{"id":11040,"date":"2024-10-14T07:37:00","date_gmt":"2024-10-14T05:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=11040"},"modified":"2024-10-10T10:20:57","modified_gmt":"2024-10-10T08:20:57","slug":"israel-mythos-und-realitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2024\/10\/14\/israel-mythos-und-realitaet\/","title":{"rendered":"Israel: Mythos und Realit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Gott hat dem Volk der Juden das Land Israel versprochen und zugewiesen. Das Volk der Juden wurde gewaltsam aus dem von Gott verliehenen Land vertrieben und hat daher jedes Recht, es wieder in Besitz zu nehmen<\/em> &#8211; so lautet vereinfacht das Credo, mit dem zur Zeit jedes Verbrechen der israelischen Regierung gegen die Menschlichkeit als gerechtfertigt begr\u00fcndet wird.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Man beruft sich im Wesentlichen darauf, was f\u00fcr Christen im &#8222;Alten Testament&#8220; der Bibel steht. Man kann nun glauben, ob da wirklich etwas G\u00f6ttliches am Werk war oder nicht (wobei Letzteres, also Unglauben, in Schland inzwischen gef\u00e4hrlich wird), aber zumindest sollte man erwarten k\u00f6nnen, dass die Pr\u00fcfung des Credos, das den israelischen Staatsgr\u00fcndungsmythos darstellt, nicht auf eklatante Widerspr\u00fcche st\u00f6\u00dft. Will man dem etwas auf den Grund gehen, muss man sich im wesentlichen mit 4 Sachen besch\u00e4ftigen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Den kanonischen B\u00fcchern der Religion, auf die man sich beruft.<\/li><li>Auf arch\u00e4ologische Befunde, mit denen man die Darstellungen in den kanonischen B\u00fcchern vergleichen kann.<\/li><li>Mit Berichten benachbarter Kulturen zu den gleichen Vorg\u00e4ngen.<\/li><li>Mit den technisch-wirtschaftlich-soziologischen Gegebenheiten der beschriebenen Zeiten, anhand derer man pr\u00fcfen kann, ob solche Vorg\u00e4nge \u00fcberhaupt m\u00f6glich sind.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Beginnen wir mit 1. Bei religi\u00f6sen Texten und daraus abgeleiteten Geboten und Gebr\u00e4uchen ist nur in Ausnahmef\u00e4llen bekannt, wer sie wann und mit welcher Absicht erfasst hat. Das f\u00fchrt zu inneren Widerspr\u00fcchen, die selbst bei oberfl\u00e4chlichem Nachdenken auffallen und vorsichtig machen sollten. Selbst ansonsten sehr kritische Menschen sind aber in Bezug auf religi\u00f6se Texte oft auf beiden Augen v\u00f6llig blind. Es w\u00e4re am\u00fcsant, dem mit dem einen oder anderen Beispiel nachzugehen, aber wir beschr\u00e4nken uns auf das Thema der \u00dcberschrift.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Versprechen des Landes als Eigentum der Juden wird aus Moses zur\u00fcckgef\u00fchrt, der in einem in vielen cineastischen Monumentalschinken breit getretenen Action-Drama die Juden aus der \u00e4gyptischen Gefangenschaft befreit hat. Hier st\u00f6\u00dft man schnell auf Probleme: die \u00e4gyptische offizielle Chronik, die selbst das Patt der Schlacht von Kadesh mit den Hethitern in eine totalen Sieg von Ramses umgedeutet und auch sonst \u00fcber jeden Furz im Pharaonenreich berichtet hat, wei\u00df ausgerechnet davon absolut nichts, ebenso wie die Quellen anderer V\u00f6lker, die betroffen gewesen sein m\u00fcssen, fallen Horden mit der Behauptung &#8222;das geh\u00f6rt alles uns&#8220; \u00fcber sie her. Hinzu kommt, dass es aufgrund der damaligen wirtschaftlichen M\u00f6glichkeiten v\u00f6llig unm\u00f6glich war, eine derartige Menschenmenge, wie es behauptet wird, \u00fcber lange Zeit unentdeckt &#8222;durch die W\u00fcste&#8220; zu f\u00fchren. Aus \u00e4gyptischer Sicht war Moses wohl