{"id":1138,"date":"2017-10-31T08:41:09","date_gmt":"2017-10-31T07:41:09","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1138"},"modified":"2017-10-31T08:48:30","modified_gmt":"2017-10-31T07:48:30","slug":"reformationstag-was-gibts-da-zu-feiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2017\/10\/31\/reformationstag-was-gibts-da-zu-feiern\/","title":{"rendered":"Reformationstag? Was gibt&#8217;s da zu feiern?"},"content":{"rendered":"<p>Vor 500 Jahren nagelte Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirchent\u00fcr in Wittenberg &#8211; Anlass zu einem bundesweiten Feiertag. &#8222;Luther und seine Mitstreiter leiteten die Spaltung der Kirche in Reformierte und Katholiken ein&#8220;, so ein bekannter \u00d6R-Sender. Quatsch!<!--more--><\/p>\n<p>Abgesehen von Adlatus Melanchthon hatte Luther keine Mitstreiter, und er war auch nicht der erste oder einzige. Nach dem Supergau der katholischen Kirche im 12. Jahrhundert &#8211; der Gott Mohammeds hatte den Gott Jesus`besiegt &#8211; taten sich vermehrt Zweifel an der katholischen Kirche auf. Abweichler wie Albigenser oder Katharer (teilweise gab es die schon vorher) wurden aber im wahrsten Sinne des Wortes ausgerottet. Eine Reihe von Ordensgr\u00fcndern waren geschickter und unterstellten sich Rom. Die franz\u00f6sischen K\u00f6nige hatten es verstanden, sich in ihrem Bereich das Sagen zu beschaffen, ohne mit Rom zu brechen, die englischen K\u00f6nige verschafften sich eine Staatskirche. In England wirkten weitere Aufkl\u00e4rer wie Wycliff, in B\u00f6hmen kam es mehrfach zu Abspaltungen, am wirkungsm\u00e4chtigsten Johannes Hus, dessen Anh\u00e4nger, die Hussiten, gar nicht so einfach nieder zu kn\u00fcppeln waren.<\/p>\n<p>Nach diesen Vorl\u00e4ufern kommt die Zeit Luthers, neben Calvin, Zwingli, Erasmus und einigen lokalen Putschisten gegen die katholische Kirche, vorzugsweise in der Schweiz und in den Niederlanden. Keineswegs &#8222;Mitstreiter&#8220; Luthers. Sie wachten eifers\u00fcchtig \u00fcber ihren Gottesstaat, und vielfach war dieser auch nicht sehr vom heutigen IS zu unterscheiden. Man benahm sich auch sehr christlich und f\u00fchrte Glaubenskriege gegeneinander. Zwingli zettelte beispielsweise in der Schweiz Kriege mit dem Ziel der Zwangsreformation an und wurde w\u00e4hrend der Schlacht bei Kappel gefangen, get\u00f6tet, zerst\u00fcckelt, die Reste verbrannt und in den Fluss geworfen, die Asche dem Wind \u00fcberlassen. Wie gesagt, alle waren \u00fcberaus christlich.<\/p>\n<p>Nun, ersparen wir uns die christlichen Details zu den &#8222;Mitstreitern&#8220;. Es gibt zwar DIE katholische Kirche, aber keine reformierte Kirche, sondern viele, die sich untereinander obendrein spinnefeind waren oder noch sind. Damit haben wir schon mal eine Fake News korrigiert. Kommen wir etwas mehr zu Luther selbst.<\/p>\n<p>Dem drohte das gleiche Schicksal wie Hus: Durch den Kaiser unter Wortbruch verraten endete der auf dem Scheiterhauf in Konstanz (auch eine christliche Tugend, die Katholiken und Reformierte pflegten: Leute verbrennen. Nat\u00fcrlich nur H\u00e4retiker, also solche mit anderem Glauben. Wenn sie erwischt wurden, konnten sie abschw\u00f6ren &#8211; dann wurden sie vor dem Verbrennen mit der Garotte erw\u00fcrgt &#8211; oder eben nicht, dann sparte man sich das mit der Garotte). Inzwischen hatten aber einige Landesf\u00fcrsten, nicht zuletzt auch durch die anderen Beispiele, erkannt, welche Chance sich bot, wenn man Leute wie Luther unterst\u00fctzte: Endlich Herr im eigenen Land ohne die katholische Kirche, die neben dem Geldabfluss auch gleich die Spionageabteilung f\u00fcr den Kaiser organisierte. Die Kulmination dieser Machtpolitik, den 30-j\u00e4hrigen Krieg, m\u00fcssen wir hier nicht kolportieren, aber Luthers Landesherr hielt seine Hand \u00fcber den aufm\u00fcpfigen Reformator.<\/p>\n<p>Und der war im Weiteren auch recht erfolgreich, was er zu einem guten Teil seiner \u00fcberaus gesch\u00e4ftst\u00fcchtigen Frau, einer weggelaufenen Zwangsnonne, zu verdanken hatte. Luther war mit dieser Beziehung in einer Zwangslage. Die Reformierten waren allgemein nicht weniger pr\u00fcde als die Katholiken: Geschlechtsverkehr lenkte nur vom Wesentlichen ab, und wenn man dann einer im Bett wohl recht \u00fcberzeugenden wie Frau Luther begegnete und neben den geistigen Erg\u00fcssen auch andere hatte, war das peinlich. Nat\u00fcrlich waren die Frauen daran Schuld, dass die M\u00e4nner \u00fcberall ihren &#8230; und so verketzerte Luther mehr und mehr die Frauen und stand schlie\u00dflich den verbalen Exzessen, die von der katholischen Kirche seit eh betrieben wurden und heute im Islam immer noch pr\u00e4sent sind, in nichts nach. Luther war auch fest von der Existenz von Hexen (und Zauberern) \u00fcberzeugt und hatte auch wenig gegen Hexenverfolgungen (eher im Gegenteil), die in der weiteren Geschichte unisono von Katholiken und den verschiedenen Reformierten durchgef\u00fchrt wurden. Luthers Schriften \u00fcber Hexen und Zauberer lesen sich nicht anders als der Melleus maleficarum, die &#8222;Strafma\u00dfnahmen&#8220; dagegen auch nicht, und die letzte Hexe landete schlie\u00dflich auf einem &#8222;reformierten&#8220; Scheiterhaufen.