{"id":1052,"date":"2017-07-24T09:29:54","date_gmt":"2017-07-24T07:29:54","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1052"},"modified":"2017-07-24T09:29:54","modified_gmt":"2017-07-24T07:29:54","slug":"was-man-ueber-ein-e-auto-wissen-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2017\/07\/24\/was-man-ueber-ein-e-auto-wissen-sollte\/","title":{"rendered":"Was man \u00fcber ein E-Auto wissen sollte"},"content":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung hat viel Geld bereit gestellt, um bis 2020 1 Million E-Autos auf die Stra\u00dfe zu bringen, die Hersteller setzen auf E-Autos und werfen dazu den Diesel aus dem Programm, Volvo sogar schon ab 2019. Doch anscheinend will keiner ein E-Auto haben. <!--more--><\/p>\n<p>Einer der Gr\u00fcnde ist der Preis. Im Vergleich f\u00e4ngt man etwa mit einem Audi A4 oder BMW 3i an, also typischen Mittelklassefahrzeugen, wie es so sch\u00f6n hei\u00dft. Schaut man allerdings in die Verkaufsstatistiken, scheint der Normalb\u00fcrger bereits bei diesen Fahrzeugen Probleme zu haben: laut ADAC werden Audi-Fahrzeuge nahezu vollst\u00e4ndig an die Gesch\u00e4ftswelt ausgeliefert, um erst nach Ablauf der Leasingzeit und dann zu Preisen, die eher dem Gef\u00fchl der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit des Privatk\u00e4ufers oder seinem Geldbeutel entspricht, in private H\u00e4nde \u00fcberzugehen. F\u00fcr einen VW-Passat-E zahlt man immerhin locker \u00fcber 50 k\u20ac. F\u00fcr das Geld bekommt man in vielen Gegenden Deutschlands bereits ein Grundst\u00fcck mit einem Haus darauf. Gebraucht-E-Fahrzeuge sind aber heute nicht erh\u00e4ltlich. Ein Gesch\u00e4ftmann zahlt \u00fcbrigens nur 40 k\u20ac, weil er sich die M\u00e4rchensteuer zur\u00fcckholen kann, und au\u00dferdem kann er den Rest abschreiben, spart also im Gro\u00dfen und Ganzen nochmals um die 50%, d.h. ihn kostet der 50 k\u20ac Schlitten nur etwas \u00fcber 20 k\u20ac, also das, was ein Privatmann problemlos investieren w\u00fcrde. Diese Steuerschere sollte man sich ebenfalls bewusst machen, wenn man auf die &#8222;gro\u00dfz\u00fcgige F\u00f6rderung&#8220; in H\u00f6he von 4 k\u20ac durch die Regierung schaut.<\/p>\n<p>Der andere Grund ist die Frage der Energieversorgung. Gesch\u00e4ftsleute sind oft Vielfahrer unter Zeitdruck &#8211; und das engt den m\u00f6glichen Kundenkreis stark ein, d.h. die Schiene Gesch\u00e4ftsfahrzeug -&gt; Privatfahrzeug wird allenfalls m\u00e4\u00dfig versorgt. Anschlie\u00dfend stellt sich das Problem des &#8222;Nachtankens&#8220;. Das beginnt mit unterschiedlichen Lades\u00e4ulen, die dazu f\u00fchren, dass man nicht \u00fcberall problemlos tanken kann. Zwar kann man vielleicht mit seinem E-Auto von Hamburg nach K\u00f6ln fahren, aber m\u00f6glicherweise l\u00e4sst einen der Stroms\u00e4ulenbetreiber nicht zu, d.h. man kommt nicht mehr zur\u00fcck. Bem\u00fchungen der Politik f\u00fcr eine einheitliche Regelung: NULL!