{"id":12423,"date":"2025-12-19T09:16:41","date_gmt":"2025-12-19T08:16:41","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=12423"},"modified":"2025-12-19T09:16:42","modified_gmt":"2025-12-19T08:16:42","slug":"totalitarismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2025\/12\/19\/totalitarismus\/","title":{"rendered":"Totalitarismus"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie kann man ein System besser analysieren? Von Au\u00dfen oder wenn man mitten drin steckt? Von Au\u00dfen sieht man die groben Strukturen und kann sie klassifizieren, von Innen erf\u00e4hrt man erst, wie das R\u00e4derwerk funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Land steckt inzwischen bis \u00fcber beide Ohren im Totalitarismus \u2013 und ich sage bewusst \u201eLand\u201c und nicht \u201ewir\u201c, denn Letzteres existiert im Totalitarismus nicht. Ziemlich grob kann man ihn als ausufernde und alles erstickende B\u00fcrokratie definieren, wobei der Begriff \u201eB\u00fcrokratie\u201c wesentlich mehr umfasst, als die eigentliche Bedeutung des Wortes hergibt \u2013 ein weiteres Kennzeichen des Totalitarismus, dass Worte und Begriffe im allgemeinen nicht mehr das beinhalten, was urspr\u00fcnglich mal damit bezeichnet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wesen dieser B\u00fcrokratie besteht darin, dass keiner darin etwas schaffen kann, aber jeder kann irgendetwas ver- oder behindern. Beispielsweise sollen Justiz und Polizei als Organe des Staates eigentlich etwas schaffen, n\u00e4mlich Ordnung, aber dar\u00fcber sind diese Organe l\u00e4ngst hinaus und werden damit vollwertige Mitglieder der erstickenden B\u00fcrokratie. Sie schaffen nicht Ordnung, sondern beseitigen sie, indem die Ordnungsregeln, also die Gesetze, nicht mehr einheitlich angewandt werden, sondern Funktionen des Beliebens und damit Werkzeuge der Unterdr\u00fcckung werden. K\u00f6rperverletzung ist eine Straftat, aber wenn die Straftat aufgewogen wird gegen eine herkunftsbedingte Traumatisierung des T\u00e4ters oder eine beleidigende \u00c4u\u00dferung des Opfers und der T\u00e4ter fr\u00f6hlich pfeifend (oder was man sonst in seinem Herkunftsland macht) das Gericht verl\u00e4sst, ist die Regel zwar nicht au\u00dfer Kraft (der deutsche T\u00e4ter wird ja weiter bezahlt, oder auch der Ausl\u00e4nder, wenn er zu dumm ist, eine NGO zu aktivieren), aber ins Belieben der Justiz gesetzt. Verleumdung ist eine Straftat, aber wenn das nur gilt, wenn dem Opfer nicht unterstellt werden kann, dass er vielleicht mal so etwas getr\u00e4umt haben k\u00f6nnte und es deshalb keine Verleumdung ist, ist Recht beliebig und nicht mehr vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beliebigkeit der Worte setzt sich \u00fcberall fort, bis hin zur v\u00f6lligen Wahlfreiheit, was man unter physikalischen oder biologischen Begriffen versteht. Gleichzeitig werden willk\u00fcrlich andere Worte kriminalisiert und damit dem Sprecher die M\u00f6glichkeit entzogen, sich verst\u00e4ndlich auszudr\u00fccken. Warum ist \u201eNeger\u201c eine Diskriminierung, die Bezeichnung eines braunh\u00e4utigen dunklerer Provenienz als \u201eSchwarzer\u201c aber nicht? Obwohl der eindeutig nicht Schwarz ist? Warum ist die Bezeichnung eines Sinti als \u201eZigeuner\u201c diskriminierend, die Bezeichnung eines Schwaben als \u201eDeutscher\u201c aber nicht, obwohl beides die gleichen Zusammenh\u00e4nge ausdr\u00fcckt? Sprachkontrolle ist eine Methode des totalit\u00e4ren