Referendum im Landkreis Aurich

Am 11.6.2017 findet im Landkreis Aurich eine Volksabstimmung über den Bau eines Zentralklinikums bei gleichzeitiger Stilllegung von drei Einzelkliniken statt. Für den interessierten Bürger geht es um die Alternativen

  • vielleicht 50 Mio € für eine umfassende Sanierung und Neuorganisation der drei Häuser unter einem Dach und
  • vermutlich 300 – 400 Mio € für den Neubau und nicht näher bezifferbare Kosten für die dann leer stehenden Gebäude (Umbau für andere Zwecke vermutlich um die 100 Mio €, wenn man die üblichen Kosten zu Grunde legt, also vermutlich langsamer Zerfall, was auch nicht billiger kommt).

Laut Politik sind die 50 Mio € nicht finanzierbar, die 400 Mio € aber problemlos, d.h. wie üblich bereitet die teuerste und unwirtschaftlichste Lösung keine Probleme, während sinnvolle Lösungen notfalls per Gesetz ausgeschlossen werden.

Nun, dazu gibt es ein Referendum, was wie in der Schweiz nicht selten dazu genutzt wird, den Politikern was auf die Fresse zu hauen. Der Kampf um die Stimmen wird jedoch in diesem Fall nicht mit sauberen Mitteln geführt: Befürworter veranstalten „Informationsveranstaltungen“, auf denen mit Fotos aus den 1920er Jahren oder allenfalls der unmittelbaren Nachkriegszeit gegen die Altkliniken zu Feld gezogen wird (die Fotos dienen als visuelle Unterstützung des Textes, der natürlich die Fotos nicht unmittelbar als authentisch bezeichnet) und kritische Fragen grundsätzlich nicht beantwortet werden. Außerdem sind in den letzten zwei Wochen mehrere ganzseitige Anzeigen in Zeitungen, kleine und große Plakate und mehrere aufwändige Postwurfsendungen erschienen.

Eine solche Aktion in der einen oder anderen Richtung zu unterstützen oder größere Geldmittel dafür zu spenden sind allerdings zwei Paar deutlich getrennte Schuhe. Der Geldeinsatz der Pro-Leute dürfte regional bezogen inzwischen fast Ausmaße des Bundestagswahlkampfs erreichen. Hintergrundinformationen sind – natürlich – wie immer nicht zu erhalten. Ich unterstelle daher bis zum Nachweis des Gegenteils, dass die interessierten Stellen, vorzugsweise Landrat und andere, die persönlich davon profitieren, hier widerrechtlich Steuergelder einsetzen, um die Bürgermeinung zu beeinflussen.

12 Gedanken zu „Referendum im Landkreis Aurich

  1. Ich gebe ja zu, ich bin nur indirekt betroffen. Meine Frau kommt mitten aus Ostfriesland. Seit ca 4-5 Jahren höre ich von diesem
    Projekt und meinte mal scherzhaft: „also für ne Oberarztstelle im ZK können wir gern zu deinen Eltern ziehen.“ Dann hörte ich davon, dass meine Verwandtschaft gegen das ZK ist. „Komisch“ denke ich und höre mir ihre Argumente an: „Wenn Oma im Krankenhaus ist, will man nicht weit fahren“, „man muss ja schnell ins Krankenhaus“ etc.

    Als Notarzt konnte ich natürlich recht rasch Fakten schaffen, hinzu kam mein Schwager der sich in Emden die Schulter bricht und zur OP nach Aurich muss.
    Da fragt man sich, für wen sind diese Krankheiten eigentlich „wohnortnah“, wie es immer so schön heißt.
    Statistisch erleiden ca. 150 Emder im Jahr einen Herzinfarkt. Diesen behandelt man am besten und sichersten mit einem Herzkatheter. Den gibt es aber nicht in Emden. Also muss der ggf lebensbedrohte Emder bis Aurich. Gut für herzkranke Auricher, aber erleiden sie einen Schlaganfall (ca 50 pro Jahr) müssen diese in die Stroke Unit nach Emden. Am sichersten holt man die Verstopfung des Hirnhefäßes übrigens auch mit einem Katheter, recht ähnlich eines Herzkatheters aus dem Kopf, das machen aber Radiologen. Ob die Emder Radiologen das können, weiß ich nicht, ob jemand bereit ist, für mindestens ne Millionen € so einen Arbeitsplatz zu erschaffen, weiß ich auch nicht.
    Zerreißt in Aurich dem Kardiologen ein Gefäß beim Katheter, muss der Gefäßchirurg von Extern kommen oder der (ggf. lebensbedrohte) Patient mit Rettungswagen und Notarzt in die Gefäßchirurgie nach Emden gefahren werden.
    Der Transport mit Notarzt kostet ca. 600€

