{"id":12290,"date":"2025-11-05T09:17:21","date_gmt":"2025-11-05T08:17:21","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=12290"},"modified":"2025-11-05T09:17:21","modified_gmt":"2025-11-05T08:17:21","slug":"kennen-sie-ihren-abgeordneten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2025\/11\/05\/kennen-sie-ihren-abgeordneten\/","title":{"rendered":"Kennen Sie &#8222;Ihren&#8220; Abgeordneten?"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Und wenn Sie ihn kennen w\u00fcrden, w\u00fcrden Sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit w\u00fcnschen, ihn nicht zu kennen. Es sei denn, sie wollen etwas und haben gen\u00fcgend Geld, ihn zu kaufen. Aber auch dann werden Sie ihn eigentlich nicht auf Dauer kennen, sondern ihn als Sprungbrett zu lukrativeren k\u00e4uflichen Gestalten benutzen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Verkauft wird Ihnen die Demokratie als &#8222;politische Teilhabe&#8220;. Sie k\u00f6nnen mitbestimmen, wie sich die Gesellschaft entwickelt. <strong>FALSCH!<\/strong> ESKS (= einen Schei\u00df k\u00f6nnen Sie). Demokratie ist keine Beteiligung an irgendetwas, es ist ein Auswahlverfahren. Ein Auswahlverfahren, in dem die charakterlosesten und unf\u00e4higsten Gestalten ausgew\u00e4hlt werden, um letztlich denen, die am meisten zahlen k\u00f6nnen, zu dienen. Und nicht etwa Ihnen!<\/p>\n\n\n\n<p>Die typische Politikerkarriere wird heute durch das Tripel &#8222;Kreisssaal, H\u00f6rsaal, Plenarsaal&#8220; beschrieben. Geboren wird jeder, &#8222;Studieren&#8220; darf auch jeder, und wer dann beweist, dass er vorher nichts gelernt und anschlie\u00dfend auch nichts dazu gelernt hat und v\u00f6llig prinzipien- und ideenlos ist, kommt ins Plenum. W\u00e4hrend man von einem normalen arbeitenden B\u00fcrger erwartet, dass man ihm kurz sagt, was man will, und einige Zeit sp\u00e4ter die R\u00fcckmeldung &#8222;<em>fertig, Meister!<\/em>&#8220; bekommt, ben\u00f6tigt ein Politiker weder die F\u00e4higkeit, eine Idee zu entwickeln, was sich der Kunde unter &#8222;<em>einem schicken modernen Wohnzimmer<\/em>&#8220; vorstellen k\u00f6nnte, noch die handwerkliche F\u00e4higkeit, den IKEA-Schrank dann auch zusammen zusetzen. Die einzige F\u00e4higkeit, die ein Politiker ben\u00f6tigt, besteht darin, an den richtigen Stellen &#8222;JA&#8220; oder &#8222;NEIN&#8220; zu sagen, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, um was es geht. Es ist nicht n\u00f6tig, dass er versteht, um was es geht, es ist auch nicht n\u00f6tig, darauf zu achten, ob er gestern JA gesagt hat, wo er heute NEIN sagt, er muss nur das sagen, was ihm vorgegeben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir den typischen Pr\u00e4-Politiker im H\u00f6rsaal. Zu bl\u00f6d, ein Rechts- von einem Linksgewinde unterscheiden zu k\u00f6nnen, wird ihn sein Prof nicht m\u00f6gen. Aber da ist ja noch der aus dem h\u00f6heren Semester mit den gleichen nicht vorhandenen F\u00e4higkeiten, der immer so gescheit daherschwatzt. Ist zwar nicht von ihm und ist auch nicht gescheit, h\u00f6rt sich aber gescheit an. Den kann man anhimmeln. Und der vergilt das Anhimmeln mit Anerkennung &#8211; im Gegensatz zum Prof. Und schon hat man das passende Paar Influenzer-Follower. Das muss man sich nat\u00fcrlich etwas gr\u00f6\u00dfer vorstellen: der Influenzer hat mehrere Follower und ist seinerseits Follower von Leuten, die schon im Plenarsaal sitzen. Fertig ist das Netzwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Das mit der Anerkennung funktioniert nat\u00fcrlich nur so lange, wie dem Influenzer nicht widersprochen und alles gemacht wird, was er gerne gemacht haben