Unterdr\u00fcckung, und wenn Not am Mann ist, stellt sich sicher auch noch heraus, dass der Begriff \u201eSchwerkraft\u201c von einem Nationalsozialisten benutzt worden und es daher zuk\u00fcnftig unm\u00f6glich ist, zu erkl\u00e4ren, warum man nach dem Stolpern auf die Fresse gefallen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Genaue Sprache ist der Feind, denn wer sich genau ausdr\u00fccken kann, kann etwas. Es z\u00e4hlt aber im Totalitarismus nicht, was man kann, sondern ausschlie\u00dflich, wen man kennt. Etwas zu k\u00f6nnen statt jemanden zu kennen ist die absolute Karrierebremse. Und das stetige Bem\u00fchen der B\u00fcrokraten geht dahin, auch das letzte K\u00f6nnen zu verhindern. Und dort ufert das B\u00fcrokratensystem weiter aus. An den Schnittstellen \u2013 NGO, Verb\u00e4nde \u2013 kennt man sich und muss nichts mehr k\u00f6nnen, und die angeheuerten B\u00fcrokraten portieren das System weiter: NGO agieren dort weiter, wo der Staatsb\u00fcrokrat nicht hinkommt und Verb\u00e4nde sind wirkungsvolle Instrumente zur Behinderung ihrer Mitglieder. Auf an der Schnittstelle zu den Medien kennt man sich, und wenn man bei den Medien nur noch Leute kennt, aber nichts mehr kann, wird die Grenze durchl\u00e4ssig: vom Redakteur zum Regierungssprecher und zur\u00fcck: man kennt die Leute, die nichts k\u00f6nnen ( au\u00dfer Behindern). Journalisten vom Schlage eines Peter Scholl-Latour? Die w\u00fcrden heute noch nicht mal ein Volontariat \u00fcberstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Krebsgeschw\u00fcr ist letztlich nicht aufzuhalten. Es ist ein Irrtum, davon auszugehen, dass man von der Basis aus etwas \u00e4ndern k\u00f6nnte. Sich in der Kommunalpolitik f\u00fcr \u201eseine\u201c Stadt engagieren? Wer es versucht, wird schnell merken, dass auch er nur verhindern, aber nichts bewirken kann, denn die n\u00e4chste Ebene kann wirkungsvoll verhindern, dass irgendetwas bewirkt wird. Um da hin zu kommen, um vielleicht etwas zu \u00e4ndern, muss man jemanden kennen, aber wenn man etwas kann, wird das nicht passieren, denn einem Idioten kann man bekanntlich nicht vermitteln, dass er ein Idiot ist, aber jeder Idiot ist zumindest schlau genug, zu erkennen, wenn der andere kein Idiot ist. Man hat nichts gegen keine Idioten, manche der besten Freunde sind keine Idioten, aber der keine Idiot ist nicht von hier.<\/p>\n\n\n\n<p>Das System korrumpiert, und deshalb gibt es auch kein \u201ewir\u201c mehr. Proteste sind v\u00f6llig sinnlos. Zwar kann der Bauer das Rathaus mit G\u00fclle fluten, weil von dort Vorgaben kommen, die an die b\u00e4uerliche Existenz gehen, aber das n\u00fctzt nichts, denn die Vorgaben kommen eigentlich von ganz woanders her, von Leuten, an die man nicht herankommt, und die Enteignung des Bauern kommt wieder von anderen Leuten, die zwar alle nichts k\u00f6nnen, sich aber untereinander bestens kennen. Im Gegensatz zu den Opfern.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie den Bauern vernichtet haben, habe ich nichts gesagt, ich kaufe meine Lebensmittel ja bei Tante Emma. Als sie Tante Emma vernichtet haben, habe ich nichts gesagt, denn ich kann ja bei Lidl kaufen. Als sie das Autofahren verboten haben und ich nicht mehr zu Lidl konnte, habe ich nichts gesagt, denn es gibt ja noch Lieferando. Als ich kein Geld mehr hatte und Lieferando nichts mehr brachte, durfte ich mir aussuchen: Verhungern oder Ostfront? Es gibt kein \u201ewir\u201c oder, wie bei Schiller noch ohne Komma steht, \u201eder gute Mann denkt an sich, selbst zuletzt!