mit hiesigen Leuten versuchen k\u00f6nnte. Das Problem der Nichtausbildung wird lediglich von Leuten, die schon l\u00e4nger hier leben, auf Leute, die doch bitte hierher kommen, verschoben. Wenn man Pech hat, hat man nun zwei statt einem an der Backe, der die Arbeit nicht macht, oder im Gl\u00fccksfall einen, der die Arbeit macht, w\u00e4hrend der zweite immer noch keine Arbeit macht, was beides suboptimal ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es k\u00f6nnte aber auch daran liegen, dass die Arbeit an einer Stelle angeboten wird, die f\u00fcr Kandidaten mehr oder weniger unzug\u00e4nglich ist: der Lebenspartner arbeitet auch und m\u00fcsste seine Stelle aufgeben (oder man m\u00fcsste sich scheiden lassen), die Mieten w\u00fcrden den Rest auffressen, f\u00fcr einen Umzug fehlt das Geld oder es gibt Kinder und pflegebed\u00fcrftige Verwandte, die man ungern oder gar nicht mitnehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr arbeiten n\u00fctzt mithin \u00fcberhaupt nichts, so lange nicht das Problem beseitigt ist, mit mehr Arbeit nicht mehr Werte produzieren zu k\u00f6nnen. W\u00fcrde man das Problem beseitigen, k\u00f6nnte man sich die Aufforderung &#8222;<em>arbeitet mehr, ihr faules Pack<\/em>&#8220; auch sparen, weil das von alleine passieren w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So der allgemeine Tenor aus den politischen Lagern, oft flankiert vor &#8222;wir brauchen Migranten wegen des demagogischen Wandels&#8222;. Begr\u00fcndung: der allgemeine Wohlstand verf\u00e4llt, immer mehr Menschen sind armutsgef\u00e4hrdet (17,6 Mio = 21,2%) oder haben keine eigene Wohnung (inzwischen deutlich \u00fcber 1 Mio). Und das liegt daran, dass zu wenig gearbeitet wird. Oder Facharbeiter fehlen. 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