m\u00f6chte. Da trennt sich die Spreu vom Weizen: wer aus irgendeinem Grund doch noch zu eigenen Ideen und Leistungen f\u00e4hig ist, wird nicht mehr zur\u00fcck geliebt und scheidet aus. Es bleiben nur die Dumpfbacken, die nun die Parteisoldaten darstellen. So ein Parteisoldat oder besser sein Kopf taucht dann auf irgendwelchen Flyern vor einer Wahl auf, zusammen mit ein paar nichtssagenden Floskeln wie &#8222;<em>gemeinsam in die Zukunft<\/em>&#8220; (was bleibt einem schon \u00fcbrig, da alle auf dem gleichen Zeitstrahl leben?) oder &#8222;<em>gegen soziale Ausgrenzung<\/em>&#8220; (da geht schnell unter, dass der Politiker nur sich selbst meint, aber nicht seinen W\u00e4hler, den er ohne skrupel jederzeit sozial ausgrenzt). Kennen lernen kann man den Parteisoldaten nicht, denn bei 250.000 W\u00e4hlern pro Wahlkreis br\u00e4uchte der 13 Jahre, um mit jedem auch nur 5 Minuten sprechen zu k\u00f6nnen. Und Reden werden meist von heran gekarrten Influenzern der zu w\u00e4hlenden Follower gehalten, denn letztere k\u00f6nnten ja auch was Falsches sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>So gelangt der Parteisoldat dann ins Plenum. &#8222;<em>Die Abgeordneten sind nur ihrem Gewissen verantwortlich<\/em>&#8220; steht im Grundgesetz. ESSS (= einen Schei\u00df sind sie). Sie haben dem Fraktionszwang zu folgend, also ihrem Influenzer. Tun sie das nicht, ist ihre Karriere beendet, denn noch einmal kommen sie dann nicht ins Plenum. Tun sie das, ist ihre Karriere trotzdem gef\u00e4hrdet, denn sie m\u00fcssen dann auch gegen ihre Interessen bez\u00fcglich einer Wiederwahl dem Fraktionszwang folgen (gl\u00fccklicherweise sind die meisten zu beschr\u00e4nkt, den Widerspruch zwischen Votum und dem, was ihre W\u00e4hler erwarten, auch nur zu begreifen). Aber die Karriere ist weniger gef\u00e4hrdet. Andererseits ist ein Parteisoldat auch entbehrlich. Bekommt die Partei weniger Stimmen, kommt er nicht mehr ins Plenum, und wenn er dort nur eine oder zwei Wahlperioden erlebt hat, landet er trotz 12.000 \u20ac im Monat nach einiger Zeit dort, wo er hingeh\u00f6rt: n\u00e4mlich in Hartz IV. Die Versorgung ist n\u00e4mlich bewusst im Gegensatz zu den Di\u00e4ten bei Kurzzeitabgeordneten nicht so \u00fcppig, dass der Parteisoldat nicht weiter emsig in seiner Rolle aufgehen muss. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier kann man ihn kaufen. Auf zwei Arten: direkt oder \u00fcber eine Parteispende. Ziel ist, dass er bei bestimmten Entscheidungen eine bestimmte Position einnimmt. Erinnern wir uns daran, dass er spuren muss. Ist er bereits in einer Position in der Influenzerhierarchie, in der er das eine oder andere entscheiden darf, kann man ihn direkt kaufen. Ist er das nicht, kann man \u00fcber eine Parteispende seine Influenzer kaufen, die ihm dann die entsprechende Entscheidung genehmigen. Und daf\u00fcr sorgen, dass durch einen besseren Listenplatz die Karriere besser gesichert ist. Und ist man hoch genug, besteht das &#8222;<em>Kaufen eines Parteisoldaten<\/em>&#8220; in Beratervertr\u00e4gen und sonstigen P\u00f6stchen, stets mit dem Ziel, dass das Geld, das man als Geldgeber da investiert, weiterhin vermehr wird, indem der Influenzer weiter influenzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das System ist wasserdicht. Nur wenn man peinlichst das beschlie\u00dft, was der jeweilige Geldgeber m\u00f6chte, bleibt man im System. Irgendwelche Prinzipien oder Skrupel sind da absolut karrieret\u00f6dlich. Denn diese Leute wissen selbst: wenn sie abst\u00fcrzen, ist der Absturz total, weil sie f\u00fcr andere Sachen v\u00f6llig und absolut ungeeignet sind. Mitspielen