eher ein Furz, der nicht stinkt und deshalb im Bericht fehlt und der Rest sieht eher nach &#8222;Ali Baba und die 40 R\u00e4uber&#8220; als nach einem &#8222;Moses und ein ganzes Volk 40 Jahre in der W\u00fcste&#8220; aus. Hat Gott einer mutma\u00dflich kleinen R\u00e4uberbande gleich ein ganzes Land versprochen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie dem auch sei, irgendwie hatte das Unternehmen Erfolg, bis es die Babylonier ver\u00e4rgerte, die das gro\u00dfartige und monumentale Reich Salomons und seiner Nachfolger samt seiner Prachtbauten in Schutt und Asche legte und die Einwohner zwangsweise entf\u00fchrte. Da tun sich gleich die n\u00e4chsten Probleme auf: zun\u00e4chst einmal gibt es auch hier keine arch\u00e4ologische Befunde f\u00fcr das, was \u00fcber das salomonische Reich behauptet wird. Die vorhergehenden Perioden haben im Boden ihre Spuren hinterlassen, die nachfolgende auch, aber sind die Geschichten \u00fcber die Gro\u00dfartigkeit des 1. Tempels und sonstigen Prachtbauten ein Fake? Und nach der babylonischen Aktion war das Land weiterhin bewohnt und wurde bebaut. Wie geht das, wenn das komplette Volk entf\u00fchrt wurde? Schlie\u00dflich gab es beim damaligen Stand der Landwirtschaft eine enge Korrelation zwischen Bev\u00f6lkerungsdichte und Landbestellung und auch die verkehrstechnischen M\u00f6glichkeiten, mal eben ein Volk gegen ein anderes auszutauschen, fehlten den Babyloniern. Schaut man sich deren Vorgehensweise an, sieht es so aus, dass sie einen Teil der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung mitnahmen, um weiterem \u00c4rger den intellektuellen Kopf abzuschlagen, ansonsten aber alles beim Alten lie\u00dfen. Die 1. Vertreibung hat folglich nicht statt gefunden und die St\u00e4dte entwickelten sich neu.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht viel anders verhielt es sich mit der &#8222;2. Vertreibung&#8220; durch die R\u00f6mer, die die Aufst\u00e4ndischen kurzerhand \u00fcber die Klinge springen lie\u00dfen, aber ansonsten alles beim Alten belie\u00dfen. Nur so ist erkl\u00e4rbar, dass die &#8222;Vertriebenen&#8220; 50 Jahre nach dem &#8222;j\u00fcdischen Krieg (66-74)&#8220; bereits wieder den Bar-Kochba-Aufstand inszenieren konnten. Also 1. Vertreibung nichts, 2. Vertreibung offenbar auch nichts. Und nun? <\/p>\n\n\n\n<p>Die Zusammenh\u00e4nge waren auch den offiziellen zionistischen Historikern klar, weshalb sie eine 3., diesmal endg\u00fcltige Vertreibung erfanden: die Muslime sind um 700 in Wellen \u00fcber das Land hergefallen und haben die Juden vertrieben. Obwohl sich das hartn\u00e4ckig h\u00e4lt, ist das wieder nichts: mobile Beduinen gehen nicht mal eben so zur b\u00e4uerlichen Lebensweise \u00fcber und auch sprachlich l\u00e4sst sich eine Abl\u00f6sung der Landessprachen durch das Arabische nicht nachweisen. Die (j\u00fcdischen) Bauern blieben &#8211; bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Juden wurden doch \u00fcber die Welt zerstreut! \u00dcberall gab es j\u00fcdische Gemeinden. Woher sollen die denn gekommen sein, wenn nicht durch Vertreibung? Dazu muss man im Charakter einer montheistischen Religion suchen. Die ist n\u00e4mlich nicht tolerant wie Religionen mit vielen G\u00f6ttern, bei denen es auf einen mehr oder weniger nicht ankommt. Monotheisten m\u00fcssen ihren Gott als einzigen noch existierenden durchsetzen und neigen dadurch zur Missionierung. Das Judentum machte da keine Ausnahme, wie ein Blick in die kanonischen B\u00fccher zeigt. J\u00fcdische Gemeinden entstanden in gro\u00dfer Zahl in hellenistischer und r\u00f6mischer Zeit \u00fcberall und das Judentum verbreitete