{"id":10153,"date":"2024-02-01T10:16:00","date_gmt":"2024-02-01T09:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=10153"},"modified":"2024-01-29T10:16:57","modified_gmt":"2024-01-29T09:16:57","slug":"warum-so-viele-dem-narrativ-folgen-und-manche-eben-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2024\/02\/01\/warum-so-viele-dem-narrativ-folgen-und-manche-eben-nicht\/","title":{"rendered":"Warum so viele dem Narrativ folgen \u2013 und manche eben nicht"},"content":{"rendered":"\n<p>Warum laufen 4\/5 der Bev\u00f6lkerung widerspruchslos widersinnigen\nRegierungsnarrativen hinterher \u2013 auch wenn es bei bestimmten Themen\nallm\u00e4hlich weniger werden? Eine Frage, der Psychologen gerne\nnachgehen, wie etwa <a href=\"https:\/\/www.manova.news\/artikel\/ich-gehore-dazu-also-bin-ich\">\u2192hier.<\/a>\nDie Deutungsversuche landen ziemlich schnell bei Begriffen wie Angst,\nFrustration und weiteren, die bei den Betroffenen zu einer so\ngenannten Massenbildung f\u00fchren, eben dem hinterher Rennen des\nNarrativs. \n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Weniger erfolgreich sind diese Deutungsversuche aber bei den\nWidersetzlichen. Warum sich bestimmte Menschen dem Narrativ\nwidersetzen, und zwar unabh\u00e4ngig vom Bildungsgrad oder der\nBildungsrichtung, l\u00e4sst sich aus dem Ansatz nicht ableiten. Woraus\nman auch schlie\u00dfen k\u00f6nnte, dass der gesamte Ansatz nicht richtig\nund Angst, Frustration, etc. eher Folge als Ursache der\nNarrativh\u00f6rigkeit ist. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer Ansatz f\u00fchrt deutlich weiter, f\u00fcr dessen Erl\u00e4uterung\nich aber etwas ausholen muss. Als Individuen bewegen wir uns in einer\nindividuellen Realit\u00e4t, bestehend aus auf uns einwirkende\nInformationen, die durch Infone quantisiert und gemessen werden\nk\u00f6nnen. Das Gehirn verf\u00fcgt \u00fcber einfache und effiziente\nFilterfunktionen, die die Realit\u00e4t in Situationen zerlegen, d.h.\nThemen ausfindig machen, die sich in der Realit\u00e4t verbergen, diesen\nThemen die passenden Infone zuordnen und die Situation\nklassifizieren. Im Prinzip kaum mehr als eine einfache Form von\ntechnischer KI. Je nach Klassifikation einer Situation sprechen\nTriggerneurone an, wenn die Situation eine Handlung des Individuums\nerfordert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Um das einmal verst\u00e4ndlich zu\nformulieren, stellen Sie sich vor, Sie laufen durch die Serengeti\ninmitten von Herden von Gnus und Antilopen. Im Gesichtsfeld taucht\nein L\u00f6we auf, was das Gehirn veranlasst, alles auf die Situation des\naufgetauchten L\u00f6wen zu reduzieren und, sofern die Klassifizierung\nsagt, dass der vermutlich Hunger hat und auf Beute aus ist, Ihnen\nsignalisiert, dass Sie nun etwas tun sollten, also eine Handlung\nanfordert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die angeforderte Handlung soll nun das Individuum aus der\naktuellen Situation \u2013 bezeichnen wir sie mit dem Buchstaben A \u2013\nin der Zukunft in die Situation B bef\u00f6rdern oder, was genauso eine\nHandlungsanforderung ist, verhindern, dass es in der Situation C\nlandet, beispielsweise im Magen des L\u00f6wen. Dies wird durch ein\nHandlungsmuster erreicht, das das Individuum durchf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00fcberwiegende Teil der Filter, Trigger und Handlungsmuster\nwird dem Menschen durch Pr\u00e4gung vermittelt, d.h. er lernt durch\n\u00e4u\u00dferes Beispiel, auf was wie zu reagieren ist. Pr\u00e4gung lehrt, was\nzu machen ist, aber meist nicht, warum etwas zu machen ist. Die\nAufgabe der Schule ist neben der Pr\u00e4gung aber auch, Gr\u00fcnde f\u00fcr\neine Handlung zu liefern, also eine Reihe logischer Regeln zu\nvermitteln, mit deren Hilfe sich das Individuum in \u00e4hnlichen\nSituationen selbst eine Handlungskette basteln kann.