und Informationen sammeln, mit denen man andere Influenzer oder selbst Geldgeber daran erinnern kann, dass sich sich auch selbst schaden k\u00f6nnen, wenn sie einen fallen lassen, ist die einzige Chance, nicht vor die Hunde zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also vergessen Sie, dass Demokratie und die damit verbundenen Wahlen irgendetwas bewirken k\u00f6nnen. Vergessen Sie, dass da Leute sitzen, die auch nur einen Fliegenschiss auf das Allgemeinwohl geben. Vergessen Sie Wahlversprechen besser noch schneller, als diese Leute Sie anl\u00fcgen k\u00f6nnen. Sie l\u00fcgen ja noch nicht mal. Heute absolut \u00fcberzeugend von dem Gegenteil dessen \u00fcberzeugt zu sein, von dem man gestern absolut \u00fcberzeugend \u00fcberzeugt war, geh\u00f6rt zur Standardausr\u00fcstung. Solche Leute w\u00fcrden ihre Oma nicht nur ohne Skrupel ans n\u00e4chste Bordell verkaufen, sie w\u00fcrden sie sogar gleichzeitig an mehrere Bordelle verkaufen. Gemacht wird das, was der derzeitige oberste Geldgeber m\u00f6chte, und wenn man wissen m\u00f6chte, warum alles so beschissen l\u00e4uft, sollte man besser danach forschen, wer in welcher Form profitiert und wie man sich selbst eine Scheibe abschneiden kann, anstatt zu hoffen, \u00fcber &#8222;seinen Abgeordneten&#8220; irgendetwas erreichen zu k\u00f6nnen. Demokratie ist keine Teilhabe, Demokratie ist ein Auswahlverfahren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die Alternative zur Demokratie ist das &#8222;Guter-K\u00f6nig&#8220;-Prinzip, also ein Herrscher, der sagt, wo es lang geht, ohne dass einem durch Floskeln wie &#8222;Demokratie&#8220; Sand in die Augen gestreut wird. Der &#8222;gute K\u00f6nig&#8220; ist allerdings eine Lotterie: es gibt &#8222;gute K\u00f6nige&#8220;, die etwas f\u00fcr ihr Land und ihre Leute tun<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th>Name<\/th><th>Land<\/th><th>Dauer<\/th><th>Ergebnis<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Pharao Hatschepsut<\/strong><\/td><td>\u00c4gypten<\/td><td><\/td><td>keine Kriege, Handel<\/td><\/tr><tr><td><strong>Friedrich II. (Preu\u00dfen)<\/strong><\/td><td>1740\u20131786<\/td><td>46 Jahre<\/td><td><strong>Religionsfreiheit<\/strong>, <strong>Rechtsstaat<\/strong>, <strong>Bildung<\/strong>, <strong>Ackerbau<\/strong><\/td><\/tr><tr><td><strong>Lee Kuan Yew<\/strong><\/td><td>Singapur<\/td><td>1959\u20131990<\/td><td><strong>Von Dritte-Welt \u2192 Weltspitze in 30 Jahren<\/strong><\/td><\/tr><tr><td><strong>Josip Broz Tito<\/strong><\/td><td>Jugoslawien<\/td><td>1943\u20131980<\/td><td><strong>Multiethnischer Frieden<\/strong>, <strong>Industrialisierung<\/strong>, <strong>Non-Block-Politik<\/strong><\/td><\/tr><tr><td><strong>Bhumibol Adulyadej<\/strong><\/td><td>Thailand<\/td><td>1946\u20132016<\/td><td><strong>Landreform<\/strong>, <strong>Millionen aus Armut<\/strong>, <strong>kein B\u00fcrgerkrieg<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf die Liste k\u00f6nnte man ohne Probleme auch noch Putin oder Xi setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bl\u00f6de an Lotterien ist, dass es mehr Nieten als Gewinne gibt. Tritt der &#8222;gute K\u00f6nig&#8220; ab, muss der n\u00e4chste das nicht fortsetzen, sondern kann sich auch aus Riesenarschloch erweisen. Nicht selten ist genau das der Fall.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Und wenn Sie ihn kennen w\u00fcrden, w\u00fcrden Sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit w\u00fcnschen, ihn nicht zu kennen. Es sei denn, sie wollen etwas und haben gen\u00fcgend Geld, ihn zu kaufen. 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