    Als Notarzt fahre ich schwer Kranke Intensivpatienten zwischen Verbundkrankenhäusern hin und her, weil es in der abgebenden Klinik keinen Urologen gibt und der Patient einen neuen Blasenkatheter braucht. Das Schwesternkrankenhaus aber hat eine Urologie. Nachts aber nur einen Urologen, so dass der nicht weg kann.

    Das ist mittlerweile Standard in Deutschland!

    Nun, ich bin kein Betriebs- oder Volkswissenschaftler. Ich habe nie finanzielle Verantwortung in einem Krankenhaus gehabt, darum weiß ich nicht, ob sich ein Neubau lohnt.

    Aber schauen wir mal an, was z.B. Helios macht. Ein hocheffektiver und leistungsstarker Privater Krankenhauskonzern. Die haben deutschlandweite Strukturen und ich denke, die wissen wie man ein Krankenhaus führt. In Duisburg haben die drei Krankenhäuser gekauft, eins geschlossen, eins zu einem Minimalversorger gemacht und ein drittes neu aufgebaut: hat ein paar hundert Mio gekostet, aber plant man nicht nur bis übernächstes Jahr, wird sich das bestimmt irgendwann mal lohnen, sonst würden die es nicht tun.
    In Krefeld: Klinikum neu gebaut!
    Berlin: ebenso.
    Das scheint sich also irgendwie zu lohnen.

    Ich arbeite nicht bei oder für Helios, aber ich weiß, dort arbeitet es sich nicht so schlecht. Sowohl als Arzt, als auch als Pflegepersonal. Ja, es gibt krasse Negativbeispiele, aber die gibt es überall.

    De facto, ist es 2017 so: ein Patient raucht 50 Jahre lang, bekommt mit 66 einen Herzinfarkt, braucht den Notarzt, den Kardiologen und am Ende vielleicht einen Bypass mit Reha. Die gesamte Therapie kostet vermutlich ein Drittel von dem, was er jemals selbst in die Krankenkasse eingezahlt hat. Damit lebt er 10 Jahre nimmt täglich 4 Tabletten Fürs Herz, die Prostata und die Lunge, um dann Lungenkrebs zu erleiden. Als mittlerweile nicht-rauchender rüstiger Rentner will er die maximale Therapie, um weiterhin mit der Enkelin reiten zu gehen. Die bekommt er und kostet noch mal so viel. Zwischendurch stürzt er vom Fahrrad und braucht ne Hüfte. Am Ende stirbt er nach langem teuren Kampf mit 78.
    1975 hätte er zur Therapie des Herzinfarkts 14 Tage Bettruhe bekommen um dann 3 Jahre später am zweitinfarkt zu sterben.

    Natürlich kostet es Geld, dass wir Ärzte 😉 mittlerweile so geil sind! Aber das haben wir uns auch verdient! Aber man muss auch verstehen, wenn irgendjemand da oben sagt: „hey, das ist alles echt teuer geworden, wir müssen auch mal irgendwo sparen“

    Ich habe keine Ahnung, ob Ostfriesland 500 Mio€ übrig hat. Vielleicht ist in 5 Jahren VW pleite und alle fahren Tesla. Dann wird keiner das ZK brauchen. Vielleicht gibt es aber auch mal einen schicken Elektro-Passat und dann kann Ostfriesland sage, dass wir für unsere Verhältnisse, für unsere Medizin dass sinnvollste getan haben. Es wurde investiert, weil Geld reingesteckt und später gespart. Aber auch die Medizin ist besser. Nicht weil die Ärzte plötzlich besser sind, wenn sie ein neues Dach überm Kopf haben, sondern weil die Strukturen optimiert sind.

