{"id":12402,"date":"2025-12-07T09:14:17","date_gmt":"2025-12-07T08:14:17","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=12402"},"modified":"2025-12-07T09:14:18","modified_gmt":"2025-12-07T08:14:18","slug":"wenn-der-auftragsmoerder-seine-waffe-verliert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2025\/12\/07\/wenn-der-auftragsmoerder-seine-waffe-verliert\/","title":{"rendered":"Wenn der Auftragsm\u00f6rder seine Waffe verliert &#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>Ereignisse der besonders skurrilen Art findet man besonders leicht an Orten, an denen die USA ihre Finger im Spiel hat. Wenn dann noch israelische Beteiligung dazu kommt, steigt die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse steil an. Ausl\u00f6ser in diesem Fall: die israelischen Staatsterrorismusdoktrin.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Teil 1 und Vorrede, etwas langatmig, aber f\u00fcr das Gesamtverst\u00e4ndnis wichtig: Israel nimmt ja mit der Ausrede der Selbstverteidigung f\u00fcr sich in Anspruch, mehr oder weniger weltweit ungestraft Ziele in L\u00e4ndern angreifen zu d\u00fcrfen, mit denen es sich nicht formal im Krieg befindet, und zwar auch mit Methoden, die selbst in Kriegszeiten als Kriegsverbrechen gelten k\u00f6nnen (<em>EU-Staaten als eifrige F\u00f6rderer Israels eifern dem ja derzeit nach, wenn davon die Rede ist, dass man Russland, wenn es nicht willens ist, ein EU-Land milit\u00e4risch anzugreifen, auch pr\u00e4ventiv zur Verteidigung der Demokratie, der Meinungsfreiheit, der Klimaneutralit\u00e4t und dem ganzen Rest angreifen m\u00fcsse, zur Not auch atomar<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>Angriffe dieser Art erfolgen mehr oder weniger automatisch (<em>die folgende Darstellung basiert auf Informationen aus israelischen Quellen<\/em>), so dass man noch nicht mal b\u00f6sen Willen von Menschen unterstellen kann, wenn man selbst b\u00f6sartig genug ist. Israel verf\u00fcgt \u00fcber eine gewichtete Liste seiner Feinde, die nicht nur Hamas und Hisbollah (<em>oder muss das inzwischen &#8222;Her&amp;His-Bollah&#8220; hei\u00dfen?<\/em>) umfassen. Wie die Wichtung zu Stande kommt, ist nicht so genau bekannt, aber ich vermute hier KI-Einfluss: die KI sammelt Informationen \u00fcber die Leute, bewertet sie nach anti-israelischem Kontext und berechnet daraus ein Gewicht. Warum KI? Nun, weil der Rest tats\u00e4chlich KI ist:<\/p>\n\n\n\n<p>Die laufend gesammelten Informationen werden von einer KI ausgewertet und dahingehend analysiert, ob eine der Personen auf der Feindliste involviert ist. Bei der Masse der Informationen, die heute anfallen und von denen mehr als 99% einfach nur M\u00fcll sind, ist klar: das kann nur eine KI mit der entsprechenden Kapazit\u00e4t. Die KI berechnet aus diesen Informationen die Wahrscheinlichkeit, dass Zielperson X sich zur Zeit t (nahe Zukunft) am Ort Y aufh\u00e4lt (mathematisch so was wie  <strong>w(X|Y,t) <\/strong>). Aus der Natur des Ortes Y kennt sie auch die milit\u00e4rischen Einsatzoption  S , die man anwenden muss, will man an diesem Ort zuschlagen, woraus sich die voraussichtliche Zahl  <strong>N(Y,S,t)<\/strong>  der Kollateralsch\u00e4den, sprich zivilen Opfer ergibt, wenn man das macht. Ist  <strong>B(X)<\/strong>  die Gef\u00e4hrlichkeitsbewertung des Gegners  X , so muss  <strong>N(Y,S,t) &lt; N(B(X) | not X)<\/strong> bleiben, im Klartext, aus der Gef\u00e4hrlichkeit des Gegners errechnet sich eine Obergrenze der Kollateralsch\u00e4den, wenn  X  eliminiert werden kann. Jetzt muss man nur noch  <strong>w(X|Y,t)<\/strong>  mit einbeziehen, und wenn  <strong>N(Y,S,t) &lt; w(X|Y,t)*N(B(X) | not X) <\/strong>, erteilt die KI die &#8222;Empfehlung&#8220; zum Zuschlagen, die der zust\u00e4ndige Milit\u00e4r