\u201c. Es bleibt letztlich nichts au\u00dfer dem R\u00fcckzug ins Private: so wenig machen wie m\u00f6glich, so viel ignorieren wie m\u00f6glich, so viel Kollateralschaden anrichten wie m\u00f6glich. \u201eIch selbst zuerst\u201c wird erste B\u00fcrgerpflicht und ist \u00fcberlebensnotwendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo d\u00fcmpelt das hin? Zu einem Heer von B\u00fcrokraten und einem Heer von Ameisen, die nur noch unter Zwang irgendwelche Arbeit machen, und die so schlecht wie m\u00f6glich, denn etwas besser machen f\u00fchrt nur zu Problemen. Zwei Stunden l\u00e4nger an etwas sitzen, das dann besser h\u00e4lt? Dann wird das neue Norm und man arbeitet l\u00e4nger f\u00fcr den gleichen Hungerlohn. Lohnt sich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kommt man aus dem System wieder heraus? Es gibt zwei M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n\n\n\n<p>(1) Die komplette Implosion des Systems und ein harter Neuanfang.<\/p>\n\n\n\n<p>(2) Die individuelle Republikflucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Reformation? Bl\u00f6dsinn! Klappt nicht. Andere Regierung w\u00e4hlen? Das sind 10 neue Leute an der Spitze, die keine Chance haben, sich gegen die 20.000 B\u00fcrokraten, die bleiben, durchzusetzen. Sie sind ge\u00fcbt im Verhindern. Das k\u00f6nnen sie. Und das werden sie machen. Es wird sich nicht so viel \u00e4ndern lassen, dass es zu einer Kehrtwende kommt. Die einzige Chance zur Kehrtwende ist der v\u00f6llige Zusammenbruch, und das kann sehr sehr lange dauern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und individuelle Republikflucht? Das machen schon viele, besonders die, die was k\u00f6nnen: \u00c4rzte, Ingenieure. Aber auch das wird problematischer. Noch nicht wie in der DDR, wo man eine Todeszone \u00fcberwinden musste. Aber schon fast wie die Juden in den 1930er-Jahren, die aus Deutschland raus wollten. Konnten sie, kein Problem, die Nazi wollten sie ja loswerden. Aber sie konnten gewisserma\u00dfen nur nackt raus. S\u00e4mtlicher Besitz wurde in Form von Steuern konfisziert. Und das Problem f\u00fcr viele: nackt wollte sie keiner haben. Und das ist heute auch bereits wieder so: man kommt hier nur nackt raus. Und da f\u00e4ngt das Problem an, denn nackt will man Immigranten auch nicht: die sollen so viel Geld mitbringen, dass sie \u00fcberleben k\u00f6nnen, bis sie sich eingelebt haben. Einreisen als Deutscher in die Dominikanische Republik, um dort zu arbeiten? Mit bereits bestehendem Vertrag? Kein Problem, wenn Sie einen bezahlten R\u00fcckflugschein bei der Passkontrolle hinterlegen. Sonst kommt man da gar nicht erst rein. Und hier deshalb leider nicht raus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann man ein System besser analysieren? Von Au\u00dfen oder wenn man mitten drin steckt? Von Au\u00dfen sieht man die groben Strukturen und kann sie klassifizieren, von Innen erf\u00e4hrt man erst, wie das R\u00e4derwerk funktioniert. Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-12423","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12423","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12423"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12423\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12424,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12423\/revisions\/12424"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}