Abzocken von Reichen

Für die moderne Kunst habe ich ein ziemlich eingeschränktes Verständnis. Wenn ich meine Werkbank nicht aufräume, liegt das Werkzeug für ein paar hundert Euro herum, wenn ein so genannter Künstler auf die gleiche Idee kommt – nämlich mal nicht aufzuräumen – soll das gleich das 10-fache Wert sein, obwohl der vermutlich weniger gut mit dem Werkzeug umgehen kann?

„Kunstexperten“ verfallen bei modernen Kunstwerken nicht selten in Verbalorgasmen, deren Qualität die Vermutung aufkommen lässt, dass Pampers eine neue unauffällige Erwachsenenwindel erfunden hat, die die Hose trocken hält. Bekanntlich ist „einzigartig“ nicht steigerbar, dort wird aber bei „einzigartiger“ und „einzigartigster“ gar nicht erst Halt gemacht, sondern direkt weiter zum „allereinzigartigsten aller Zeiten“ weiter gesteigert, sozusagen zum superlativsten Superlativ einer superlativen Zeitskala. Die meisten Kunstwerke sind allerdings von einer Form, dass man vom Ordnungsamt postwendend eine bußgeldbewehrte Aufforderung erhält, den Müll umgehend zu entsorgen, käme man ohne „Kunstexperten“ auf die Idee, so etwas hinzustellen.

Wie zu Wissen, wie der Kunstmarkt funktioniert, und um gleichzeitig sein eigenes Verständnis für diese Kunst zweckmäßigerweise auf Null zu entsorgen, kann man seit einiger Zeit die Rubrik Kunstmarkt in der ZEIT konsultieren. Nach einigen Folgen stellt man fest: War man früher noch gezwungen, Polit-Talkshows oder Psychiater zu konsultieren oder in den düsteren Tiefen des Darknet nach verbotenen Pornoseiten zu suchen, um herauszubekommen, was der Begriff „pervers“ bedeutet – heute genügt das Lesen der ZEIT-Rubrik.

Kunst wird medienbekannt zu horrenden Preisen gehandelt. Was aber vermutlich nur wenige wissen: Verdienen tun am ganzen Schwindel nur die Auktionshäuser und, vielleicht etwas verhaltener, die Galeristen, ggf. auch der eine oder andere Künstler, der von diesen Institutionen als „bedeutend“ gehandelt wird und das Glück hat, noch zu leben. Von den erzielten Zuschlagspreisen kassieren die Auktionshäuser vom Verkäufer und von Käufer Gebühren, die nicht selten fast die Hälfte dieser Summe ausmachen. Entsprechend ist der Begriff „Geldanlage“ für Kunstwerke eine glatte Lüge, denn der Verlust beim Kauf muss ja erst mal reingeholt werden, inklusive den Gebühren beim Verkauf. Was Kunst ist, bestimmen aber weder Käufer noch Verkäufer noch Künstler, das bestimmen die, die daran verdienen. Niemand kann gegen deren Expertise verkaufen, niemand wird gegen deren Expertise kaufen.

Damit das Geschäft weiter läuft, müssen die Preise also steigen, sonst ist es schnell zu Ende mit der Kunst. Zum Glück wird die Zahl der Reichen und Superreichen immer größer. Das andere Steuerungsinstrument ist Marktverkanppung: Je weniger Künstler und Werke „bedeutend“ sind, desto kleiner ist der Markt und desto höher sind die Preise. Galeristen und Auktionshäuser steuern aus Selbstzweck den Kunstmarkt, indem sie die Zahl der „bedeutenden Künstler“ knapp halten. Nicht das Werk zählt, sondern der Markt und der Zufall, wenn man man wieder was braucht, auf was die Deppen bieten können.

Beruhingend an ganzen Rummel: Im Gegensatz zum gebräuchlichen Usus, den kleinen Bürger auszuplündern, werden hier die Reichen und Superreichen von der Kunstmafia abgezockt. Damit könnte man sich ja beruhigt zurück legen. Sollte man aber nicht! Auch Steuergelder werden nach meiner Ansicht in einem viel zu hohen Maß auf diesem Gebiet verpulvert. Fragt euch beim nächsten überteuerten Kunstwerk doch mal, ob es euch oder anderen wirklich gefällt oder manche Leute dem nur hinterher hecheln, weil sie aus irgendwelchen Minderwertigkeitsgefühlen irgendwo dazu gehören wollen, und sei es nur auf dem Markt hohler Worthülsen.

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