Terror – Ihr Urteil

Um es vorab zu sagen, ich habe den Film ganz bewusst nicht gesehen. Laut Beschreibung war die Sache logisch eigentlich klar: es ging nicht um eine Aufrechnung von Leben (235 vs. 70.000), wie gerne fabuliert wird, sondern um eine Begrenzung des Schadens (235 vs. 70.235; die Passagier wären so oder so tot gewesen; wenn ich das falsch verstanden habe, möge man mich korrigieren). Was Juristen daraus machen, war absehbar, und das kann ich mir ersparen.

Im Prinzip war der Beitrag unnötig, denn das Bundesverfassungsgericht hat bereits 2006 anläßlich des Versuchs der Bundesregierung, einen entsprechenden Abschnitt in ein Gesetz aufzunehmen, entschieden, dass ein Abschuss einer Maschine, gleich aus welchen Gründen, unzulässig ist. Menschenleben spielen für Juristen keine Rolle, wenn irgendwelche Buchstaben auf irgendein Papier gedruckt wurden, oder etwas herber ausgedrückt, man muss schon einen erlesen perversen Charakter haben, um als anerkannter Jurist in solche Gremien berufen zu werden – und auch einen erlesen perversen Charakter als Parlamentarier, wenn man das Volk, das man vertritt, bedenkenlos Mördern und Terroristen ausliefert und gegen diese Form der Notwehr oder der Hilfeleistung klagt.

Die eindeutige Mehrheit der Zuschauer für einen Freispruch war nicht anders zu erwarten, das Lamentieren gewisser Politheinis und Journaille-Vertreter ebenfalls. Erschreckend für mich ist allerdings, dass 20% für schuldig plädierten. Sind diese Leute einfach zu primitiv, um zwischen Mord, Aufrechnung von Leben und Schadensbegrenzung, also Hilfeleistung für die 70.000 im Stadion, zu unterscheiden? Oder sind tatsächlich 20% der Bevölkerung geistig so daneben, dass sie jemanden, der von einem Dach aus Passanten durch gezielte Würfe mit Eisenteilen tötet, in Schutz nehmen, weil in irgendeinem Gesetz nur die Rede davon ist, dass er keine Steine verwenden darf, aber Eisenteile dort nicht auftauchen?

In die gleiche Kategorie passen die Vorgänge um den verhinderten Terroristen Jaber Al-Bakra in Sachsen. Als Vorgeschichte möge die Daschner-Affaire dienen, bei der juristisch festgestellt wurde, dass es auch einem überführten Kindesentführer und ~schänder nicht per Gewaltandrohung verwehrt werden darf, sein Opfer bestialisch umzubringen. Und nicht nur das Leben des Opfers ist nachrangig vor ein paar blauen Flecken, der Soziopath klagte und bekam auch noch Schmerzensgeld zugesprochen. Bei einem Wettbewerb in Sachen „angewandte Perversion“ hätte Juristen ausgezeichnete Chancen, Pädophilen und Sexualstraftätern die Goldmedaille streitig zu machen.

Als Normalbürger muss man sich in dem Fall, dass man beobachtet, wie jemand mit einem Messer auf einen anderen losgeht, aus juristischer Sicht anscheinend nicht fragen, ob man dem Angegriffenen helfen kann, sondern eher, ob man nach einer Hilfeleistung eine Chance hat, unerkannt zu entkommen. Ansonsten stellt man sich besser blöd, falls man nicht vorher noch abhauen kann: haut man dem Messerstecher eins auf den Schädel, läuft man nach der juristischen Logik Gefahr, Leben gegeneinander aufgerechnet und deshalb wegen Mordes belangt zu werden. Sich blöd stellen ist einfacher, und wenn ich mir die Gesellschaft so anschaue, scheint das ohnehin die Standardreaktion zu sein.

Zurück zu Al-Bakr, denn hier meldet sich noch jemand zu Wort, der Pädophile und Sexualstraftäter offenbar auch um die Silbermedaille bringen möchte: die Schmierenpresse, die aus reiner Destruktivität über die Behörden und Landesregierung herfällt (warum der Ministerpräsident vor dieser Bagage einknickt, muss er selbst wissen). Ereiferten sich diese Bessermenschen in den oben genannten Fällen noch für das mehr als fragwürdige Einhalten unpassender Gesetze, fallen sie nun mit der gleichen Begeisterung über die Betroffenen her, weil sie sich wortwörtlich an die Gesetze gehalten und für Al-Bakr nicht ein sächsisches Guantanamo oder ein KZ Sachsenhausen geschaffen haben (einfach widerlich: Anne Will im 1.; aber auch viele andere). Vorsätzliche einseitige (und sachlich falsche Auslegung) von Begriffen, Ignorieren jeder nicht genehmen Aussage oder schlichtes Lügen – keine Option wird ausgelassen. Warum? Nun ja, warum leckt sich der Hund seinen Arsch? Genau. Eigentlich sollte jedem, der von sich sagt „Ich bin Journalist.“ umgehen was aufs Maul gehauen werden, und wenn er fragt „Warum?“, gleich noch mal. Aber so lange sich niemand (noch nicht einmal verbal) gegen diese widerwärtige Bande zu Wehr setzt, wird sich nichts bessern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.