  2. So ähnliche Argumente habe ich auf einer Veranstaltung auch gehört: der Notfallspatient wird nach Emden gekarrt, um dort festzustellen, dass man ihn besser nach Norden gebracht hätte, von wo dann der Rettungswagen ein weiteres Mal nach Aurich umgeleitet wird, weil sich auch Norden für nicht zuständig erklärt. Ich halte diese Argumentation für unseriös. Der Notarzt sollte feststellen können, welche Maßnahmen notwendig sind, und spätestens eine EDV-gestützte Organisation sollte sofort Antwort darauf geben können, an welchen Standort der Patient auch bei einem Notfall am Wochenende gefahren werden muss. Leider hat der vortragende Chefarzt auf einer Propaganda-Veranstaltung für Stimmwild – ältere Damen, die nicht mehr viel verstehen und sowieso dem Gott in Weiß bedingungslos vertrauen – zu dieser Frage, ob eine solche Organisation möglich ist, nicht Stellung genommen, sondern etwas anderes erzählt und später meinen Einwurf als Frage eines prinzipiellen Gegners abgekanzelt. Spätestens ab da hatten die ZK-Befürworter einen weiteren Gegner.

    Was den teuren Arbeitsplatz angeht: offenbar soll der im ZK vorhanden sein, was mich erneut die Frage stellen ließ, ob ein gemeinsames Haus mit 3 Standorten nicht auch schwerpunktmäßig organisiert werden könne (s.o.). Das Eine wird schwerpunktmäßig am Standort A gemacht, das Andere am Standort B oder C. Auch damit wären Spezialisierungen und andere Probleme, die sich aus zu kleinen Häusern ergeben, erledigt. Auch darauf keine Antwort, sondern Ausflüchte bis hin zu „das ist gesetzlich verboten“, was ein wenig verwundert, denn einerseits nahm der Vortragende genau das 5 Minuten später zurück, und an anderen Häusern wird auch genau das gemacht (Teile der Uni-Klinik Münster sind z.B. über das ganze Stadtgebiet verteilt).

    Möglich, dass der eine oder andere Patient wegen der Schwerpunktbildung auch mal verlegt werden muss, aber für 300 Mio € könnte man das 5.000.000 Mal machen oder sogar auch mal einen Arzt mehr einstellen, wenn das sinnvoll ist.

    Helios wurde in dem Vortrag übrigens als Super-GAU bezeichnet. Das grenzte schon fast an Aussagen wie „der Patient muss bei einer Bauch-OP selbst den Finger auf die Knoten beim Zunähen halten“. Wie ein ZK mit Gewinn arbeiten soll, wenn die Einzelhäuser Verluste ohne Ende machen, wurde auch nicht weiter erläutert, wobei unterschwellig auch durchschien, dass das Publikum ohnehin zu doof sei, so was zu verstehen.

    Wenn alles sauber begründet ist, bin ich gerne für so etwas, aber wenn es darauf hinausläuft, dass eine halbe Milliarde auf den Kopf gehauen werden soll, weil man zufällig Zugriff auf irgendwelche Töpfe hat, die das hergeben, nicht. Der Staat fördert ohnehin in der Regel nur die teuerste und unwirtschaftlichste Lösung. Wenn die öffentliche Hand zu blöd ist, so was seriös zu begründen oder besser zu organisieren, dann soll das eben jemand wie Helios übernehmen.

    1. Stellt sich die Frage: welche medizinische Kompetenz besitzen sie, um urteilen zu können, wie oft man einen Patienten verlegen kann und ab wievielerlei Komplikationen pro Kilometer es möglich ist, sich drei Verlusthäuser zu leisten, anstatt in ein zukunftsfähiges zu investieren. Aber das ist wohl ein Problem der Wirtschaftswundergeneration.

