{"id":12329,"date":"2025-11-15T08:56:03","date_gmt":"2025-11-15T07:56:03","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=12329"},"modified":"2025-11-15T08:56:04","modified_gmt":"2025-11-15T07:56:04","slug":"zurueck-ins-mittelalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2025\/11\/15\/zurueck-ins-mittelalter\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck ins Mittelalter"},"content":{"rendered":"\n<p>Es wird ja nun nicht zu knapp geunkt, dass die irrsinnige Politik die Gesellschaft letztlich in die vorindutrielle Zeit katapultiert. Finanztechnisch katapultiert sich die Welt eher zur\u00fcck ins Mittelalter, was auf der anderen Seite gar nicht so schlecht zu sein braucht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das hohe Mittelalter, die Zeit zwischen 1000 und 1250, war in nahezu jeder Beziehung in Europa ein Tiefpunkt der gesellschaftlichen Entwicklung. Technologisch und finanziell hatten die R\u00f6mer bereits Verfahren entwickelt, die von den heutigen gar nicht so weit entfernt waren. Das Mittelalter war eine Zeit des Mord und Totschlags, des Verrats und der Rechtlosigkeit, verursacht und gef\u00f6rdert in der Hauptsache von Leuten, die heute in den Kirchen als Heilige mit eigenen Feiertagen verehrt werden. Wer in einem Dorf oder einer kleinen Stadt lebte, musste jederzeit damit rechnen, dass irgendein Trupp Landsknechte die Ernte vernichtete, das Vieh entf\u00fchrte, das Dorf ausraubte oder gleich in Schutt und Asche legte, und er konnte sich noch nicht mal sicher sein, ob das nicht Leute seines eigenen Landesherren waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder f\u00fchrte Krieg gegen jeden, und sp\u00e4testens, wenn man ins Hintertreffen geriet, ben\u00f6tigte man Geld. Die Soldateska lie\u00df sich nur in klingender M\u00fcnze abspeisen, und die musste man sich als F\u00fcrst meist irgendwo leihen. Und sp\u00e4ter irgendwie zur\u00fcck zahlen. Erstaunlicherweise funktionierte das selbst in solchen Zeiten. Wie? Der F\u00fcrst lieh sich Geld bei Bankh\u00e4usern wie den Bardi, Peruzzi, Frescobaldi oder Medici, eigentlich weit verzweigte Handelsh\u00e4user mit Filialen europaweit mit einem ausgekl\u00fcgelten Verrechnungssystem untereinander und mit ihren Kunden. Und es war ratsam, sich an die Vereinbarungen mit den Banken zu halten. Tat man das nicht, was kurzfristig Gewinn versprach, lie\u00dfen die die Handelsstr\u00f6me versiegen und gaben beim n\u00e4chsten Feldzug auch keinen Kredit mehr, womit dieser ausfiel und ein anderer das F\u00fcrstentum eroberte. Die Banken gaben Geld gegen das Vertrauen des Einhaltens der R\u00fcckzahlungsversprechen, das in der Regel eingehalten wurde (funktionierte das nicht, wie im Fall des Bankrotts der englischen Krone, bei dem die Bardi und die Peruzzi ebenfalls in den Abgrund st\u00fcrzten, war der Schaden weitaus gr\u00f6\u00dfer).<\/p>\n\n\n\n<p>Erstaunlich modern, oder? Allerdings erlebt man heute, dass das Modell auch anders herum funktioniert. Der Westen, also haupts\u00e4chlich die USA, die EU und die Briten, sind durch die Beherrschung der internationalen Zahlungssystem gewisserma\u00dfen in der Rolle der Medici und so in der Lage, kleine Schuldner ohne gro\u00dfe Schwierigkeiten nieder zu halten und auszupl\u00fcndern. Das funktioniert, so lange die gr\u00f6\u00dferen Player Vertrauen haben. Allerdings erlebt man seit Beginn des Ukraine-Krieges, dass der Westen glaubt, allm\u00e4chtig zu sein, und nicht nur die gr\u00f6\u00dferen Player erpresst, sondern sogar, wie im Fall Russlands, bestiehlt. Im guten Glauben deponiertes Kapital wird nicht nur stillgelegt, sondern sogar beschlagnahmt. Damit ist das Vertrauen in das System weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Vertrauten die Bardi den Peruzzi, dass eine gewisse Menge Goldes in einer Stadt, in der sie keine Dependance hatten, ihnen geh\u00f6rt und sie damit wirtschaften k\u00f6nnen, entspricht das der Gepflogenheit, Staatssch\u00e4tze (=Gold) beispielsweise in New York oder London zu lagern. Seit dem Vertrauensbruch ist damit Feierabend. Viele L\u00e4nder wie Indien haben seit 2022 tonnenweise ihr Gold aus New York oder London abgeholt und lagern es nun selbst in Indien. Selbst Deutschland f\u00fchrt seit einiger Zeit Goldreserven aus den USA zur\u00fcck ins eigene Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nicht nur das Gold ist betroffen, auch das Geld. Gesch\u00e4fte werden in konvertierbaren W\u00e4hrungen