abzeichnet, will er nicht selbst in Schwierigkeiten kommen. Man muss das wirklich mal so darstellen, damit andere begreifen, wie perfide dieses KI-gest\u00fctzte System ist. Wobei  <strong>N(B(X) | not X)<\/strong>  erstaunlich hohe Werte erreichen kann. &#8222;Kollateralsch\u00e4den&#8220; in der Gr\u00f6\u00dfenordnung >100 sind bereits bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit kommen wir zu Teil 2 der Skurrilit\u00e4t: am 24.11.2025 gab die KI mal wieder eine Empfehlung f\u00fcr einen Bombeneinsatz in Beirut, also fernab der israelischen Grenze und damit nur durch einen so genannten &#8222;Luftschlag&#8220; realisierbar (<em>was schon deshalb ein skurriles Wortspiel ist, weil ja nicht die Luft, sondern sehr konkrete feste Ziele geschlagen werden<\/em>). Zum Einsatz kamen US-Hochpr\u00e4zisionsbomben. Die sind in der Lage, in einem 15-st\u00f6ckigen Wohnkomplex nicht nur das 24. Klofenster in der 7. Etage pr\u00e4zise zu treffen, sondern auch einer bestimmten Fliege auf der Toilette das linke Auge wegzuschie\u00dfen. Sicherheitshalber werden die Bomben aber mit einer Sprengstoffmenge ausgestattet, die trotz der Treffsicherheit auch drei weitere Wohnblocks in der n\u00e4heren Umgebung pulverisieren. Abgeworfen werden sie von Flugzeugen in gro\u00dfer H\u00f6he und sie gleiten dann antriebslos \u00fcber ca. 100 km zu Ziel, was ja von den russischen FABs hinreichend bekannt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Israel schickte 8 Bomben auf die Reise und 7 davon taten ihre Aufgabe. Doch die achte Bombe, eine GBU-39B Small Diameter Bomb (SDB), ein geh\u00e4tscheltes Entwicklungsprodukt des US-Konzerns Boeing, hatte andere Pl\u00e4ne. Elegant glitt sie mit ihren ausklappbaren Fl\u00fcgeln antriebslos, aber pr\u00e4zise, mit GPS- und Tr\u00e4gheitsnavigationssystemen versehen, \u00fcber die Distanz von mehr als 110 Kilometern mit einer garantieren Treffergenauigkeit von einem Meter ins Ziel. Mit ihrem Gewicht von nur 113 Kilo ist sie kompakt genug, um vier St\u00fcck im Waffenbug einer F-35 zu verstauen. Sie durchschl\u00e4gt Beton, minimiert theoretisch Kollateralsch\u00e4den und ist seit 2006 das Lieblingsspielzeug der US-Luftwaffe. Doch statt auch zu explodieren, landete sie heil in einem Wohnviertel, keine Explosion, kein Krater, intakt wie ein frisch aus der Fabrik gerollter Prototyp. Davon zeugen die Bilder, die sich kurz darauf rasant im Internet verbreiteten. Sie zeigen die Bombe in makellosem Zustand: Die F\u00fchrungsfinnen, die Fl\u00fcgel und der Rumpf sind unversehrt. Hisbollah-nahe Milizen sicherten den Fund rasch. Womit Teil 3 der skurrilen Ereignisse seinen Fortgang nahm.<\/p>\n\n\n\n<p>In Washington wurde umgehend der Panikmodus aktiviert. Innerhalb von Stunden kontaktierten US-Diplomaten die libanesische Regierung. Die Forderung: Gebt die Bombe zur\u00fcck! Nicht als Bitte, sondern als dringende Aufforderung, unterstrichen mit Andeutungen wirtschaftlicher Konsequenzen oder diplomatischer Isolation. Laut libanesischen Medien wie <em>Al-Markaziya<\/em> und <em>Al-Manar<\/em> (Hisbollah-nah) sowie israelischen Quellen wie <em>Maariv<\/em>, die anonyme US-Quellen zitieren, dreht sich alles um die Technologie in der Bombe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die GBU-39B besitzt ein fortschrittliches F\u00fchrungssystem\u00a0\u2013 GPS-gest\u00fctzt, wetterunabh\u00e4ngig, mit F\u00e4higkeit zu Mehrfachangriffen\u00a0\u2013 und ist das Ergebnis von Jahrzehnten US-amerikanischer milit\u00e4rischer Entwicklungen. Wenn China oder Iran das Ding auseinandernehmen und studieren, k\u00f6nnte der Milliarden teure US-Vorsprung verloren gehen.  