      Ein Vergleich: stellen Sie sich vor, ihr Studentenbüro liegt in Emden, der Hörsaal in Leer, ihr Arbeitsbüro Inn Aurich, die Sekretärin in Emden und der Kopierer steht Norden und ihr Netzwerklabor in Emden.
      Wie wollen sie da effektiv arbeiten?

      Natürlich weiß der ortskundige Notarzt, wo man einen Patienten hinbringen muss, andere Patienten kommen vielleicht zu Fuß vorbei, ohne vorher (Medizin) zu studieren.
      Meine Quizfrage: zu welchem Arzt gehen sie mit Herzrasen und Bluthochdruck?
      Manche Patienten haben Läuse und Flöhe und brauchen interdisziplinäre Hilfe.
      Medizinisch und fachlich gibt es keinen Grund, der gegen das ZK spricht, den werden sie auch nach 4 Jahren mir nennen können.

      schön, dass das Thema von Menschen moderiert wird, die von der Materien überhaupt keine Ahnung haben.

  3. Da kann ich nur sagen „Danke gleichfalls!“ Ich könnte problemlos eine lange Liste von Ärzten aufmachen, deren medizinische Fachkompetenz man mit Recht anzweifeln kann.

    Ihr Studenten-Beispiel ist – mit Verlaub – ziemlich Panne, und Medizin wird natürlich auch nicht funktionieren, wenn man etwas derart stümperhaft organisiert. Niemand würde auf eine solche Aufteilung kommen, aber E-Technik und andere technische Fächer mit Schwerpunkt im Emden und BWL nach Aurich wäre überhaupt kein Problem. An Standorten mit alten Hochschulen ist Verteilung ohnehin Standard, angefangen z.B. in Oldenburg. Bei solchen Beispielen fragt man sich dann schon, ob so etwas ernst gemeint ist oder das wirklich die Organsitionsfähigkeiten eines Mediziners widerspiegelt.

    Was Ihr Patienbeispiel angeht, scheinen Sie nicht so ganz auf der Höhe der Zeit zu sein. Kassenpatienten müssen ohnehin ihren Hausarzt konsultieren, und der sollte wissen, wohin er seine Patienten schickt. Außerderm ist Telemedizin in anderen Ländern wie der Schweiz längst Standard und wird auch in der BRD immer mehr von den Kassen ins Auge gefasst. Auch die können den Patienten i.d.R. recht genau dorthin schicken, wo er gut aufgehoben ist. Vielleicht wäre mal etwas Fortbildung angesagt ?

    Dass medizinisch und fachlich keine Gründe gegen das ZK bestehen, bezweifle ich nicht. Aber es verursacht immense Kosten, die keiner richtig absehen kann. Statt mir nun klar zu legen, dass die medizinischen und fachlichen Gründe gegen eine dezentrale Lösung so gravierend sind und zudem wirtschaftlich so große Vorteile entstehen, dass die Kosten gerechtfertigt sind, kommt Polemik in Form der Kompetenzbezweiflung, Wirtschaftswundergeneration und „keine Ahnung von der Materie“.

    Jedenfalls mit dieser „Arzt von Gottes Gnaden“-Allüre, die sich nicht rechtfertigen muss und Frager/Kritiker erst mal beschimpft, statt Sachargumente zu bringen, kommen Sie bei mir nicht weiter.

    1. Für Sie mag das Beispiel witzig sein, für den beatmeten IntensivPatienten, der für die Anlage eines Blasenkatheters ins Nachbarkrankenhaus transportiert werden muss, ist das lebensgefährlich. Außerdem bindet es einen Rettungswagen mit 2 Mann Besatzung, einen Notarzt und einen Notallsanitäter der den Notarzt befördert. Diese stehen in dieser Zeit nicht der Bevölkerung zur Verfügung. Und bei knapp 3 Notärzten im Kreis ist das schon doof, wenn einer wegen eines solchen oder ähnlichen Intensivtransports zwei Stunden nicht zur Verfügung steht. Mir scheint, mit der Problematik haben sich sich noch nie auseinander setzen müssen.
      Ihre Erläuterungen zum Thema Telemedizin treiben dann ihre Ahnungslosigkeit zur Spitze.
      Gut, als ITler können Sie vielleicht die meisten Probleme von heimischen Schreibtisch aus lösen, aber hin und wieder muss ein Arzt auch mal seinen Patienten anfassen und untersuchen.
      Vermutlich haben sie noch nie 24 Stunden in der Notaufnahme eines Krankenhauses gearbeitet. Wenn doch, würden sie verstehen, dass es mir ein Grinsen ins Gesicht treibt, wenn ich ihre romantische Schwarzwaldklinik Romantik lese. Würden alle Patienten – egal ob privat oder gesetzlich versichert – erstmal zu ihrem Hausarzt gehen, bevor sie mit ihren Wehwehchen das Krankenhaus aufsuchen würden, können wir eine Menge Arbeit und kosten sparen.

