{"id":12545,"date":"2026-02-07T09:11:16","date_gmt":"2026-02-07T08:11:16","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=12545"},"modified":"2026-02-07T09:11:17","modified_gmt":"2026-02-07T08:11:17","slug":"der-krieg-zur-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2026\/02\/07\/der-krieg-zur-see\/","title":{"rendered":"Der Krieg zur See"},"content":{"rendered":"\n<p>Insbesondere durch die USA wird die Seeschifffahrt, R\u00fcckgrat des weltweiten Handels, immer mehr ins 17. Jahrhundert zur\u00fcckgeworfen, wobei die Rolle der Piraten zunehmend die US-Navy \u00fcbernimmt. Derzeitig lassen die USA ihre milit\u00e4rischen Muskeln im Arabischen Meer spielen und drohen dem Iran mit &#8222;Vergeltungsschl\u00e4gen&#8220;, was auch immer damit gemeint sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Hintergrund ist die Ansicht der USA, dass es ohne Erlaubnis der USA anderen L\u00e4ndern strickt verboten ist, bestimmte technische Entwicklungen voran zu treiben, und es dar\u00fcber hinaus \u00fcberhaupt verboten ist, verteidigungsbereit zu sein. Im Moment sieht es so aus, als bez\u00f6ge ein Arnold Schwarzenegger in seiner besten Zeit Kampfposition gegen Woody Allen. Stimmt das?<\/p>\n\n\n\n<p>So einfach ist das nicht. Der Iran hat in der Gegend Heimvorteil, w\u00e4hrend die US-Flotte allenfalls auf dem Baikal-See noch isolierter von der Heimatbasis w\u00e4re, wie ein Blick auf die Weltkarte zeigt. Die Logistik f\u00fcr eine Kampfflotte ist enorm (neben den Frachtern ist eine milit\u00e4rische Eskorte notwendig) und bei den weiten Seewegen auch vulnerabel. Der Iran hat das Problem nicht und kann asymmetrisch Vorteile ausspielen, sollte es zu Kampfhandlungen kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Iran verf\u00fcgt \u00fcber eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Drohnen und Raketen, darunter auch Hyperschallraketen, die kaum abzuwehren sind. Eine Hyperschallrakete ist durchaus in der Lage, einen US-Tr\u00e4gerverband zu pulverisieren. Zwar d\u00fcrfte der Iran nicht \u00fcber die Zieltechnik verf\u00fcgen, ein bewegliches Ziel wie einen Flugzeugtr\u00e4ger sicher zu treffen, aber wer wei\u00df schon sicher, was an russischen, chinesischen oder nordkoreanischen Teilen \u00fcber die Grenze transportiert wird? Aber auch ohne diese Raketen ist das Ganze ein Risiko f\u00fcr die US-Flotte, denn mit den billigen Drohnen und Raketen k\u00f6nnen S\u00e4ttigungsangriffe gestartet werden, so dass einzelne Drohnen oder Rakten die Abwehr \u00fcberwinden und erheblichen Schaden anrichten k\u00f6nnen. K\u00fcrzlich schoss die Navy eine Drohne ab und ben\u00f6tigte dazu eine F35 &#8211; ein erheblicher Aufwand. Wobei zu erg\u00e4nzen ist: neben Flugdrohnen existieren auch Seedrohnen, die schwer zu orten sind und sehr lange Einsatzzeiten haben, da keine menschlichen Bedienungen zu versorgen sind. Diese k\u00f6nnten auch f\u00fcr die Logistikflotte zum Problem werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die US-Flotte verf\u00fcgt \u00fcber F35-Kampfflugzeuge f\u00fcr Luftangriffe auf den Iran. Die werden zwar als unangreifbar dargestellt, aber sind sie das wirklich? Der Iran verf\u00fcgt \u00fcber russische Luftabwehrsysteme, die f\u00fcr den Einsatz gegen solche Gegner konstruiert sind. Zudem liegen via Ukraine-Krieg inzwischen auch taktische Erkenntnisse vor, wie diese Abwehrwaffen erfolgreich gegen Flugzeuge eingesetzt werden k\u00f6nnen. Auch das ein Gefahrenpunkt f\u00fcr die Amerikaner.