<\/p>\n<p>Der Druck, sich ein E-Auto zuzulegen, ist in St\u00e4dten am Gr\u00f6\u00dften. Der nicht prim\u00e4r betroffene Landbewohner hat es vergleichsweise gut: er schlie\u00dft das Fahrzeug einfach zu Hause an die Steckdose an. Doch wo sind die Steckdosen in den St\u00e4dten? Wer im 5 St\u00fcck wohnt, kann sich ja wohl kaum ein Kabel aus dem Fenster h\u00e4ngen, wobei noch hinzu kommt, dass das Fahrzeug vielleicht auch am 100m vom Haus entfernt geparkt wird, weil gerade kein Platz ist. F\u00fcr den St\u00e4dter bleiben nur die Stromlades\u00e4ulen, und da gibt es beispielsweise im Bereich der EWE in ganz Niedersachsen derzeit 240 St\u00fcck. Theoretisch k\u00f6nnten die ca. 5.700 Fahrzeuge versorgen &#8211; wenn die Halter bereit sind, die ihnen zugeteilte Ladezeit zwischen 3.00 Uhr und 4.00 Uhr nachts einzuhalten.\u00a0 Mehr muss man wohl nicht dazu sagen, wenn man die Zahl von 1 Mio Fahrzeugen als Nahziel sieht.<\/p>\n<p>Doch auch mit der eigenen Steckdose wird man nicht sehr gl\u00fccklich. Die f\u00fchrt n\u00e4mlich Wechselstrom, w\u00e4hrend der Akku Gleichstrom braucht. Das macht der Gleichrichter im Fahrzeug, und der ist leistungsm\u00e4\u00dfig begrenzt, wie auch die Last an der Haushaltssteckdose begrenzt ist. Irgendwo trifft man sich vermutlich in der Gegend von 3,5 kW. Da eine Autobatterie bei entsprechender Reichweite an die 100 kWh aufweisen d\u00fcrfte (Tesla z.Z. 90 kWh), ist nach einer Nacht der Akku nur zu 30-50% wieder aufgeladen. Ohne Lades\u00e4ule kommt man auch nur aus, wenn man wirklich sehr wenig f\u00e4hrt (-&gt;Hausfrauenauto).<\/p>\n<p>An der Lades\u00e4ule geht das fixer. Dort kann Gleichstrom mit 100 kW geliefert werden, d.h. nach 45 Minuten ist der Akku zu ca. 80% geladen (die EWE betreibt z.Z. ihre 240 S\u00e4ulen mit 50 kW, d.h. es dauert l\u00e4nger). L\u00e4nger dranlassen bringt nicht viel: die Lebensdauer der Akkus ist am L\u00e4ngsten, wenn der Ladezyklus 90% &#8211; 10% &#8211; 90% &#8211; &#8230; ist, d.h. man muss den Akku gef\u00e4hrlich weit herunter fahren, und oberhalb 80% sollte das Laden langsamer erfolgen, da sonst ebenfalls die Lebensdauer herabgesetzt wird. Werden mehr Ladesstellen gebaut, muss auch die Technik entsprechend ausgelegt sein. Eine 100 kW-S\u00e4ule kann z.B. jedem Fahrzeug nur 50 kW liefern, wenn zwei Fahrzeuge laden, eine Aufstockung auf 200 kW lohnt sich f\u00fcr die Betreiber aber auch nur wenn h\u00e4ufig zwei Fahrzeuge davor stehen. Mehr und leistungsst\u00e4rkere S\u00e4ulen sind ebenfalls eine Investitionsfrage, bei denen die Politik etwas machen m\u00fcsste, aber auch hier nichts tut.<\/p>\n<p>Falls sie denn auch alle betrieben werden k\u00f6nnen, denn auch die 100 kW sind schon eine Leistung, die rechnerisch ca. 30 Haushalten entsprechen, die alle Gro\u00dfverbraucher gleichzeitig eingeschaltet haben. Nimmt man die o.g. Zahlen, so erfordern 1 Mio E-Autos in der BRD theoretisch 420.000 Lades\u00e4ulen, die eine elektrische Leisung von 4,2 GW (Gigawatt) erfordern. Ein Gro\u00dfkraftwerk liefert etwa 1-3 GW, zus\u00e4tzlich m\u00fcssen die Leitungen vorhanden sein, die den Strom transportieren. Wenn in beides investiert werden muss, unterh\u00e4lt man sich \u00fcber Zeitr\u00e4ume von ca. 10 Jahren. Auch solche Zahlen muss man einmal ins Verh\u00e4ltnis zu den 3 Jahren setzen, in denen die Stromverbraucher auf dem Markt sein sollen. Was ist mit den Erzeugern? Politisch eher R\u00fcckschritt als Fortschritt. Lie\u00dfe man Bekloppte wie die Bundestagskandidaten der Gr\u00fcnen die Entscheidungen treffen, m\u00fcsste die BRD in 10 Jahren bei Bangladesh um Entwicklungshilfe betteln, statt die Technik auf die Beine gestellt zu haben.