{"id":10275,"date":"2024-02-23T08:57:00","date_gmt":"2024-02-23T07:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=10275"},"modified":"2024-02-23T09:00:24","modified_gmt":"2024-02-23T08:00:24","slug":"werte-union-eine-feindliche-uebernahme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2024\/02\/23\/werte-union-eine-feindliche-uebernahme\/","title":{"rendered":"Werte-Union: eine feindliche \u00dcbernahme"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u00d6konom Markus  Krall gab \u00fcber X seinen Austritt aus der Werteunion bekannt \u2013 zusammen  mit Max Otte, dem fr\u00fcheren Bundesvorsitzenden der Werteunion. Kralls Begr\u00fcndung im Wortlaut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Warum ich aus der Werteunion ausgetreten bin.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mit meiner \nAustrittserkl\u00e4rung aus der Werteunion habe ich mich eigentlich sehr kurz\n gehalten, weil ich nicht vorhatte, grosse Erkl\u00e4rungen \u00fcber das Warum \nabzugeben. Dem aufmerksamen Beobachter erschliessen sich die Gr\u00fcnde ja \neigentlich ohnehin. Aber da andere Stellung genommen haben, mache ich es\n auch, damit keine Missverst\u00e4ndnisse aufkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was also hat mich zu diesem drastischen Schritt bewogen?<\/p>\n\n\n\n<p>Grund Nr. 1: Der \nVorstand der Werteunion m\u00f6chte in seiner Mehrheit eine \u00abWasch mich, aber\n mach mich nicht nass\u00bb-Partei. Man m\u00f6chte diejenigen einsammeln, die mit\n Entsetzen auf die aktuelle Politik blicken, also vor allem auch die \nLibert\u00e4ren, die Marktwirtschaftler und diejenigen, die noch an ein \nchristliches Menschenbild glauben, aber man m\u00f6chte dabei programmatisch \nm\u00f6glichst unverbindlich bleiben, weil man sich in einem Anfall von \nGr\u00f6ssenwahn schon als neue Volkspartei sieht. Jedem Wohl und keinem \nWehe, bloss keinen abschrecken mit Klarheit und Authentizit\u00e4t. Das kann \nman machen, es ist aber nicht mein Ding, und es ist auch keine \nPolitikwende.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Warum ich aus der Werteunion ausgetreten bin.<br>Mit\n meiner Austrittserkl\u00e4rung aus der Werteunion habe ich mich eigentlich \nsehr kurz gehalten, weil ich nicht vorhatte, grosse Erkl\u00e4rungen \u00fcber das\n Warum abzugeben. Dem aufmerksamen Beobachter erschliessen sich die \nGr\u00fcnde ja eigentlich \u2026<\/p><p>\u2014 Dr. Markus Krall (@Markus_Krall) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Markus_Krall\/status\/1760201577267085559?ref_src=twsrc%5Etfw\">February 21, 2024<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Grund Nr. 2: \nVerschwitzte Socken alter CDU- und FDP-Granden eignen sich nicht als \nTeebeutel. Die Basis der Werteunion hat in Erfurt den Vorstand \nbeauftragt, eine Partei zu gr\u00fcnden mit dem Ziel einer Politikwende in \nDeutschland. Selbstverst\u00e4ndlich bestand dabei nicht die Erwartung eines \nReverse Takeover durch abgehalfterte Unionsgranden, die sich bisher im \nSch\u00fctzengraben nur weggeduckt haben. Genau das ist aber, ohne jede \nAbstimmung mit der Basis oder auch nur mit den bisherigen regionalen und\n inhaltlich engagierten Mitgliedern, passiert. Die Parteigr\u00fcndung \nerfolgte durch einen Personenkreis, der handverlesen war, aber nicht aus\n dem Kreis der Mitglieder, sondern aus einer Mischung von genehmen \nMitgliedern und Funktion\u00e4ren aus den Altparteien, die ihr Methodengep\u00e4ck\n der Intrige und der Seilschaften anscheinend gleich mitgebracht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Grund Nr. 3: Ich \nlasse mich nicht gerne vorf\u00fchren. Bereits das Interview des Vorsitzenden\n Ende 2023, in dem er sich von mir distanzierte, war kommunikativ nicht \neinfach zu reparieren. Mit M\u00fche und weil mir die Sache zu wichtig war, \nhabe ich die Kr\u00f6te geschluckt und gute Miene zum b\u00f6sen Spiel gemacht. \nDann kam die Parteigr\u00fcndung mit handverlesenen Teilnehmern. Meine \nAbwesenheit haben wir diplomatisch mit meinem Gesundheitszustand \nerkl\u00e4rt, wobei die neuen alten CDU-Granden noch nicht mal den Anstand \nhatten, dieses Narrativ durchzuhalten, und stattdessen der <em>NZZ<\/em> \nihre \u00abErleichterung\u00bb \u00fcber meine Abwesenheit durchstachen. Die zweite \nH\u00e4lfte der Wahrheit ist: Ich war nicht eingeladen, offenbar ebenfalls \nauf Betreiben der neu dazugekommenen ehemaligen CDU- und FDP-Funktion\u00e4re\n im Vorstand. Ich dr\u00e4nge mich nicht auf, wenn ich nicht erw\u00fcnscht bin, \naber ich muss auch nicht so tun, als w\u00e4re das in Ordnung. Zur Stilfrage \n\u00e4ussere ich mich lieber nicht. Und um eines klarzustellen: Der Grund war\n ausdr\u00fccklich nicht, dass ich kein Amt bekommen habe, denn ich habe \nkeines angestrebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Grund Nr. 4: Ich \nhabe keine Lust, gemachte Zusagen immer wieder mit Konflikten auch \ndurchsetzen zu m\u00fcssen. Bestes Beispiel ist die Frage des Rechts der \nMitglieder des Werteunion-Vereins