{"id":1145,"date":"2017-11-04T08:22:29","date_gmt":"2017-11-04T07:22:29","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1145"},"modified":"2017-11-04T08:22:29","modified_gmt":"2017-11-04T07:22:29","slug":"imetoo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2017\/11\/04\/imetoo\/","title":{"rendered":"#IMeToo"},"content":{"rendered":"<p>Man l\u00e4chelt ja gerne \u00fcber die verklemmte Zeit des viktorianischen 19. Jahrhunderts, als Eheleute sich siezten und St\u00fchle mit Burka auftraten, da unverh\u00fcllte Stuhlbeine angeblich sexuelle Gel\u00fcste ausl\u00f6sten. <!--more-->Nach dem freiz\u00fcgigen Zwischenspiel von Flower-Power und Freificken, das selbst bei Bonobos Erstaunen ausgel\u00f6st h\u00e4tte, sind wir nun wieder in einer Zeit angelangt, in der sich die Merkw\u00fcrdigkeiten die Klinke in die Hand geben.<\/p>\n<p>Kaum einer dieser steifen ARD- oder ZDF-Krimis, in dem sich nicht wie in fast jeder Werbesendung f\u00fcr Aknemittel zwei M\u00e4ner oder zwei Frauen gegenseitig die Zunge in den Hals stecken, und st\u00f6sst man beim Zappen auf einen dieser kulturell wertvollen Sender mit einer \u00dcbertragung einer modernen Schauspielinszenierung eines Schiller-Dramas, so ist das zwar nicht krebs-, aber oft ekelerregend, und man fragt sich, wo eigentlich noch die Unterschiede zwischen seri\u00f6sen Schauspielern und Porno-Darstellern liegen. Frauen (und auch M\u00e4nner) bretzeln sich in der \u00d6ffentlichkeit lasziv auf, so dass man, wenn man nach einem Vergleich sucht, schon die minoische Kultur Kretas bem\u00fchen muss, in der Frau barbusig auftrat, oder Alt\u00e4gypten, in dem die Kunst des stofflichen Nichts wohl auch sehr gepflegt wurde. Sch\u00f6nheitsk\u00f6niginnen von den hinteren R\u00e4ngen h\u00fcpfen schratm\u00e4\u00dfig mit nacktem Oberk\u00f6rper und wippenden sekund\u00e4ren Geschlechtsmerkmalen \u00fcber Kirchpl\u00e4tze, um gegen z\u00f6libat\u00e4res Festhalten in der katholischen Kirche zu protestieren. Aber wehe, man nimmt das so, wie es sich darstellt.<\/p>\n<p>Da is die Journalistin, die sich nach Gesch\u00e4ftsschluss an den Politiker an der Bar heranmacht, dann aber statt politischer Geheimnisse zu h\u00f6ren bekommt, sie habe eine respektable Oberweite. Nun, die muss ja nun wohl auch so pr\u00e4pariert worden sein, dass man sie unm\u00f6glich \u00fcbersehen kann, aber was macht die Dame? &#8222;Ooh &#8230; Ich bin sexuell bel\u00e4stigt worden &#8230; So ein Scheusal &#8230; &#8220; (das Ganze im Tonfall von R\u00fcdiger Hoffmann). Und auch die z\u00fcchtige Dame, die anscheinend vom Schrank in ihre Hose springen musste, weil sie sonst nicht hineingekommen w\u00e4re, und die trotzdem im Bund nicht so hoch reicht, dass man nicht erkennen k\u00f6nnte, ob eine Intimrasur vorliegt oder nicht (das Top h\u00f6rt kurz unter den Brustwarzen auf), f\u00fchlt sich sexuell bel\u00e4stigt, wenn man\/Mann hinter ihr herpfeift (M\u00e4nner sind da schon ehrlicher: Wenn sie so rumlaufen, soll auch gepfiffen werden). Sexuelle Bel\u00e4stigung hier, sexuelle Bel\u00e4stigung dort, und nach ein nicht ernst zu nehmenden, aber von Feministinnen und m\u00e4nnlichen Frauenverstehern nat\u00fcrlich toternst genommenen Studien ist mindestens jede dritte Studentin, vermutlich sogar jede dritte Frau bereits Opfer sexueller Bel\u00e4stigung geworden. Und im Moment tobt mit der Weinstein-Geschichte mal wieder die Sau durch die Medienlandschaft.