{"id":1115,"date":"2017-10-01T11:48:11","date_gmt":"2017-10-01T09:48:11","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1115"},"modified":"2017-10-01T11:48:11","modified_gmt":"2017-10-01T09:48:11","slug":"abzocken-von-reichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2017\/10\/01\/abzocken-von-reichen\/","title":{"rendered":"Abzocken von Reichen"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die moderne Kunst habe ich ein ziemlich eingeschr\u00e4nktes Verst\u00e4ndnis. Wenn ich meine Werkbank nicht aufr\u00e4ume, liegt das Werkzeug f\u00fcr ein paar hundert Euro herum, <!--more-->wenn ein so genannter K\u00fcnstler auf die gleiche Idee kommt &#8211; n\u00e4mlich mal nicht aufzur\u00e4umen &#8211; soll das gleich das 10-fache Wert sein, obwohl der vermutlich weniger gut mit dem Werkzeug umgehen kann?<\/p>\n<p>&#8222;Kunstexperten&#8220; verfallen bei modernen Kunstwerken nicht selten in Verbalorgasmen, deren Qualit\u00e4t die Vermutung aufkommen l\u00e4sst, dass Pampers eine neue unauff\u00e4llige Erwachsenenwindel erfunden hat, die die Hose trocken h\u00e4lt. Bekanntlich ist &#8222;einzigartig&#8220; nicht steigerbar, dort wird aber bei &#8222;einzigartiger&#8220; und &#8222;einzigartigster&#8220; gar nicht erst Halt gemacht, sondern direkt weiter zum &#8222;allereinzigartigsten aller Zeiten&#8220; weiter gesteigert, sozusagen zum superlativsten Superlativ einer superlativen Zeitskala. Die meisten Kunstwerke sind allerdings von einer Form, dass man vom Ordnungsamt postwendend eine bu\u00dfgeldbewehrte Aufforderung erh\u00e4lt, den M\u00fcll umgehend zu entsorgen, k\u00e4me man ohne &#8222;Kunstexperten&#8220; auf die Idee, so etwas hinzustellen.<\/p>\n<p>Wie zu Wissen, wie der Kunstmarkt funktioniert, und um gleichzeitig sein eigenes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Kunst zweckm\u00e4\u00dfigerweise auf Null zu entsorgen, kann man seit einiger Zeit die Rubrik Kunstmarkt in der ZEIT konsultieren. Nach einigen Folgen stellt man fest: War man fr\u00fcher noch gezwungen, Polit-Talkshows oder Psychiater zu konsultieren oder in den d\u00fcsteren Tiefen des Darknet nach verbotenen Pornoseiten zu suchen, um herauszubekommen, was der Begriff &#8222;pervers&#8220; bedeutet &#8211; heute gen\u00fcgt das Lesen der ZEIT-Rubrik.<\/p>\n<p>Kunst wird medienbekannt zu horrenden Preisen gehandelt. Was aber vermutlich nur wenige wissen: Verdienen tun am ganzen Schwindel nur die Auktionsh\u00e4user und, vielleicht etwas verhaltener, die Galeristen, ggf. auch der eine oder andere K\u00fcnstler, der von diesen Institutionen als &#8222;bedeutend&#8220; gehandelt wird und das Gl\u00fcck hat, noch zu leben. Von den erzielten Zuschlagspreisen kassieren die Auktionsh\u00e4user vom Verk\u00e4ufer und von K\u00e4ufer Geb\u00fchren, die nicht selten fast die H\u00e4lfte dieser Summe ausmachen. Entsprechend ist der Begriff &#8222;Geldanlage&#8220; f\u00fcr Kunstwerke eine glatte L\u00fcge, denn der Verlust beim Kauf muss ja erst mal reingeholt werden, inklusive den Geb\u00fchren beim Verkauf. Was Kunst ist, bestimmen aber weder K\u00e4ufer noch Verk\u00e4ufer noch K\u00fcnstler, das bestimmen die, die daran verdienen. Niemand kann gegen deren Expertise verkaufen, niemand wird gegen deren Expertise kaufen.<\/p>\n<p>Damit das Gesch\u00e4ft weiter l\u00e4uft, m\u00fcssen die Preise also steigen, sonst ist es schnell zu Ende mit der Kunst. Zum Gl\u00fcck wird die Zahl der Reichen und Superreichen immer gr\u00f6\u00dfer. Das andere Steuerungsinstrument ist Marktverkanppung: Je weniger K\u00fcnstler und Werke &#8222;bedeutend&#8220; sind, desto kleiner ist der Markt und desto h\u00f6her sind die Preise. Galeristen und Auktionsh\u00e4user steuern aus Selbstzweck den Kunstmarkt, indem sie die Zahl der &#8222;bedeutenden K\u00fcnstler&#8220; knapp halten. Nicht das Werk z\u00e4hlt, sondern der Markt und der Zufall, wenn man man wieder was braucht, auf was die Deppen bieten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Beruhingend an ganzen Rummel: <strong>Im Gegensatz zum gebr\u00e4uchlichen Usus, den kleinen B\u00fcrger auszupl\u00fcndern, werden hier die Reichen und Superreichen von der Kunstmafia abgezockt.<\/strong> Damit k\u00f6nnte man sich ja beruhigt zur\u00fcck legen. Sollte man aber nicht! Auch Steuergelder werden nach meiner Ansicht in einem viel zu hohen Ma\u00df auf diesem Gebiet verpulvert. Fragt euch beim n\u00e4chsten \u00fcberteuerten Kunstwerk doch mal, ob es euch oder anderen wirklich gef\u00e4llt oder manche Leute dem nur hinterher hecheln, weil sie aus irgendwelchen Minderwertigkeitsgef\u00fchlen irgendwo dazu geh\u00f6ren wollen, und sei es nur auf dem Markt hohler Worth\u00fclsen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die moderne Kunst habe ich ein ziemlich eingeschr\u00e4nktes Verst\u00e4ndnis. 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