<\/p>\n<p>Schaut man sich die optimalen Ladezyklen an, werden aus 500 km Fahrstrecke (unter optimalen Bedingungen, also Schummeldaten wie bei Diesel- und Benzinfahrzeugen) schon 400 km. Aber wer wird seine Batterie auf 10% herunterfahren, wenn die Wahrscheinlichkeit, eine freie S\u00e4ule zu finden, relativ gering ist? Theoretisch 50 km Restreichweite sind f\u00fcr Benziner kein Problem, f\u00fcr E-Autos schon eher. Vielleicht ersetzt das E-Autofahren aber auch das Banjee-Springen. Der Kick, mit leerem Akku unterwegs zu sein, ist vielleicht f\u00fcr manche aufregend (in Norwegen, dem Land mit der h\u00f6chsten E-Auto-Dichte, die meist ge\u00e4u\u00dferte Bef\u00fcrchtung, wobei Norwegen aus verschiedenen Gr\u00fcnden eine hervorragende E-Infrastruktur besitzt, die hier in den n\u00e4chsten 15 Jahren gar nicht realisierbar w\u00e4re). Andere Ladezyklen f\u00fchren zu einer st\u00e4rkeren Abnahme der Kapazit\u00e4t, d.h. der Akku muss vorzeitig ersetzt werden. Kosten (gesch\u00e4tzt) ca. 7.000 \u20ac. Wie weit der abgenutzt Akku dagegen gerechnet wird, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<p>Bei diesem eher ern\u00fcchternden Bild stellt sich die Frage, wieso die Automobilhersteller alle in E-Fahrzeuge investieren wollen. DER Massenmarkt wird das sicher nicht so schnell, wie dort die Investitionen erfolgen sollen. Aber vielleicht wollen sie das gar nicht. Die Flottenbilanz eines Herstellers darf n\u00e4mlich einen bestimmten CO2-Aussto\u00df nicht \u00fcberschreiten. Was da gerechnet wird, ist nicht ganz einfach zu durchschauen, aber die zugelassenen Bilanzwerte werden geringer, gleichzeitig fallen durch den Grenzwertunfug an anderer Stelle die g\u00fcnstigen Diesel aus. Die Rechnung ist dann einfach: E-Auto gelten per Definition als Null-Emissions-Fahrzeuge (obwohl sie nach Rechnungen des ADAC auf mindestens 115 g CO2 kommen, w\u00e4hrend die Grenze ab 2020 bei 95 g CO2 liegt). Benziner liegen etwa bei 125 g CO2 und k\u00f6nnen die Grenzwerte nicht erreichen (Diesel bei ca. 108 g CO2, bei bestimmten kleinen Fahrzeugtypen auch schon bei 90 g CO2). Aus diesen Zahlen wird nun irgendein Mix fabriziert, der letztlich auf die 95 g CO2 f\u00fchren muss. Bieten die Hersteller E-Fahrzeuge an, ist es ja nicht ihr Problem, wenn keiner sie will. Damit nicht alles zusammenbricht, wird letztlich eine Rechnung herauskommen m\u00fcssen, in der beispielsweise 100 Benziner gegen 5 E-Autos gerechnet werden. Wenn man sich die Zahlen anschaut, ist das nicht nur eine L\u00fcgenpackung, sondern die CO2-Bilanz wird wegen der Herausnahme des Diesels sogar schlechter! Aber was macht man nicht alles, um gr\u00fcnen Idioten und verbl\u00f6deten Journalisten irgendetwas vorzugaukeln?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung hat viel Geld bereit gestellt, um bis 2020 1 Million E-Autos auf die Stra\u00dfe zu bringen, die Hersteller setzen auf E-Autos und werfen dazu den Diesel aus dem Programm, Volvo sogar schon ab 2019. Doch anscheinend will keiner ein E-Auto haben. 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