<\/p>\n<p>Was diese Leute nicht begreifen: Sie vergiften nur die Athmosph\u00e4re und tun denjenigen, die wirklich bel\u00e4stigt oder schlimmeres werden, einen B\u00e4rendienst. Ein paar Worte: sexuelle Bel\u00e4stigung! Oder nicht eher ein intellektuelles Armutszeugnis? Verbal kann man doch ebenfalls austeilen. Hinterherpfeifen oder nachgaffen: sexuelle Bel\u00e4stigung! Auch das kann man erwidern. Hand auf dem Po oder am Bein: sexuelle Bel\u00e4stigung! Gut, k\u00f6nnte situationsbereinigt eine sein, aber ein versehentlicher Ellenbogensto\u00df d\u00fcrfte einem zu nahe gekommenen erheblich gr\u00f6\u00dferen Schaden zuf\u00fcgen. Der B\u00e4rendienst liegt darin, alles auf eine Eben zu nivellieren, und der Ruf &#8222;Hallo Schnecke!&#8220; hat auf einmal das gleiche Gewicht wie eine versuchte oder ausgef\u00fchrte Vergwaltigung oder N\u00f6tigung \u00e0 la Weinstein. Personen, die Krebs haben, d\u00fcrften sich mit Recht verarscht vorkommen, wenn jemand anderes eine Blase am Fu\u00df von zu engen Schuhen als gleichwertiges Leiden ausgibt, und genau das wird mit &#8222;sexueller Bel\u00e4stigung&#8220; gerade gemacht. Verschlimmert wird es meist auch noch damit, dass Dritte sich ungefragt einmischen. Wenn ein Kommentator in der ZEIT auf einer ganzen Seite fordert, zwischenmenschlichen Verkehr per schriftlichem Vertrag abzusichern und das anscheinend auch noch so meint, und zwar aus feministischer Sicht, dann sind wir wohl wieder in den verkniffenen Zeiten des 19. Jahrhunderts angekommen.<\/p>\n<p>Schlimmer wird die Sache noch durch die Schariagerichtsbarkeit, die inzwischen auf diesem Gebiet herrscht. Kindersch\u00e4nder oder Frauenm\u00f6rder? Ja, da muss man doch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die schwere Kindheit des T\u00e4ters haben, besonders wenn er ein Ausl\u00e4nder ist. Falsches Wort benutzt oder den K\u00f6rper ber\u00fchrt? Da wird inzwischen noch nicht einmal gepr\u00fcft, ob das stimmt. In einem ordentlichen Gerichtsverfahren w\u00fcrden sich Kl\u00e4ger und Beschuldigter Auge in Auge gegen\u00fcber stehen m\u00fcssen, in der Sexualscharia ist eine Verteidigungsm\u00f6glichkeit schlicht nicht vorgesehen. Arbeitgeber und gesellschaftliches Umfeld schlie\u00dfen den Beschuldigten schlicht aufgrund irgendwelcher Behauptungen aus, die in manchen F\u00e4llen noch nicht einmal von der Betroffenen selbst stammen, sondern von selbst ernannten H\u00fctern der Moral, die das selbst nur ger\u00fcchteweise geh\u00f6rt haben. Rechtsstreit? So weit kommt es gar nicht. Peinlich, wenn es doch dazu kommt und sich dann in einem signifkanten Teil der F\u00e4lle herausstellt, dass es sich um falsche Behauptungen handelt. Denn auch dazu &#8211; jemandem eins auszuwischen &#8211; eignet sich die Scharia hervorragend. Josef Joffe berichtet in der ZEIT, dass das selbst bis zur Zensur von B\u00fcchern namhafter Wissenschaftler geht.<\/p>\n<p>Ich habe kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Hype, insbesondere nicht f\u00fcr den vorauseilenden politischen Gehorsam der Weicheifraktion. Wo etwas dran ist, geh\u00f6rt das abgestraft, aber zumindest pr\u00fcfen muss man. Aber <strong>#IMeToo<\/strong> . Ich habe mich neulich vor lachen auf den Schenkel geschlagen. Politisch korrekt muss ich mich jetzt der autosexuellen Bel\u00e4stigung zeihen und mich mobben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man l\u00e4chelt ja gerne \u00fcber die verklemmte Zeit des viktorianischen 19. Jahrhunderts, als Eheleute sich siezten und St\u00fchle mit Burka auftraten, da unverh\u00fcllte Stuhlbeine angeblich sexuelle Gel\u00fcste ausl\u00f6sten. 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