      Insofern, ihr Aufsatz war eine schöne Beschreibung der vollkommen Ahnungslosigkeit und zeigt einmal mehr auf, dass ein universitärer Abschluss und gar die Habilitation nicht davor schützt, das Internet mit völliger Inhaltslosigkeit und Schwachsinn vollgespamt wird

  4. Bitte, Sie eiern weiterhin herum und liefern keinerlei bewertbare Fakten. Irgendwelche Horrorbeispiele kann vermutlich jeder aus seinem Umfeld liefern. Mal zu Ihrem Blasenbeispiel:

    a) Trifft die beschriebene Situation auf den derzeitigen Zustand zu und hat sie bereits zu solchen Problemen geführt ? Jetzt gibt es ja drei Häuser.

    b) Wenn sie heute nicht zutrifft, unter welchen organisatorischen Bedingungen trifft sie dann auf ein dezentrales Gesamtkonzept zu ?

    c) Welche organisatorischen Alternativen gäbe es zu dem Problemkonzept aus b) ?

    d) Wie sieht die unzureichende Versorgung durch Notärzte im Detail aus, und zwar jetzt (auch 3 können zu wenig sein) und bei Berücksichtigung des Gesamtzeitverlustes durch solche Transporte (die ohnehin auch heute schon auftreten, wenn in eine Spezialklinik verlegt werden muss) ?

    Wenn Sie mir hier dauernd Ahnungslosigkeit vorwerfen, dann beheben Sie die doch! Bislang habe ich davon nichts bemerkt, genau wie auf diesen „Informationsveranstaltungen“. Kommen konkrete Fragen, wird gekniffen und das nächste miese Szenarium hervor gekramt, für das dann ebenfalls keine Daten geliefert werden, die entscheiden lassen, ob es relevant ist oder nicht. Jeder hätte gerne goldene Tellerchen, aber wenn er das denen gegenüber, die das bezahlen sollen, nicht hinreichend begründet, hat er Pech. Mein akademischer Hintergrund erlaubt mir zumindest, Fakten in Relation zu einander zu setzen, und da ist es Ihre verdammte Pflicht, die zu liefern, wenn Sie was wollen. Beschimpfungen sind aber nun mal keine Fakten.

    In Bezug auf Tele- oder Internetmedizin haben Sie anscheinend wirklich Fortbildung nötig. Lesen Sie doch zur Abwechslung mal Berichte, die selbst in seriöseren Zeitungen zu finden sind. Genau diese Argumente – Anfassen – sind auch dort zu finden – und werden von den Fernmedizinern weitgehend entkräftet. Wenn die Patienten in einer Videoschaltung sich selbst unter Anleitung des Arztes anfassen, sind nach den Fernmedizinern sehr zuverlässige Ergebnisse die Regel. Wenn notwendig, wird natürlich ein direkter Termin vereinbart. Nach Ihren Vorwürfen sind danach nicht nur ich, sondern auch alle Fernmediziner, unterstützende Kassen und berichtende Journalisten ahnungslose Idioten. Dumm für Sie, dass die Fakten zu den Fragen liefern, Sie nicht!

    Um das abzuschließen: ich möchte Fakten, und dazu frage ich auch nach. Was kommt, sind wüste Beschimpfungen und Gequängel, das eher an den Aufstand des Kleinkinds an der Supermarktkasse erinnert, wenn die Mama den Schokoriegel wieder zurück legt. Unter dem Eindruck dieser geistigen Unreife wird die Bewunderung, dass die Leute auch aufgrund des medizinischen Fortschritts immer älter werden, langsam durch das Erstaunen, dass das Lebensalter trotz der Medizin zunimmt, überdeckt.