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Vorrang der Pr\u00e4gung aus der\nEvolution heraus ist leicht zu verstehen. Dem vor dem L\u00f6wen\nfl\u00fcchtenden Nebenmann einfach zu folgen ist deutlich\nlebenserhaltender als zun\u00e4chst dar\u00fcber nachzudenken, warum der auf\neinmal rennt. Das Handlungsmuster wird gepr\u00e4gt, unterst\u00fctzt durch\neinige ebenfalls von der Evolution vorgesehene Herdentriebe, die\nsp\u00e4ter noch ben\u00f6tigt werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem ist, dass dies der Schule in den seltensten F\u00e4llen\ngelingt. Das eigentliche Ziel beim Auseinandernehmen von\nHandlungsmustern und dem selbst\u00e4ndigen Zusammenbau neuer ist die\nAktivierung eines Erkenntnisprozesses. Eine Erkenntnis ist die\nAbleitung sehr viel allgemeinerer Basisregeln \u2013 nennen wir sie\nAxiome \u2013 aus denen sich andere Regeln generieren lassen. Schule\nkann dies aus verschiedenen Gr\u00fcnden zunehmend weniger leisten,\nweshalb Erkenntnisse auf Wenige begrenzt bleiben und f\u00fcr die Meisten\nnur feinteiligere Regeln gepr\u00e4gt werden, deren die Verbindung\nuntereinander ein Disko-Problem bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zum Disko-Problem: der forsche\nJugendliche betritt die Disko und filtert nach kurzer Suche aus den\nAnwesenden den Partner seiner Wahl heraus (Geschlechter beliebig\naustauschbar). Das sich unmittelbar stellende Problem ist \u201eWie\nkomm\u2019 ich da drauf?\u201c. Die gleiche Frage stellt sich dem normalen\nSch\u00fcler, wenn der Klassenprimus die L\u00f6sung einer Mathe-Aufgabe im\nUnterricht vortr\u00e4gt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Warum sind nun Erkenntnisse in Form von Axiomen ausschlaggebend\nf\u00fcr das Problem der Narrativgl\u00e4ubigkeit? Der Grund ist, dass Axiome\nkeinen Widerspruch dulden. Einander widersprechende Regeln sind f\u00fcr\ndie Folger des Narrativs kein Problem, da sie den Widerspruch nicht\nerkennen, f\u00fcr die Axiominhaber aber schon und sie werden dem\nNarrativ nicht folgen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Corona-Narrativ fordert die\nBefolgung v\u00f6llig anderer Regeln im Fall des Vorliegens des\nCorona-Virus als bei anderen Viren. Da die Folger einfach den Regeln\nfolgen, ohne dar\u00fcber nachdenken zu k\u00f6nnen (ihnen fehlen die\nAxiome), gibt es f\u00fcr sie keine Probleme. Die Axiome besagen jedoch,\ndass f\u00fcr Corona keine Sonderregeln gelten k\u00f6nnen \u2013 et viol\u00e0.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Um Axiome erkennen zu k\u00f6nnen bedarf es einer geistigen\nBeweglichkeit, die origin\u00e4r im nimmerm\u00fcden Gehirn angelegt ist.\nGewisserma\u00dfen bastelt es st\u00e4ndig aus irgendwelchen\nGedankenschnipseln Protoideen zu Ideen \u00fcber bestimmte Themen\nzusammen, die bei Bedarf weiter ausgearbeitet werden. Hierbei sind\ndie Individuen fachgebietsabh\u00e4ngig unterschiedlich schnell: manche\nhaben dauernd Ideen und werden zu Gruppenanf\u00fchrern, andere sind\nweniger erfolgreich und gew\u00f6hnen sich an eher passive Rollen. Wer\nviele Ideen hat und sie erfolgreich ausarbeitet (sehr wichtig!Dabei\nhilft ein hirneigenes chemisches Belohnungssystem), hat gro\u00dfer\nAussichten, Axiome (f\u00fcr sich) zu finden, die anderen eben nicht.