<\/p>\n<p>Luther merkte auch schnell, weshalb er nicht brannte, und kippte auch genauso schnell in seiner Meinung um. Er sorgte daf\u00fcr, dass Leute &#8222;zweifelhaften Glaubens&#8220;, deren Loyalit\u00e4t f\u00fcr seinen Besch\u00fctzer zweifelhaft waren, von ihren Posten ohne gro\u00dfe Proteste anderer entfernt werden konnten, und hob auch sein Verbot der Todesstrafe bald wieder auf, forderte sie schlie\u00dflich sogar. Einen gro\u00dfen Verrat beging er an seinen Anh\u00e4ngern unter der Landbev\u00f6lkerung, die aufgrund seiner Schriften mehr Rechte von den Landesherren forderten. Die diskutierten aber nicht, sondern schlugen die Bauern zusammen, was schlie\u00dflich zu mehreren Bauernkriegen mit ca. 70.000 Opfern alleine in S\u00fcddeutschland f\u00fchrte. Luther verga\u00df prompt seine 95 Thesen, erkl\u00e4rte die Bauern f\u00fcr Terroristen und billigte das Zusammenschie\u00dfen der schlecht bewaffneten Bauernhaufen auch unter Verrat.<\/p>\n<p>Genauso schnell wandte sich Luther von den Juden, denen er anfangs neutral gegen\u00fcber stand, ab und verfasste eine Reihe von Schriften, die in Julius Streichers &#8222;Der St\u00fcrmer&#8220; regelm\u00e4\u00dfig auf der Titelseite gelandet w\u00e4ren. Noch im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert, als nach den napoleonischen Eroberungen und S\u00e4kularisierungen wenig \u00e4u\u00dferer Grund mehr daf\u00fcr vorhanden war, konnte sich der kaiserliche Hofprediger Adolf Stoecker in seinen antisemitischen Verbalexzessen gem\u00fctlich auf Luther zur\u00fcckziehen, und auch dem starken Antisemitismus der P\u00e4pste in dieser Zeit bis hin zu Hitler passte der reformierte Antisemitismus recht gut in den Kram.<\/p>\n<p>Was haben wir also zu feiern mit dem Reformationstag? Ein genauso rigides Unterdr\u00fcckungsregime wie das der katholischen Kirche? Allerdings mit der Verbesserung, dass man das Land wechseln konnte, wenn man das Pogrom \u00fcberlebte, nat\u00fcrlich unter Zur\u00fccklassung alles Eigentums (das Unrecht des NS-Staates an den Juden war jahrhundertelange europ\u00e4ische Praxis auch an Christen; einenSonderstatus der Juden gibt es in dem Sinn nicht). Hexenwahn, Frauenfeindlichkeit, Judenfeindlichkeit ohne merklichen Unterschied zu vorher? Noch mehr &#8222;Glaubenskriege&#8220; mit in Summe Millionen von Toten? Eine zweite &#8222;bessere&#8220; Kirche, die ebenso wie die katholische Kirche Waffen segnet und Kriege f\u00fcr gerechtfertigt erkl\u00e4rt?<\/p>\n<p>Sorry, das einzige, was es zu feiern gibt, ist, dass der Bursche schon so lange tot ist. Nach dem 2. WK hat die Bedeutung der Kirchen gl\u00fccklicherweise stark abgenommen, und wir haben wirklich zeitweise die Glaubesfreiheit erlebt, die manchen der franz\u00f6sischen Revoluzzern von 1789 vorschwebte. Und was machen wir? Wir lassen zu, dass Glauben, also professionelle Ignoranz und Dummheit, wieder immer st\u00e4rkeren Einfluss erh\u00e4lt. Und da die christlichen Kirchen irgendwie ausgeschissen haben, muss es nun die n\u00e4chste mittelalterliche Religion bringen, der Islam. Man muss den Glauben eines arabischen R\u00e4uberhauptmanns achten, dessen Mittelpunkt ein heidnischer Altar in Mekka ist (Zentralheiligtum des Gottes Hubal), und vorsichtig sein, wenn man bezweifelt, dass die Erde eine Scheibe ist und Frauen nur ein halb so gro\u00dfes Gehirn haben wie M\u00e4nner und deshalb nicht Auto fahren k\u00f6nnen. Und in den USA gipfelt das Wiedererstarken des Glaubens darin, dass Evolutionstheorie und die biblische Genesis gleichberechtigt nebeneinander gelehrt werden.<\/p>\n<p>Eigentlich ist der Reformationstag kein Feiertag, sondern ein Trauertag &#8211; Trauer \u00fcber die Dummheit der Menschen. Es ist schon Tradition, dass man den Blick bei der Suche nach Intelligenz stets nach oben in Richtung Weltall lenkt. Warum wohl?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[Quelle u.a. Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 8]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 500 Jahren nagelte Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirchent\u00fcr in Wittenberg &#8211; Anlass zu einem bundesweiten Feiertag. &#8222;Luther und seine Mitstreiter leiteten die Spaltung der Kirche in Reformierte und Katholiken ein&#8220;, so ein bekannter \u00d6R-Sender. Quatsch! 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