{"id":1036,"date":"2017-07-15T08:45:31","date_gmt":"2017-07-15T06:45:31","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=1036"},"modified":"2017-07-15T08:45:31","modified_gmt":"2017-07-15T06:45:31","slug":"fahrverbote-fuer-diesel-was-kann-man-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2017\/07\/15\/fahrverbote-fuer-diesel-was-kann-man-tun\/","title":{"rendered":"Fahrverbote f\u00fcr Diesel: was kann man tun?"},"content":{"rendered":"<p>In verschiedenen St\u00e4dten droht ein Fahrverbot f\u00fcr Dieselfahrzeuge, besonders durch \u00fcbereifrige rot-gr\u00fcne B\u00fcrgermeister. Dagegen sollte man sich wehren, und man kann es m\u00f6glicherweise auch erfolgreich.<!--more--><\/p>\n<p>Stimmung gegen Dieselfahrzeuge wird mit Meldungen wie &#8222;40.000 vorzeitige Tote durch Schadstoffe aus Dieselabgasen alleine in Deutschland&#8220; gemacht. Die L\u00fcgenpresse (das Wort ist hier wieder einmal gerechtfertigt) und selbst der ADAC, der doch eigentlich seine Mitglieder vertreten sollten, verbreiten diesen Unfug. Dabei ist der Chef des ADAC, Dr. August Markl, gelernter Mediziner und sollte daher genau wissen, dass es sich bei dieser Aussage um eine L\u00fcge handelt. Man kann n\u00e4mlich nur statistisch den Einfluss bestimmter Faktoren messen, also beispielsweise NOx und Feinstaub hernehmen und diese Faktoren mit der Lebenserwartung verkn\u00fcpfen. Allerdings sagt das wenig aus, denn zwischen den Faktoren &#8211; es sind nat\u00fcrlich noch viel mehr im Spiel &#8211; l\u00e4sst sich nicht mehr gen\u00fcgend differenzieren, es werden auch nicht alle Faktoren ber\u00fccksichtigt (z.B. L\u00e4rm, Temperatur als weitere Parameter im Beispiel) und viele Daten stehen auch gar nicht zur Verf\u00fcgung (Stress, Arbeitsbedingungen, usw.). Von Menschen kennen die Mediziner allenfalls Teile der Krankengeschichte, aber in der Regel nichts von der Gesundheitsgeschichte, und die macht den gr\u00f6\u00dften Teil des Lebens aus. Mit anderen Worten, <strong>die eingangs genannte Behauptung ist im mathematisch-naturwissenschaftlichen Sinn eine L\u00fcge<\/strong>, und eine erste Abwehrma\u00dfnahme sollte darin bestehen, dass jeder, dem diese Aussage unterkommt, <strong>Strafanzeige wegen Volksverhetzung<\/strong> stellt, denn um nichts anderes handelt es sich dabei.<\/p>\n<p>Die Situation ist ein Ergebnis schwachsinniger Politik: abgesehen von VW hat bislang offenbar kein Automobilhersteller geschummelt, sondern Fahrzeuge produziert, die die vorgegebenen Test bestehen &#8211; und die stammen von der Politik. Dass die Tests schwachsinnig sind, weil sie die Realit\u00e4t nicht beschreiben, ist ein Ergebnis der schwachsinnigen Urheber (oder ein Ergebnis erfolgreiche Lobby-Arbeit, was auch nicht gegen den Schwachsinn der Politiker spricht, sondern nur f\u00fcr ihre Geldgier). Dieselfahrzeuge wurden \u00fcber Jahre hinweg als &#8222;besonders umweltfreundlich&#8220; angepriesen, weil sie weniger CO2 produzieren, d.h. die Menge der Dieselfahrzeuge ist ebenfalls eine Folge der Politik. Die Grenzwerte, um die es geht, sind ebenfalls von der Politik festgelegt, und zwar ebenfalls wieder von Schwachsinnigen, die sich nicht darum k\u00fcmmern, was ingenieurtechnisch geht und was nicht. Wobei hier sogar die Weichen umgestellt wurden: war es bis VW der Feinstaub, ist es nun das NOx. Ingenieure brauchen aber Vorgaben, was sie wie in welcher Reihenfolge optimieren sollen, und kein hektisches Umsteuern. Erstaunlich, dass selbst die Chefs der Unternehmen diese Fehlpolitik nicht anprangern, was wohl so zu interpretieren ist, dass die CEO von Daimler usw. ebenfalls schwachsinnig sind (\u00e4hnlich Herrn Winterkorn, der gar nicht wusste, dass VW Autos baut?). Wackelig, aber durchaus als Klage m\u00f6glich: <strong>jahrelange arglistige T\u00e4uschung bei F\u00f6rderung von Dieselfahrzeugen durch den Staat<\/strong>. In den USA h\u00e4tte man damit vermutlich schon gewonnen.