\nAuch das scheint weitgehend evolution\u00e4re Gr\u00fcnde zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider sind die Ausbildungssystem heute so ausgelegt, dass man\nAbschl\u00fcsse in einem Fachgebiet erhalten kann, ohne die Axiomatik\nverstanden zu haben. Gepr\u00e4gte Regeln in gro\u00dfer Masse ohne ein\ntieferes Verst\u00e4ndnis gen\u00fcgen auch. Erh\u00e4lt man einen Abschluss,\netwa einen Bachelor oder gar Doktortitel, greift ein anderes Prinzip\naus den Herdenaxiomen: der Betreffende wird Chef und darf sein Fach\nselbst\u00e4ndig vertreten, ohne seine Entscheidungen vor anderen\nrechtfertigen zu m\u00fcssen. Und damit ist die Katastrophe\nvorprogrammiert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wieder am Corona-Problem: man kann\nArzt werden, ohne die Axiome verstanden zu haben, die Sonderregeln\nf\u00fcr einen Virus ausschlie\u00dfen. Solche \u00c4rzte lernen neue\nSonderregeln und folgen ihnen und schon steht der Betrachter vor\nWiderspr\u00fcchen zwischen \u00c4rzten, die die Axiome verinnerlicht haben,\nund solche, die einfach den Regeln folgen. Da letztere auch \u201eChef\u201c\nsind, werden sie aber nicht nachgeben, denn das w\u00fcrde ihre\nChefposition unterh\u00f6hlen. Oder w\u00fcrde sich jemand einem Arzt\nanvertrauen, der morgen zu seiner heutigen Behandlung sagt \u201eSorry,\nich habe mich geirrt, wir h\u00e4tten das Bein nicht amputieren m\u00fcssen\u201c?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es kommt aber noch schlimmer: die\nAxiome sind wesentlich breiter g\u00fcltig als nur f\u00fcr die Medizin, was\ndazu f\u00fchrt, dass Fachfremde wie Informatiker oder andere ebenfalls\ndurch Erbringen von Transferleistungen dem Narrativ begr\u00fcndet\nwidersprechen \u2013 ein Grund mehr f\u00fcr den axiomfreien Chef, nicht von\nseiner Position abzur\u00fccken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich steht die gro\u00dfe axiomunbelastete Masse\nwiderspr\u00fcchlichen Standpunkten gegen\u00fcber, die der einzelne zwar,\nwenn er wollte, aufl\u00f6sen k\u00f6nnte, was aber extrem aufw\u00e4ndig ist.\nDann greift das Herdenaxiom \u201efolge dem lautesten Schreihals\u201c und\ndas ist die Regierung und die mit ihr verb\u00fcndete Presse. Und der\nextreme Aufwand, der notwendig ist, um die Barriere zu durchbrechen,\nverhindert eine sachliche Kommunikation zwischen den Gruppen.\nUmdenken oder Dissidenten gibt es erst, wenn k\u00f6rpereigene\nBestrafungssysteme aufgrund negativer Erfahrungen die F\u00fchrung\n\u00fcbernehmen, was ziemlich lange dauert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ansatz zeigt somit, dass diejenigen dem Narrativ entgehen, die\nin der Lage sind, Erkenntnisse auf Axiomniveau zu sammeln.\nEntwicklungs- und evolutionsbiologisch ist dieser Anteil begrenzt und\nwird durch Fehlentwicklungen im Bildungssektor noch verringert und\ndie meisten Berufe f\u00f6rdern nun auch nicht gerade die\nErkenntnisfindung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg f\u00fchrt sogar noch weiter. Betrachtet man die heutige\npolitische Klasse, so handelt es sich oft um ideenreiche Individuen,\ndie aber aus verschiedenen Gr\u00fcnden nie dahin gebracht wurden, ihre\nIdeen zu entwickeln, die Spreu vom Weizen zu trennen und tats\u00e4chlich\nauf einen Erkenntnisweg zu gelangen. Im Gegenteil verf\u00fcgen diese\nLeute obendrein \u00fcber eine mehr als d\u00fcrftige Basis von gepr\u00e4gten\nRegeln. In der Chefrolle, die nahezu zwangsweise auf sie zukommt,\nzeigen sie dann ebenso zwangsweise die Halsstarrigkeit, in einer\nvirtuellen Realit\u00e4t zu verharren und eine Katastrophe nach der\nanderen anzurichten. Wer tiefer in die Materie eindringen will, sei\nauf <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/s?k=gilbert+brands&amp;__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=115YV70P8D0HZ&amp;sprefix=gilbert+brands%2Caps%2C87&amp;ref=nb_sb_noss\">meine\nB\u00fccher bei Amazon verwiesen<\/a>, die auch Methoden f\u00fcr\nquantitatives Arbeiten liefern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum laufen 4\/5 der Bev\u00f6lkerung widerspruchslos widersinnigen Regierungsnarrativen hinterher \u2013 auch wenn es bei bestimmten Themen allm\u00e4hlich weniger werden? Eine Frage, der Psychologen gerne nachgehen, wie etwa \u2192hier. 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