<\/p>\n\n\n\n<p>Nimmt man die Dynamik hinzu, k\u00f6nnte der Iran eine Nadelstichtaktik einsetzen und permanent Drohnen schicken, die die Abwehr der Flotte belasten (und damit auch eigene Angriffe verhindern). Sie k\u00f6nnten Drohnenangriffe genau dann starten, wenn die US-Flotte selbst einen Angriff durchf\u00fchrt, und damit die F35 zwingen, zur Verteidigung der Flotte wieder umzukehren. Und sie k\u00f6nnten einen S\u00e4ttigungsangriff starten, w\u00e4hrend die F35 \u00fcber dem Iran sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Das sind alles nur \u00dcberlegungen eines Amateurs, aber man sollte davon ausgehen, dass die Iraner mindestens so schlau sind und entsprechende Analysen und Planspiele durchgef\u00fchrt haben. Fazit: die USA spielen halbwegs beeindruckend den Poser, aber wer am Schluss das blaue Auge hat, wenn es zum Schlagabtausch kommt, ist noch l\u00e4ngst nicht ausgemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch andernorts betreibt die US-Navy, inzwischen assistiert von Franzosen und Briten, Piraterie und Kaperkrieg. Es gibt ganz wenige Gr\u00fcnde, wann ein Schiff auf See aufgebracht werden darf, und einer von den Gr\u00fcnden wird auch stets vorgebracht, aber letztlich nie bewiesen. Zumindest die USA stehlen inzwischen Schiff und Ladung. Was Folgen hat: anscheinend gehen Reedereien dazu \u00fcber, bewaffnete Sicherheitsgruppen an Bord von m\u00f6glichen Zielen zu installieren. Und wenn Schiff und Ladung entsch\u00e4digungslos beschlagnahmt werden, bestehen auch keine Anreize, irgendwie vorsichtig und kooperativ zu sein. Machen wir mal ein Szenarium auf:<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00f6\u00dfere Waffen an Bord von Schiffen zu installieren wie in vergangenen Jahrhunderten kommt aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht in Frage. Die Waffe dieses Jahrhunderts ist eher die \u00d6ffentlichkeit: wird ein Schiff von einem Kriegsschiff bedr\u00e4ngt, kann dies online an die ganze Welt \u00fcbertragen werden. Bislang erh\u00f6hen gef\u00e4hrdete Schiffe ihre Geschwindigkeit, was es schwerer macht, sie zu entern. Bei drohender Beschlagnahme besteht aber auch kein Grund mehr, eine Kollision mit einem Kriegsschiff, das sich in den Weg stellt zu vermeiden. Schie\u00dft das Kriegsschiff auf die Ruderanlage, ist die Sache bei gute Dokumentation klar und eine Ausrede aus der Piraterie nicht mehr m\u00f6glich. <\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt noch das Entern des Schiffes w\u00e4hrend der Fahrt, also ein direkter Angriff, gegen den jede Art von Notwehr erlaubt ist. Hier haben die Sicherungsgruppen allerdings Heimvorteil. Sie k\u00f6nnen ein Schiff f\u00fcr eine Entertruppe problemlos in ein Stalingrad verwandeln, d.h. das Entern wird f\u00fcr auch f\u00fcr Elitetruppen ein blutiges Gesch\u00e4ft. <\/p>\n\n\n\n<p>Noch sind die USA in der Lage, den &#8222;Dicken Max&#8220; zu spielen und viele Nationen werden wegschauen, so lange ihre Gesch\u00e4fte nicht betroffen sind. Ob das so bleibt, also die US-Regierung nur so viel Druck in die Sache pumpt, dass es nicht eskaliert und letztlich zur\u00fcck schl\u00e4gt, bleibt abzuwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Insbesondere durch die USA wird die Seeschifffahrt, R\u00fcckgrat des weltweiten Handels, immer mehr ins 17. Jahrhundert zur\u00fcckgeworfen, wobei die Rolle der Piraten zunehmend die US-Navy \u00fcbernimmt. Derzeitig lassen die USA ihre milit\u00e4rischen Muskeln im Arabischen Meer spielen und drohen dem Iran mit &#8222;Vergeltungsschl\u00e4gen&#8220;, was auch immer damit gemeint sein k\u00f6nnte. 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