<\/p>\n<p>Ein Fahrverbot w\u00e4re auch nicht notwendig, wenn man das Ganze zeitlich streckt. Fahrzeuge haben eine Lebenserwartung von 10-14 Jahren. Wenn man ab sofort nur Fahrzeuge ausliefert, die die Anforderungen erf\u00fcllen, geht das Emissionsproblem exponentiell mit der Zeit gegen Null (auch das sollte ein Herr Dr. Markl vom ADAC wissen. Weshalb vertritt er die Mitglieder des ADAC eigentlich nicht?). Ein paar Jahre \u00fcberdauern sollte wohl nicht das Problem sein, wenn das eigentliche Problem schon seit Jahrzehnten besteht. Klagem\u00f6glichkeit: <strong>Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Mittel<\/strong>. Dummerweise sind aber neue Euro6-Norm-Fahrzege in Bezug auf NOx noch schlechter als die der Euro5-Norm, weil halt in anderer Richtung optimiert wurde. Also gleich mit dem letzten Klagepunkt verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Das sind bislang aber nur Nebenkriegsschaupl\u00e4tze. Kommen wir einmal zum Hauptpunkt: <strong>nicht die Dieselfahrzeuge, die St\u00e4dte sind die Verursacher des Schadstoffproblems<\/strong>. Die Schadstoffe werden n\u00e4mlich vorzugsweise dann produziert, wenn STOP-&amp;-GO-Bedingungen herrschen, und daran sind vorzugsweise die St\u00e4dte selbst Schuld. Intelligente Verkehrsregelung existiert nirgendwo, obwohl es mit den Techniken der selbstlernenden System m\u00f6glich sein d\u00fcrfte, den Verkehrsfluss in den St\u00e4dten erheblich zu verbessern. Derzeit sind die Regelungen aber eher auf maximale Behinderung und damit maximale Schadstoffproduktion ausgelegt: ich kenne mehrere St\u00e4dte, in denen man grunds\u00e4tzlich vor jeder Ampel stehen bleiben muss, egal wie der Verkehr aussieht. Hinzu kommt ein m\u00f6glichst verkehrsbehindernde Baustellenmanagement: nach Kassenlage werden viele Baustellen gleichzeitig eingerichtet und anschlie\u00dfend ebenfalls nach Kassenlage \u00fcber Monate hinweg eingerichtet gelassen, obwohl man bei z\u00fcgigem Management durchaus in 1-2 Wochen fertig sein k\u00f6nnte. Und der Verkehr steht, und steht, und steht. Das macht locker bis zu 70% der Probleme aus, und warum soll der Besitzer eines Dieselfahrzeugs f\u00fcr die Vers\u00e4umnisse der Politik \u00fcber Geb\u00fchr bestraft werden? Erstaunlich, dass auch hier der ADAC in keiner Weise Partei f\u00fcr seine Mitglieder ergreift. Offenbar ist Herrn Markl die Mitgliedschaft in Ethikkommissionen f\u00fcr autonomes Fahren wichtiger als die Mitglieder des Clubs.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrde denn ein Fahrverbot bedeuten? Alleine in M\u00fcnchen w\u00e4ren bis zu 170.000 Fahrzeugbesitzer betroffe, die durch ein Fahrverbot mehr oder weniger enteignet w\u00fcrden (<strong>Verfassungsklage!<\/strong>). Die Folgen w\u00e4ren brutal: das vielleicht nur 1 Jahr alte Fahrzeug lie\u00dfe sich allenfalls f\u00fcr 300 \u20ac nach Afrika verkaufen, wo es noch 20 Jahre ungehindert Schadstoffe produzieren darf, Neufahrzeuge, ob Benzin oder Elektro, k\u00f6nnte die Industrie in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung gar nicht so ohne weiteres liefern, Gebrauchtwagen gibt es ebenfalls nicht in der Menge, und abgesehen davon d\u00fcrften es sich die Wenigsten leisten k\u00f6nnen, eben mal 30 k\u20ac oder mehr zu investieren. Bliebe ein Fahrrad, um beruflichn weiter zu machen, was bei mehr als 15 km oder mehr als 10 kg notwendigen Gep\u00e4ck selbst bei ausgesprochen gutem Wetter keinen Spa\u00df mehr macht. Oder der \u00d6PNV, der jedoch, wenn er \u00fcberhaupt in der N\u00e4he operiert, ebenfalls an Lastgrenzen sto\u00dfen d\u00fcrfte, und obendrein zu ca. 1-2 Stunden zus\u00e4tzlichem Aufwand\/Tag f\u00fcr den Betroffenen f\u00fchrt. Folge: Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen, Schlie\u00dfen von Kleinunternehmen, gr\u00f6\u00dferer Krankenstand. Das k\u00e4me die Gesellschaft deutlich teurer als eine pragmatische L\u00f6sung von Problemen &#8211; sofern die Probleme nach pragmatischer Untersuchung \u00fcberhaupt noch existieren. Aber wann hat sich ein ideologisch verbohrter gr\u00fcner oder roter Politiker je um Pragmatik oder das Wohlergehen der B\u00fcrger interessiert?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In verschiedenen St\u00e4dten droht ein Fahrverbot f\u00fcr Dieselfahrzeuge, besonders durch \u00fcbereifrige rot-gr\u00fcne B\u00fcrgermeister. Dagegen sollte man sich wehren, und man kann es m\u00f6glicherweise auch erfolgreich. 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