    1. Das Problem ist, vor Verfassung Ihres Artikels haben sie sich nicht fünf Minuten die Mühe gemacht, die aktuelle Situation in deutschen Notaufnahmen (Stichworte: Überfüllung), noch der Krankenhäuser in ihrer Region (googeln sie mal, welche Abteilungen es noch in ihrer Region gibt, und was die leisten können). Mein erstes Beispiel ist schon heute A) Realität und B) mit statistischen Zahlen gefüttert worden. Eine Leitliniengerechte Therapie des Herzinfarkts ist in Emden heute nicht möglich und verlangt, verlegt zu werden. Die anderen Häuser können dafür keinen Schlaganfall bestmöglich behandeln. Erinnern sie sich an den Vergleich, wie es wäre, wenn sie jedes Mal zum kopieren eines Zettels nach Leer fahren müssten.

      Ferner: ich fürchte, ihre Erfahrungen mit der telemedizin übersteigen ihr Vorstellungsvermögen. Leicht möglich, wenn man sich im medizinischen Kontext nicht auskennt: man kann damit vielleicht einen Leberfleck in Afrika dank Smartphone-App beurteilen und der Radiologie muss nicht mehr im gleichen Haus sitzen. Auch der Kardiologe kann sich sein EKG weit entfernt angucken. Aber mit Fieber messen denkt man keine Therapie. Dafür benötigt man (zunehmend mehr) hochspezialisierte Ärzte, die eine gewisser Expertise besitzen oder erlangen können, etwas, das in den drei Minihäusern in Ostfriesland aktuell auch eher schwierig ist.

  5. Hm, auf der einen Seite soll ich mich informieren und was googlen, auf der anderen Seite sind die Informationen Unfug (Telemedizin). Was denn nun? Macht man sich die Mühe und geht auf Informationsveranstaltungen, bekommt man keine Antworten, sondern wird für doof verkauft. Informiert man sich, ist man nach Ihren Ausführungen auch wieder für doof verlauft worden. Erwarten Sie wirklich, dass man Ärzten vertraut, die aus Überheblichkeit nichts gelten lassen, aber auch keine Fragen beantworten?

    Das Meist, was Sie hier geschrieben haben, ist auch in der Info-Veranstaltung +- so gesagt worden. Sind Sie einer derjenigen, die solche Veranstaltungen abgehalten haben?

    Eine sehr teure Lösung ist die ZK, zu der dann als Folgekosten noch die leer stehenden Gebäude in den Städten hinzu kommen, nebst einigen anderen Kleinigkeiten, die mit dem ZK auch nicht mehr passen. Da ist es doch wohl legitim, wenn man sich als Bürger fragt „Geht es nicht auch anders?“. Diese Fragen wurden nicht beantwortet. Nun heult man rum und fragt „Was ist schief gegangen?“. Nun, ganz einfach, die sich ergebenden Fragen wurden nicht beantwortet. Und das seit mehreren Jahren, denn das Gerangel hat ja nicht erst mit dem Versand der Wahlbenachrichtigung angefangen. Ich habe vor ein paar Jahren mal eine Bekannte – damals aktives SPD-Mitglied im Landkreis – gebeten, sich doch mal um Informationen zu bemühen. Ergebnis: die Dame hat ihre Mitgliedschaft gekündigt, weil sie ausschließlich auf widerliche Parteiintrigen gestoßen ist, aber nicht auf irgendwelche sachlichen Informationen.

    Wundert Sie das wirklich, dass viele Bürger nun Nein sagen und JA ankreuzen, wenn sie Geldgräber wie BER, Elbphiharmonie, Stuttgart 21, Köln usw. vor Augen haben, bei denen auch intransparent rumgewurschtelt wurde?

    Wir haben uns nun mit 8 Kommentaren vergnügt, diesen eingerechnet. Was ist rausgekommen? Im Prinzip hätten 7 Worte genügt: web235 ist doof, und Lorenz hat Recht. Antworten gibt es trotzdem nicht.

