Über pädagogisch korrektes Demotivieren

Ein unlängst gesehener Film erinnerte mich an Begebenheiten aus meiner eigenen Erfahrungskiste: da war ein Schüler, dessen Versetzung wegen Mathematik gefährdet war. Der Dumpfbeutel hatte sich doch erdreistet, bei der Rechenaufgabe  4-5=  als Lösung  4-5=-1  hinzuschreiben! Null Punkte! Setzen! Sechs!

Die Lehrerin hatte auch prompt eine Antwort parat, weshalb das falsch war: der Stoff war noch nicht durchgenommen worden. Korrekt wäre die Antwort „geht nicht“ gewesen, aber so? Keine andere Chance, als alles als völlig falsch zu bewerten, auch wenn es ein halbes Jahr später in der nächsten Arbeit korrekt ist.

Ich habe ein ähnliches Beispiel noch viel drastischer in Erinnerung: der Lehrer war nicht in der Lage, den Lösungsweg – auch hier völlig korrekt – überhaupt zu verstehen. Also: Abgeschrieben! Setzen! Sechs! Vermutlich kennen die meisten Leser auch den einen oder anderen Lehrer, der bei einer Frage stets mit „Schau dir das noch mal zu Hause an!“ antwortete und den man am Besten bei der Korrektur der Klassenarbeit behindern konnte, indem man ihm das Lösungsbuch klaute. Kein Lösungsbuch – keine Korrektur! Lehrer sind halt oft Überflieger, wenn auch leider häufig auf Maulwurfniveau.

Heute im Zeitalter grün-roter Bildungsbeglückung geht es allerdings noch einen Zacken korrekter zur Sache, denn es kann ja nicht angehen, dass es trotz solcher Schikanen immer noch Schüler gibt, die – sozial natürlich völlig ungerecht – etwas schneller verstehen als andere. Die Lösung heißt „Inklusion“. Da kann sich dann der Gemaßregelte zusätzlich noch anschauen, dass der aus verschiedenen Gründen nicht zur Lösung der Aufgabe fähige Inkludant noch über den Klee gelobt wird und eine gute Zensur erhält, weil er das Math-Aufgabenblatt mit Strichmännchen vollgekrikelt hat. Wer dann immer noch nicht demotiviert ist, der … nun ja, die moderne Pädagogik wird sicher auch dieses Problem lösen.

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