auf Beitritt in die Werteunion-Partei,\n wenn sie das wollen. Diese Zusage wurde den kritisch nachfragenden \nMitgliedern auf der Hauptversammlung in Erfurt verbindlich gemacht. Dann\n schreibt man eine Gr\u00fcndungssatzung, die das Gegenteil besagt und eine \n15-monatige Wartefrist f\u00fcr alle Eintritte festlegt, ohne klarzustellen, \ndass das f\u00fcr die bisherigen Mitglieder des Vereins nicht gilt. Auf \nmeinen Protest wurde dies mir gegen\u00fcber zwar per E-Mail klargestellt, \ngegen\u00fcber der Masse der Mitglieder aber bis heute nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Grund Nr. 5: \nLippenbekenntnisse ersetzen keine freiheitliche Programmatik. Das \nGr\u00fcndungsprogramm tr\u00e4gt zwar den Titel \u00abWir w\u00e4hlen die Freiheit\u00bb, was \nschon mal gut klingt, aber das Wirtschaftsprogramm, das eigentlich von \nmir geschrieben werden sollte, ist eine Sammlung von Copy-paste-Texten \naus den Programmen der anti-marktwirtschaftlichen Altparteien, nur \nnotd\u00fcrftig korrigiert an den Stellen, wo ich lautstark genug protestiert\n habe. Die Werteunion will die Libert\u00e4ren als Kernklientel an Bord \nhaben, aber ihre F\u00fchrung ist nicht bereit, einem wirklich \nmarktwirtschaftlichen Programm im Sinne Ludwig Erhards ihre Zustimmung \nzu geben, ganz im Gegensatz zur Basis der Werteunion, die mehrheitlich \nlibert\u00e4r denkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Grund Nr. 6: Sex \nmit der Ex. Das Interview zum Thema \u00abPremiumpartner\u00bb CDU h\u00e4tte man \neigentlich als eine weitere von etlichen kommunikativen Fehlleistungen \nabtun und ad acta legen k\u00f6nnen, und auf meine Nachfrage wurde es mir \ndann auch so erkl\u00e4rt, dass wieder einmal rauskam, dass nicht das gemeint\n war, was alle Zuschauer verstanden haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich soll es\n das Ziel gewesen sein, sich nicht als Anh\u00e4ngsel der AfD zu pr\u00e4sentieren\n und klarzumachen, dass die WU mit dem rechten \u00abFl\u00fcgel\u00bb der AfD nichts \ngemein hat und eine Koalition mit der WU nicht zum Nulltarif zu haben \nist und die Partei im \u00dcbrigen mit allen spricht. Auch sei mit \n\u00abPremiumpartner\u00bb nat\u00fcrlich nicht <em>diese<\/em> CDU, nicht die Merkel-Merz-Partei gemeint gewesen, sondern eine reformierte, gewendete, wieder echte CDU.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles gekauft, \naber wenn das gemeint war, warum sagt man es nicht einfach so? \nStattdessen ist das Ergebnis eine neue Brandmauer in den K\u00f6pfen, ein \nInfragestellen der echten Politikwende in Deutschland. Da fragt man \nsich, wozu sich die WU h\u00e4tte abspalten sollen, wenn noch die Aussicht \nbesteht, dass die CDU zu ihren Wurzeln zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das soll ich,\n der nicht einmal ein Amt in der WU angestrebt hat, dann den Leuten \nerkl\u00e4ren, die bei mir Sturm laufen? Houston, wir haben ein Problem, das \nich nicht l\u00f6sen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Grund Nr. 7: \nMenschlicher Anstand. Die neu hereingeholten CDU- und FDP-Granden merken\n das vielleicht selbst gar nicht mehr, weil sie jahrzehntelang in einem \n\u00d6kosystem der Intrige, der Seilschaften, des Machtstrebens und der \nArroganz operieren mussten. Die Evolutionstheorie sagt ja: In einem \n\u00d6kosystem \u00fcberleben nicht die St\u00e4rksten, sondern die am besten \nAngepassten. So wird dann auch agiert, und ich bin zu alt und zu stur \nf\u00fcr solche Spielchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Man kann \nnat\u00fcrlich der Meinung sein, dass das alles Petitessen sind, die meine \nEntscheidung nicht rechtfertigen. Man kann mir vorwerfen, dass ich \nirgendwann eine Frist gesetzt habe, um die schlimmsten Ausw\u00fcchse zu \nkorrigieren (\u00abUltimatum\u00bb), und dass man so was nicht tut. Alles \ngeschenkt. Ich denke, jeder, der nun meine Gr\u00fcnde kennt, kann f\u00fcr sich \nentscheiden, ob er es auch so gemacht h\u00e4tte oder nicht. <em>Sine ira et studio<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht es \nweiter? Ich konzentriere mich auf meine libert\u00e4re Programmarbeit, in der\n Atlas-Initiative und in meiner publizistischen T\u00e4tigkeit. Der Tag \nkommt, an dem dieses Land reif ist f\u00fcr echte Reformen. Dann werden wir \ninhaltlich vorbereitet sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-wordpress wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-die-weltwoche\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/weltwoche.de\/daily\/oekonom-markus-krall-wendet-sich-gleich-nach-der-parteigruendung-von-der-werteunion-ab-hier-lesen-sie-seine-begruendung\/\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6konom Markus Krall gab \u00fcber X seinen Austritt aus der Werteunion bekannt \u2013 zusammen mit Max Otte, dem fr\u00fcheren Bundesvorsitzenden der Werteunion. Kralls Begr\u00fcndung im Wortlaut. Warum ich aus der Werteunion ausgetreten bin. 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