25.11.: Internationalen Gedenktag „NEIN zu Gewalt an Frauen!“

Es gibt Themen, mit denen komme ich nicht so richtig klar. Nicht thematisch, da habe ich keine Probleme, aber in Bezug auf die Fakten.

So behauptet (nicht nur) eine Studie,

mehr als jede dritte Frau hat in Deutschland physische oder sexuelle Gewalt erfahren

womit Deutschland international auf einem der Medaillenplätze liegt. Der Ton solcher Berichte ist so gestaltet, dass man als Leser in 2 von 5 Frauen, die einem auf der Straße begegnen , traumatisierte Opfer mit regelmäßiger psychologischer Betreuung sehen muss. Ist das so?

Wie kommen die Leute, die solche Studien durchführen, an solche Daten? Nach eigenen Angaben suchen ja nur 15-20% der Betroffenen Hilfe durch die Polizei oder Mediziner. Nicht, dass ich das Thema herunterspielen möchte, aber wieso sollten 4 von 5 Betroffenen in einer Studie etwas äußern, was sie ansonsten für sich behalten? Das Verhältnis scheint mir doch etwas merkwürdig. Und was heißt eigentlich „Gewalt“? Vermutlich hat jeder, ob Mann oder Frau, im Laufe seines Lebens die eine oder andere Rangelei mitgemacht, in der es auch mal blaue Flecke gab und man vielleicht etwas mehr abbekommen hat als der Gegner. Ist man deshalb bereits Opfer von Gewalt?

Schaut man sich die ausführlicheren Berichte an, so findet man einen Fragekatalog, der von „Sind Sie mal geschubst worden?“ bis hin zu „Hat jemand mit einem Messer auf Sie eingestochen?“ reicht. In einer Erhebung, die an der Uni Oldenburg durchgeführt wurde, genügt bereits das Ankreuzen von „Hat jemand einmal hinter Ihnen hergepfiffen?„, um zum Opfer von sexueller Gewalt zu werden (nicht wenige Frauen werden so etwas vermutlich auch als Kompliment auffassen). Anders ausgedrückt: die Spannweite geht von Fragen, die echte Gewalt betreffen, bis hin zu täglichen unangenehmen Ereignissen, die man schnell mal ankreuzt, wenn man so einen Fragebogen ausfüllt. Geschickt zusammengestellt könnten solche Umfragen auch ergeben, dass 100% der Bevölkerung bereits Opfer von polizeilicher Gewalt geworden sind, weil man sich durch eine Geschwindigkeitskontrolle oder ein Knöllchen wegen Falschparkens psychologisch erniedrigt fühlte.

Zudem sind diese Ergebnisse durch „Befragung von ca. 1.500 Frauen pro EU-Land“ erzielt worden. Im Klartext: man hat nur 1.500 gefunden, die sich beteiligt haben – von in der BRD ca. 35.000.000. Wie hoch die Quote der Abwinkerinnen war, wird nirgendwo erwähnt. In Oldenburg dürfte auch nicht jede Studentin teilgenommen haben, was zusätzlich noch den Personenkreis der Befragten (oder sollte ich jetzt besser Befragtinnen sagen?) einschränkt.

Das Thema als solches verdient sicher eine Thematisierung, aber eine solche Aufmachung, die qualitätsmäßig hinter den Schlagzeilen der BILD liegt, bewirkt bei mir eher das Gegenteil. Macher solcher „Studien“ kann ich nicht wirklich ernst nehmen.

 

 

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