abgeschlossen, wobei &#8222;konvertierbar&#8220; bedeutet, dass jeder den Gegenwert der W\u00e4hrung kalkulieren kann, um weitere Gesch\u00e4fte mit anderen einzuleiten. Bislang waren das haupts\u00e4chlich der US-$ und der \u20ac, aber da das durch Sanktionen auch nicht mehr m\u00f6glich ist (au\u00dfer in bedruckten Zetteln sind die Geldfl\u00fcsse kontrollierbar), ist auch hier das Vertrauen weg, mit der Referenzw\u00e4hrung morgen noch ein anderes Gesch\u00e4ft machen zu k\u00f6nnen. So versuchen die BRICS seit geraumer Zeit, andere Zahlungssysteme einzuf\u00fchren, was nicht ganz einfach ist, aber funktioniert. Russland und China rechnen Rubel und Yuan gegeneinder auf, bei Gesch\u00e4ften mit Indien dient der Dirham als Referenzw\u00e4hrung usw. Auch direkte Verrechnungen von Warentauschgesch\u00e4ften sind inzwischen an der Tagesordnung. <\/p>\n\n\n\n<p>Das hat auch weitere Folgen. Deutschland beispielsweise ist stolz darauf, Exportweltmeisten gewesen zu sein: statt im eigene Land etwas zu bewirken, werden die Waren irgendwo anders verkauft und gigantische Dollar- oder Euromengen angeh\u00e4uft. Was sind die aber noch wert, wenn das Vertrauen weg ist? Bekommt man morgen noch etwas daf\u00fcr? L\u00e4nder mit solchen \u00dcbersch\u00fcssen werden sich also \u00fcberlegen m\u00fcssen, ob sie nicht die Bilanz ausgleichen, da sie sonst die Dummen sein k\u00f6nnten. Ware weg, Geld nichts wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Umgekehrt vertrauten die USA darauf, mit ihren letztlich gegenwertlosen Scheinchen Waren bei anderen zu kaufen, ohne selbst zu liefern. Wenn sich letztlich das Bewusstsein durchsetzt, dass die Scheinchen tats\u00e4chlich gegenwertlos sind, kommen keine Waren mehr. Weil die Lieferl\u00e4nder selbst woanders f\u00fcr die Scheinchen auch nichts mehr bekommen. L\u00e4nder mit solchen Bilanzen werden dadurch gezwungen, selbst ihre Produktion anzukurbeln und vieles selbst zu produzieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Handelsbeziehungen werden also komplizierter, allerdings vermutlich auch gerechter, da ein Zwang zu einer ausgeglichenen Bilanz besteht. Kleinere, bislang ausgepl\u00fcnderte L\u00e4nder haben so die Chancen, mehr f\u00fcr sich und ihre Produkte heraus zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt noch das Gold als tats\u00e4chlicher Wert, was einerseits die Bekloppheit der Menschheit an sich als auch die Notwendigkeit, bei den Bekloppten mitzuspielen, zeigt: da wird mit einem gigantischen Aufwand das Gold aus der Erde gekratzt, um anschlie\u00dfend tief in der Erde in Bunkern erneut begraben zu werden. Aber immerhin ist es als R\u00fccklage da und notfalls kann man es verwenden, um bei anderen Vertrauen zu erzeugen. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch daran kratzen die Europ\u00e4er. Wer Gold hat, muss l\u00fcckenlos nachweisen k\u00f6nnen, woher es stammt, sonst wird automatisch Geldw\u00e4sche unterstellt und das Gold beschlagnahmt &#8211; so der Plan der EU. Vollst\u00e4ndige Beweislastumkehr ist das Ziel: nicht der Staat muss nachweisen, dass der Barren nicht von der Oma geerbt wurde, sondern der Besitzer muss nachweisen, woher die Oma das Gold hatte. Verspielt wird so das letzte Vertrauen in die eigenen Institutionen: hat jemand Gold als Notreserve in einer verschlie\u00dfbaren Blechkiste in der Wand des Schlafzimmers, k\u00f6nnte das morgen weg sein, wenn seine Wohnung aufgrund eines harmlosen Posts auf X durchsucht wird. Fazit: derjenige muss sich praktisch zwangsweise einen Spaten greifen und das Zeug irgendwo so tief zu verbuddeln, dass es noch da ist, wenn dieses System zusammen bricht (und das wird es, wenn jegliches Vertrauen weg ist). Wird er bis dahin dement oder f\u00e4llt ihm der Himmel auf den Kopf, ist das Gold wieder da, wo es vorher war: in der Erde in Erwartung eines Sch\u00fcrfers, der es zuf\u00e4llig findet (gab es auch schon mal: bis heute werden immer wieder T\u00f6pfe gefunden, in denen Leute aus der R\u00f6merzeit ihre Reserve begraben haben, weil jegliches Vertrauen in das Funktionieren des Systems fort war).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird ja nun nicht zu knapp geunkt, dass die irrsinnige Politik die Gesellschaft letztlich in die vorindutrielle Zeit katapultiert. Finanztechnisch katapultiert sich die Welt eher zur\u00fcck ins Mittelalter, was auf der anderen Seite gar nicht so schlecht zu sein braucht. 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