Im Pentagon bef\u00fcrchtet man nicht zu Unrecht, dass Iran seine Fateh-Raketen, die Hisbollah ihre Drohnen und die Huthis im Jemen ihre ballistischen Raketen mit dieser Technologie ausstatten. Oder China knackt das GPS-Spoofing, oder Russland st\u00f6rt die Gleitflugbahn. Ein Albtraum f\u00fcr das Pentagon. Die Ironie dieser Geschichte ist so dick, man k\u00f6nnte sie nicht dicker aufgetragen. Die USA, die Israel mit Waffen \u00fcbersch\u00fctten \u2013 unter dem Deckmantel der &#8222;Selbstverteidigung&#8220; \u2013, fordern nun vom Libanon, dem Opfer des Angriffs, die R\u00fcckgabe einer Bombe, die gerade Zivilisten get\u00f6tet, verwundet und in Panik versetzt hat. &#8222;Das Ding ist sensibel. Schickt es uns Ding zur\u00fcck, sonst \u2026!&#8220; Sensibel, sagt derjenige, der Tausende Tonnen Sprengstoff \u00fcber den Nahen Osten regnen l\u00e4sst und dann heult, wenn eine Fehlz\u00fcndung seine Geheimnisse verr\u00e4t. <\/p>\n\n\n\n<p>Bislang zeigen sich die Libanesen als alles andere als Lieba-Nesen. Sie schweigen. Und die Hisbollah hat das Ding vermutlich l\u00e4ngst nach Teheran gekarrt &#8211; der Supergau f\u00fcr die US-Boys. \u00dcbrigens alles andere als ein Einzelfall:  Die USA haben eine peinliche Tradition, ihre Spielzeuge zu verlieren\u00a0\u2013 und dann in Panik zu verfallen, wenn Rivalen wie China oder andere schn\u00fcffeln. Am 24.\u00a0Januar 2022 kracht eine F-35C Lightning II der US-Stealth-Flugzeugflotte auf das Deck des Flugzeugtr\u00e4ger USS Carl Vinson im S\u00fcdchinesischen Meer. Der Jet rutschte ab und versank in 3.770\u00a0Metern Tiefe. Washington rastete aus: Eine Spezialeinheit der 7.\u00a0Flotte, unterst\u00fctzt von der Naval Sea Systems Command, charterte das Bergungsschiff Picasso und fischte das Wrack mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug (ROV CURV-21) heraus. Der Grund f\u00fcr die teuren Anstrengungen: China, das das S\u00fcdchinesische Meer als Pool in seinem Vorgarten beansprucht, h\u00e4tte das Ding auseinandergenommen; eine Horrorvorstellung in Washington. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2021  gab es einen weiteren Vorfall, ein Klassiker der US-Spionage-Farce gegen China. Am 1.\u00a0April kollidierte ein elektronisches Spionageflugzeug der US-Flotte US-Navy vom Typ EP-3E ARIES II mit einem chinesischen J-8-J\u00e4ger \u00fcber dem S\u00fcdchinesischen Meer vor der chinesischen Insel Hainan. Der chinesische Pilot starb, die EP-3 machte eine Notlandung auf der Insel. Die 24-k\u00f6pfige US-Crew zerst\u00f6rte hektisch Festplatten, doch China hielt das Flugzeug elf Tage fest und konnte anscheinend noch viele technologischen Kenntnisse sichern. Laut Wikipedia und <em>ABC News<\/em> war es ein Coup f\u00fcr Peking: Die Volksrepublik knackte Codes, Intercept-Ger\u00e4te\u00a0und Dokumente. Ein EP-3 voller Top-Secret-Hardware, verschenkt durch eine dumme US-Provokation in der Luft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die USA pumpen Milliarden in Hightech-Waffen, verschenken oder verkaufen sie an Alliierte und flippen aus, wenn sie verloren gehen. In Beirut ist das besonders absurd, weil der Verlierer \u2013 Israel \u2013 der Aggressor ist, und das Opfer \u2013 der Libanon \u2013 das t\u00f6dliche Instrument der Aggression an den Komplizen des T\u00e4ters zur\u00fcckgeben soll.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Der Text dieses Artikels verwendet Teile eines Artikels von Rainer Rupp, der f\u00fcr RT schreibt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ereignisse der besonders skurrilen Art findet man besonders leicht an Orten, an denen die USA ihre Finger im Spiel hat. Wenn dann noch israelische Beteiligung dazu kommt, steigt die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse steil an. Ausl\u00f6ser in diesem Fall: die israelischen Staatsterrorismusdoktrin. 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