    1. Den letzten Post von B. Lorenz lasse ich nicht mehr unmoderiert durchgehen, da das irgendwann mal ans Justiziable grenzt. Symptomatisch:

      …, und sie von mir verlangen, dass ich meine täglichen Erfahrungen beweisen soll, …

      Gut erkannt, Herr Lorenz! Genau darum geht es! Heutzutage muss das jeder. „Ich bin Fachmann und muss mich nicht rechtfertigen“ gilt vielleicht im Kaiserreich, aber nicht in einer modernen Demokratie, insbesondere wenn Sie was von der Gesellschaft wollen (nämlich eine ZK). Schade, dass Sie das als studierter Mensch das nicht verstehen wollen.

  6. Nachtrag: das ZK-Projekt ist gescheitert:

    http://www.focus.de/regional/niedersachsen/krankenhaeuser-ostfriesen-stimmen-in-buergerentscheid-ueber-klinikneubau-ab_id_7234340.html

    Im LK Aurich waren ca. 45% dagegen, in Emden aber 62% (bei in Summe ca. 48% Wahlbeteiligung). Damit ist zumindest dieser Plan Geschichte.

    Da die einhellige Meinung der ZK-Befürworter war, dass etwas geschehen muss, sind diese jetzt wieder am Zug, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Bleibt zu hoffen, dass man sich nicht wieder darauf verlegt, einfach zu mauern (über 2 Jahre bestand die Strategie darin, die Abstimmung mit formalen Tricks zu verhindern, statt in der Sache Werbung zu machen).

  7. Ja Glückwunsch! Eine Minderheit hat ein Projekt verhindert.
    Ich denke, du hast dir in der zwischenzeit ein paar Gedanken gemacht, was man mit den drei Kliniken so tun könnte? Nein? Macht nix, die anderen Gegner ja auch nicht. Und darum werde ich die Warnungen
    Meiner Frau stets im Ohr behalten, die nie wieder bei den Hinterwäldlern in Ostfriesland leben will.
    Es wird mindestens ein wenn nicht zwei Kliniken geschlossen. Ich wünsche mir so sehr, dass Emden geschlossen wird und Aurich zu einem leistungsfähigen Krankenhaus ausgebaut wird. Das gönne ich den Emdern!

    1. Danke! Und nein, ich habe mir nicht inzwischen Gedanken gemacht, ich habe mit schon vorher Gedanken über Alternativen gemacht, und dazu habe ich Fragen gestellt, wie aus meinen Ausführungen eindeutig hervorgeht (immer nur den 1. Satz gelesen?). Die wurden grundsätzlich abgeblockt und nicht beantwortet. Ich hätte aber gerne Antworten. Beispiel aus der Diskussion:

      Eine Leitliniengerechte Therapie des Herzinfarkts ist in Emden heute nicht möglich und verlangt, verlegt zu werden.

      Worin besteht die und warum geht das heute nicht? Wohin verlegt heute? Was ist organisatorisch möglich? So etwas lässt sich sicher in wenigen Minuten klären, und immerhin standen dazu über 2 Jahre Zeit zur Verfügung.

      Der Unterschied zwischen einem gut abgehangenen Steak und einem Patienten besteht gerade für Krankenhausärzte leider nicht selten darin, dass der Patient noch nicht, das Steak nicht mehr blutet. Ein Patient, der fragt (es geht immerhin um seinen Körper und nicht den des Arztes), ist ein Störfaktor ersten Ranges. Mag sein, dass das zum Teil den Arbeitsbedingungen geschuldet ist, aber die sind nicht Schuld des Patienten. Deinen Schlusssatz interpretiere ich in dem Sinn, dass es dir weniger um die Menschen geht als vielmehr um solidarische Standesempörung, weil deine Kollegen nicht bedingungslos ihr Spielzeug bewilligt bekommen haben und sich nun neue Gedanken machen müssen. Da bin ich doch richtig froh, dass du auf deine Frau hörst und wir Hinterfeldler (Wälder gibt es hier nicht) unter uns bleiben können.

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