sich. Also nichts mit Vertreibung, sondern Missionierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem kam dann zun\u00e4chst das Christentum in die Quere, gewisserma\u00dfen eine Art &#8222;Judentum light&#8220;. Die Konversion war deutlich simpler (eine Beschneidung, vom Judentum selbst bei Erwachsenen gefordert, war nicht notwendig) und das Regelwerk war erheblich einfacher. Konkurrenz belebt das Gesch\u00e4ft und nach dem H\u00f6hepunkt nahm die Zahl der Juden wieder ab. Hinzu kam, dass die r\u00f6mischen Kaiser erkannten, dass die Manipulation der Masse im Christentum wesentlich einfacher ist, und sie warfen den Juden den einen oder anderen Stein zwischen die F\u00fc\u00dfe. Die Zahl der Gemeinden schwand weiter und gleichzeitig isolierte sich das Judentum mehr von den anderen Religionen, um noch &#8222;auserw\u00e4hlter&#8220; zu erscheinen, als es schon behauptete. Ein psychologischer Trick. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Islam, gewisserma\u00dfen ein &#8222;Christentum light&#8220; mit noch einfacherer Konversion und noch einfacheren Regeln, reduzierte die Zahl der j\u00fcdischen Gemeinden weiter: Moslems mussten keine Steuer zahlen, was viele zum Konvertieren brachte (insbesondere in Jud\u00e4a, wo immer noch die Originaljuden sa\u00dfen), bis den Kalifen auffiel, dass auch die Steuereinnahmen einbrachen und sie die Regeln \u00e4nderten. Der daraus resultierende Endeffekt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die &#8222;Originaljuden&#8220; im Abstammungsgebiet waren bis auf Reste nun Moslems. Ethnisch hatte sich nichts ge\u00e4ndert, aber aus religi\u00f6ser Sicht waren die Juden &#8222;vertrieben&#8220;.<\/li><li>Die konvertierten in anderen Teilen des Reichs (also keine Vertriebenen, weil es die nie gab) waren ebenfalls bis auf Reste infolge der besser aufgestellten Konkurrenz geschrumpft.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Womit das Bild der &#8222;vertriebenen und in alle Welt verstreuten Juden&#8220; in sich schl\u00fcssig war, nur dass es \u00fcberhaupt nichts mit den behaupteten Gr\u00fcnden zu tun hatte. Nach fast 2000 Jahren und noch deutlich vor dem NS-Staat kam es dann zur zionistischen Bewegung, um &#8222;das versprochene Land&#8220; wieder zu erobern. Auch das alles wieder religi\u00f6s verbr\u00e4mt, weil das &#8222;Volk der Juden&#8220; f\u00fcr alle S\u00fcnden geb\u00fc\u00dft und sich damit wieder ein Recht auf das versprochene Land erworben hat. Nur mit dem kleinen Sch\u00f6nheitsfehler, dass es sich aufgrund der historischen Abl\u00e4ufe eher um die Reste einer &#8222;Religionsgemeinschaft der Juden&#8220; handelt, was man aber deren Mitgliedern kaum vermitteln kann. Kein Christ wird behaupten, mit anderen Christen zum Volk der Christen zu geh\u00f6ren, was ebenso f\u00fcr Muslime gilt, aber <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"beim Judentum st\u00f6\u00dft man dabei auch ideologisch gut begr\u00fcndete Widerst\u00e4nde (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2024\/10\/06\/der-merkwuerdige-staat-israel\/\" target=\"_blank\">beim Judentum st\u00f6\u00dft man dabei auch ideologisch gut begr\u00fcndete Widerst\u00e4nde<\/a>. Und so kommt es derzeit zu der paradoxen Situation, dass sich ein Staat Israel sengend und mordend alle M\u00fche gibt, die Reste der ethnisch den urspr\u00fcnglichen Juden am n\u00e4chsten stehenden Bev\u00f6lkerung zu beseitigen, um Platz f\u00fcr das Volk der Juden zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott hat dem Volk der Juden das Land Israel versprochen und zugewiesen. 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